Das Klassik-Prisma

 

Bernd Stremmel

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8. Sinfonie F-Dur op. 93

Allegro vivace e con brio – Allegretto scherzando – Tempo di Menuetto – Allegro vivace

Beethovens 8. Sinfonie in F-Dur entstand in unmittelbarer Nachbarschaft zu seiner 7. Sinfonie bzw. im Anschluss an diese. Schon seit ihrer Uraufführung steht sie bei Ausführenden und Hörern im Schatten der ausladenden und klangprächtigen A-Dur-Sinfonie, was bekanntlich den Komponisten ärgerte und ihn zu der Bemerkung veranlasste, die 8. sei doch viel besser als ihre Vorgängerin, eine Verkaufsstrategie? Ob sie besser ist, sei dahingestellt, jedenfalls bietet sie einige Überraschungen. Aus dem Blickwinkel seiner späteren Werke hat Beethoven das überkommene Formmodell der Sinfonie in Frage gestellt und eine neue Lösung gefunden, die seit der 3. Sinfonie nie so radikal ausgefallen ist.

Die Sinfonie beginnt ohne Einleitung, das Hauptthema wird sofort demonstrativ in den Raum gestellt. Der Eintritt der Reprise T. 190 wird als logische Folge einer Entwicklung, als Höhepunkt dargestellt und gleichzeitig seines bisherigen lediglich formalen Stellenwertes beraubt. Wie bereits in der Eroica fügt der Komponist anstelle einer mehr oder weniger längeren Coda eine zweite Durchführung ein, die in einem jubelnden Finale endet (Ähnlichkeiten zum Finale der Egmont-Ouvertüre sind nicht zu überhören!). Auch im 4. Satz erweitert Beethoven das Sonatenhauptsatzmodell in derselben Weise. Das alles gelingt ihm im Vergleich zu seinen anderen Sinfonien auf kleinstem Raum. Übrigens setzt in beiden Sätzen das 2. Thema jeweils in der falschen Tonart ein, D-Dur im 1. Satz, As-Dur im letzten.

Auch die traditionellen Mittelsätze werden in Frage gestellt: der langsame Satz erhält nun Scherzo-Charakter, erklingt also schneller als zuvor. Anstelle des bisherigen Scherzos setzt Beethoven eine Parodie auf das längst überwundene Menuett, gravitätisch mit Betonung „falscher“ Taktteile, es wird hier zum langsamen Satz stilisiert.

Den m. E. besten Beitrag zum Verständnis von Beethovens 8. Sinfonie hat Peter Schleuning im Booklet von P. Järvis CD-Ausgabe der 3. und 8. Sinfonie niedergelegt, die Lektüre sei hiermit empfohlen.

Vor der Besprechung der mehr als 100 Interpretationen möchte ich noch auf bestimmte Stellen der einzelnen Sätze eingehen. Das erste Thema des Kopfsatzes ist durch seine abgewandelte Wiederholung des 1. Abschnitts von 8 auf 12 Takte erweitert. Die ersten vier Takte wirft Beethoven kraftvoll in den Raum. Bei vielen Aufnahmen klingen sie etwas steif, wahrscheinlich verfügen die Musiker anfangs aufgrund von Anspannung und Konzentration hier noch nicht über die nötige Lockerheit. Das ist besonders bei den Violinen zu beobachten, bei denen die Artikulation des ersten Taktes (legato-staccato) oft nicht gelingen will, bei der Wiederholung der Exposition gibt es dann keine Probleme. Bei Günter Wands Aufnahme ist von diesem Problem nichts zu spüren. Ab T. 24 scheint es so, dass die Fortspinnung des ersten Themas ab T. 24 ins Leere läuft und keinen passenden Übergang zum Seitenthema findet. Nach einer Generalpause (T.33) tasten sich Streicher und Fagott zum 2. Thema vor. Der Komponist verlangsamt das Tempo bereits nach vier Takten, so, als habe er nicht die rechte Melodie (Streicher) gefunden, auch die folgenden Bläser scheinen an der Richtigkeit zu zweifeln (erneutes Ritardando). Die meisten Dirigenten bis hinein in die HIP-Bewegung beginnen mit dem Ritardando bereits einen Takt früher, mit Ausnahme von Klemperer (ohne 1957) und Beecham. Nach wenigen Überleitungstakten bestimmen sf-Akkorde die weitere Entwicklung. Aufmerksamen Hörern wird nicht entgehen, dass viele Dirigenten die ff-Takte 66-69 als Höhepunkt und Ziel dieser Akkord-Bewegung ansehen, z. B. Otterloo, Koussevitzky, Szell, Jochum, Lehmann, Celibidache, Kubelik, Abbado, Hogwood, Brüggen, Kempe, Ferencsik, Ansermet, Toscanini-52. Unmittelbar anschließend T. 70-72 bringt Beethoven einen neuen Gedanken, der von anderen Dirigenten als Ziel und Höhepunkt reklamiert wird, z. B. von Weingartner, Furtwängler, Fricsay, Leinsdorf, Casals, Weller, Norrington, Goodman, Immerseel, Antonini, Hickox, Jansons, Thielemann. Diese drei Takte muten wie ein neues Thema an, dass nach einer lyrischen Passage vor allem der Bläser wiederholt wird. Wer von den Hörern bemerkt, dass der Komponist in diesem Thema vom Dreiertakt zum Zweiertakt wechselt? Während die Holzbläser zu Beginn der Durchführung zum drittenmal abwechselnd das Kopfmotiv erklingen lassen, sollen die begleitenden Bässe ihr Viertonmotiv (T. 132-135) mit einem Crescendo dem folgenden Tutti zuführen. Viele Maestri sind da nur halbherzig bei der Sache, ein deutliches Crescendo bringen Jochum, Herreweghe, Morris, Gielen, Wolff, Silvestri, Solti!, Scherchen und Rattle.

Der schon oben erwähnte Eintritt der Reprise als Höhepunkt der kompositorischen Arbeit T. 190-197 ist ein Meisterstück: einmal als Ziel und Ende der Durchführung und gleichzeitig als triumphaler Beginn der Reprise. Dabei erklingen in den Bässen die T. 1-4 und 9-12 mit dem Hauptthema und gleichzeitig im strahlenden fff im Holz, den Hörnern und den Geigen ein Motiv, das an die Takte 5-8 des Hauptthemas erinnert! Beethoven möchte sicher beides in einem klanglich ausgewogenen Verhältnis hören lassen, auch die Bässe sollen fff zu hören sein. Viele Dirigenten lassen sich jedoch vom festlichen Bläserklang beeindrucken und vernachlässigen die Bässe wie Krips, Karajan, van Zweden, Davis, Haitink, Kertesz, Kuhn, van Kempen, WF-53 u. -54, de Friend und Barenboim. Nur wenigen gelingt ein zufriedenstellender Ausgleich im Sinne der Partitur: Pfitzner, Böhm, Fricsay, Weingartner, Rosbaud, Jochum, Kegel, Solti, Dohnanyi, Steinberg, Koussevitzky, Marriner, Abbado, Dausgard, Rajski, Leibowitz, P. Järvi, Beecham und Leinsdorf. Bei Kubelik und Maazel treten in diesen Takten die Bässe deutlich hervor.

Im Allegretto scherzando, dem 2. Satz, erinnert Beethoven an einen scherzhaften Kanon, den er dem Erfinder des Metronoms, Johann Nepumuk Mälzel, widmete: „An Mälzel“ WoO 162, Frühjahr 1812:

Ta ta ta ta … lieber Mälzel, ta ta ta ta … leben sie wohl lieber Mälzel, ta ta ta ta … Banner der Zeit, großer Metronom …“ 

Holzbläser und Hörner übernehmen die gleichbleibenden Schläge des Metronoms (ta, ta, ta, ta), während Geigen und Bässe im Wechselgesang die Worte übernehmen: T. 1-8, T. 40-43. Aufmerksame Kapellmeister wie Otterloo, Szell, Jochum, Konwitschny, Keilberth, Gielen, Abbado, Wand, Scherchen, Bernstein und Pletnjew heben den jeweils letzten Ton der Bässe (Achtelnote) ein wenig hervor und bereiten den Anschluss an den jeweils neuen Einsatz vor. Beethoven hat den 1. Geigen noch eine Begleitung der 2. Geigen und Bratschen zugeteilt, pizzicato zu spielen.  Nicht alle Maestri vermögen diesen wenigen Tönen einen spezifischen Duft zu entlocken. Viele andere verlangsamen die Musik deutlich vor Eintritt eines 2. Themas (T. 28/29 und T. 61/62, auch noch früher), von der die Partitur nichts vermerkt. Eingeschliffene Traditionen lassen sich schwer wieder korregieren.

Im 3. Satz, im Tempo eines Menuetts zu spielen, scheint sich Beethoven über den etwas langsamen und aus der Mode gekommenen Tanz, der immer wieder durch sf, auch auf „falschen“ Taktteilen, gestört wird, lustig machen zu wollen. Im 2. Abschnitt des Trios, das von den Melodien von 2 Hörnern und einer Klarinette beherrscht wird, wechselt die Musik fast unmerklich von C-Dur zu c-Moll (T. 54-55), in Beethovens Musik nichts besonderes, deshalb hört man ihn kaum. Knappertsbusch, Solti, Hickox, Kuhn, Herreweghe Bernstein-DG, Guttenberg und Antonini jedoch heben in T. 55 das es bei 2. Geigen und Bratschen etwas hervor und zeigen so auf den Beleuchtungs-Wechsel innerhalb des Tonartgefüges.

