Das Klassik-Prisma

 

 Bernd Stremmel

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6. Sinfonie F-Dur op. 68 „Pastorale“


Bereits in den ersten vier Takten sind wir Hörer in der Natur angekommen. Im 4. Takt bleibt die Musik auf einer Fermate auf der Dominante C-Dur stehen. An dieser Stelle habe ich immer das – zugegeben sehr subjektive – Gefühl des Stehenbleibens, ich atme tief ein und bin von der Landschaft eingenommen. Beethoven unterbricht hier bereits sein Hautthema, merkwürdig. Oder ist es nur als Einleitung, Motto gedacht, entsprechend den ersten Takten der etwa gleichzeitig entstandenen 5. Sinfonie? In den folgenden Takten 5-16 führt Beethoven ein neues ergänzendes Thema oder einen Thementeil ein, welches/-r jeweils viertaktig zunächst in den Bratschen, dann in den Violinen und zuletzt im kompletten Streicherchor erscheint. Dieser Abschnitt endet jedoch nicht, wie in der Klassik allgemein üblich, mit einem Ganzschluss zur Haupttonart F-Dur, sondern führt erneut zur Dominante C-Dur. Dieser Takt 16 wird nun unverändert achtmal wiederholt. Die 1. Geigen spielen immer wieder ein Motiv aus Achteln und Sechzehnteln, das sowohl aus dem Motiv von T. 2 als auch T. 8 abgeleitet ist, während die anderen Streicher und die beiden Hörner wie ein Bordoun auf C-Dur verharren. Das wäre recht eintönig, wenn nicht Beethoven alles unter einen kleinen Spannungsbogen gezwängt hätte, auf dessem f-Höhepunkt auch die beiden Fagotte das Motiv der Geigen verstärken sollen. Merkwürdig, dass nur wenige Dirigenten, wie Reiner, Böhm, Szell, Kletzki, Konwitschny, Schmidt-Isserstedt, Celibidache, Leinsdorf, Kegel, Gielen, Dohnanyi, Tennstedt, Münchinger, Harnoncourt, Marriner, Hogwood und Klemperer (aber nur beim Berliner Live-Mitschnitt) dies herausstellen. Kehren wir noch einmal zum Anfang zurück. Einige Dirigenten lassen ihre Orchester die ersten vier Takte langsamer als die folgende Musik spielen, quasi als Einleitung (Klemperer-60 und -64, Kempe, Münch, Cluytens, Davis, Abbado-WP u.a.), sehr langsam (Giulini, Markevitch, Celibidache) oder enden vor der Fermate mit einem mehr oder weniger deutlichen Ritardando (Mengelberg, Jochum). Solti verschafft in T. 13 f den Kontrabässen einen unaufdringlichen, aber unmissverständlich klaren Auftritt. Bei einigen Dirigenten spürt man nach der Fermate deutlich einen Vorwärts-Impuls: es muss weitergehen, nicht unnötig verweilen (z. B. Dorati). Während der Fortspinnung des 1. Themas (T. 25 ff) bleiben Celli und Kontrabässe auf F-Dur, im Abgesang (T. 115 ff) auf C-Dur stehen, das weitet den musikalischen Raum. Im zweiten Thema T. 67-93 sind zwei unterschiedliche Thementeile miteinander kombiniert. Der erste ist eine immer wieder fallende Melodie aus Achteln, zweitaktig legato gespielt, der zweite beginnt mit zwei langgezogenen Tönen (Quartsprung) und erfährt dann mit Vierteln und Achteln eine Beschleunigung (jeweils 8 Takte), nach der ersten Durchführung wird dieser Thementeil, übrigens in Engführung (= während ein Instrument den Thementeil spielt, setzt ein anderes erneut ein), zum Höhepunkt geleitet. Ansermet, Mrawinsky, Celibidache, Kubelik-DG, Marriner, Immerseel, Nelson, Vänskä halten diesen Teil für wichtiger als die Achtelbewegung. Sehr gut eingefangen sind beide Thementeile gleichzeitig zu verfolgen z. B. bei Furtwängler, Klemperer-57, Reiner, Paray, Szell, Konwitschny, Schmidt-Isserstedt, Swarowsky, Leibowitz, Markevitch, Gielen, Blomstedt, Giulini-68, Kegel, Maazel, Abbado-Rom und Fey. Mitropoulos scheint die Achtelbewegung für wichtiger zu halten. Sehr deutlich ist diese bei Klemperer-POL 57 zu verfolgen.

Auch in der folgenden Durchführung (T. 139-279, drei Abschnitte) nutzt Beethoven in den ersten beiden Abschnitten das längere Verharren auf einer Tonart (B-Dur, D-Dur, G-Dur, E-Dur) als Gestaltungsprinzip. Man kann nicht ausschließen, dass sich Schubert für den Schlusssatz seiner 9. Sinfonie oder Bruckner hier anregen ließen. Trotz des vermeintlichen Stillstehens bleibt die Musik, die das Motiv des 2. Taktes fortwährend mit den selben Tönen perpetuiert und gleichzeitig mit langgezogenen Tönen ergänzt, immer in Bewegung. Beethoven zwängt gleichzeitig die Musik jeweils unter einen großen Crescendo-Bogen T. 151-175 und T. 197-220. Das vermittelt der Musik Sogwirkung, der in einem ff-Höhepunkt seine Kraft verliert: T. 175 ff bzw. 221 ff. Anschließend löst er das Motiv auf, übrig bleiben nur die letzten beiden Achtel, die gemeinsam von Fagott und den 1. Geigen viermal wiederholt werden. Dann führt der Komponist seine Zuhörer auf das Glatteis: bereits T. 191 und dann noch einmal T. 237 meint man den Eintritt der Reprise zu vernehmen, diese erweist sich jedoch jeweils als sogenannte Scheinreprise, da u.a. die falsche Tonart, nicht F-Dur, erscheint.

Wie setzen nun unsere Dirigenten die Durchführung um? Wenn jeweils das Crescendo behutsam angegangen wird, stellt sich die beschriebene Sogwirkung ein, so z. B. bei Mengelberg, Beecham, Kleiber, Steinberg, Ormandy, Scherchen, Mrawinsky, Kegel, Weller, Ashkenazy, Norrington-LCPL, Gardiner und Immerseel, weniger bei Sabata, Lehmann und Haitink, kaum Sog bei Rattle. Skrowaczewski macht aus einem großen Crescendo-Bogen zwei kürzere, Mitropoulos, Peter Maag und Pletnjew insbesondere zergliedern ihn gar in vier Abschnitte, da kann sich die Spannung jedoch nicht recht aufbauen, bei letzterem klingt dies sehr zahm. Ob es sinnvoll ist, vor den beiden Scheinreprisen jeweils noch das Tempo zu verlangsamen, möchte ich bezweifeln, wir hören es deutlich bei Weingartner, Mengelberg, Furtwängler-RAI, Mitropoulos, Kletzki, Leinsdorf, Harnoncourt, van Zweden, Maag. Der dritte Teil der Durchführung T. 241-278 stützt sich auf die Anfangstakte 9-12 und mündet in die zugegeben nun versteckte Reprise, jetzt in der Haupttonart F-Dur. Bei den meisten Interpreten nimmt man den Eintritt der Reprise nicht wahr, es sei denn, man kennt die Stelle genau und ist darauf vorbereitet. Bernstein-WP bringt dies sehr deutlich. Viele Dirigenten entwickeln hier pädagogische Absichten: Um die Hörer deutlich den Beginn der Reprise aufzuzeigen, quasi mit der Nase darauf zu stoßen, verlangsamen sie vorher das Tempo, so Giulini-NPOL und Pletnjew, die bereits ab T. 275 das Tempo stark abbremsen; Kempe, Kubelik und Maag treten etwas weniger auf die Bremse. Völlig ohne Ritardando erreichen z. B. Tennstedt und Skrowaczewski die Reprise in T. 279. Um der Deutlichkeit willen bremsen hier etliche das Tempo ab: Furtwängler, Giulini-DG, Jochum, Wand, Celibidache u.a.. Ein Sonderfall ist wieder Willem Mengelberg, der das Tempo bis zum Stillstand auf dem Triller der Violinen drosselt. Diese Trillerstelle entspricht formal gesehen dem 4. Takt (Fermate) des Beginns.

2. Satz: In der Partiturausgabe von Breitkopf & Härtel, die fast alle Dirigenten bis zum Erscheinen kritischer Neuausgaben z.B. von Jonathan Del Mar oder Gülke/Hauschild ihren Interpretationen zu Grunde legten, sollen die beiden Solo-Cellisten, die klanglich gegenüber den anderen Streichern sowieso im Nachteil sind, ihr Instrument mit Dämpfer spielen, eigentlich sehr merkwürdig! Die Editoren der revidierten Ausgaben entlarvten dies als Übertragungsfehler während des Erstdruckvorgangs und fügten folgerichtig auch den übrigen Streichern das „con sordino“ hinzu. So spielen nun die Streicher bei Orchestern mit Originalinstrumenten sowie bei HIP-Aufnahmen alle mit Dämpfer, als Folge klingen die Streicher nun ausgewogener. In diesem Satz ist es wichtig, dass die Musik immer im Fluss bleibt, dass sie singt. Dazu runden Celli und Kontrabässe immer wieder mit gezupften Noten die Musik ab, diese dürfen nicht stumpf sondern duftig klingen, ebenso auch im Finalsatz. In der Durchführung zeigen aufmerksame Dirigenten auf die beiden leisen Fagotttöne in T. 25 und 26, so Pfitzner, Münch, Szell-CO, Krips, Ormandy, Mrawinsky, Tennstedt und Mackerras-06. Im Takt 64 spielen Flöte und Oboe abwechselnd im Duett, in herkömmlichen Aufnahmen gebunden, in neueren auch non legato, z. B. Skrowaczewski. Gerade im 2. Satz ist nicht zu überhören, dass Beethoven der Klarinette eine herausragende Rolle zumisst, auch das Fagott wird nicht, wie so oft, stiefmütterlich behandelt, dagegen müssen Flöten und Oboen zurücktreten.

