Das Klassik-Prisma

 

 Bernd Stremmel

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Beethoven        home

1. Klavierkonzert C-Dur op. 15

Brendel

Rattle

Wiener Philharmoniker

Philips

1997

38‘11

5

K3

Fleisher

Cluytens

Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester

ica classics

1960

37‘26

5

K3 - live

Gilels

Szell

Cleveland Orchestra

EMI

1968

36‘33

5

K2, alles sehr deutlich und sorgfältig, Solist und Orchester auf höchstem Niveau

Kempff

van Kempen

Berliner Philharmoniker

DGG

1953

36‘51

5

K Kempff

Kissin

Davis, Colin

London Symphony Orchestra

EMI

2007

33‘14

5

K2 – überzeugend! Der einzige Vorwurf, den man Kissin/Davis machen könnte, wäre der, dass etwas zu glatt gespielt wird, zu selbstsicher, mit reduziertem Herzblut.

 

Fleisher

Szell

Cleveland Orchestra

CBS

1961

37‘18

4-5

K3

Schnabel

Sargent

London Symphony Orchestra

EMI

1932

37‘17

4-5

K3 – I sehr klar, con brio, trotz des Alters gut durchhörbar, II expressiv, III Schnabel wirkt etwas verkrampft

Zimerman

 

Wiener Philharmoniker

DGG

1991

39‘37

4-5

K3 – sehr gutes Klangbild, Pianist in Top-Form, I könnte etwas lebendiger sein, II um äußerste Genauigkeit bemüht, deshalb etwas starr,

Richter

Münch

Boston Symphony Orchestra

RCA

1960

36‘51

4-5

K3

Zacharias

Vonk

Staatskapelle Dresden

EMI

1984

32‘33

4-5

K?

Solomon

Menges

Philharmonia Orchestra London

EMI

1956

34‘35

4-5

K2

Kempff

Leitner

Berliner Philharmoniker

DGG

1961

35‘49

4-5

K Kempff

Serkin

Ormandy

Philadelphia Orchestra

CBS

1965

37‘11

4-5

K3

Argerich

Ozawa

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

BR-Klassik

1983

33‘29

4-5

K2

Brendel

Haitink

London Philharmonic Orchestra

Philips

1975

38‘33

4-5

K3

Richter

Ancerl

Tschechische Philharmonie

Supraphon

1956

34‘56

4-5

K3 gekürzt – live

Sokolov

Vänskä

BBC Scottish Symphony Orchestra

Rundfunkmitschnitt

2000

36‘50

4-5

K2 – live, unveröffentlicht, I Orchesterexposition etwas statisch, das ändert sich beim Auftritt des Pianisten, gut aufgefächerter Klang, man weiß immer an welcher Stelle man sich gerade im Satz befindet, II ausdrucksvoller Gesang vom Anfang bis zum Ende, III deutliches Pedal T. 148 ff

Serkin

Kubelik

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

Orfeo

1977

37‘10

4-5

K3 - live

Anda

Galliera

Philharmonia Orchestra London

EMI

1955

33‘11

4-5

K2 – I sehr gute Orchester-Exposition, der Satz lebt und zieht sich nicht hin, II leuchtender Klavierton, ausdrucksvolles Spiel aller Beteilgten, III relaxed gespielt, Anda bindet die Sechzehntel im Thema ganz deutlich, Oboe nicht immer ausdrucksvoll

Arrau

Haitink

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Philips

1964

37‘43

4-5

K1 mit vervollständigtem Schluss

Kempff

Schuricht

Orchestre National de France

Tahra      Andromeda

1955

34‘25

4-5

K2 weitergeführt, live

Katchen

Gamba

London Symphony Orchestra

Decca

1965

37‘35

4-5

K3 – mit Schwung in den Ecksätzen, Orchester in den Tutti-Stellen etwas lärmend und pauschal

Panenka

Smetacek

Prager Sinfonie-Orchester

Supraphon

1964

33‘52

4-5

K2 – man hört zugleich: Jugendwerk, I Anfang der Durchführung: Paneka führt demonstrativ vor: Achtel gegen Achteltriolen, II warmes Holz, könnte in der Lautstärke noch differenzierter sein, T.67 ff Walzer, Suche nach alternativen Lösungen, III könnte etwas schmissiger sein, insgesamt wunderbares non-legato