Den Finalsatz hat der Komponist mit Allegro vivace überschrieben, nicht A. molto,oder A. assai, womit das Tempo auf Dauer ermüdend wirken kann. Das 1. Thema scheint mir mit dem Thema der 1. Geigen aus dem 2. Satz verwandt zu sein, allerdings in umgekehrter Betonung, dort ein Anapäst, hier der Daktylos. Die Interpreten sollten hier aufmerksam auf Beethovens dynamische Vorgaben achten, oft wechseln sich leise mit sehr leise zu spielenden Abschnitten ab, oft genug jedoch werden die pp-Stellen zu laut gespielt. Gut beobachten lässt sich der Unterschied zu Beginn der Durchführung T. 91 ff, wo die Musik für ein paar Takte innehält. Nur relativ wenige Dirigenten können hier überzeugen: Szell, Furtwängler, Keilberth, Jochum, Casals, Kempe, Gielen, Knappertsbusch, Jansons, Rattle, Davis, Guttenberg, Antonini, Rajski, Brüggen und Thielemann. In der Fortspinnung des 1. Themas fügt Beethoven in den T. 32-36 ein absteigendes akkordisches Motiv ein, zuerst in F-Dur, unmittelbar danach in C-Dur. Im F-Dur-Gedanken verstärken  die zwei Hörner die Dreiklangstöne von F-Dur. Etliche Dirigenten lassen den Unterschied hören, wie  Casals, Lehmann, Mengelberg, Klemperer-55, Kempe, Monteux, Kubelik, Solti, Jansons, Leibowitz, Kegel, Weller, Harnoncourt, Mackerras, Morris, Hogwood, Dausgard, Immerseel, Rajski, Thielemann und Rattle.

Zu den Wiederholungen: Die W der Exposition im Kopfsatz wird von den meisten Dirigenten ausgeführt, Ausnahmen sind Walter, Klemperer-26, Furtwängler, Weingartner, Pfitzner, Karajan-46, Mengelberg-38, Abendroth, Münch, Silvestri, Keilberth, Ferenscik und Celibidache. Die W im Menuetto bringen alle Dirigenten außer Pfitzner, Weingartner, Beecham und Ferenscik, welche im Menuett nur die erste W beachten.

Hier nun die Aufnahmen:

Leibowitz

Royal Philharmonic Orchestra

Chesky

Reader’s Digest

1961

24’17

5

I immer der Partitur auf der Spur, II pulsierend, III Trio T. 51 f nicht ganz deutlich, IV mit innerer Spannung

Szell

Cleveland Orchestra

CBS   Sony

1961

26‘48

5

 

Busch

Niederösterreichisches Tonkünstlerorchester

Relief

1950

27‘08

5

I Gegensatz im 1. Thema staccato-legato genau herausgearbeitet, Musik spricht aus sich selbst, 2. Thema ein ganz klein weinig langsamer, erstaunlich transparentes Klangbild, abgesehen von lauten Tutti-Abschnitten, Stimmverläufe gut nachvollzogen, II nicht zu schnell, Musik kann atmen, III im Tempo eines Menuetts, kein Scherzo, IV entspannt, nicht aufgesetzt auftrumpfend

Casals

Marlboro Festival Orchestra

CBS    Sony

1963

24‘41

5

live – I A. assai, 2. Th. etwas langsamer, schneidende Akkorde, Toscanini-ähnlich, erregend, II profiliert, III spannungsvoll, IV mit Hingabe – hinreichende Transparenz, mucksmäuschenstilles Publikum

Blomstedt

Staatskapelle Dresden

Eterna      RCA

Berlin Classics

Brilliant

1978

26‘32

5

I und IV gewichtig, keine „leichte“ Sinfonie, sehr deutliches organisches Musizieren, II aufmerksames Dirigat, III Trio: Zweistimmigkeit der Hörner weniger gut herausgestellt – gute Transparenz und Balance

Schuricht

Conservtoire Orchester Paris

EMI

1957

25‘52

5

I anfangs einige Akkorde nicht haarscharf zusammen, in der Reprise steigt die Spannung, II delikat, con spirito, III Trio etwas langsamer, Hörner werden durch Fagotte verstärkt, Schuricht  zeigt Sinn für Proportionen, IV ohne Druck

Klemperer

Concertgebouw Orchester

Amsterdam

M&A

1956

27‘13

5

live

Klemperer

Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester

ica classics

Tahra

1955

26‘00

5

live

Wand

NDR Sinfonie-Orchester Hamburg

DHM    EMI     

RCA

1987

25‘39

5

stimmiges Musizieren, locker, dynamische Bandbreite

Otterloo

Residenz Orchester Den Haag

Philips     Challenge

1959

26‘59

5

I alles sehr deutlich, II sich  Zeit lassend, jenseits von Routine, III Trio etwas langsamer, leuchtende Hörner, IV energisch, mit Augenmaß

Fricsay

Berliner Philharmoniker

DGG

1953

24‘40

5

 

Abbado

Wiener Philharmoniker

Decca

1968

25‘15

5

 

Morris

London Symphony Orchestra

IMP

1988

25‘35

5

I T. 1 Vl. undeutlich, gesteigerte Spannung  ab der Reprise, II Atmosphäre, III Menuett und Trio gut voneinander abgesetzt, Hörner 2-stimmig!, IV profiliert

 

Scherchen

Royal Philharmonic Orchestra London

Westminster

Tahra     EMI

1954

23‘17

4-5

Scherchen verwirklicht Beethovens Metronomangaben – I prononcierter Vortrag, vital, in den Tutti-Akkorden ein wenig starr, Partitur durchleuchtet, delikates und farbenreiches Spiel, Kb. im Trio etwas zu laut, IV sehr lebendig, vivace! – gute Tempotrelationen

Krips

London Symphony Orchestra

Pye

Lingen

Bescol

1960

27‘17

4-5

unter Krips‘ Dirigat kann sich die Musik wie von selbst entfalten, I Bässe zu Beginn der Reprise zu leise, II kein wirkliches pp, III Menuett, Vielschichtigkeit des Trios offengelegt – im lauten Tutti-Partien kompakter Klang

Monteux

San Francisco Symphony Orchestra

RCA

1950

24‘34

4-5

 

Monteux

Wiener Philharmoniker

Decca

1960

26‘04

4-5

 

Jochum

Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

DGG

1958

27‘14

4-5

 

Jochum

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Philips

1969

26‘09

4-5

 

Walter

Columbia Symphony Orchestra

CBS   Sony

1958

26‘28

4-5

 

Kegel

Dresdner Philharmonie

Berlin Classics

Capriccio

1982

25‘45

4-5

Anforderungen der Partitur gut verwirklicht – I 2. Th. etwas langsamer, II kapriziös, III Menuett und Trio gut voneinander abgesetzt, die sf auf den unbetonten Taktteilen gut herausgearbeitet

Kletzki

Tschechische Philarmonie Prag

Supraphon

1967

26‘04

4-5

I Bässe als Widerpart gut herausgestellt, insgesamt weniger locker, II pointiert artikuliert, III Menuett, natürlich fließend, IV Kletzki sind die Nebenstimmen wichtig, souverän – transparenter Klang

Thielemann

Wiener Philharmoniker

Sony

2009

27‘44

4-5

live – I „große Sinfonie“, 2. Th. langsamer, Eintritt der Reprise T. 190 ff richtig fff als Höhepunkt, insgesamt etwas fest musiziert, II farbig, rit. T. 39 u. 72, III deutliches Menuett, Th. bringt im Trio als einer von wenigen die dynamischen Unterschiede  bei den beiden Hörnern (T. 71 ff) heraus, IV gewichtig – Furtwängler-Nähe

Jansons

Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

BR Klassik

2012

25‘29

4-5

I Musik gut ausformuliert, auf dem Höhepunkt kein fff, „große Sinfonie“, II sehr klar, gespannt, III Beethovens dynamische Anweisungen umgesetzt, IV farbiges Spiel, nicht eilend

van Kempen

Berliner Philharmoniker

Philips

1953

27‘17

4-5

 

Klemperer

Philharmonia Orchestra London

EMI

1957

27‘43

4-5

 

Szell

New Philharmonia Orchestra London

BBCL

1968

26‘48

4-5

live

Beecham

Royal Philharmonic Orchestra London

Columbia   Sony      EMI

1951

26‘12

4-5

I konzentriert, energisch, II Beethovens Vorgaben sensibel umgesetzt, III Trio deutlich abgesetzt, Atmosphäre, IV Musik läuft wie von selbst

Hickox

Northern Sinfonia of England

ASV     resonance

~ 1986

26‘35

4-5

I weicher, fließender Bläserklang T. 73 ff, großer Spannungsbogen bis zum Höhepunkt, II farbiges Musizieren, Atmosphäre, III stimmig, IV kaum Wünsche offen – sympathische Darstellung

Sawallisch

Concertgebouw Orchester Amsterdam

EMI

1993

25‘27

4-5

I vivace e con brio !, ausgeglichenes Musizieren, akkurat, II immer entlang der Partitur, III perfekt – Beethovens 8. ohne Sawallisch

Muti

Philadelphia Orchestra

EMI

1987

24‘47

4-5

I energisches detailgenaues Musizieren, Musik etwas leicht genommen, II genau, aber weniger Spannung, Musik läuft so, farbige Darstellung, IV ohne Exaltiertheit – gute dynamische Staffelung, sehr gute Transparenz

Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1962

26‘21

4-5

 

Barbirolli

Hallé Orchestra Manchester

Pye     Dutton

1959

25‘50

4-5

I energisch, stringent, großer Spannungsbogen vor der Reprise, II bewegt, den Notentext aufmerksam umgesetzt, IV dynamische Differenzierung nicht ganz zufriedenstellend, Trp. T. 32/33 und T. 192/93 zu laut

Steinberg

Pittsburgh Symphony Orchestra

EMI

1954

25‘43

4-5

profilierte Interpretation, Themen und Motive immer genau modelliert, ein wenig geglättet, für die Zeit der Aufnahme ein sehr gutes Klangbild, allerdings Satz 1 T. 141 und 142 jeweils auf 1 eine Verzerrung – I viel Energie freisetzend, mit Verve, Einbezug der Nebenstimmen, IV fast atemlos

Kuhn

Haydn Orchester von Bozen und Trient

col legno

2005/06

27‘07

4-5

I auch mit weniger schnellem Tempo lässt sich eine überzeugende Leistung hervorbringen, farbenreich, Stimmführung gut nachvollziehbar, II farbige Bläser, pizz. der 2. Vl. und Va. jedoch kaum duftig, III bestens gestaltetes Trio, IV hellwach – überzeugende Klangregie

Davis, Colin

Sächsische Staatskapelle Dresden

Philips

1993

27‘32

4-5

I gute Kapellmeisterleistung, kräftige sf, in die Breite gehend, II transparent, farbenreich, III Hörner immer präsent, Menuetto und Trio gut voneinander abgesetzt, IV D. lässt sich Zeit – insgesamt warmer Klang, sehr gute Transparenz

Lehmann

Orchestre des Cento Soli

Le Club Francais du Disque

forgotten records

1954

26’54

4-5

I mit Hingabe, 2. Th. unmerklich verzögert, II schlank, präzise, III/IV immer ganz nahe an der Partitur – transparentes Klangbild

Fricsay

RIAS Sinfonie-Orchester Berlin

audite

1954

26‘21

4-5

 

Kempe

Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

Orfeo

1975

26‘34

4-5

live

Kempe

Münchner Philharmoniker

EMI

~ 1972

27‘00

4-5

 

Pletnjew

Russisches National Orchester

DGG

2006

25‘31

4-5

I Natürlichkeit wahrend, Va. T. 104 ff zu leise, II aufmerksam, III bewegt, Anfangstakt fast beiläufig, IV pulsierend, T. 376-379 dreimal cis unisono plötzlich langsamer, wie beim Komtur  in Don Giovanni – nur Beethoven, fast ohne Zutaten von Pletnjew

Kubelik

Cleveland Orchestra

DGG

1975

25‘53

4-5

zwei Jahre nach Szells Tod, das Orchester scheint ihn und seine langjährige Erziehungsarbeit nicht vergessen zu haben – I/IV entschiedener Zugriff, II kapriziös, III sf gut herausgearbeitet

Chailly

Gewandhausorchester Leipzig

Decca

2009

22‘19

4-5

live – I mit viel Schwung, jedoch etwas starr, Anfangstakte etwas verwackelt, jähe Wechsel der Lautstärken, II hellwach, pointiert, III sehr schnell, lebendiges Trio, IV Allegro assai, vorgeführte Orchestervirtuosität – sehr gute Transparenz und Balance

Marriner

Academy of St. Martin-in-the-Fields

Philips

1987

25‘56

4-5

I nicht übereilt, Mittelstimmen der Streicher T. 62-69 deutlicher als üblich, II immer locker, III Menuett-Charakter betont, IV ausgelassen, pointiert

 

Dohnanyi

Cleveland Orchester

Telarc

1988

26‘25

4

etwas fest musiziert, Klangbild nicht so hell wie bei Maazel und Kubelik, dynamische Bandbreite besser genutzt 

Solti

Chicago Symphony Orchestra

Decca

1973

27‘35

4

insgesamt festes Musizieren, Solti lässt die Zügel kaum locker; runder, voller Orchesterklang, bassbetont – II 1. Geigen wenig spritzig, duftende Pizzicati  T. 47 ff, III gewichtig

Rattle

Wiener Philharmoniker

EMI

2002

25‘40

4

live – I mit Verve, Anfangstakte bei der W präziser, deutliche sf auch in den T. 93-95, ebenso in den folgenden drei Tutti-Blöcken ab T. 112, II Bässe etwas entfernt, anfangs ohne Konzept, rit. T. 28 f und T. 61 f, III etwas zu glatt, IV differenzierte Darstellung

Maazel

Cleveland Orchestra

CBS  Sony

1978

25‘15

4

I zupackend, immer auch die Nebenstimmen im Blick, II kapriziös, III immer deutliche Stimmführung, dynamische Differenzierung im p-Bereich zu großzügig, _ helles Klangbild, wenig Bass, insgesamt schlankes  Musizieren

Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1977

24‘39

4

 

Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1984

26‘13

4

 

Karajan

Philharmonia Orchestra London

EMI

1955

26‘16

4

 

Wolff

hr-Sinfonie-Orchester FRankfurt

hr-music

2005

26‘44

4

I gute Balance zwischen 1. Geigen und Bässen T. 12 ff, geschärfte sf der Blechbläser, sonst gediegen, II aufmerksames Dirigat, pizz. der 2. Geigen und Va. weniger duftig, III Blick auch aufs Detail, IV hätte etwas lockerer ausfallen können

Abbado

Wiener Philharmoniker

DGG

1987

25‘49

4

live

Klemperer

Preußische Staatskapelle Berlin

Polydor    DGG

archiphon

1924

25‘55

4/1

 

Klemperer

Preußische Staatskapelle Berlin

Polydor    DGG

archiphon

1926

23‘55

4/1

 

Walter

New York Philharmonic Orchestra

CBS     Philips   M&A

1942

24’22

4

 

Toscanini

NBC Symphony Orchestra

M&A       Nuovo Era u. a.

1939

24’19

4

live

Toscanini

NBC Symphony Orchestra

RCA

1962

25’17

4

 

Horenstein

Orchestre National de l’ORTF

M&A

1952

24’40

4

I in den ersten vier Takten muss sich das Orchester noch zusammenfinden, vorwärtstreibend, II kapriziös, III/IV lebendig – dynamische Differenzierung noch großzügig, kaum Publikumsgeräusche

Jochum

London Symphony Orchestra

EMI

1978

27‘07

4

 

Bernstein

New York Philharmonic Orchestra

CBS   Sony

1963

25’44

4

 

Bernstein

Wiener Philharmoniker

DGG

1978

24’54

4

live

van Kempen

Berliner Philharmoniker

Polydor  DGG

Tahra

1940

24‘10

4

 

Haitink

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Philips

1987

25‘51

4

I in der Durchführung das Gegeneinander von Oberstimme und Bass gut herausgearbeitet, sonst gediegen, II bewegt, III Tutti-Passagen wenig aufgehellt, IV kaum  Unterschiede zwischen p und pp

Schmidt-Isserstedt

Wiener Philharmoniker

Decca

P 1970

26‘58

4

nach guter Kapellmeisterart, gepflegt musiziert, gefällt, hält aber keine Überraschungen bereit, I Crescendo vor der Reprise unterbelichtet

Vänskä

BBC Scottish Symphony Orchestra

BBC music

1998

24‘59

4

 

Tilson Thomas

English Chamber Orchestra

Sony

1985

25‘44

4

I zupackend, 2. Th. etwas langsamer, großer Bogen bis zum Höhepunkt, II ohne Eile, gediegen, III Trio langsamer, IV konzentriert, Musik läuft fast wie von selbst

Koussevitzky

Boston Symphony Orchestra

History

1936

24‘15

4

I frisch, lebendig, Bläser gegenüber den Streichern klanglich benachteilgt, großer Bogen bis zur Reprise, II T. 11-14 Achtelnoten zu kurz, T. 28 f und T. 61 f rit., III Artikulation T.1 f  unsicher, bei der W. in Ordnung, Trio viel langsamer, IV aufgekratzt, Artikulation hier und da etwas großzügig, darunter leidet etwas die Spannung – dynamische Differenzierung im p-Bereich nicht top

Mengelberg

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Philips

Grammophono

1940

26‘24

4

live

Ferencsik

Ungarische National-Philharmonie Budapest

Hungaroton

Delta

1976

24‘06

4

I vorwärtsdrängend, Spannung geht T. 102/03 etwas zurück, großer Bogen bis zum Beginn der Reprise, gute Gestaltung, III etwas schnell, Akzente fallen unter die Pulte, IV gediegen – durchsichtiges Klangbild, dynamische Differenzierung nicht ausgeschöpft

Ansermet

Orchestre de la Suisse Romande

Decca

1963

27’29

4

I ab T. 168 leiser, danach allmähliches Cresc. bis zum Höhepunkt, II klar, Lautstärkedifferenzierung im p- Bereich nicht top, III Trio langsamer, vielschichtig, IV Routine

Celibidache

Münchner Philharmoniker

EMI

1995

28‘40

4

live – I gewichtig, „große Sinfonie“, Reprise kommt organisch im fff, II Celi nimmt sich viel Zeit, Partitur bis in alle Ecken hinein durchleuchtet, III schleppend, IV wie Satz 1 – kaum Unterschiede zwischen p und pp