Der 3. Satz „Lustiges Zusammensein der Landleute“ mutet formal etwas merkwürdig an: nach einleitenden Melodien der Streicher und Bläser finden beide zu einem kurzem derben Tanz zusammen, der mit schmetternden Hörnern beendet wird (müssen die gepflegt spielen oder dürfen sie auch derb klingen wie bei Szell?) und zugleich ins Trio überleitet. Hier lösen sich Oboe, Klarinette und Horn mit einer anfangs hüpfenden Melodie einander ab, während sie von Streichern (Oboe), Fagotten (Klarinette) und wieder Streichern (Horn) begleitet werden. Beethovens Humor blitzt für mich in diesen Takten auf, wenn er die Oboenmelodie sowie die des Horns zweimal mit Einwürfen des Fagotts „kommentiert“, die der Klarinette mit Bratschen und Celli. Bei Oboe und Klarinette sind die Kommentare immer recht präsent zu hören, beim Horn geht das Fagott bei der Hälfte der hier untersuchten Aufnahmen verloren, oder wird viel zu leise gespielt, was ich nicht im Sinne des Komponisten sein kann. Nach dem Trio wechselt Beethoven das Metrum, statt ¾ nun 2/4 -Takt, und das volle Orchester spielt nun laut mehrmals hintereinander in wechselnder Instrumentierung eine kurzatmige viertaktige Melodie, die auf zwei langgezogenen Tönen endet. Danach ist für diesen ersten Teil eine Wiederholung vorgesehen, die jedoch nicht immer befolgt wird. Nach dem ersten Teil wird die Musik, die vor dem Trio erklang, wiederholt, dabei jedoch auf weniger Takte komprimiert. Außerdem verfügt Beethoven ab dem Ende von T. 234 ein Presto für das ganze Orchester. Bei Erich Kleiber bricht es elementar herein, auch sein Sohn Carlos, Münch, Ormandy, Lehmann, Otterloo, Paray, Solti, Sawallisch, Abbado, Zinman u. a. bringen die Stelle überzeugend heraus. Einige Dirigenten stellen sich selbst ein Bein, wenn sie vier Takte vor dem Presto schon das Tempo beschleunigen, dann muss die Wirkung ausbleiben, wie z .B. bei Skrowaczewski. Peter Maag hat sich etwas Besonderes zurecht gelegt: T. 223-230 drosselt er das Tempo deutlich, dann wird wieder vor dem Presto schneller gespielt, womit die eigentliche Presto-Überraschung ausbleibt. Insgesamt sollte der Satz nicht zu schnell angesetzt werden, sonst verliert er einen großen Teil seiner Wirkung und ist ein bloßes Virtuosenstück. Übrigens verwendet B. in diesem Satz keine Pauke.

Der 3. und 4. Satz „Gewitter, Sturm“ gehen nahtlos ineinander über. Während dieses Satzes müssen Celli und Kontrabässe immer wieder Tremoli (ganz schnelle Sechzehntel-Noten), Sinnbild für Unheimliches und Bedrohliches, spielen, auch sogleich in den beiden ersten Takten. In den Takten 9 und 10 schreibt B. noch ein Crescendo hinzu, dieses wird meist wenig wahrgenommen, bei Kubelik wird diese Stelle in den beiden Takten zu einem kleinen Ereignis, auch gut bei Abbado-Rom und Herreweghe. Nach den Donnerschlägen in T. 43 f und 47 f lassen Ansermet, Kubelik-67 und Markevitch die 2. Geigen und Bratschen nicht sofort sondern einen Augenblick später ins pp zurücksinken, ein magischer Moment! Ab T. 70, mehr noch T. 72 bekommt die Musik etwas Fliehendes, weil nun das Gewitter noch einmal und zudem bedrohlicher zurückkehrt. Dafür stehen die Achtelnoten in den 1. Geigen und der Flöte, die immer höher steigen und lauter werden, dazu erklingt ein 2-Ton-Motiv im Halbtonschritt im Fagott, der Klarinette und Oboe, beim erstenmal ges-as, beim zweitenmal as-b. Außerdem rumoren Celli und Kontrabässe im Keller des Orchesters (Toscanini, Scherchen-51, Immerseel, Nelson, P.Järvi) . Sehr überzeugend klingt die Stelle (T. 72-78) u. a. bei Reiner, Szell, Münch, Scherchen-58, Krips, Schmidt-Isserstedt, Kletzki, Markevitch, Kubelik-67, Maag, Giulini, Gielen, Abbado-Rom, Herreweghe, Brüggen und Gardiner. Sabata, Giulini-LA heben T. 78-88 die Basslinie besonders hervor. Thomas Fey facht das Gewitter zusätzlich an, indem er jeweils die Viertelnote der Basslinie, von B. durch ein sf verstärkt, dem folgenden Paukenschlag gegenüberstellt (T. 79-82), das bringt kein anderer Dirigent so deutlich heraus, überzeugend! Zur Heftigkeit des Gewitters tragen auch die Hörner und Trompeten bei, die bewusst spärlich erklingen und nur bei besonderen Stellen hervortreten sollen, so die Hörner ff T. 84, leider nur selten besonders herausgestellt (gut bei Dohnanyi, Tennstedt). Zuletzt setzt der Komponist noch das kleinste Blasinstrument, die Piccoloflöte, ab T. 82 ein, in den Takten 93-95 klingt sie richtig Angst einflößend (nicht bei Swarowski, Bernstein-NY, Masur, Goodman). Nun lässt sich etwas Merkwürdiges beobachten: Furtwängler, Jochum, Karajan, Klemperer-BP, Cluytens, Sejna und Maazel lassen die Piccoloflöte in den Takten 97-99 sowie 101-103 eine Oktave höher spielen, wie beim ersten mal. Scheinbar hat ein Dirigent der Berliner Philharmoniker die Oktavierung in die Stimmen geschrieben und alle späteren, sogar der gestrenge Klemperer-64, haben es übernommen, weil es an dieser Stelle sehr überzeugend klingt. Furtwängler ist mit dieser Version auch nach Wien gegangen und Jochum nach Amsterdam und London!

Zwei Instrumentalisten warten jetzt schon eine halbe Stunde auf ihren Einsatz, um den absoluten Höhepunkt des Gewitters T. 106 ff zu markieren, die beiden Posaunisten. Verdi und Tschaikowsky hätten für dieses Tutti nicht wie Beethoven ff, sondern ffff vorgesehen. Manche Dirigenten haben nicht verstanden, dass beim Einsatz der Posaunen und dem ff, vorher nur f, nun der Teufel los sein muss, verzeihen Sie den Vergleich, ist nicht zu glauben. Beethovens Vorstellung treffen Pfitzner, Mengelberg, Schuricht, Monteux, Klemperer, Furtwängler (außer RAI), Sabata, Münch, beide Kleibers, Mrawinsky, Jochum, Keilberth, Cluytens, Giulini, Markevitch, Kletzki, Wand, Kubelik, Bernstein-WP, Kegel, Ashkenazy, Abbado-BP, Harnoncourt, Norrington, Brüggen-11, Gardiner, Hogwood, Immerseel und Fey. Felix Weingartner hebt sogar die Posaunen besonders hervor. Danach zieht das Unwetter ab und die Natur beruhigt sich, einiges Donnergrollen hört man noch von Ferne (T. 137-143), bis Klarinette und Horn das Finale, „Hirtengesang – frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm“, mit einer pastoralen Melodie aus Naturtönen einleiten. Leise sollen Bratschen (Klarinette) sowie Bratschen und Celli (Horn) die Hirtenmelodie begleiten, so wünscht es der Komponist. Richtig gelesen und ernst genommen hat diese Stelle nur Arturo Toscanini, der die Streicher zu einem deutlichen notierten ta-ta-taaa anhält! Szell, Giulini-NPOL und Brüggen-11 bringen es etwas leiser, auch Chailly und Thielemann, den Rest kann man „vergessen“. Mit T. 9 beginnt das Hauptthema, abgeleitet aus der Eingangsmelodie und klassisch geformt zu acht Takten, zunächst vorgetragen von den 1. Violinen, dann von den 2. Violinen und als erster Höhepunkt des Satzes von Hörnern, Klarinetten, Bratschen und Celli. Während die Hörner das Thema mit Kraft vortragen, suchen die Ohren die restlichen Instrumente meist vergebens. Nur Sabata, Szell-NY, Norrington-SWR, Zinman, van Zweden und Antonini entsprechen Beethovens Vorstellung. Haitink lässt in Umkehrung die Streicher deutlicher erklingen als Hörner und Klarinetten. In den Takten 54-56 kommt die Exposition des in Sonatenform geschriebenen Satzes zu ihrem Höhepunkt, im ff und wieder durch die Posaunen verstärkt. Viele Dirigenten lassen unverständlicherweise über diese paar Takte hinweg spielen, nur bei Furtwängler, Szell, Ormandy, Scherchen, Krips, Ferencsik, Dorati, Kempe, Brüggen und Immerseel hören wir deutlich, wie es Beethoven gemeint hat. Giulini und Kubelik unterstreichen die Absicht noch mit einem deutlichen Ritardando, Tennstedt etwas weniger. Auch am Ende der Durchführung erleben wir einen ähnlichen ff-Höhepunkt (T. 107 f), richtig gut getroffen klingt er bei Scherchen, Münch-55, Kletzki, Kempe, Kubelik-67, Brüggen und Immerseel. An dieser Stelle soll noch einmal an die vielen Pizzicati der Celli und Bässe erinnert werden, die den ganzen Satz auflichten, so sie denn auch duftig gespielt werden. Weder Weber, Schubert, Mendelssohn und Schumann erkannten ihren Ausdrucksgehalt. Erst Johannes Brahms knüpfte hier an, nicht nur in seinen Sinfonien, sondern auch in seiner Kammermusik mit Streichern. Zu Beginn der Reprise wird die Hauptmelodie von 2. Geigen und Celli gezupft, dann im Duett von 1.Violinen und Bratschen und schließlich von den Hörnern, die die Violinen nachahmen, während das restliche Orchester nur eine klangliche Stützfunktion einnimmt, dies entspricht genau der Abfolge der Exposition. Mir ist völlig unverständlich, warum nur ganz wenige Dirigenten den Hörnern ihren in der Partitur vorgesehenen Platz einräumen: das Wissen um die Funktion der Hörner an dieser Stelle scheinen nur Kletzki, Maazel, Skrowaczewski und Dohnanyi zu haben. Ohne dass B. ausdrücklich am Ende des Satzes ein langsameres Tempo vorsieht, klingt der Satz meist ab T. 237 ruhig aus.



Kegel

Dresdner Philharmonie

Capriccio

1983

41‘54

5

W W – I sehr durchsichtig, Partitur gelüftet, II was alles in T. 13-16 passiert, hört man kaum woanders, IV T. 130 ff intensive Bassstimme, V zu Beginn sofort im Tempo, wunderbare Pizzicati, unbeschwert, leicht

Kleiber, Erich

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Decca

1952

41‘19

5

- W

Dohnanyi

Cleveland Orchestra

Telarc

1986

42‘12

5

W W – I sofort nach der Fermate im Allegro-Tempo, federnd, positives Lebensgefühl ausstrahlend, II abwechslungsreich, viel Atmosphäre, duftende Pizzicati, III alles klingt Hochglanz-poliert


Kleiber, Erich

London Philharmonic Orchestra

Decca Dutton

1948

38‘37

4-5

- -

Kleiber, Erich

Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester

medici arts

1955

43‘25

4-5

- W, live

Kleiber, Erich

Sinfonie-Orchester des NDR

Tahra

1953

39‘26

4-5

- - , live

Kleiber, Erich

Tschechische Philharmonie

EMI

1955

43‘42

4-5

- W, live

Furtwängler

Berliner Philharmoniker

SWF

1944

43‘18

4-5

- W, live

Furtwängler

Berliner Philharmoniker

audite u. a.