Gulda

Böhm

Wiener Philharmoniker

Decca

1951

40‘17

4-5

K3 – spitzer Klang, Philips-Überspielung besser, Orchester gut kalkuliert, Gulda mit mehr Ausdruck

Vogt

Rattle

City of Birmingham Symphony Orchestra

EMI

1995

36‘56

4-5

K3

Ax

Previn

Royal Philharmonic Orchestra

RCA

1985

39‘38

4-5

K3 – I Orchester in Tutti-Stellen etwas kompakt und weniger differenziert, II schön gesungen, große Bögen, III Ax könnte über mehr Klangfarben verfügen

Pletnjew

Gansch

Russisches National Orchester

DGG

2006

32‘38

4-5

K2 – live, Pletnjew in der Rolle des Komponisten, Interpretation über den Notentext hinaus, kann gefallen, beim wiederholten Hören büßen die Einfälle jedoch ihre Überraschungsmomente ein

 

Goode

Fischer, Ivan

Budapest Festival Orchestra

Nonesuch

2005

35‘40

4

K3 – I konzentriertes Musizieren, immer das Ganze im Blick, II alles genau, leider wenig Herzblut, das Konzept des 1. Satzes kann man nicht einfach auf den 2. übertragen, III geradlinig, blitzsauber, alles an der Oberfläche – jugendliche Auffassung von op. 15

Pollini

Abbado

Berliner Philharmoniker

DGG

1992

37‘09

4

K3

Rubinstein

Leinsdorf

Boston Symphony Orchestra

RCA

1967

37‘23

4

K3 geändert und gekürzt

Benedetti Michelangeli

Giulini

Wiener Symphoniker

DGG

1979

37‘54

4

K3 –live, metallischer Klavierton, Musik vorgeführt, teilweise etwas gestelzt, unflexibel

Badura-Skoda

Scherchen

Orchester der Wiener Staatsoper

Westminster   Genuin

1952

34‘46

4

K? – I kraftvolle, akzentuierte Orchesterexposition, Pianist übernimmt sofort Scherchens Tempo, saftige bis burschikose Darstellung, II schön gesungen, III energisch – sehr durchsichtiges Klangbild

Oppitz

Janowski

Gewandhausorchester Leipzig

RCA

1995

36‘17

4

K1 – gute Beachtung von Beethovens Vortragsbezeichnungen, Streicher etwas kompakt, kerniger, jedoch nicht sehr variabler Klavierton

Ashkenazy

Solti

Chicago Symphony Orchestra

Decca

1972

35‘58

4

K?

Larrocha

Chailly

Deutsches Sinfonie-Orchester Berlin

Decca

1983

34‘42

4

K2

Lupu

Mehta

Israel Philharmonic Orchestra

Decca

1979

32‘59

4

K2 – Orchesterbegleitung könnte etwas aufmerksamer sein

Arrau

Galliera

Philharmonia Orchestra London

EMI

1958

36‘37

4

K1 mit vervollständigtem Schluss

Anda

 

Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester

audite

1969

33‘23

4

K2 – nicht so frisch und duftig wie bei EMI, jedoch besserer Klang, Anda hat das Orchester im Griff, gute Vorarbeit, III gutes Miteinander, Orchester etwas schematisch, auch wenn hellwach gespielt wird

Brendel

Levine

Chicago Symphony Orchestra

Philips

1983

38‘00

4

K3

Serkin

Ozawa

Boston Symphony Orchestra

Telarc

1983

40‘27

4

K3 – Serkin mit 80

Barenboim

Klemperer

Philharmonia Orchestra London

EMI

1967

38‘41

4

K Barenboim – sehr gewichtig, klar und streng, offener Orchesterklang, leider etwas langsam, 2. Satz am besten

Schiff, Andras

Haitink

Staatskapelle Dresden

Teldec

1996

37‘10

4

K3 – I Orchester spielt sich Melodien nicht immer konsequent zu, II nicht so ausdrucksvoll – Klang nicht immer durchsichtig, in lauten Tutti-Abschnitten auch bullig – Schiff gefällt mir besser

Uchida

Sanderling

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

Philips

1997

38‘23

4

K3 – helles, durchsichtiges Klangbild, solide, mäßige Tempi

Horszowski

Casals

Prades Festival Orchestra

INA-vive

1953

33‘30

4

K3 – live, concertare im besten Sinne, Genauigkeit und Differenzierung nicht unbedingt Pluspunkte der Aufnahme