Weller

City of Birmingham Symphony Orchestra

Chandos

1988

26‘52

4

I weniger vivace,  T. 104 ff und 116 ff Va. zu leise, II Musik spielt wie von selbst, III gefällig, sparsamer Umgang mit sf, Satz überzeugt noch am meisten – klangschöne Aufnahme, gute Transparenz

Rosbaud

SWF Sinfonie-Orchester Baden-Baden

SWR

1956

26‘44

4

unveröffentlicht – I darstellerische Konzentration, II bewegt, locker, III/IV wie selbstverständlich – Klangbild im Tutti-Bereich etwas dicht

Ormandy

Philadelphia Orchestra

CBS   Sony

1961

26‘38

4

I gute Verbindung zwischen Präzision und Temperament, II nicht eilend, pointiert artikuliert, III gediegen, sf etwas zu lasch, IV dynamische Differenzierung zu großzügig gehandhabt

Müller-Brühl

Kölner Kammerorchester

Naxos

2007

25‘01

4

aufmerksame Gestaltung, gute Kapellmeisterarbeit, kaum dynamische Differenzierung im p-Bereich

Weingartner

Wiener Philharmoniker

EMI

Naxos

1936

23‘25

4

I vorwärtsdrängend, T. 143 ff Basslinie zu leise, II etwas routiniert,  IV läuft so

Böhm

Wiener Philharmoniker

DGG

1971

27‘15

4

konzentriert, exakt, I Fagottbegleitung beim 2. Th. nur beiläufig, II eher sachlich, III Hörner klingen im Trio gefährdet, IV korrekt, aber ziemlich spannungslos

Furtwängler

Berliner Philharmoniker

DGG

1953

26‘04

4

live

Furtwängler

Wiener Philharmoniker

Orfeo

1954

27‘15

4

live

Furtwängler

Stockholmer Philharmoniker

EMI

1948

25‘39

4

live

Leinsdorf

Boston Symphony Orchestra

RCA

1969

24‘53

4

I mit Hingabe, Drive, souverän, ohne Pathos, die restlichen Sätze werden zwar orchestral perfekt dargeboten, jedoch etwas glattgebügelt, mehr an der Oberfläche bleibend


 

Suitner

Staatskapelle Berlin

Eterna

Denon

1983

26‘29

3-4

I insgesamt weniger geformt, T. 103 B rhythmisch nicht genau, II gediegen, III breit, ausladend, IV etwas fest, wenig Esprit, es läuft so – Dynamik im p-Bereich zu großzügig

Monteux

Orchestre National Paris

M&A

1955

26‘18

3-4

live

Maag

Orchestra di Padova e del Veneto

Arts

1994

27‘41

3-4

im ganzen uneinheitlich – I wenig Schwung, etwas betulich, II Tempo im Vergleich zum 1. Satz zu schnell, rit. T. 28 f und T. 61 f, ansonsten kapriziös gespielt, III eindeutig Menuett-Charakter, behäbig, IV die Hand des Dirigenten wird kaum spürbar

Karajan

Wiener Philharmoniker

EMI

1946

23‘37

3-4

 

de Sabata

New York Philharmonic Orchestra

Andromeda

1951

24‘38

3-4

live, uneinheitliche Deutung , kompakter Klang, dynamische Differenzierung zu großzügig – I „große Sinfonie“, deutliches Musizieren, T. 1 steht noch nicht, großer Spanungsbogen bis zum Höhepunkt, II hurtig, an einigen Stellen fehlt der Schliff, IV ohne Delikatesse

Haenchen

Netherlands Philharmonic Orchestra

Vanguard

P 1993

26‘11

3-4

I 1. Takt steht noch nicht, vorwärtsdrängend, kraftvoll, II Musik läuft ab, pizz. der 2. Vl. und Va. ohne Duft, III Menuett ziemlich glatt, Trio besser, IV gediegen – Temporelationen nicht optimal, Dynamik im p-Bereich nicht ausgereizt

Masur

Gewandhausorchester Leipzig

Philips

1992

26‘24

3-4

 

Masur

Gewandhausorchester Leipzig

Eterna

Philips

1972

26‘59

3-4

 

Tennstedt

London Philharmonic Orchestra

EMI

1986

26‘03

3-4

I Tenstedt tritt hinter das Werk zurück, gediegen, II rit. T. 28 f und T. 61 f, wenig profiliert, III fast schon behäbig, sf ohne Biss, IV T. 77 ff kaum Gestaltung

Silvestri

Bournemouth Symphony Orchestra

BBCL

1966

22‘31

3-4

live - I Drive, II sich Zeit lassend, staccato- und legato-Partien gut von einander abgehoben, III gediegen, IV Orchester etwas ruppig – spieltechnisches Niveau hier niedriger als auf Tonträgern gewohnt

Konwitschny

Gewandhausorchester Leipzig

Eterna

Berlin Classics

~ 1960

26‘27

3-4

Lautstärkedifferenzierung kaum ausgeprägt, wenig artikulatorische Feinarbeit, - I und IV gewichtig, „große Sinfonie“, II kaum Esprit, III etwas rustikal

Cluytens

Berliner Philharmoniker

EMI

1957-1959

27‘30

3-4

I etwas langsam, Gestaltung der Reprise bleibt hinter den Möglichkeiten zurück, II Holz T. 40 ff ungleichmäßig, III gediegen, IV ein Funke springt nicht über

Keilberth

Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

Orfeo

1967

24‘56

3-4

live, Keilberth als Einspringer, Aufnahme zeugt von der Metierbeherrschung des Dirigenten, bei einer Probe vorher wäre das Ergebnis sicher positiver ausgefallen, einzige 8. mit Keilberth

Münch

Conservatoire Orchester Paris

Decca

forgotten records

1947

21‘09

3-4

I ungestüm, rit. schon zwei Takte vorher, Va. T. 104/116 zu leise, II etwas (zu) schnell, III ruheloses Trio, IV hurtig, klingt sehr wie abgespult – herabgesetzte Präsenz, etwas stumpf

Frühbeck de Burgos

London Symphony Orchestra

Collins

P 1989

26‘54

3-4

I ein wenig schwerblütig, Themenkopf T. 1 (auch bei der Wiederholung) wenig prägnant, II Pizzicato der 2. Vl. und Bratschen T. 44-47 unterbelichtet, IV etwas Leerlauf – man hätte sich insgesamt etwas mehr an Prägnanz gewünscht, Lautstärkedifferenzierung im p-Bereich nicht top

Mengelberg

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Telefunken

1938

24‘47

3-4

 

Giulini

London Symphony Orchestra

EMI

1972

27‘29

3-4

 

Giulini

Orchestra Filarmonica della Scala

Sony

1992

28‘25

3-4

 

Knappertsbusch

Berliner Philharmoniker

audite

Andromeda

1952

28‘09

3-4

respektable Interpretation, der Hörer sollte sich jedoch auf Knappertsbuschs  Temperament einstellen – I 2. Th. langsamer, III Trio viel langsamer

Pfitzner

Berliner Philharmoniker

Polydor  DGG

Naxos

P 1933

24‘20

3-4

I T. 11 unvermittelt langsamer, um die Sechzehntel der Str. hervorzuheben; Holz T. 108-135 (Solostellen) zu leise, Pfitzner verstärkt auf dem Höhepunkt T. 190 ff das HT mit Hörnern, kurze Zäsur nach dem HT, II mit innerer Spannung, III Trio langsamer, aber weniger deutlich, IV leichte Temposchwankungen, etwas akademisch

Swarowsky

Süddeutsche Philharmonie

Intercord

P 1976

27‘53

3-4

Authentizität der Aufnahme nicht gesichert! – immer konzentriert, der Partitur auf der Spur, jedoch ohne Schwung, gute Kapellmeisterarbeit

 

Barenboim

Staatskapelle Berlin

Teldec

1999

25‘04

3

I Thema in Vl. 1 ohne rechte Kontur, bei der Wdhlg. besser, 2. Thema etwas lustlos, Staccato weicht in T. 67-69 auf,  T. 70 ff punktierter Rhythmus ohne Schärfe, Begleitfigur der Va. T. 104 ff zu leise, undeutliche Artikulation T. 213-216, II zu Beginn in Beethovens Tempo (Achtel=86), später langsamer, III leichte Temposchwankungen, , Transparenz lässt Wünsche offen, etwas behäbig, IV klingt wie nur durchgespielt, Artikulation T. 76 ff nicht top

Abendroth

Gewandhausorchester Leipzig

 

 

23‘57

3

insgesamt etwas grobkörnig, ohne artikulatorische Feinarbeit, wenig transparentes Klangbild – I drängend, II bewegt, wenig profiliert

Kertesz

Berliner Philharmoniker

Orfeo

1962

28‘11

3

live – I etwas schwerfällig, II kaum Esprit, III gezogen, Hrn. im Trio nicht sofort als Duett, IV ein Funke will nicht überspringen – dynamische Differenzierung im p-Bereich nicht top, dumpfer Klang, kompakt

Knappertsbusch

Sinfonie-Orchester des NDR Hamburg

Tahra

1960

32‘06

2-3

live – zu langsam, schleppend, Beethovens Esprit bleibt auf der Strecke



Interpretationen nach historischer Aufführungspraxis und mit Originalinstrumenten:

Brüggen

Orchester des 18. Jahrhunderts

Philips

1989

23‘37

5

 

 

Immerseel

Anima Eterna

ZigZag

2005

24‘08

4-5

I durchsichtiges, farbiges Klangbild, präsente sf, III bewegt, genaue Akzente, historische Hörner klingen hier nicht so glatt wie bei anderen Ensembles, IV Stimmverläufe immer gut zu verfolgen