1947

42‘13

4-5

- W, live

Furtwängler

Berliner Philharmoniker

audite

WFG u. a.

1954

44‘27

4-5

- W, live

Kleiber, Carlos

Bayerisches Staatsorchester

Orfeo

1983

35‘31

4-5

- - , live – I kein Schlendern, eher ein Laufen längs des Bachs, frisch musiziert, II flüssig, sehr schöne Bläserdetails, IV ausdrucksvoll, V lebendig und fröhlich

Rattle

Wiener Philharmoniker

EMI

2002

44‘26

4-5

W W, live – I dynamische Palette ausgereizt, II Orchesterinstrumente sehr schlank geführt, völlig entfettet, schöne Bläserdetails, IV alles sehr genau vorgetragen, jedoch kein elementares Ereignis, V Tempo könnte etwas lebhafter sein

Walter

Philadelphia Orchestra

Columbia

M&A

1946

38‘33

4-5

- W

Blomstedt

Sächsische Staatskapelle Dresden

Berlin Classics

1977

41‘26

4-5

- W, I intensive Darstellung des 2. Th., sehr durchsichtig, II bewegt, alles kommt wie selbstverständlich, III dynamische Differenzierung könnte noch besser sein, V erfüllter Ausklang

Reiner

Chicago Symphony Orchestra

RCA

1961

40‘40

4-5

- - , I lässt sich Zeit, Musik kann atmen, II langsam, keineswegs schleppend, III immer im Tempo, IV T. 43/47 Tremolo der 2. Geigen und Bratschen kein sf sonders etwas längeres f, nach dem Gewitter ist keine Erleichterung zu spüren, dass es vorbei ist

Monteux

Wiener Philharmoniker

Decca

1958

41‘18

4-5

W W – lebendiges, organisches Musizieren, V Klarinette etwas zu leise, duftende Pizzicati, lebendiger, fröhlicher Ausklang

Sejna

Tschechische Philharmonie Prag

Supraphon

1953

38‘32

4-5

- - , trotz des Alters immer transparentes Klangbild, in allen Sätzen lebendiges, inspiriertes, vielschichtiges und farbenreiches Musizieren, nie Routine, immer im Tempo, manchmal etwas raue Geigen

Klemperer

Philharmonia Orchestra London

EMI

1957

45‘50

4-5

W W

Klemperer

Berliner Philharmoniker

Testament

1964

46‘34

4-5

W W, live

Krips

London Symphony Orchestra

Everest Lingen Deutsche Austroton Bescol

1960

40’48

4-5

- W – im Tutti kompakter Klang, aufgrund der digitalen Aufbereitung etwas künstliches Klangbild, I frisch musiziert, II duftig, lebendig, III nicht gehetzt, IV heftiges Gewitter, V lebendig, froher Ausklang

Sawallisch

Concertgebouw Orchester Amsterdam

EMI

1991

43‘10

4-5

W W – I Routine ohne Schlamperei, 2.Thema indifferent, II immer in großen Bögen musiziert, immer belebt, V fröhlicher Ausklang, Hörner T. 133 ff ?

Szell

Cleveland Orchestra

CBS Sony

1964

41‘28

4-5

- W – sehr durchsichtig, Szell nimmt sich Zeit für Details, I T. 277: im Sinne der Deutlichkeit unterstützt Trompete den Holzbläser-Akkord, II Holz und Streicher bestens austariert, Fagott T. 69 f etwas zu leise, III rustikale Hörner, IV T. 70-77 sehr gut, V lässt sich Zeit, Einsätze der Nebenstimmen werden dezent hervorgehoben, noch etwas langsamer als 1955

Szell

New York Philharmonic Orchestra

CBS UA

1955

40‘00

4-5

- W – wie 1964, nur nicht stereo, eigentlich nicht nötig, da sehr durchsichtig, I im selben Tempo wie früher, II etwas unruhig, Pizzicati der Bässe nicht so duftig, III rustikale Hörner, V erfülltes Musizieren

Walter

Wiener Philharmoniker

EMI

1936

38‘28

4-5

- W

Sabata

Orchestra Santa Caecilia Roma

Andromeda

1947

40‘11

4-5

- W – etwas entferntes Klangbild, I großes Crescendo T. 5-14, II glückliche Zeit am Bach, III schnell, IV Basslinie T. 78-88 betont, V gelassen – liederliches Mastering: Schnitt in T. 155 mitten im Flötensolo

Solti

Chicago Symphony Orchestra

Decca

1973

44‘41

4-5

W W – durchsichtiges Klangbild, I bewegt, aber nicht forciert, Durchf.: T. 151-174 und T. 197-220 Bratschen und Celli viel zu leise, II Solti lässt sich Zeit, Musik jedoch immer im Fluss, Atmosphäre, III mit drängendem Impuls, IV saftig, V fröhlicher Abschluss

Lehmann

Orchestre des Cento Soli

Le Club Français du Disques

forgotten records

1954

45‘48

4-5

W W – trotz des Alters durchsichtiger Klang, Lehmann versteht es, auch bei moderatem Tempo Spannung zu erzeugen, I man hört förmlich, wie die Natur erwacht

Böhm

Wiener Philharmoniker

DGG

1971

45‘38

4-5

W W – klangschöne Aufnahme, durchsichtig, I Musik entwickelt sich von selbst, Pizzicato der Bässe etwas zu stark, sie hätten stattdessen duftiger ausfallen können, III und V etwas ausgezirkelt

Leibowitz

Royal Philharmonic Orchestra

Chesky

1961

42‘45

4-5

W W – spitze Oboe – I frisch, Flöte: Doppelschlag T. 46-49?, II lebendig, Holzbl. insgesamt etwas zu leise, III Flöte T. 173?, IV beeindruckend – Orchester (Streicher) nicht immer top

Scherchen

Orchester der Wiener Staatsoper

Westminster

Tahra

1951

38‘32

4-5

- - , gutes Klangbild, jedoch manchmal etwas scharf, sehr klar, I vitales Musizieren, kein Verweilen, II erfülltes Musizieren, Musik immer im Fluss, IV deutliche Vc und Kb T. 68 f, 72-77, Kb T. 144-153!, V Orchester etwas rau

Abbado

Wiener Philharmoniker

DGG

1986

44‘16

4-5

W W – I einige Rubati, obwohl objektiv schneller, wirkt diese Darstellung langsamer als die aus Berlin, viele Motive ganz deutlich gezeichnet, II bewegt, IV Vl.1 T. 70 ff mit Angst fliehend, lebendig, differenziert

Bernstein

Wiener Philharmoniker

DGG

1978

44‘27

4-5

W W, live – Klang etwas kompakter als bei NYPO, orchestral gepflegter, II trotz langsamen Tempos klingt es lebendig, V stellenweise ganz zart, Thema nicht dick aufgetragen

Vänskä

BBC Scottish Symphony Orchestra

BBC music

1998

40‘36

4-5

W W – I T. 127-135 diminuendo bis zum unhörbaren, fast ohne Vibrato, II mit Hingabe, V lebendig, Spannung fällt etwas ab

Haitink

London Symphony Orchestra

LSO Eigenlabel

2005

41‘20

4-5

W W, live – I stimmig musiziert, plötzlich insistierende Hörner T. 308 ff, II „..und ewig singt der Bach..“, IV mit Einsatz, V aufmerksames Dirigat, Musik immer im Fluss

Haitink

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Philips

1986

44‘54

4-5

W W – I durchsichtig, II gelungen, III zu gelassen, IV nicht elementar, V T. 25-31 Bratschen und Celli deutlicher als Hörner

Schuricht

Conservatoire Orchester Paris

EMI

1957

39‘05

4-5

- W – Klangbild noch nicht optimal aufgefächert, I undeutliche Artikulation in T. 37 f und 312 f, II Musik immer im Fluss, III etwas schnelleres Tempo als 1943, die Wdhlg. noch ein wenig schneller, IV dramatisch, V lebendig

Kubelik

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

audite

1967

41‘49

4-5

- W – von Streichern dominierter Orchesterklang, I konzertant, Crescendo statt T. 151 erst ab T. 171, bzw.T. 197 – T. 217: verkleinert den Spannungsbogen!, II trotz des langsamen Tempos sehr bewegt, Musik blüht auf, III Begleitung Streicher T. 132-152 hervorgehoben, gut!, V 1. Geigen beim Einsatz des Themas gleich zu dick, T. 64 ist das angebracht, T. 133 ff Hörner zu leise

Barenboim

Staatskapelle Berlin

Teldec

1999

44‘32

4-5

W W – I ausgewogenes Klangbild, differenziert gespielt, könnte etwas schneller sein, II flüssig, das Murmeln des Baches könnte etwas präsenter erscheinen, IV T. 70 ff angsterfüllte Geigen

Ferencsik

Ungarische National-Philharmonie Budapest

Hungaroton Delta

1975

39‘19

4-5

- - , Orchesterklang etwas rau, I zweimal starkes Crescendo in der Durchführung, II mitteilsamer Bach, duftiger Klang, duftige Pizzicati, III schönes Trio, IV unheimliches Tremolo der Vl. 2 und Bratschen, V gelungener, lebendiger Ausklang

Giulini

New Philharmonia Orchestra London

EMI

1968

44‘47

4-5

- W – I in gemessenem Tempo, G. lässt die Musik sich entwickeln, alles sehr deutlich, II trotz langsamen Tempos bewegt, Musik liebevoll nachgezeichnet, III gewichtig, IV überzeugend, V etwas zu getragen


Giulini

Los Angeles Philharmonic Orchestra

DGG

1979

44‘01

4

- W, I wie 1968, jedoch nicht mehr so pointiert, III Presto verschenkt, IV heftig, die Basslinie T. 78-88 betont, V gewichtig und etwas schwerfällig

Wand

Sinfonie-Orchester des NDR

Hamburg

DHM/RCA

1986

44‘46

4

W W, I gelassenes Tempo, keine Eile, durchsichtiges Klangbild, intensiv gestaltet, Durchf.: Wdhlg. der T. 139/40 ein klein wenig leiser, bei der Fortsetzung T. 149/50 allerdings nicht, II bewegt, III keine Eile, IV kein bedrohliches Gewitter, präsente Bässe T. 68 f und 72-77, V keine Streicher T. 1-8?, Pizzicati zu leise T. 9 ff und T. 64 ff – insgesamt mehr korrekt als herzlich