Gould

Golschman

Columbia Symphony Orchestra

CBS

1958

34‘04

4

K Gould – nicht wider den Strich gebürstet, I recht zügig, etwas spiedosenhaft, III Orchester zu pauschal – Gould darf sich in seinen eigenen Kadenzen austoben

Serkin

Caracciolo

Orchestra „A.Scarlatti" Napoli

Frequenz

1958

36‘01

4

K3 - live

Gulda

Stein

Wiener Philharmoniker

Decca

1970

38‘05

4

K3 – die Notwendigkeit der Aufnahme lässt sich kaum aus dem klanglichen Resultat herauslesen, Orchester etwas bulliger Klang, der Flügel klingt zu drahtig

Gieseking

Rosbaud

Staatskapelle Berlin

div.

1937

30‘24

4

K2 – hellwaches Spiel, vielleicht etwas zu schnell, Läufe schnurren nur so ab

Pollini

Jochum

Wiener Philharmoniker

DGG

1982

37‘32

4

K3 - live

Rubinstein

Krips

Symphony of the Air Orchestra

RCA

1956

36‘50

4

K3

Argerich

Wallberg

Concertgebouw Orchester Amsterdam

EMI

1992

33‘55

4

K2 - live

Casadesus

v. Beinum

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Sony

1959

31‘38

4

K?

Backhaus

Schmidt-Isserstedt

Wiener Philharmoniker

Decca

1958

31‘44

4

K2 – gradlinig, jedoch kein richtiges Konzertieren, keine Zwischentöne, Rondo am besten

Arrau

Davis, Colin

Sächsische Staatskapelle Dresden

Philips

1987

38‘27

4

K1 mit vervollständigtem Schluss

Barenboim

 

Berliner Philharmoniker

Sony BPh

1989

36‘59

4

K Barenboim – Konzert nach dem Fall der Berliner Mauer – I etwas buchstabiert, einige Bläserdetails unbeachtet, II ausgesungen, III Barenboim setzt kräftige Akzente, Orchester nur in Begleitfunktion

Dorfman

Toscanini

NBC Symphony Orchestra

RCA

1945

32‘11

4

K3 – live, I sehr konzentrierte Orchester-Exposition, festes Tempo, sehr deutlich, jedoch ein wenig eindimensional, III die Artikulation leidet unter zu schnellem Tempo, über Details hinweggespielt

Richter

Bakala

Philharmonisches Orchester Brünn

Praga

1956

36‘04

4

K3 – live

Gould

MacMillan

Toronto Symphony Orchestra

CBC u.a.

vor 1955

33‘12

4

K2 – live

Bernstein

 

New York Philharmonic Orchestra

Sony

1960

38‘25

4

K3 – I Orchester und Solist auf gleicher Wellenlänge, manchmal etwas pompös, schöne Durchführung, II Temposchwankungen, III etwas gehetzt, auf Kosten der Artikulation und Genauigkeit, triff aber den Nerv der Musik

Wührer

Swarowsky

Pro Musica Orchester Wien

Vox Tahra

1953

36‘30

4

K3 – kerniger Klavierklang, Orchester immer hinter dem Klavier, Klangfarben der Instrumente nicht so gut abgebildet, II bewegt, gutes Konzertieren, III Wührer stürzt sich in die Musik, nicht so geschliffen wie heute üblich, jedoch überzeugend

Aeschbacher

Furtwängler

Schweizerisches Festspielorchester

WFG

1947

36‘56

4

K1 – live, Klangbild teilweise etwas entfernt, wenn der Solist spielt, tritt das Orchester zurück, letzter Satz etwas zu bieder, Beethovens Witz bleibt auf der Strecke

Gulda


Wiener Symphoniker

Orfeo

1953

37‘21

4

K3

Argerich

Sinopoli

Philharmonia Orchestra London

DGG

1985

35‘06

4

K2 – Orchesterbegleitung etwas unterbelichtet

Lang Lang

Eschenbach

Orchestre de Paris

DGG

2007

38‘51

4

K3 – I Orchesterklang wenig geschliffen, wenig brio, T. 312-333 wenig Spannung, Eschenbach sucht eigene Handschrift, z. B. T. 134 ff und T. 174 f /T.177, Lang kann sich in der Kadenz, die leider in Abschnitte zerfällt, austoben, II Streicher im Tutti robust, wenig differenziert, T. 67 ff trägt Lang etwas zu dick auf, III nur routiniert