Hogwood

The Academy of Ancient Music

Decca

1989

23’56

4-5

I schnell, leicht und locker, III Trio etwas zu glatt, IV durchsichtiges Klangbild, Stimmverläufe immer gut zu verfolgen – die Aufnahme klingt im Vergleich zu Norrington viel gelöster, trotz noch etwas schnellerer Tempi

Gardiner

Orchestre Révolutionnaire et Romantique

DGA

1992

24‘04

4-5

I energisch, II genau ausgeformt, III Trio etwas lieblos, IV Allegro assai, artistisch, mechanisch, mit dem IC durch Beethovens Gedankenwelt – insgesamt sehr geglättet, Gardiner entfernt sich hiermit von der Originalklangwelt

 

Norrington

London Classical Players

Virgin     EMI

1986

25‘23

4

 

Brüggen

Orchester des 18. Jahrhunderts

Glossa

2011

26‘14

4

live

Goodman

The Hanover Band

Nimbus

1988

24‘48

4

I schnelles Tempo, präsente sf des Blechs, wird aber eintönig, wenn immer dieselben Töne anstehen, II gefällt besser als Norrington, Musik steht nicht unter der Knute, III Menuett und Trio im selben Tempo, im Trio kämpfen die Hörner mit dem Hall, IV sehr bewegt

 

Interpretationen nach historischer Aufführungspraxis mit modernen Instrumenten:

Järvi, Paavo

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

RCA

2004

23‘58

5

II energisch, pulsierend, vorwärtsdrängend, II con spirito, III ganz im Sinne der Partitur, IV Allegro assai, Orchestervirtuosität, ohne das Beethoven zu kurz kommt

Gielen

SWF Sinfonie-Orchester Baden-Baden

EMI

1993

23‘44

5

I zugespitzte Durchführung, klangliche Reibungen herausgestellt, II con spirito, III Trio Horn 2-stimmig!, aufmerksam gestaltet, IV könnte an Tutti-Stellen noch etwas schlanker sein – insgesamt gute Temporelationen

Vänskä

Minnesota Orchestra

BIS

2006

25‘22

5

 

Rajski

Polnische Kammerphilharmonie Sopot

Tacet

2005

24‘55

5

I energischer Zugriff, II Partitur durchleuchtet, III schnelles Menuett, Trio Hörner 2-stimmig!, IV Allegro assai, Musik jedoch immer geformt – transparenter KLang


 

Abbado

Berliner Philharmoniker

DGG

2000

24‘56

4-5

 

Abbado

Berliner Philharmoniker

DGG

2001

26‘26

4-5

live

Harnoncourt

Chamber Orchestra of Europe

Teldec

1990

26‘41

4-5

live – Blech immer sehr präsent, I Vl.-Motiv in T. 1 verwackelt, II fast schon „normal“, rit. T. 28/29 und T. 61/62, III klangschönes Trio, etwas langsamer, IV souverän, Themenverläufe immer sehr gut nachgezeichnet

Herreweghe

Königlich Flämische Philharmonie

Pentatone

2007

23‘33

4-5

I ausgelassen, II artikulatorische Feinarbeit, III (zu) schnell, nicht alle Details werden vorgestellt, IV Allegro assai, virtuos

Mackerras

Scottish Chamber Orchestra

hyperion

2006

26‘13

4-5

live

Antonini

Kammerorchester Basel

Sony

2012

23‘25

4-5

I viel Drive, II T. 17 mf statt pp, ,etwas mechanisch klingende Bläser, deutliche rit. T. 28 f und T. 61 f, III Synkopen der Hörner T. 29 ff herausgestellt, delikates Trio, Crescendi nicht vergessen, IV Allegro assai, artistisch, mechanisch

de Vriend

Niederländisches Philharmonisches Orchester

Challenge

P 2012

25‘13

4-5

I vorwärtsdrängend, Lust an instrumentaler Zuspitzung, II klar, durchsichtig, gelungenes Trio, IV immer wieder klangliche Schärfung

 

Zinman

Tonhalle Orchester Zürich

Arte Nova

1997

22‘49

4

I sehr klar, wie auf dem Seziertisch, andererseits auch ein wenig mechanisch, II nach dem rasanten Tempo zuvor wirkt dieses, obwohl schnell, wiederum richtig – aufmerksame Gestaltung, III Trio unter Wert gespielt, IV Allegro assai fabelhaft, aber zu mechanisch

Guttenberg

Klangverwaltung

Farao

P 1999

25‘16

4

I geschärftes Blech drückt die anderen Instrumente zur Seite, II gediegen, III spontanes Musiziergefühl, IV exakt

Mackerras

Royal Liverpool Philharmonic Orchestra

EMI

1997

24‘49

4

 

Dausgaard

Schwedisches Kammerorchester

Simax

2002

22‘55

4

fast wie abgespult, technisch fabelhaft gemeistert, aufgrund der sehr schnellen Tempi wird der Höreindruck jedoch ermüdend, auch wenn Dausgaard auf Details hinweist, die meist überspielt werden

 

Nelson

Ensemble Orchestral de Paris

naive

Ambroise

2005

23‘47

3-4

I T. 104 auf 1 falscher Ton, T. 120 ff accell., Durchführung etwas hektisch, II Sechzehntel kurz angebunden, T. 61 f rit., wenig Atmosphäre, nur executiert, III klingt wie nur durchgespielt, IV auch hier, etwas hektisch

de Billy

Radio Sinfonie-Orchester Wien

Oehms

2009

25‘38

3-4

I unruhig, geschärftes Blech in der Durchführung, Pk. zu leise, II etwas einfallslos, Pizzicato der 2. Viol. u. Va. ohne Duft, III noch nicht alles aus der Partitur herausgeholt, Pk. stellenweise zu leise, IV Pk. hier präsenter, insgesamt zu viele Einzelabschnitte


 

Norrington

SWR-Sinfonie-Orchester Stuttgart

hänssler

2002

23‘26

3

live

van Zweden

Residenz Orchester Den Haag

Philips

2002/03

25‘07

3

I T. 12 ff punktierte Halbe der Violinen zu kurz, Va. T. 104 ff zu leise, auch Vc. T. 128 ff, ohne rechten Biss, II etwas einfallslos, Dialog innerhalb der Streicher T. 1-8 und T. 141 ff ?, III lasche sf,  wenig profiliert,  Trio wesentlich langsamer und ausdrucksvoller, IV ohne rechte Spannung

 

Hinweise zu Interpreten und ihren Interpretationen:

Arturo Toscanini

Die ältere Aufnahme wurde im Rahmen einer Gesamtaufführung um die Weihnachtszeit 1939 mitgeschnitten. Toscanini lässt schwungvoll, ausgelassen bis zur Selbstentäußerung musizieren, die Musik scheint den Maestro fest im Griff zu haben. Auf dem Höhepunkt T. 190 ff ändert er die Paukenstimme, ohne damit ihre Wirkung zu steigern. In der späteren Aufnahme ist es umgekehrt, hier ist der Dirigent immer Herr des Verfahrens. Im Allegretto wird in beiden Aufnahmen etwas zu äußerlich, zu mechanisch musiziert, die wenigen Achtel-Noten ohne staccato-Punkt werden jedoch mit diesen gespielt. Das Menuett ist unruhig, die Musik klingt wie stolziert, das Trio jedoch gefällt aufgrund des lebendigen Spiels. Im Finale kommen viele Abschnitte zu mechanisch daher. Interpretatorisch fasziniert die ältere Aufnahme mehr, obwohl sie klanglich in keiner Weise mithalten kann.

Willem Mengelberg

Der Dirigent versuchte immer wieder Beethovens Notentext samt den zugehörigen Anweisungen zu verändern, aber immer in der Absicht, Beethovens ursprünglicher Absicht mehr Geltung zu verleihen. So auch hier in der 8. Sinfonie. Das fällt besonders in seiner Studio-Aufnahme auf: Im 1. Satz wird das 2. Th. deutlich langsamer gespielt; Beethovens Ritandandi werden deutlich gedehnt, insgesamt sind wechselnde Tempi zu beobachten. Mit Crescendo geht auch oft eine Beschleunigung einher, umgekehrt mit einem Diminuendo eine Verlangsamung des Tempos. Auf dem Höhepunkt beim Eintritt der Reprise unterstreicht der Dirigent die Bedeutung dieser Takte mit einer deutlichen Verzögerung. Am besten gefallen die letzten beiden Sätze, im Finale gibt es jeweils vor Eintritt des 2. Themas eine winzige Pause. Die dynamische Differenzierung wird recht großzügig behandelt.

Zwei Jahre nach dieser Studio-Produktion bringt Mengelberg im Amsterdamer Concertgebouw einen Zyklus aller 9 Sinfonien, die vom Rundfunk mitgeschnitten und später auch auf Tonträger veröffentlicht wurde. Im Falle der 8. Sinfonie meint man hier einen anderen Dirigenten am Werke zu haben, sie zeigt viel weniger Manierismen und klingt moderner. Leider kann sie klanglich mit der Telefunken-Aufnahme nicht konkurrieren.