Kempe

Münchner Philharmoniker

EMI

D-classics

1972

39‘48

4

- W, I bedächtig, Musik kann ausschwingen, II immer belebt, schöne Pizzicati, III kein Presto T. 235, da vorher schon zu schnell, IV Gewitter mittlerer Stärke, V duftige Pizzicati, Hörner T. 133? – dem Klangbild fehlen Farben, etwas grau

Walter

Columbia Symphony Orchestra

CBS

1958

41‘03

4

- W

Chailly

Gewandhausorchester Leipzig

Decca

2009

38‘18

4

W W, fabelhafte Orchesterleistung, I Musik ohne Widerstand, poliert, leicht und locker, 2. Th. nicht so deutlich, II differenziert gespielt, „schnell weg vom Bach!!“, III glatt, VI wie ausgewechselt, sehr viele Details, Stimmverläufe werden gut nachgezeichnet

Scherchen

Orchester der Wiener Staatsoper

Westminster

1958

34‘11

4

- - in den ersten beiden Sätzen viel schnellere Tempi als 1951, I ganz andere Sicht auf diesen Satz, kein Verweilen, II sehr bewegt, ohne Ruhepunkte durch den Satz, mehr auf das Tempo als auf die Musik geachtet, III Allegro, ganz entspannt, IV T. 72 ff sehr gut, Vc und Kb nicht mehr so präsent wie 1951, V Orchester hier gepflegter

Dorati

London Symphony Orchestra

Mercury

1962

41‘09

4

W W, I Vorwärts-Impuls, II Musik im Fluss, Pizzicati könnten etwas duftiger sein, III Allegro molto, Landleute auf dem Sportplatz? V lebendiger Ausklang, Vl. 1 bei Sechzehntel-Läufen nicht top

Steinberg

Pittsburgh Symphony Orchestra

EMI

1952

43‘57

4

W W, erstaunliche Klangqualität, sehr durchsichtig, I T. 97 f Oboe und Fagott liebevoll bei der Sache, II Einsätze der Holzbläser immer sehr prägnant, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger, Pizzicati könnten etwas duftiger sein, IV harmloses Gewitter ohne Pauke, V warum schreibt Beethoven Posaunen in die Partitur?, Vl. 1 T. 237-244 ganz zart!

Mitropoulos

Minneapolis Symphony Orchestra

Columbia u. a.

1940

39‘21

4

- W, Klang erstaunlich präsent, I Musik immer im Fluss, II sehr deutlich, belebt, IV Pauke ohne Kern, moderat, V zähes Tempo

Cluytens

Berliner Philharmoniker

EMI

1960

43‘40

4

- W, viel mehr Klang als 1955, II „und immer wieder murmelt der Bach“, III etwas beherzterer Zugriff als 1955

Thielemann

Wiener Philharmoniker

Sony

2010

45‘23

4

W W – live, Thielemann breitet mit Ruhe und Umsicht die Partitur aus, in den Sätzen 1 und 5 langsames Tempo, im 2. Satz sehr langsam, fast schon schleppend, überdeutliches Musizieren, weicher Musizierstil, einige kleine Ritardanti vor allem im 1. und 2. Satz bremsen den Fluss der Musik und wirken überdies etwas manieriert, einige ganz zart klingende Stellen (z. B. V T. 95-98), gute Lautstärkedifferenzierung, Holzbläser gut abgebildet, I Wiederholung der Exposition etwas schneller, IV Ritardando in den beiden letzten Takten, V leicht betulich – eine Interpretation für den Sonntagnachmittag mit einem guten Cognac und einer duftenden Zigarre

Markevitch

Orchestre Lamoureux Paris

DGG

1957

42‘21

4

- W, I gewichtiges Musizieren, zu langsam, II Temporelation zw. Satz 1 und 2 nicht im Gleichgewicht, Murmeln des Baches mehr im Hintergrund, kein richtiges Verweilen, III schwungvoll, schwache Hörner, IV überzeugend, V T. 80 ff französisches Holz nicht so ausdrucksvoll, T. 133 Hörner zu leise

Münch

Boston Symphony Orchestra

WHRA

1956

36‘58

4

- - live – I weniger schlank, etwas langsamer, etwas mehr Atmosphäre, II in Tutti-Abschnitten wird das Holz zugedeckt, III warum so schnell? insgesamt werden die drei letzten Sätze hier etwas organischer musiziert

Münch

Boston Symphony Orchestra

RCA

1955

36‘49

4

- -, I flüssig, immer im Tempo, locker, schlankes Klangbild, II Flöten T. 16 f und 46?, könnte mehr Innigkeit ausstrahlen, III warum so schnell?, Temporelation zum Gewitter nicht optimal, IV T. 70-77 sehr gut, Schluss könnte etwas mehr gestaltet sein, V eine besondere Beziehung zum Satz wird nicht deutlich

Münch

Rotterdam Philharmonic Orchestra

Concert Hall

Scribendum

1967

42‘05

4

- W, Orchester klingt in Tutti-Passagen etwas rauher als das BSO, I ruhigeres Tempo, II Flöten T. 16 f ?, könnte mehr Innigkeit ausstrahlen, keine duftigen Pizzicati, III besser als die anderen Aufnahmen, da nicht gehetzt, IV Vc und Kb T. 68 ff , präsent, V gelassener als die anderen Aufnahmen

Schmidt-Isserstedt

Wiener Philharmoniker

Decca

1967

43‘51

4

- W, I der Dirigent lässt die Musik geschehen, II etwas Streicher-lastig, schöner Klang, duftig, mehr nach vorn geblickt als auf Details, III lässt sich Zeit, IV Gewitter ohne Feuer

Bernstein

New York Philharmonic Orchestra

CBS Sony

1963

44‘16

4

W W, I flüssig, durchsichtig, T. 179-186 Mängel im Zusammenspiel, rustikaler Vortragsstil, etwas hemdsärmelig, II viel Zeit am Bach, jedoch nicht verschleppt, Details!; Orchester wie ausgewechselt!, IV kräftiges, jedoch nicht gefährliches Gewitter, Piccoloflöte?, V lässt sich Zeit, nichts wird vergessen

Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1962

35‘46

4

- -

Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1977

38‘15

4

- W

Ashkenazy

Philharmonia Orchestra

Decca

1982

46‘33

4

W W, grundsolide Einspielung, ohne besondere Höhen und Tiefen, gut gestaffeltes Klangbild, meist wird schlank musiziert, I etwas betulich, II Musik kommt anfangs etwas zu direkt, IV nicht elementar, V bester Satz

Jochum

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Philips

1968

43‘15

4

- W

Jochum

Berliner Philharmoniker

DGG

1954

42‘39

4

- W

Jochum

London Symphony Orchestra

EMI

1977

43‘15

4

- W

Toscanini

NBC Sympony Orchestra

RCA

1952

40‘52

4

W W

Toscanini

BBC Symphony Orchestra

EMI

1937

37‘11

4

- W

Toscanini

NBC Sympony Orchestra

M&A u.a.

1939

40‘19

4

W W - live

Mengelberg

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Teldec

1937

36‘55

4

- W

Tennstedt

London Philharmonic Orchestra

EMI

1985

42‘59

4

W W, I lebhaftes Tempo, Durchführung T. 1 und 2 sehr gut, II sehr durchsichtig und klar, sehr bewegt, wenig Emotionalität spürbar, Klarinette T. 54/56 zu leise, III klingt etwas wie abgespult – insgesamt guter Durchschnitt

Klemperer

RIAS Symphonie-Orchester Berlin

audite

Tahra

1954

43‘23

4

W W -live

Klemperer

Concertgebouw Orchester Amsterdam

M&A

1957

43‘06

4

W W -live

Klemperer

Philharmonia Orchestra London

M&A

Archipel

Ides u. a.

1960

42‘37

4

W - - live

Furtwängler

Wiener Philharmoniker

EMI

1943

47‘23

4

W W

Furtwängler

Wiener Philharmoniker

EMI

1952

44‘39

4

- W

Konwitschny

Gewandhausorchester Leipzig

Berlin Classics

1959

45‘10

4

W W, I schnörkellos, II sehr langsame Lesart, jedoch nicht verschleppt, IV völlig ungefährliches Gewitter, V ohne persönliche Handschrift, es läuft so

Kubelik

Orchestre de Paris

DGG

1973

45‘31

4

- W, I gemächliches Tempo, cresc. statt ab T. 151 erst ab T. 171, wie 1967, II etwas langsamer als 1967, immer noch bewegt, jedoch nicht mehr so lebendig, keine duftigen Pizzicati, III Begleitung nicht mehr so deutlich wie 1967, Einwürfe des Fagotts etwas leiser, V Anfang der 1. Geigen jetzt zarter, Streicher im Tuttiklang oft zu dick

Mrawinsky

Leningrader Philharmonie

Russian disc

1962

41‘33

4

- W, live – II ausladend, Bach murmelt weniger, IV Gewitter bester Satz, V fröhlicher Ausklang – einige Huster im Publikum

Keilberth

Bamberger Symphoniker

Teldec

1960

40‘25

4

- W, I lebendig, fröhlich, II flott, etwas nüchtern, IV bedrohlich – insgesamt geringere Innenspannung

Skrowaczewski

Radio-Sinfonie-Orchester Saarbrücken

Oehms

2005

45‘11

4

W W, I 2. Th. indifferent, flüssiges Tempo, durchsichtiger Klang, II Adagio, S. nimmt sich viel Zeit, ohne zu schleppen, IV recht deutliche Piccoloflöte, V Dialog von Viola und Cello mit 1. Violine T. 32-49 gut heraus gearbeitet, schöne Pizzicati, könnte insgesamt etwas lebendiger sein

Maazel

Berliner Philharmoniker

DGG

1959

39‘40

4

- W, I gradliniges Musizieren ohne Höhepunkte, Gestaltung des 2. Themas gut, II bewegt, etwas unruhig, V T. 80-90 etwas müde – Berliner Philharmoniker hier noch nicht auf dem späteren Schallplatten-Niveau

Maazel

Cleveland Orchestra

CBS Sony

1978

44‘22

4

W W, Technokrat am Pult, glatt, routiniert, etwas distanziert, Geigen mit dickem Strich – I dünne Oboen, 2. Th. deutlich, T. 438 f undeutlich, II überzeugender als 1. Satz, Wärme jedoch erst in der Reprise, 1. Viol. und Bratschen T. 58 ff nicht gebunden, entsprechend Fg. T. 69 ff auch nicht, III kein pp, Klarinetten-Solo T. 131 f geht unter, Einsatz der Holzbläser T. 34 ff unterbelichtet, raue Streicher

Suitner

Staatskapelle Berlin

Denon

1980

43‘38

4

W W, Aufnahme etwas obertonarm, interpretatorisch durchschnittlich, I Vl. mit etwas breitem Strich, IV T. 51-56 zahm

Schuricht

Berliner Philharmoniker

DGG

History

1943

39‘46

4

- - , Klangbild durch CD-Transfer flach, ohne Obertöne, eingeengte Dynamik, I klar, II sehr langsam, doch nicht schleppend, Spannungsbogen gehalten, III nicht zu schnell, IV Klangbild am Ende etwas verschwommen, V sehr lebendig, fröhlicher Ausklang

Kletzki

Tschechische Philharmonie Prag

Supraphon

1965

43‘55

4

W W, I kompakter Klang in Tutti-Partien, Bläserklang von Hörnern dominiert, in der Durchführung jeweils vier kürzere Crescendo-Bögen, II Klang leuchtet nicht, III keine unnötige Eile, V unbeschwerter Ausklang

Ansermet

Orchestre de la Suisse Romande

Decca

1959

40‘22

4

- W, dichtes Klangbild, nicht immer ausgeglichen, französische Holzbläser, I und II mit Nachdruck, II klingt etwas nüchtern, III kein pp, Presto etwas schwerfällig, V lebendig, bewegt, jedoch etwas aufgeblasen

Furtwängler

RAI Orchester Rom

Andromeda

1952

45‘41

4

- W - live

Marriner

Academy of St. Martin-in-the-Fields

Philips

1985

44‘44

4

W W, I fließend, Details werden nicht übersehen, II trotz langsamen Tempos immer lebendig und ausdrucksvoll, IV Gewitter wenig bedrohlich, dynamisch ansprechend differenziert, Pizzicati der Celli T. 64-71 zu leise

Mackerras

Royal Liverpool Philharmonic Orchestra

EMI

1994

39‘19

4

W W, I lebendig, fließend, II auch Bläser klingen sordiniert, III zu schnell, IV am besten gelungen

Ormandy

Philadelphia Orchestra

CBS Sony

1966

37‘46

4

- - , I Beschleunigung schon T. 30, Bassbereich bei Streichern nicht vergessen, II belebt, jedoch etwas pauschal, da Streicher kompakt aufgenommen, IV gut, aber noch nicht gefährlich, V mächtiger Streicherapparat, klingt deshalb etwas klobig

Cluytens

Berliner Philharmoniker

EMI

Testament

1955

41‘44

4

- W, Klangbild mit Grauschleier, eingeengte dynamische Bandbreite, I wenig Sonne am Himmel, II lebendig, aber die innere Ruhe fehlt, V lebendig

Beecham

Royal Philharmonic Orchestra London

Sony

1951/52

41‘28

4

- W, I schnörkellos, II gewichtig, T. 60-64 Spannungsabfall, V Übergang von Satz 4 zu 5 sehr nüchtern, wenig dankbare Gefühle, eher etwas Ratlosigkeit beim ersten Auftreten des Themas, etwas lapidar, Beecham kein Landmensch?

Hickox

Northern Sinfonia of England

ASV

resonance

1984

44‘35

4

W W, I flüssig, durchsichtig, II Pizzicati der Celli und Kb könnten mehr Duft einbringen, das gelingt im Finale wesentlich besser – insgesamt guter Durchschnitt

Karajan

Philharmonia Orchestra London

EMI

1953

37‘25

4

- -

Otterloo

Wiener Symphoniker

Philips

Challenge

1953

42‘43

4

W W, I ohne Lob und ohne Tadel, Vl. 1 Artikulation stellenweise nicht immer top, II mäßig inspiriert, IV etwas domestiziert, V T. 173 ff Horn antwortet nicht auf die 1. Geigen, geringe Inspiration

Kuhn

Haydn Orchester von Bozen und Trient

col legno

2005/6

41‘57

4

alle Orchestergruppen gleichberechtigt, solide, mäßig inspiriert

Paray

Detroit Symphony Orchestra

Mercury

forgotten records

1954

35‘31

4

- W, I Allegro, zu schnell, II sehr bewegt, ohne Ruhepunkte, III sehr spitze Oboe, schnell, IV heftig, aber auch schnell wieder vorbei, V mit Schwung, T. 107 kein Höhepunkt


Masur

Gewandhausorchester Leipzig

Philips

1992

42‘40

3-4

W W, Klangbild etwas streicherlastig, I Vl. genauer fokussiert als 1972, II geringe Inspiration, es läuft so, IV T. 72 ff Holz?, zahme Piccoloflöte

Masur

Gewandhausorchester Leipzig

Philips

1972

44‘05

3-4

W W, Klangbild etwas streicherlastig, aufnahmetechnisch kein Vorzeigeobjekt, Ausdruckspotential der Bläser kaum genutzt, I mit Nachdruck musiziert, Violinen mit breitem Strich

Davis

Sächsische Staatskapelle Dresden

Philips

1992

46‘00

3-4

W W, I der Feinschliff fehlt, II T. 21 ff Sechzehntel in den Mittelstimmen zu betont, weniger fließend, III ohne Schwung, IV zu betulich, V wie 1. Satz

Muti

Philadelphia Orchestra

EMI

1987

45‘27

3-4

W W, Bläser gegenüber Streichern (sehr homogen!) stark zurückgesetzt, I z. B. T. 83-92 oder T. 151-174, auf Grund dessen verliert der Satz viel von seiner Farbe, II Musik klingt wie unter einem Schleier, III gemütliches Tempo, Presto T. 234 ff kaum befolgt, V lahm, fehlende Akzente

Müller-Brühl

Kölner Kammerorchester

Naxos

2006

44‘18

3-4

W W, II man meint fast, als ob die 1. Violinen mit Dämpfer spielten, die übrigen Streicher ohne D., klangliches Ungleichgewicht, IV für ein Kammerorchester beachtliches Gewitter, Abgesang T. 119 ff etwas mechanisch, V mit angezogener Handbremse, lahm

Celibidache

Münchner Philharmoniker

EMI

1993

51‘00

3-4

- W, live – I zu bedächtig, Musik ruht in sich selbst, Cresc. T. 151 ff und 197 ff vorbildlich, II zu langsam (Rekord 16’14), Holz insgesamt nur an Solo-Stellen präsent, IV Piccolo ohne Andeutung von Bedrohung – insgesamt gilt bei C.: Deutlichkeit vor Intensität und herzhaftem Lebensgefühl

Maag

Orchestra di Padova e del Veneto

Arts

1995

46‘40

3-4

W W, I sehr bedächtig, 2. Th.nicht genügend strukturiert, in der Durchführung kein Sog, sehr zahm, II Aufriss o. k., Geigen hier nicht immer top, III T. 233 f rhythmisch unsauber, IV T. 72-77 gelungen, T. 107 f kein ff, T. 109-117 nicht strukturiert, ebenso T. 133-140

Münchinger

Radio Symphonie-Orchester Stuttgart

Intercord

1985

39‘56

3-4

- W, I ohne Lob und ohne Tadel, II etwas lau, der beherzte Zugriff fehlt, kein murmelnder Bach, lahme Pizzicati, IV Gewitter nicht so heftig, ermattet schon T. 114 statt T. 119, V lebendiger Ausklang, bester Satz

Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1982

34‘24

3-4

- -

Leinsdorf

Boston Symphony Orchestra

RCA

1969

38‘42

3-4

- W, I ohne Lob und ohne Tadel, II bewegt, etwas glatt, III schnell vorbei, IV zu schnell, könnte differenzierter sein, V schnell dem Ende entgegen

Weingartner

Royal Philharmonic Orchestra London

EMI

Naxos

1927

33‘39

3-4

- - , I gleich frisch ans Werk, T. 179-181 Zusammenspiel nicht optimal, etwas stromlinienförmig, II anfangs wie ein Walzer, bringt Unruhe, ich habe während des Hörens immer hm-ta-ta im Kopf, zu schnell, III Oboe und Klarinette im Trio zu leise, Zusammenspiel im Presto nicht 100%, IV Pauke zu leise, zu schnelles Tempo, V zügiges Tempo, jedoch nicht gehetzt, W. hebt Posaunen fast immer (über Gebühr) hervor

Mengelberg

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Grammofono u.a.

1940

38‘18

3-4

- W live

Münch

RAI Orchester Rom

Tahra

1951

34‘09

3-4

- - , live – I klingt etwas schwerfällig, Artikulation der Streicher könnte besser sein, in Tutti-Abschnitten rauhes Klangbild, kompakt, II sehr bewegt, etwas handfest, T. 18 f Streicher nicht ganz zusammen, III Orchester schafft Münchs Tempovorgabe mit Ach und Krach, IV rasend, V extravertiert – der Sinn der Veröffentlichung wird mir nicht klar!

Weller

City of Birmingham Symphony Orchestra

Chandos

1988

40‘44

3-4

- W, eindimensionaler Musizierstil, nichts lässt aufhorchen, Pastorale durchgespielt, glatt


Pfitzner

Staatskapelle Berlin

Polydor

Naxos

P 1930

42‘04

3-4

- -, insgesamt gewichtiges Musizieren, I gezügeltes Tempo, Ritardando bei T. 97-99 sowie 104-106, großes Ritardando 275-283 wie Furtwängler, jedoch nicht zwingend vorbereitet, II die Achtelbegleitung in den T. 1-4 wird richtig durchgeknetet, nicht so durchsichtig, duftige Pizzicati der Bässe, V ganz langsamer Anfang, wird dann schneller, insgesamt zähes Tempo

Swarowsky

Europäisches Sinfonie-Orchester

Objekt Interprises

~ 1968

43‘36

3

- W, I flüssig, durchsichtiger Klang, II schleppendes Tempo, Darstellung etwas ledern, T. 7-12 Hörner zu präsent, Holz wird oft von Str. zugedeckt, IV Gewitter ohne gefährliche Blitze, Piccoloflöte zu leise, V Partitur ohne Inhalt, langweilig

Pletnew

Russisches National Orchester

DGG

2006

36‘50

????