Pierre Monteux

Der französische Maestro ist vor allem als vorzüglicher Interpret der Musik seiner Heimat bekannt und geachtet, aber auch als Beethoven-Dirigent sollte man ihn hoch schätzen. Erinnert sei hier an seine außergewöhnliche Eroica-Interpretation. Auch seine Deutungen der 8. Sinfonie sind nicht zu verachten. Bereits 1950, noch lange bevor das Gros der Interpreten an eine historisch-informierte Aufführungspraxis dachte, stellt er die Reibungen des Blechs an sf-Stellen, besonders im Kopfsatz, heraus. Zum Höhepunkt mit Erscheinen des HTs zu Beginn der Reprise spannt er einen großen Bogen. Das Andante wird etwas hurtig gespielt, dabei jedoch genau geformt. Im Menuett wünschte man sich die sf auf den „falschen“ Taktteilen etwas derber. Im Trio achtet Monteux immer auf die Zweistimmigkeit der Hörner, übrigens auch in den anderen Aufnahmen. Das Finale knüpft mit den angerauten Streichern an den Kopfsatz an. Das Klangbild weist bereits ein hohes Maß an Transparenz auf, bei der dynamischen Differenzierung im p-Bereich bleiben allerdings Wünsche offen. Zehn Jahre nach der amerikanischen Studio-Produktion spielte Monteux mit den Wiener Philharmonikern die 8. ein weiteres Mal ein. Die Tempi sind nun etwas langsamer geworden, die exzellente Spielkultur dieses Orchesters wirkt sich auf das Klangbild aus und erfreut den Hörer, trotzdem finde ich die frühere Aufnahme authentischer.

Beim französischen Rundfunk-Orchester, dem Orchestre National, stand Monteux immer wieder am Pult. Das amerikanische Label Music&Arts hat einige Konzertmitschnitte aus den 50er Jahren, darunter auch Beethovens 8., auf CD herausgebracht. Der Dirigent gibt dem Orchester hier mehr Zeit, einige Stellen werden noch deutlicher ausformuliert. Das Orchester klingt mächtiger, jedoch nicht so geformt und differenziert. Das Andante, obwohl von allen drei CDs noch das langsamste, klingt hier etwas hektisch. Dynamische Differenzierungen werden im Saal vor Publikum noch weniger gepflegt. Die Frage der Notwendigkeit der Veröffentlichung stellt sich hier einmal mehr.

Bruno Walter

Die Ecksätze der Aufnahme aus 1942 sind sehr bewegt genommen, mit viel Brio musiziert. Im Kopfsatz spannt Walter einen großen Bogen bis zum Eintritt der Reprise. Die Takte 141-43 klingen etwas verwackelt. Im Allegretto-Satz werden die Harmoniewechsel in der Bläserbegleitung immer gut erlebbar. Die dynamische Differenzierung vor allem im p-Bereich überzeugt nicht. Die Anlage der späteren Stereo-Aufnahme entspricht in etwa der Mono-Platte. Positiv zu vermelden ist das viel bessere Klangbild, davon profitiert auch der 2. Satz, der nun Wärme ausstrahlt. Im Gegensatz zur früheren Aufnahme werden jetzt die Themen und Motive schärfer geformt, damit gewinnt das Profil des Satzes. Fraglich scheint aber ein unnötiges rit. in T. 51. Das Finale läuft in etwas ruhigeren Bahnen.

Otto Klemperer

Klemperers Kompetenz als Beethoven-Interpret offenbarte sich nicht erst als Dirigent des Philharmonia Orchesters, sondern bereits während seiner Arbeit an der Berliner Kroll-Oper in der Weimarer Republik. Nach der Inflation 1923 nahm die Deutsche Grammophon Gesellschaft zum ersten mal einen Beethoven-Zyklus auf, noch im akustischen Verfahren, d.h., die Instrumente spielten in einen großen Trichter, der Deutlichkeit halber wurde an der Partitur, was die Instrumentation betraf, Retuschen vorgenommen. Klemperer dirigierte die Sinfonien Nr. 1 und 8, in künstlerischer Nachbarschaft zu Bruno Seidler-Winkler und Oskar Fried. Zwei Jahre später wurde das akustische Verfahren gegen ein neues Lichtton-Verfahren ausgetauscht, das aber höchst anfällig war und schon kurze Zeit später vom bekannten elektrischen Vefahren, also unter Einsatz von  Mikrophonen, abgelöst wurde. In dieser Übersicht sind Klemperers erste Aufnahme von 1924 und die zwei Jahre spätere von 1926 vertreten. In der Trichteraufnahme werden vorwiegend die Hauptstimmführungen akustisch berücksichtigt, ein graues Klangbild ist die Folge, dazu kommt das starke Rauschen der Schellackplatten. Klemperers Grundauffassung der Sinfonie ist aber hier schon festgehalten: Im ersten Satz das vorwärtsdrängende Musizieren, die leichte Verzögerung des 2. Themas sowie der große Steigerungsbogen bis zum Eintritt der Reprise. Im Menuetto wird das Tempo des Trios etwas verzögert, Klemperer nutzt dies mit einer lebendigen Gestaltung des Notentextes. In der zwei Jahre später aufgenommenen Sinfonie wird die Verbesserung der Aufnahmetechnik evident: In der spannungsvollen Darstellung erklingt die Musik schärfer umrissen, auch viel transparenter. Der aufmerksam gestaltete 2. Satz erfreut mit Instrumentationsdetails, die früher „unter den Trichter“ fielen. Insgesamt liegt hier eine moderne Interpretation vor, der Notentextes wird ernstgenommen und entsprechend sachgerecht umgesetzt. Szell z. B., oder Carlos Kleiber sind nicht so weit entfernt. Die klangliche Präsentation via Schellacks ist für heutige Ohren inakzeptabel, nach wie vor stört ein fortdauerndes Rauschen, dazu kommen Verzerrungen beim Blech bei sf, f und ff –Stellen. Die hier verwendeten archiphon-Überspielungen wurden technisch nicht geschönt.

Kommen wir nun zu den beiden besten Klemperer-Interpretationen der 8. Sinfonie, es sind beides Rundfunkmitschnitte aus Köln und Amsterdam, die nur ein Jahr auseinander liegen. Das erstaunliche ist der hervorragende Mono-Klang mit guter bis sehr guter Transparenz. Der erste Satz wird in frischem Tempo, deutlich und mit Brio dargeboten, der Finalsatz immer noch energisch, jedoch ein wenig langsamer gespielt.  In Amsterdam überraschen im Menuett die sf vor allem der Trompeten in den T. 1/2 mit c-f und in den Takten 7/8 mit f-c‘, das bringt Klemperer in den anderen Aufnahmen nicht. Sehr aufmerksames Publikum, fast keine Störungen.

Klemperes letzte Aufnahme aus seiner frühen Philharmonia-Zeit ist insgesamt etwas langsamer, das Finale etwas schwerfälliger geworden. Herausragend hier das Allegretto, ein Kabinettstück an Deutlichkeit und Atmosphäre.

Wilhelm Furtwängler

Aus Furtwänglers Aufnahmen von Beethovens 8. spricht eine große Ernsthaftigkeit, er dirigierte die Sinfonie, als wäre es die Eroica oder die 7., die er immer wieder auf seine Programme nahm. Beethovens Witz und gute Laune, der Scherzando-Charakter dieser Musik kam ihm weniger entgegen, so halten sich die Aufführungen dieser Sinfonie in Grenzen. Die 7. verfügt nicht nur beim Publikum über einen totsicheren, unmittelbar Beifall erheischenden Schluss, der fällt bei der F-Dur- Sinfonie weniger mitreißend aus. Vielleicht auch ein Kriterium für WF, aber auch für andere Maestri, diese gegenüber einer anderen Beethoven-Sinfonie zurückzustellen.

Am überzeugendsten gelingen Furtwängler in allen drei Mitschnitten die beiden Ecksätze, hier wird in Bögen musiziert, den Höhepunkt im ersten Satz, mit dem gleichzeitig die Reprise beginnt, steuert er mit einem langen mitreißenden Crescendo an, so gewinnt dieser seine Legitimation. Leider geht dabei die Hauptmelodie im Bass unter. Ein Hinweis gilt noch dem 1. Takt, in dem die Bewegung der Geigen etwas undeutlich klingt, obwohl WF in der ganzen Sinfonie immer um eine deutliche Artikulation bemüht ist. Vor T. 12 baut der Dirigent eine winzige Verzögerung ein, vielleicht um das folgende f um so deutlicher hervorzuheben. Das 2. Thema wird etwas langsamer genommen. Die Einleitung und Begleitung der Bratschen T. 104 ff sowie 304 ff hätte etwas deutlicher ausfallen können. Der 2. Satz klingt in Stockholm etwas starr, in den späteren Mitschnitten etwas lockerer und damit einnehmender, auf Humor wartet man jedoch vergebens. Das Minuetto des 3. Satzes nimmt Furtwängler gewichtig, durchgeformt; das etwas langsamere Tempo hinterlässt den Eindruck, als suche der Dirigent noch irgendwo zwischen den Noten einen langsamen Satz. Am besten gefällt das Trio, jedoch nicht in der Stockholmer Aufnahme, in der die Hörner nicht ihren besten Tag hatten. Der Finalsatz schließt dann wieder an den Kopfsatz an. Trotz aller Frische und Lebendigkeit bleibt die Musik bis zum letzten Akkord fest in der Hand des Dirigenten. Klanglich am gelungensten finde ich den Berliner Mitschnitt, dann den mit den Wiener Philharmonikern aus Salzburg. Das Schlusslicht macht, trotz der überzeugendsten Tempi, die Stockholmer Aufnahme, die noch auf Acatat-Platten konserviert wurde und deshalb ein durchgehendes leises Rauschen aufzeigt.