W W


Interpretationen in historisch informierter Aufführungspraxis:

Järvi, Paavo

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

RCA

2007

40‘58

5

W W, I Musik kann atmen, Atmosphäre, II entspanntes Musizieren, gut gestaffeltes Klangbild, III sehr schlanke Bläser (Trio), IV T. 68 f und 72 ff sehr deutliche Vc und Kb, V Musik könnte etwas mehr aufblühen

Fey

Heidelberger Kammerorchester

hänssler

2001

40‘59

5

W W, I sehr lebendig und frisch, II glücklich am Bach, IV bestes Zusammenspiel zwischen Bässen und Pauke T. 79 ff, sonst nirgends so deutlich, V schöne Pizzicati, ausgeglichener Streicherchor, Bläser rhythmisch deutlich – insgesamt viel Atmosphäre


Abbado

Berliner Philharmoniker

DGG

2001

39‘12

4-5

W W – live Rom, I fast ideal, T. 448-460 Achtel verschwimmen, II bewegt, sehr durchsichtig, detailbewusst, immer gespannt, trotzdem sehr leicht musiziert, V sehr schön, wie Abbado an leisen Stellen die Musik immer wieder (fast ins Private) zurücknimmt

Abbado

Berliner Philharmoniker

DGG

2000

39‘03

4-5

W W, I sehr lebendig, entfettet, Instrumente gut abgebildet, II noch bewegter, Streicher skandieren zu Beginn, schwächster Satz der Aufnahme, V sehr viele Details

Gielen

Sinfonie-Orchester des SWF

Intercord

EMI

1986

40‘27

4-5

W W, I sehr schnell, nirgends ein Verweilen, Partitur bestens realisiert, jedoch etwas kühl, II sehr durchsichtig, entspannt, Atmosphäre, IV T. 72 ff hervorragend

Herreweghe

Royal Flemish Philharmonic Orchestra

Pentatone

2009

40‘50

4-5

W W, I sehr lebendig, II sich Zeit lassend, H. verfügt über die Kunst der Spannung und Entspannung, oder des Ein- und Ausatmens – sehr gut geschultes Orchester, das jedoch mit Spitzenorchestern nicht immer mithalten kann

Mackerras

Scottish Chamber Orchestra

hyperion

2006

39‘57

4-5

W W, live – klanglich besser als 1994, interpretatorische Weiterentwickung: deutlichere Artikulation der Motive und Themen, M. holt mehr aus der Partitur heraus, II etwas flott, mehr Interaktion zwischen den Instrumentengruppen, III auch noch schnell – insgesamt klingt die Aufnahme etwas rauer als früher (HIP)

Nelson

Ensemble Orchestral de Paris

naïve

2005

40‘10

4-5

W W, I frisch und lebendig, II Musik immer im Fluss, Blick auf’s Detail, schöne Pizzicati, IV Sechzehntel-Quintolen der KB T. 68 f und T. 72 ff bedrohlich, T. 72 ff Holz?, V immer im Fluss

Vänskä

Minnesota Orchestra

BIS

2007

41‘33

4-5

W W, I breite dynamische Palette, T. 127-135 diminuendo bis zum Unhörbaren, durchsichtig, Atmosphäre, II (fast) alles Bestens, etwas mehr Hingabe hätte nicht geschadet, IV sehr diszipliniertes Gewitter, wenig bedrohlich, V noch lebendiger als früher – diese Aufnahme scheint mir etwas überzüchtet zu sein, weniger rustikal

Antonini

Kammerorchester Basel

Sony

2009

38‘54

4-5

W W, lebendig, musikantisch, durchsichtiges Klangbild, I 2. Thema nicht konsequent gestaltet, II bewegt, kein Verweilen, unaufdringliches Musizieren, III-V klangliche Schärfung, Trompeten zu ohrenfällig

Norrington

SWR Sinfonie-Orchester Stuttgart

hänssler

2002

40‘19

4-5

W W, live – 2. Th. deutliches Horn T. 362-370, T. 470 ff zu zackig, II zu schnell, nicht so überzeugend wie 1988, Triller in Vl.,1 ab T. 7 immer einen Ton höher angespielt, IV T. 130-135 Bässe sehr deutlich, V gefällt mir etwas besser als 1988

Zender

Radio-Sinfonie-Orchester Saarbrücken

CPO

1982

40‘15

4-5

- W, durchsichtiger Klang, I Allegro, partiturbezogen, klar, IV ungefährliches Gewitter, V ausdrucksvolle Klarinetten


Zinman

Tonhalle-Orchester Zürich

Arte Nova

1997

39‘48

4

W W, Beethovens Konstruktionsplan sehr deutlich herausgearbeitet, I sehr schnell, sachlich, für Gefühle ist wenig Platz, II sehr durchsichtig, lebendig, III lustiges Zusammensein kommt ein wenig zu kurz, eher technisch bewältigt, IV Studio-Gewitter

Harnoncourt

Chamber Orchestra of Europe

Teldec

1990

44‘11

4

W W, live – I gedrosseltes Tempo, Musik bedeutungsvoll, II Pizzicati laufen so nebenher, Holzbläser oft etwas zurückgesetzt, nicht sonderlich belebt, schwächster Satz, V etwas gebremstes Tempo, T. 113-116 Holz verdeckt

van Zweden

Residentie Orkest Den Haag

Philips

2002/

03

40‘46

4

W W, I Streicherklang im Tutti etwas bullig, II Musik immer im Fluss, Blick auf’s Große und Ganze, weniger auf’s Detail, IV bedrohliches Gewitter, V insgesamt etwas zu gewichtig

de Vriend

Netherland Symphony Orchestra

Challenge

2009

41‘33

4

W W, handwerklich gut gemacht, sorgfältig, jedoch im Ausdruck geglättet, wenig Kontraste innerhalb und zwischen den Sätzen, die Musik bewegt sich immer weiter, die einzelnen Sätze besitzen kein Relief



Den Aufnahmen von David Zinman, Claudio Abbado-BPh, Gardiner, Vänskä-Min liegt die Neu-Edition der Beethoven-Sinfonien zugrunde, erarbeitet von Jonathan Del Mar.

Interpretationen in historisch informierter Aufführungspraxis mit Originalinstrumenten:

Immerseel

Anima Eterna

ZigZag

2006

40‘27

4-5

W W, I Allegro, sehr lebendig, angerauter Klang, II viel belebter als Harnoncourt, III gehetzt, fliehende Landleute, IV bedrohliches Gewitter, T. 68 ff und 72 ff Vc und Kb nicht versteckt, V duftige Pizzicati – eine Pastorale, in der Spannung, nicht Entspannung überwiegt

Brüggen

Orchester des 18.Jahrhunderts

Glossa

2011

42‘34

4-5

W W, insgesamt runderer, wärmerer Klang als 1990, I B. zieht T. 200 das Tempo etwas an, II immer gespanntes Musizieren mit Blick auf Details, transparentes und gleichzeitig farbenreiches Klangbild, III etwas langsamer als früher, jedoch sehr deutlich, IV punktierte Noten der 1. Vl. T. 23/24, 27/28 und 31/32 kommen nicht heraus, immer präsente Pk., jedoch nie aufdringlich, V sofort im Tempo, schwebend und leicht, T. 133-140 Trp. decken Hörner zu

Gardiner

Orchestre Révolutionaire et Romantique

DGA

1992

40‘48

4-5

W W, II lebendig, artikuliert, III Musik pulsiert, IV und V ohne Inbrunst

Hogwood

Academy of the Ancient Music

Decca

1987

41‘08

4-5

W W, I nicht so fein gezeichnet wie die von Goodman, II viel Atmosphäre, III schnell – insgesamt klingt Hogwoods Aufnahme abgerundeter als die von Goodman

Norrington

London Classical Players

Virgin/EMI

1988

40‘03

4-5

W W, I recht flott, alles sehr deutlich, sehr lebendig, T. 470 ff zu zackig, Norrington lässt sich Zeit, die Musik kann atmen, IV knallige Pauke, perfekt, jedoch kaltes Gewitter, V sehr lebendig, duftige Pizzicati


Goodman/Huggett

The Hanover Band

Nimbus

1987

40‘44

4

W W, I alles filigran gespielt, Durchführung: die Liegetöne werden mehr hervorgehoben als das immer wiederkehrende Achtel-Motiv, bringt mehr Ruhe, II immer in Bewegung, III lärmendes Blech, IV Piccoloflöte könnte etwas bedrohlicher klingen, V Pizzicati T. 9 ff und T. 64 ff etwas beiläufig, T. 111 ff Bläser etwas undeutlich

Brüggen

Orchester des 18.Jahrhunderts

Philips

1990

41‘35

4

W W, offenes Klangbild, I lebendig, II interpretatorisch mehr routiniert, klanglich blass, obertonarm, V gleich im 1. Takt im Tempo, Thema T. 17-24 sowie 72-77 in 2. Geigen zu leise, T. 57 ff Bläserstelle vorbildlich



Die Partitur der 6. Sinfonie enthält zwei Wiederholungen, im 1. und 3. Satz. Im Kommentarfeld habe ich bei jeder Aufnahme aufgeführt, wie sich der Dirigent entschieden hat. Bei einer Weglassung nur einer Wiederholung vermindert sich die Laufzeit um 2 – 3 Minuten.


W W

sowohl Wiederholung im 1. als auch 3. Satz

W -

nur Wiederholung im 1. Satz

- W

nur Wiederholung im 3. Satz

- -

keine Wiederholung


Anmerkungen zu Dirigenten und ihren Aufnahmen:

Willem Mengelberg

Willem Mengelberg war und ist immer noch bekannt für seine eigenwilligen Auslegungen der Partituren klassischer Musik. Im Falle der Pastoralen fügt er im 4. Satz in den Takten 19-20 vor dem ersten Fortissimo einen nicht notierten Paukenwirbel zur Unterstützung der Holzbläser hinzu. Im Thema des Finales ändert er Beethovens Phrasierung, in dem er zwei gebundene Achtel durch staccato-Achtel ersetzt (T. 11 u.14). Sehr schön bringt Mengelberg im 1. Satz das 2. Thema heraus, beide Teilthemen sind deutlich zu verfolgen, insgesamt lässt er hier sehr zügig spielen. Der Schwachpunkt beider Aufnahmen ist der 2. Satz, hier werden gleich zu Beginn jeweils die vier Sechzehntel der 1. Geigen, später die der Klarinetten, ein wenig langsamer gespielt. Diese seltsame Verzögerung zieht sich durch den ganzen Satz und bremst immer wieder den Fluss der Musik. Am Ende lässt Mengelberg die Flöte (Nachtigall) anfangs ganz langsam spielen. Im Gewitter-Satz überrascht während der Einschläge (T. 53-61) das 2. Fagott mit langen tiefen Noten, die ganz fahl klingen, so gut bringt diese, wenn überhaupt, kein anderer Dirigent heraus. T. 60 spielen die beiden Trompeten statt pp, wie alle anderen Instrumente, überraschend ein deutliches sf. Statt in den Takten 91-103 die Piccolo-Flöte herauszustellen, wird der Bläserklang von den spitzen Oboen beherrscht. Mir klingt dieser Satz bei Mengelberg insgesamt zu plakativ. In der Studio-Aufnahme gibt der Dirigent ein sehr schnelles Tempo vor, die Live-Aufnahme ist ein wenig langsamer, störend hier die häufigen Tempowechsel. Die Aufnahme klingt insgesamt weniger präsent und durchsichtig, in Tutti-Stellen wird der Klang kompakt. Mancher Hörer wird sich in beiden Aufnahmen an den vielen Portamenti vor allem der Geigen stören.

Arturo Toscanini

Toscaninis Aufnahmen der 6. klingen alle ähnlich, ein einmal gewonnenes Konzept wird im Laufe der Dirigentenjahre weiter gepflegt. Der Kopfsatz wird zügig, sachlich und unverschnörkelt verwirklicht. In der „Szene am Bach“ ist die Musik immer im Fluss, die BBC-Studioaufnahme hat Atmosphäre, die ich in den NBC-Aufnahmen vermisse, sie klingen etwas glatt, man hat den Eindruck, dass man bald weiter kommen möchte. Der 3. Satz klingt energisch, bei den beiden ältesten Aufnahmen wird in den Takten 173-179 die Flöte zugedeckt. Bedrohlich klingen die Bässe T. 72-77 im Gewittersatz, der mit Intensität aufgeladen wird. Zu Beginn des Finales lässt Toscanini zur Klarinettenmelodie den Kontrapunkt der geteilten Bratschen erklingen, beim folgenden Horn die der Bratschen und Celli, in keiner anderen Aufnahmen ist dies so deutlich zu hören (jedoch nur 1937 und 1939).

Bruno Walter

Zeit seines Lebens galt Bruno Walter zurecht als einer der kompetentesten Anwälte von Beethovens Pastoral-Sinfonie. Er hielt die Musik immer im Fluss, verstand es, Beethovens Partitur-Anweisungen liebevoll umzusetzen und auch das überzeugend zu vermitteln, was quasi zwischen den Noten steht, Empfindungen und Gefühle. Drei Studioproduktionen sind erhalten und hier aufgeführt. Die früheste wurde nach Walters Vertreibung aus Deutschland 1936 in Wien aufgenommen. Das Klangbild ist zeitgemäß etwas stumpfer und kompakter, besonders in den lauten Tutti-Abschnitten, auch die Lautstärkedifferenzierung vor allem im unteren Bereich lässt noch zu wünschen übrig. Schön die duftenden Pizzicati im zweiten und letzten Satz. In den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts durfte Walter für das Label Columbia mit den New Yorker Philharmonikern eine Gesamtaufnahme der Beethoven-Sinfonien einspielen, ausgenommen die Pastorale, die mit dem Philadelphia Orchester aufgenommen wurde, sie ist für mich seine überzeugendste Darstellung auf der Schallplatte. Der erste Satz wird zupackend, lebendig, in der Durchführung mit Sog gespielt (T. 154 ff), im zweiten begegnen wir einem bewegten Bach, beim Gewitter könnte die Piccolo-Flöte noch etwas bedrohlicher klingen, im Finale zieht Walter je nach Gegebenheit etwas das Tempo an, später wird er dann wieder langsamer, ohne dass dies aufgesetzt klingt. Die letzte Aufnahme entstand 1958 bereits in Stereo in seiner Spätphase mit dem eigens für ihn zusammen gestellten Columbia Symphony Orchestra an seinem Wohnsitz in Los Angeles. Die Tempi sind nun, abgesehen vom 2. Satz, alle etwas ruhiger geworden. Die Musik wird liebevoll nachgezeichnet, die Landleute ziehen ein gemütlicheres Tempo vor, das Gewitter ist nicht mehr bedrohlich, eher ein heftiger Sturm. Der Finalsatz ist ein wenig schwerfällig, zu gelassen, abgeklärt?

Otto Klemperer

Klemperer hat die Pastoral-Sinfonie immer wieder gern aufgeführt, vor allen in seinen letzten Lebensjahren, neben der Londoner Studio-Aufnahme stehen mir vier Konzert-Mitschnitte zur Verfügung. Klemperers Konzept der Sinfonie ist in diesen Jahren kaum verändert worden, er lässt den jeweiligen Musikern kaum Freiräume zur Gestaltung, alle Aufnahmen klingen ziemlich ähnlich, die Musik kommt immer natürlich, ungekünstelt, transparent, sie bleibt immer im Fluss. Im ersten Satz legt er Wert darauf, dass die beiden Teile des 2. Themas nicht miteinander verschmelzen, sondern stets getrennt wahrzunehmen sind. Im 2. Satz sind die beiden Solo-Celli in den Takten 15 und 16 deutlich zu hören und werden nicht, wie fast oft, vom übrigen Orchester zugedeckt. Warum Klemperer in den Takten 15 und 17 die Klarinette zu leise spielen lässt, kann ich jedoch nicht verstehen. Der 3. Satz wird in den Aufnahmen langsamer als gewöhnlich gespielt, Klemperer stellt uns Hörer die Frage: müssen die lustigen Landleute durch die Musik hetzen oder geht es auch etwas langsamer und trotzdem überzeugend? Wir sind wahrscheinlich durch andere Aufnahmen an schnelle Tempi in diesem Satz gewöhnt und finden Klemperers Ansatz deshalb etwas extrem. Die Aufführungszeiten schwanken zwischen 6’12 bis zu 6’41 (BPh), allein diese Aufnahme empfinde ich als etwas behäbig gespielt, alle anderen nicht. Klemperer hatte eine gute Hand bei der Darstellung des Gewitters. In dem zuletzt genannten Berliner Konzert oktaviert er T. 97 ff die Piccolo-Flöte. Das Finale tritt uns als unbeschwerter Ausklang entgegen. Aufnahmetechnisch/klanglich hat die Studio-Einspielung mit dem Philharmonia-Orchester die Nase vorn. Im Wiener Konzertmitschnitt drei Jahre später klingt das Orchester spröder und nicht so geschliffen wie vorher, übrigens verzichtet der Dirigent hier auf die Wiederholung im 3. Satz. In der RIAS-Aufnahme wird intensiv musiziert, jedoch sind hier die Streicher klanglich etwas bevorzugt, in lauten Tutti-Abschnitten (z. B. 3. Satz T. 165 ff) klingt das Orchester etwas gepresst. Auch im Concertgebouw-Mitschnitt überwiegen die Streicher, im Gewitter hat man den Klangpegel in den lauten Tutti zurückgenommen, wodurch die Musik dann nicht mehr so gefährlich klingt. Hier auch einige Publikumsgeräusche. Sehr gut klingt Klemperes letzte Berliner Aufnahme, die in der Neuen Philharmonie aufgenommen wurde. Auffallend im direkten Vergleich mit dem Wiener Konzert des Philharmonia Orchesters ist doch der Qualitätsunterschied beider Orchester, möglicherweise hatte das POL da keinen guten Abend.

Wilhelm Furtwängler

Bei Furtwängler müssen wir zwischen live- und Studio-Produktionen unterscheiden. Hier klingt die Musik objektiver, er hält sich eher an die Noten der Partitur, irgendwie klingen die Aufnahmen jedoch befangen, vorausgesetzt, man kennt seine live-Aufnahmen. Furtwängler verstand es zeitlebens, soweit dies Tondokumente sowie Berichte von Konzertbesuchern bestätigen, nicht nur den Notentext wiederzugeben, sondern auch Beethovens hinter den Noten verborgenen Intentionen zu ergründen und dem Hörer zu erschließen. Der Dirigent zeichnet nicht nur die Satzbögen nach, sondern dringt tief zu den Schichten vor, die das Werk zusammenhalten. Sicher wirft er auch seinen Blick auf Einzelheiten, die Themen, v. a. Teile derselben und Motive, gibt ihnen deutliche Gestalt (z. B. 4. Satz, T. 56 ff 1. Geigen) und lässt ihre Stellung im Gesamtzusammenhang evident werden. Bei solcher Vorgehensweise wundert es nicht, wenn er sich bei diesen Sinn stiftenden Interpretationen mehr Zeit nimmt, als die meisten anderen Interpreten.

Die erste Studio-Produktion wurde im Kriegsjahr 1943 erstellt, als auch Wien nicht mehr vor Bombenangriffen der Alliierten sicher sein konnte, es herrschte eine bedrückte Stimmung in der Stadt, die in allen Lebensverhältnissen zu spüren war, auch beim Musizieren der Philharmoniker. Diese Electrola-Aufnahme wurde vergessen und erst 1986 als LP von EMI veröffentlicht. 1952 wurde im selben Saal eine weitere Pastorale mit Furtwängler und den Wiener Philharmonikern eingespielt, diese ist klanglich allen anderen Furtwängler-Aufnahmen überlegen. Wie sieht es interpretatorisch aus? Im 1. Satz klingen beide Aufnahmen zögerlich, beim 2. erlebt der Hörer einen gemächlichen Spaziergang am Bach, 1952 ist alles intensiv gestaltet, 1943 klingen die Takte 25-40 weniger belebt als in den anderen Interpretationen. Das Gewitter ist hier domestiziert, vermutlich wurde bei der Aufnahme auch der Klangpegel heruntergefahren, die 1952er Aufnahme hat da mehr Intensität, auch im Finale, das fast einer Live-Aufnahme gleichkommt.

Drei der Live-Mitschnitte stammen aus Berlin, ein vierter aus Rom. Bei allen ist ein starker Ausdruckswille des Dirigenten kaum zu überhören und zwar in allen Sätzen. Furtwängler beginnt den Kopfsatz langsam und bringt die Musik erst etwa bei T. 33 auf Tempo. In der Durchführung breitet er einen großen Bogen von T. 151-282 zum Anfang der Reprise, dabei gewinnt die Musik mehr und mehr an Spannung, die erst mit Eintritt der Reprise mit dem langen Triller der 1. Geigen auf g und den nachfolgenden staccato-Achteln an Intensität verliert. Dies müssen wir als eine typische Furtwängler-Spezialität ansehen, die kein anderer Dirigent so glaubhaft darzustellen vermag! Furtwängler legitimiert Beethovens Formschema durch zwingenden musikalischen Ausdruck. Dem Dirigenten war es wie kaum einem anderen vergönnt, in großen Bögen zu denken und dies auch überzeugend darzustellen. Gerade auf ihn trifft der Satz zu: „Am Anfang schon das Ende bedenken“. Verstößt er hier etwa gegen Beethovens Absichten? Trotz langsamer Tempi klingen die zweiten Sätze belebt, Furtwängler gliedert sie in Abschnitte, die er durch Ritardanti von einander abhebt. Im 2. Abschnitt spannt er analog wie soeben für den 1. Satz beschrieben einen Bogen von T. 21-40, in T. 25 blüht die Musik regelrecht auf (1944 und 1947). Die Takte 54-57 bilden einen Ruhepunkt, leider lässt er hier die Klarinetten zu leise spielen. Auch die Fagotte könnten T. 69 ff etwas mehr hervortreten, sie sind nur in der Studio-Aufnahme von 1952 deutlich zu vernehmen. Im Trio des 3. Satzes spielen jeweils nacheinander Oboe, Klarinette und Horn eine 8-taktige Melodie, die im zweiten Teil vom Fagott kontrapunktiert wird. Bei der Begleitung von Oboe und Klarinette hören wir dies ganz deutlich, wenn aber das Horn spielt, ist es in den Mitschnitten der Berliner Philharmoniker kaum zu hören. Umgekehrt hören wir den Presto-Abschnitt am Schluss des Satzes ab T. 234 hier deutlich schneller. Kommen wir zum Gewitter, das bedrohlichste aller abgehörten Aufnahmen erleben wir 1944, das fährt so in die Glieder/Ohren, dass seine Nachwirkungen noch am Anfang des Finales zu spüren sind. Grandios, dies sollte man gehört haben! In den anderen Berliner Aufnahmen klingt es etwas weniger bedrohlich, in der RAI-Aufnahme wird ab T. 78 plötzlich schwerfälliger musiziert, auch ist der Pegel gerade am Höhepunkt T. 106 beschnitten, wo die Posaunen zum erstenmal spielen dürfen. Furtwängler lässt in allen Aufnahmen außer 1943 die Piccoloflöte T. 97 ff oktaviert spielen, was die Wirkung noch verstärkt. In den beiden ersten Berliner Mitschnitten endet die Pastorale mit dem Finale als Freudentaumel, das erste ff in den Takten 54/55 wirkt nicht aufgesetzt, sondern als folgerichtiger Höhepunkt. In seiner letzten Aufnahme der Pastoralen 1954 sowie in Rom überzeugt die musikalische Darstellung des Satzes auch, kann aber nicht mit diesem überschwänglichen Gefühl der anderen Aufnahmen aufwarten. Verschwiegen seien keineswegs die vielen Huster etc. in den Live-Mitschnitten.