Paul van Kempen

Zuverlässigkeit im Hinblick auf die Umsetzung einer Partitur, sowohl im Strukturellen als auch im Klanglichen, sowie untrüglicher Formsinn waren Aktivposten des holländischen Dirigenten Paul van Kempen. Dies zeichnet auch die beiden Aufnahmen der 8. Sinfonie aus, die beide mit den Berliner Philharmonikern aufgenommen wurden. In der 53er-Aufnahme wird der Kopfsatz gewichtig gespielt, die Musik genau geformt, Nebenstimmen werden nicht vergessen. Für den zweiten Satz lässt er sich etwas mehr Zeit als die meisten seiner Kollegen. Dem Finale fehlt etwas Feinschliff, den man von späteren Platten gewohnt ist. Klanglich steht die Platte auf dem schon hohen Niveau der 50er Jahre, in den lauten Tuttiabschnitten fehlt jedoch die Durchhörbarkeit. Insgesamt liegt hier aber eine sehr gute Aufnahme im Sinne der Partitur vor. Die frühere Aufnahme aus der Kriegszeit ist musikalisch ähnlich gestaltet, in den meisten Sätzen jedoch etwas schneller gespielt, auch fehlt die Wiederholung im Kopfsatz. Der Klang ist im Vergleich zu später deutlich entfernt.

George Szell

Szell durchleuchtet auch hier Beethovens Partitur. Der Kopfsatz klingt energisch, das Allegretto wird mit viel Klangsinn und Rhythmusgefühl dargeboten. Vielschichtig, mit Signalen des Blechs und vielen sf,  bietet der 3. Satz einen Höreindruck voller Überraschungen. Im Finale arbeitet Szell in den Takten 32/33 deutlich die unterschiedliche Instrumentierung zu den Folgetakten 34/35 heraus, ebenso in der Reprise.  Der sieben Jahre nach der Studio-Produktion mit dem Cleveland Orchester entstandene Mitschnitt mit dem Londoner New Philharmonia Orchester klingt nicht so geschliffen wir vorher. Er ist klanglich weniger rund ausgefallen und kommt auch etwas schwerfälliger und im Finale lärmender daher, ein Tribut an die Saalverhältnisse?

Eugen Jochum

Für Beethovens 8. Sinfonie hatte Jochum eine gute Hand. Er hält seine Orchester zu prägnantem  Spiel an und achtet auf präzise Artikulation. Kleinste harmonische und melodische Wendungen werden sensibel nachgezogen. Den 3. Satz nimmt Jochum etwas gewichtiger als andere Dirigenten, kommt aber zumindest in seinen beiden ersten Aufnahmen zu atmosphärisch dichten Lösungen. Die DGG-Aufnahme gefällt mir klanglich noch besser als die spätere von Philips. In der Londoner EMI-Produktion sind die Tempi in allen Sätzen etwas langsamer und das Musizieren ist vor allen in schnellen Tutti-Abschnitten etwas fester.

Herbert von Karajan

Karajan hat Beethovens 8. Sinfonie fünfmal im Studio eingespielt, zuerst im Jahre 1946 im besetzten Österreich mit den Wiener Philharmonikern. Der HMV-Produzent Walter Legge nahm direkt nach Kriegsende Karajan unter Vertrag (zuvor nahm dieser für die DGG auf). So entstanden innerhalb von zwei Jahren eine ganze Anzahl von Orchesterwerken, u. a. die Beethoven-Sinfonien Nr. 5, 8 und 9. Die 8. scheint weniger sorgfältig vorbereitet zu sein als in späteren Aufnahmesitzungen. Das 2. Thema des Kopfsatzes kommt fast müde, unbeteiligt aus den Lautsprechern, das Allegretto bleibt im Ausdruck neutral, im Menuetto kommen zu Beginn des Trios die Bässe zu leise. Am besten gefällt das lebendig gespielte Finale mit seiner guten dynamischen Ausgestaltung. Der Klang der Platte ist hart und kompakt. Beim vergleichenden Hören fällt auf, dass Karajan  dieses Interpretationsmuster für die 8. Sinfonie in den späteren Jahren übernommen hat. Beispiele: In der Durchführung des Kopfsatzes kommen die nacheinander einsetzenden Holzbläser (T. 108-111, T. 120-123) zu leise, im Allegretto verlangsamt er das Tempo bei T. 28 und T. 61, die Pizzicato-Stellen der Streicher strahlen wenig Duft aus. Der 3. Satz wird deutlich als Menuett verstanden, dessen Tempo sich (ausgenommen 1977) mehr und mehr verzögert, die besonderen Klangkombinationen des Trios werden kaum herausgestellt. Dagegen erhält das Finale eine zunehmende Rasanz, 1977 erreicht Karajan fast Beethovens Metronom-Angabe, in seiner letzten Aufnahme kommt er zum Tempo von 1962 zurück. Beim genauen Vergleichen werden auch (spiel)technische Mängel evident, die man bei HvK im Studio eigentlich nicht erwartet hätte: In fast jeder Aufnahme ist die Artikulation der Violinen im ersten Takt nicht optimal bzw. rhythmisch verwaschen. Der Einsatz der Streicher in T. 34 wird bereits auf die 3. Zählzeit in Takt 33 vorgezogen (1962 und -77). Im Allegretto klingen 1984 die Bläserakkorde T. 14 länger als die der Streicher. Bei der einst gelobten Aufnahme von 1977 gefällt mir der etwas aufgeblähte Klang nicht, hier scheinen die Berliner Philharmoniker weniger locker zu musizieren als in den anderen Aufnahmen. Auch die sf im 3. Satz fallen zu beiläufig aus, das ist in den Anfangstakten sofort zu hören. Insgesamt am besten gelungen scheint mir die erste Produktion von 1962.

Rudolf Kempe

Zwei Aufnahmen von Beethovens 8. Sinfonie stehen dem Hörer zum Vergleich zur Verfügung, beide entstanden in zeitlicher Nähe in München, mit den Philharmonikern, im Rahmen einer Gesamtaufnahme, sowie einen Konzertmitschnitt aus dem Herkulessaal mit dem Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks. Wie so oft bei Aufnahmen Kempes überzeugen die live-Mitschnitte mehr, so auch hier. Auch wenn der  1. Takt etwas verwaschen klingt, gelingt es dem Dirigenten mehr Spannung in die Musik zu bringen, die sich in der Durchführung zu einer Sogwirkung steigert. Die Studio-Aufnahme klingt hier etwas sachlicher. Die Unterschiede im Allegretto fallen geringer aus, im Menuetto gefallen mir die Philharmoniker-Hörner etwas besser. Das Finale lässt in beiden Aufnahmen kaum Wünsche offen, beim Live-Mitschnitt sind die Bläser präsenter, das Musizieren besitzt hier noch mehr Verve.

Ferenc Fricsay

Beethovens sinfonischer Erstling auf der einen Plattenseite, die 8. Sinfonie auf der Rückseite waren Fricsays Einstand mit Beethoven-Sinfonien bei der DGG. Es sollte Jahre dauern, bis weitere eingespielt wurden. Fricsay macht klar, dass die 8. trotz ihrer relativen Kürze keine kleine, leichte Sinfonie ist. Prägnantes Orchesterspiel war immer sein Wahrzeichen, so auch hier. Dazu treten  spannungsvolle Bögen in den Ecksätzen, das Vivace hatte der Dirigent immer im Hinterkopf parat. Den Allegretto-Satz nahm er mehr bewegt als andere Maestri seiner Zeit. Ein Jahr nach dieser Plattenproduktion nahm Fricsay dasselbe Werk am selben Ort für den Berliner RIAS-Sender auf, nun mit dem RIAS SO, als dessen Chefdirigent Fricsay bis dahin erfolgreiche Arbeit geleistet hatte, auf vielen Tondokumenten nachzuhören. Diese Aufnahme der F-Dur-Sinfonie ist keine Kopie der Schallplatte. Alle Sätze werden etwas langsamer gespielt, besonders der Kopfsatz erreicht nicht den Drive wie ein Jahr zuvor. Besser gefällt mir das Allegretto, da Fricsay etwas mehr Zeit für Details zur Verfügung hat. Im 3. Satz sind Menuett und Trio gut voneinander abgehoben. Das Klangvolumen der LP erreicht die RIAS-Produktion nicht, auch klingen die Streicher hier etwas rau.

Carlo Maria Giulini

Der italienische Maestro ist als gewissenhafter Deuter der großen sinfonischen Werke aus der Zeit der Klassik und Romantik bekannt und geschätzt. Im Falle von Beethovens 8. Sinfonie  werde ich jedoch nicht glücklich mit seinen Vorstellungen: die Tempi im Kopfsatz und Menuett sind mir zu gezogen, im 3. Satz auch betulich, mit wenig Spannung. Das Allegretto klingt ausgeglichen und der Finalsatz ist mit schnellerem Tempo mehr im Sinne der Partitur. Insgesamt will mir in dieser Londoner Aufnahme der Funke nicht überspringen, noch weniger in der aus Mailand, die außer im 3. Satz noch langsamere Tempi aufweist.

Leonard Bernstein

Anders wie vielleicht erwartet lässt Bernstein die 8. Sinfonie in gemäßigten Tempi spielen. So gewinnt er Zeit, Themen und Melodien auszuformulieren und dem jeweiligen Satz seine eigene Physiognomie zu geben. Für ihn besteht kein Zweifel, dass es sich bei Beethovens kürzester Sinfonie um eine große handelt. Ganz wichtig scheint dem Maestro die Präsenz das Bass-Bereichs zu sein, der im Zusammenspiel mit Ober- und Mittelstimmen nicht vernachlässigt wird. Die NY-Studioproduktion klingt etwas offener mit ein wenig Hall, der Wiener live-Mitschnitt ist kompakter eingefangen, die Instrumente scheinen näher zusammengerückt zu sein, an die Weite des Klangs aus New York ist nicht zu denken. Dagegen verfügen die Wiener über ein höheres spieltechnisches Niveau. Im Trio treten die Hörner in NY gegenüber der Klarinette etwas zurück, insgesamt streicht Bernstein hier den Tanzcharakter des Menuetts heraus. Bei der Wiener Aufnahme gewinnt man den Eindruck, Bernstein lehne sich zurück und höre der Musik zu. Insgesamt klingt der DGG-Mitschnitt trotz der Einwände etwas gerundeter.

Kurt Masur

Masurs beide Aufnahmen der 8. Sinfonie können nicht recht begeistern, mir scheint als hätte die Partitur den Dirigenten nicht richtig herausfordern können. Der Kopfsatz wird in der früheren Aufnahmen etwas langsam gespielt, hier fehlt es an Spannung. In den Takten 164 bis zum Höhepunkt zu Beginn der Reprise wird zwar ff gespielt, eine allmähliche Steigerung innerhalb dieser Takte, abgesehen unmittelbar davor, vermisst man jedoch. Dies ist auch in der 92er-Aufnahme zu beobachten. Die Bläserfolgen T. 108-111 sind inegal gespielt, 1992 hat man das korrigiert. Für den 2. Satz lässt Masur den Musikern viel Zeit, trotzdem bleiben einige Stellen ziemlich blass, da zu fest gespielt wird. Das Menuett wird als Scherzo gesehen und klingt etwas rustikal, das Trio ist als gelungen zu bezeichnen, in beiden Aufnahmen.

Charles Mackerras

Von All-Round-Musiker Mackerras liegen zwei Zyklen der Beethoven-Sinfonien auf CD vor. Der erste wurde in Liverpool mit dem dortigen Orchester 1997 für EMI aufgenommen, der zweite von der BBC beim Edinburgh Festival 2006 mitgeschnitten und später von hyperion veröffentlicht. Der Kopfsatz wird in beiden Interpretationen sehr flott gespielt, dabei stellt sich eine gewisse Glätte ein. Auf dem Höhepunkt bei Eintritt der Reprise nimmt der Dirigent das fff gleich wieder zurück, womit die beabsichtigte Wirkung verpufft. Das Allegretto wird 1997 sehr schnell gespielt, dabei verlieren die begleitenden Pizzicati der 2. Geigen und der Bratsche (T. 2-7 und T. 41-48) ihren Duft. In der Edinburgh-Aufnahme nimmt Mackerras das Tempo zurück, der Satz klingt nun leicht und locker. Auch beim Menuetto und im Finale gefällt letztere mehr, da aufgrund des etwas langsameren Tempos der Musik mehr Raum bleibt. Das Scottish Chamber Orchestra besitzt eine sehr hohe Spielkultur und mehr Feinschliff.

Frans Brüggen

Die Neuaufnahme eines Musikstücks mit denselben Interpreten bedeutet nicht a priori, dass sie der Vorgängeraufnahme überlegen ist, das ist hier bei der 8. Sinfonie gut zu beobachten. Mit viel Klangsinn und einem guten Gespür für die Temporelationen wartet die Philips-CD auf. 22 Jahre später gehen die Tempi, abgesehen vom Finale, in die Breite, damit einhergehend auch  der Klang. Der Kopfsatz besitzt nun weniger Drive, im Allegretto fehlt in den T. 2-7 und 41-48 den 2. Geigen und den Bratschen beim pizz. der Duft. Der Finalsatz klingt, trotz eines objektiv schnelleren Tempos, etwas gebremst, nicht so schwungvoll wie zuvor.

Claudio Abbado

Von Beethovens 8. Sinfonie stehen vier Aufnahmen mit Abbado zur Verfügung. Zu Beginn seiner Dirigentenlaufbahn holte das Decca-Label den jungen Italiener ins Aufnahmestudio, dabei entstand eine Aufnahme der 8. Sinfonie, die mir vor allen anderen als die Gelungenste erscheint. Der Kopfsatz erklingt sehr bewegt, fast feurig. Im Allegretto fangen die Bläser tatsächlich pp an, und nicht p, wie man es allerorts hört; die Musik wird genau nachgezeichnet. Menuett und Trio werden sehr farbig gestaltet. Unbedingt muss noch auf den Harmoniewechsel im Trio von T. 54 auf 55, der fast immer unbeachtet bleibt, hier aber ein Zug von Wehmut erhält. Das Finale schließt fast schon stürmisch das Werk. Insgesamt liegt hier eine jugendlich-frische Werksicht vor. Ebenfalls mit den Wiener Philharmonikern entstand fast zwanzig Jahre später eine Gesamtaufnahme aller  9 Sinfonien, live mitgeschnitten, nun bei der DGG. Die Aufnahme der 8. Sinfonie kann der Älteren jedoch nicht das Wasser reichen. Der Kopfsatz wird nun langsamer gespielt, klingt abgeklärter, besitzt weniger Spannung, wird nun etwas wuchtiger genommen. Das Violin-Motiv in T. 1 ist nicht bestens artikuliert. Das Allegretto ist etwas schneller, den pp-Anfang hat Abbado nicht vergessen. Im 3. Satz sind die Bässe zu leise eingefangen. Obwohl das Finale jetzt noch schneller gebracht wird, kann es jedoch nicht mit dem früheren Furor aufwarten. Das Klangbild erinnert an Karajan-Aufnahmen der DGG. Das kann von den beiden folgenden Produktionen mit den Berliner Philharmonikern nicht gesagt werden, die ein analytischeres Klangbild (anderes Aufnahmeteam) aufzeigen, wobei Themen und Motive schärfer umrissen werden, die Bässe besitzen jetzt mehr Kontur. Wie schon in der Wiener DGG-Aufnahme ist auch hier das Violin-Motiv in T. 1 nicht geglückt, bei der Wiederholung klappt es dann! In allen Sätzen hebt Abbado die vielen sf  hervor, auch werden einige Blechbläser-Stellen klanglich geschärft. In der Berliner Studio-Produktion aus 2000 schlägt Abbado im Finale ein sehr schnelles Tempo an, hier wird dem Hörer pure Orchestervirtuosität geboten. Einige Monate später führte der Maestro mit seinem Orchester in Rom die Beethoven-Sinfonien erneut auf (außer Nr. 9), die dann später auch ebenfalls von Gelbe-Label herausgebracht wurden. Hier lässt Abbado wieder ein wenig gemäßigter musizieren, es will mir scheinen, er wolle damit an seine erste Aufnahme von 1968 anknüpfen. Klanglich kommt sie nicht ganz an die Berliner Studio-Produktion heran.

Roger Norrington

Norrington gehörte zu den ersten Orchesterleitern der HIP-Bewegung, der mit seinen London Classical Players Hauptwerke der Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven aufnahm, u. a. dessen 9 Sinfonien. Später wechselte er als Chefdirigent zum SWR Sinfonie-Orchester Stuttgart und versuchte die Erfahrungen, die er bei den LCPL gesammelt hatte, auch auf ein großes Sinfonie-Orchester zu übertragen. Die Meinungen bzgl. seiner Konzertaufführungen mit diesem Orchester fielen beim Publikum unterschiedlich aus. Im Kopfsatz der LCPL-Aufnahme läuft die Musik wie am Schnürchen, dabei sorgen stets präsente sf des Blechs für eine klangliche Schärfung. Das Allegretto klingt zu mechanisch, die pizz.-Stellen der 2. Vl. und Va. T. 2-7 und T. 41-48 bleiben ohne Duft. Zwei kleine Ritardandi T. 28 f und T. 61 f unterbrechen ein wenig die ruhelose Bewegung. Das Trio wird gut vom Menuett abgesetzt und das Finale geht rastlos vorüber.  Die Stuttgarter Aufnahme legt noch ein schnelleres Tempo vor, der Kopfsatz klingt nun wie getrieben und das Finale wird heruntergerasselt, Norrington als Jockey beim SWR-SO. Er lässt nur die Noten spielen, achtet aber wenig auf die Inhalte der Musik. Eine äußert einseitige Darstellung.

Osmo Vänskä

Vom finnischen Dirigenten Vänskä sind bisher zwei Aufnahmen der 8. Sinfonie bekannt. Die ältere ist eine Eigenproduktion der BBC mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra. Nach dem Hören stellt sie sich als absolut gediegen dar, hier wird nichts falsch gemacht, man könnte damit zufrieden sein. Vänskä war mit seinem Ansatz im Laufe der Jahre jedoch nicht zufrieden, in seiner folgenden Aufnahme mit dem Minnesota Orchester, die acht Jahre später von BIS im Rahmen einer Gesamtaufnahme aller Beethoven-Sinfonien erstellt wurde, wird die neue Sicht deutlich: Die Themen, vor allem der Ecksätze, werden nun schärfer gezeichnet, somit erhalten sie mehr Kontur als früher. Die dynamische Differenzierung findet nun mehr Beachtung, vor allem auch die vielen sf, die in allen Sätzen immer wieder ein Überraschungsmoment darstellen, da sie das Taktgefühl strapazieren.

eingestellt am 04. 01. 2016

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