Erich Kleiber

Auch Erich Kleiber lag die Pastorale sehr im Herzen, zweimal hat er sie im Studio aufgenommen, zusätzlich existieren noch mehrere Konzertmitschnitte, von denen hier drei vorgestellt werden. Kleiber war ein Energiebündel, der die jeweilige Musik mit Spannung auflud, das erleben wir besonders in den im frischen Tempo dargebotenen Kopfsätzen (Sog in der Durchführung) sowie den Sätzen 3 und 4. In der Szene am Bach lässt er sich sehr viel Zeit, um sich all den Einzelheiten hinzugeben, trotzdem gibt es keinen Spannungseinbruch, die Pizzicati der Bässe könnten jedoch ein wenig duftiger klingen. In der Gewitterszene wird mit Feuer musiziert und das Finale klingt lebendig, fröhlich bis zum Ausklang. Am besten gelingt dies in der Studio-Einspielung mit dem Concertgebouw Orchester von 1952. In den vier anderen Aufnahmen lässt er sich für das Finale mehr Zeit. Etwas merkwürdig finde ich, das der Dirigent beim Übergang zum Finale am Ende des 4. Satzes die Flöte meist etwas schneller spielen lässt, die Klarinette in den ersten Takten des 5. Satzes das Tempo jedoch nicht übernimmt, das ist eine kaum nach zu vollziehende Divergenz. Die überzeugendste Orchesterleistung bietet das London Philharmonic Orchestra, das im 1. Satz ein besseres Zusammenspiel bringt als das COA. Leider ist das Klangbild insgesamt etwas zurückgesetzt. In den Aufnahmen aus Köln und Prag decken im Gewittersatz T. 72 ff die Streicher Fagott, Klarinette und Oboe leider zu. Besonders zu erwähnen ist das überstürzend (= sehr überzeugend) gespielte Presto im 3. Satz (T. 234 bis zum Ende).


Eugen Jochum


Mit Jochum liegen mir drei Aufnahmen der Pastoralen vor: mit den Berliner Philharmonikern, 1954 von der DGG aufgenommen, dem Amsterdamer Concertgebouw Orchester, 1968 von Philips eingespielt, sowie seine letzte Aufnahme mit dem London Symphony Orchestra aus dem Jahre 1977. Alle Aufnahmen sind sich ähnlich: zu Beginn des 1. Satzes wird sehr schwer musiziert, auch in der Reprise wird die Musik verlangsamt, bedeutungsvoller Beethoven, weniger Pastorale! Das setzt sich im 2. Satz fort: Jochum lässt die Melodie der 1. Geigen T. 4-7 sich nicht einfach entwickeln, sondern führt sie ausdrucksvoll vor, so geht es dann weiter. In den Aufnahmen mit dem COA und dem LSO nimmt sich Jochum zurück und lässt der Musik mehr Freiraum, die letzte Aufnahme wird etwas schneller gespielt, was dem Fluss der Musik gut tut. Das Fagott T. 69 ff spielt in allen Aufnahmen zu leise. Im 3. Satz decken laute Streicher die Flöte T. 173 ff zu, das Tempo beim LSO ist doch recht schwerfällig. Das Gewitter fällt mächtig aus. Das Finale wird flüssig gespielt, trotz des nicht langsamen Tempos klingt es jedoch etwas schwerfällig. Die Pizzicati der tiefen Streicher gefallen mir in der späteren Aufnahmen besser. Die Londoner Einspielung hat in den beiden letzten Sätzen ihren Höhepunkt, insgesamt kann sie auch mit dem besten Klang aufwarten.


Herbert von Karajan


Von Karajan stehen, wie immer, mehrere Interpretationen zur Auswahl. Mehrmals konnte ich lesen, dass gerade die Pastorale bei Karajan in den besten Händen sei. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen. Der Dirigent pflegt insgesamt ein Oberstimmen-betontes Musizieren, meist führen die gepflegten Streicher, die in Tutti-Passagen vor allem die Holzbläser zudecken. Der Kopfsatz wird (ohne Wiederholung) frisch und lebendig musiziert. Im Laufe der Jahre wird der 2. Satz mit immer schnellerem Tempo gespielt: 1953 benötigt der Dirigent noch 12’11, 1982 lediglich 10’19, wo bleibt da noch Zeit für Beethovens Bach? Der 3. Satz wird außer 1977 ohne Wiederholung durchgezogen, 1953 und 1982 beschleunigt Karajan schon T. 230 das Tempo, dann kann vier Takte später das Presto keine Überraschung mehr bringen. 1977 wird insgesamt etwas schwerfälliger gespielt. Im 3. Satz warten viele Hörer auf die schmetternden Hörner vor dem Trio und am Ende des Satzes, am schönsten sind sie 1962 und 1977 eingefangen, in der POL-Aufnahme klingen sie wenig strahlend, auch 1982 muss man Abstriche machen. Im Gewittersatz gehen die gezackten=gefährlichen=punktierten Achtel in den Takten 23/24, 27/28 und 31/32 ziemlich unter. Gut getroffen die „fliehenden“ Achtel der 1. Geigen in den Takten 72-77. Wie schon Furtwängler vor ihm, lässt Karajan in den T. 97-103 die Piccolo-Flöte oktavieren. Der Finalsatz ist für meine Gefühle zu schnell gespielt, es fehlt die Ruhe, außer in seiner ersten Aufnahme. Bei den anderen zieht er das Tempo an (nach T. 17) und wird dann wieder langsamer (T. 54), diese agogischen Freiheiten klingen bei Furtwängler viel überzeugender. Wenn es die Pastorale von Karajan sein soll, kommen nur die Produktionen von 1962 und 1977 in Frage. Die Londoner Aufnahme steht klanglich, was die Orchesterkultur betrifft, doch zurück und die Holzbläser klingen oft ziemlich blass. Die letzte Berliner CD klingt mir unbeteiligt, wie abgewickelt, als wären Gefühle hier unerwünscht.


Claudio Abbado


Abbados Beethoven ist schlank, durchsichtig, bewegt und immer differenziert. Welcher Aufnahme man den Vorzug geben soll, bleibt letztlich Geschmacksache. Die Wiener Aufnahme klingt saftiger als die aus Berlin, die mir in den ersten beiden Sätzen etwas matt erscheint. Trotzdem gefällt mir der 1. Satz mit den BPh besser, da lebendiger musiziert, im 2. Satz ist es umgekehrt. Der Berliner Produktion liegt die Neuedition der Beethoven-Sinfonien zugrunde, die Jonathan Del Mar vorgelegt hat, wahrscheinlich ist die Orchester-Besetzung kleiner, Vibrati vor allem in den Streichern sind eher selten.


Michail Pletnjew


Wer seine Klavieraufnahmen mit Sonaten etc. von Mozart, Beethoven, Schumann, Chopin... kennengelernt hat, wird hier nicht überrascht sein, dass manch Vertrautes anders als gewohnt aus seinen Lautsprecherboxen erklingt. Der Dirigent Pletnjew bleibt sich treu als Musikerklärer, ihm ist es wichtig, dem Hörer mitzuteilen, wie er die Partituren versteht. Das dies nicht immer mit dessen Hörgewohnheiten/ -Erfahrungen konform geht, ist sicher beabsichtigt. Er beginnt die ersten vier Takte des 1. Satzes der Pastoralen ganz langsam, nach der Fermate geht es dann rasend weiter, in T. 53 beschleunigt er das Tempo nochmals, bereits einen Takt vor dem 2. Thema lässt er entgegen Beethovens Absicht die 1. Geigen und Celli bereits legato spielen, zwischen dem Ende der Exposition und ihrer Wiederholung fügt er eine Generalpause von zwei Sekunden ein und fängt dann wieder wie beschrieben von vorn an. Vor Eintritt der Reprise bremst Pletnjew das Tempo stark ab und fügt dem Triller der 1. Violinen T. 282 ff noch eine Fermate hinzu, danach geht es in dem von ihm gewählten Haupttempo weiter. Das ist seine Interpretation, auf mich macht sie jedoch den Eindruck einer Karikatur. Im 2. Satz murmelt der Bach zu wenig, die 1. Geigen spielen zu sehr im Vordergrund, im Gewittersatz werden die gezackten Achteln mit nachfolgender Viertel der 1. Geigen und Bratschen zu sehr überspielt (T. 23 f, 27 f und 31 f). Bedenkenswert finde ich seine Lösung für die Takte 56-60, wo er die Musik kurz anschwellen und sofort wieder leiser werden lässt, das klingt überzeugend, auch wenn es nicht den Willen des Komponisten trifft. Pletnjew wiederholt diese Vortragsweise auch in den Takten 130 f und 132-135, dort wirkt sie nicht mehr so überzeugend. Zu Beginn des Finales erinnert sich der Dirigent an den Beginn der Sinfonie und lässt entsprechend Klarinette und Horn ganz langsam spielen, als müsse die Musik erst geweckt werden, danach geht es dann im gewohnten Allegrotempo weiter. In den Takten 133-139 ist die wichtige Hornmelodie durch andere Instrumente zugedeckt. Kurz vor Ende des Satzes, wenn die Streicher allein spielen (T. 237-244), nimmt Pletnjew das Tempo so stark zurück, als müsse die Musik still stehen, dann geht es ganz langsam dem Ende entgegen.


eingestellt am 11. 10. 11

letzte Ergänzung 23. 12. 12



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