 

Serkin

Cantelli

New York Philharmonic Orchestra

Melodram

1953

33‘49

3-4

K3 – live

Lewis

Belohlavek

BBC Symphony Orchestra

HMF

2009

38‘03

3-4

K3 – I con brio durchgezogen, T. 304-333 intensiv, II mehr Andante, differenziert, jedoch mit wenig Spannung; insgesamt mehr technisch/praktisch als musikalisch bewältigt, der Eindruck der Glätte überwiegt

Rösel

Flor

Berliner Sinfonie-Orchester

Berlin Classics

1991

35‘41

3-4

K1 – konventionell, etwas pauschal, nicht sonderlich aufregend, Orchester nicht auf höchstem Niveau

Entremont


Niederländisches Kammerorchester

Vanguard

1995

35‘43

3-4

K2 – kerniger Klavierklang mit wenig Klangfarben, I Klavier immer vor Orchester, etwas ungeschlacht, II besser gelungen, III Orchesterbegleitung recht pauschal

Kovacevich

Davis, Colin

BBC Symphony Orchestra

Philips

1970

36‘59

3-4

K3 – Musik mit wenig Ecken und Kanten, geglättet, eher an der Oberfläche als in den tieferen Schichten des Werkes

Gilels

Masur

Staatliches Sinfonie-Orchester der UdSSR

Brilliant

1976

33‘41

3-4

K2 – live, klangtechnische Mängel, Konzertsaalerlebnis, I Orchester nur Begleiter, II nicht so diszipliniert wie bei Szell, III kräftige Akzente, draufgängerisch

Simon

Belohlavec

Prag Philharmonia

Wald Press

P 2000

32‘58

3-4

K2 – I musikantisch, manchmal pompös, Bässe könnten etwas schlanker sein, II keine Aussage zur Musik, III Anfang forte?

Weissenberg

Karajan

Berliner Philharmoniker

EMI

1977

38‘35

3-4

K2 – Pflichtstück für HvK, kein Werk des jungen Beethoven, wuchtig, verzärtelt, statisch, con brio? aufgeblähte Tutti, Weissenberg hätte einen aufmerksameren Begleiter verdient

Eschenbach

Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1966

42‘13

3-4

K3 – pompöse Orchester-Tutti, I insgesamt zu langsam, kein con brio, II mit 14’01 sehr langsam, da bricht die Spannung ein, III domestiziert

Interpretationen in historisch informierter Aufführungspraxis auf Originalinstrumenten und Hammerflügel:

Levin

Gardiner

Orchestre Revolutionaire et Romantique

DGA

1996

35‘41

5

K Levin


Lubin

Hogwood

Academy of Ancient Music

Decca

1987

32‘21

4-5

K Lubin

Immerseel

Weil

Tafelmusik

Sony

1995

34‘21

4-5

K Immerseel

Tan

Norrington

London Classical Players

EMI

1988

37‘07

4-5

K3 -


Schoonderwoerd


Ensemble Cristoferi

Alpha

2009

33‘58

4

Solistische Besetzung: Bläser kommen hier einmal zu ihrem Recht, Streicher spielen meist nur die 2. Geige, Pianoforte auch als b. c., Auszierungen des Klavierparts, kurze improvisierte Kadenz im 1. Satz, II Andante, T. 67 ff Walzercharakter demonstrativ hervorgehoben, III derb; Konzert eher als Divertissement, wie bei Haydn, Zugewinn an Informationen über Beethovens op. 15 sehe ich eher nicht


Newman

Simon

Philomusica Antiqua London

Newport

P 1987

30‘12

3

K? – klingt noch wie im Experimentierstadium, 2. Satz mit 7’42 doch recht schnell

Interpretationen in historisch informierter Aufführungspraxis mit modernen Instrumenten:

Anderszewski


Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Virgin

2007

37‘38

5

K3


Sokolov

Pinnock

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Rundfunkmitschnitt

2002

38‘00

4-5

K2 – live, unveröffentlicht, I Orchester-Exposition eher gewöhnlich, das ändert sich sofort mit Eintritt des Pianisten, sprechendes Klavierspiel, Dirigent und Orchester folgen ihm, T. 280 ff Akkorde wie gemeiselt, II ausdrucksvoller Gesang vom Anfang bis zum Ende, T. 50 ff deutliches Pedal, T. 81-84 Klavierbass wie verlangt sempre staccato e marcato

Brautigam

Parrott

Norrköpping Symphony Orchestra

BIS

2007

34‘12

4-5

K3

Guy

Jordan, Philippe

Orchestre Philharmonique de Radio France

naïve

2007

36‘39

4-5

K3

Duchable

Nelson

Ensemble Orchestral de Paris

ambroisie

2002

30‘46

4-5

K? – live, frisches, lustbetontes Miteinander, 2. Satz sehr ausdrucksvoll


Berezowski

Dausgard

Schwedisches Kammerorchester

Simax

1999

31‘34

4

K2 – Klang etwas grau, man spielt ohne Vibrato, sauberes Orchesterspiel, II sachlich, III etwas einförmig, Akzente?, concertare?

Aimard

Harnoncourt

Chamber Orchestra of Europe

Warner

2001

38‘59

4

K3

Afanassieff

Soudant

Mozarteum Orchester Salzburg

Oehms

2001

43‘34

4

K3 – live, sehr offenes Klangbild, erinnert an Norrington LCPL, I Durchführung langsamer als Exposition und Reprise, prononciertes Klavierspiel, II trotz des langsamen Tempos Spannung gehalten, III nicht spritzig, wie eine Sektflasche, die seit zwei Tagen geöffnet im Kühlschrank steht, zu didaktisch, schöne Orchesterdetails. Man sollte die CD einmal gehört haben, als Favorit für op. 15 kann ich sie mir jedoch nicht vorstellen.


Bronfman

Zinman

Tonhalle Orchester Zürich

Arte Nova

2005

37‘24

3-4

K3 – geschärfter Klang in den Ecksätzen, letztlich aber wenig Spannung, Bronfman etwas hölzern, letzter Satz lustlos, pflichtgemäß!

Mustonen

 

Tapiola Sinfonietta

Ondine

2006

33‘13

3-4

K Mustonen



Der 1. Satz von Beethovens C-Dur Klavierkonzerts beginnt zugleich mit dem 1. Thema, sehr leise vom Streichorchester vorzutragen. Seine Hauptmerkmale sind ein Oktavsprung c’c‘‘c‘‘c‘‘ (= Themenkopf) sowie eine schnelle aufstrebende C-Dur Tonleiter, beides wird nachfolgend in G-Dur wiederholt. Nach einer zweiteiligen Fortspinnung lässt Beethoven ab T. 16 das Thema vom ganzen Orchester in festlichem Glanz wiederholen. Die meisten Dirigenten schauen auf die kleinen Pausen zwischen den vier Teilen und spielen folgerichtig vier einzelne Abschnitte. Einige wenige jedoch sehen diese als Teile eines Ganzen, das man auch als Einheit darzustellen habe, vom ersten Ton bis zum Orchestertutti in T. 16 weitergedacht: van Kempen, Ancerl, Leinsdorf, Krips, Kubelik, Rattle und C.Davis/Kissin stellen es so überzeugend dar. In den Takten 134-139 spielen die 1. Geigen als Begleitung des Klaviers sechsmal hintereinander das Oktavmotiv d‘-d‘‘-d‘, für das Verständnis der Komposition ist es wichtig, dass dieses Motiv nicht im Klang untergeht oder zu leise gespielt wird, da es in den Takten 140-144 eine Komprimierung erfährt, auch unter Beteiligung des Klaviers. Nur wenigen Dirigenten scheint die Bedeutung dieses vorbereitenden Motivs bewusst zu sein, es wird meist viel zu leise gespielt, Ausnahmen: Schuricht, Münch, v. Kempen, Böhm, Ormandy, Leitner, Stein, I. Fischer, Soudant. Eine andere Stelle in der Durchführung wird auch oft vernachlässigt oder übergangen (T. 280 ff): während das Klavier leise ab- und steigende Akkorde legato spielt, bringen Bratschen und Bässe alternierend mit den Geigen den Themenkopf gezupft, daraus entwickelt sich ab T. 292 ein weiterer Durchführungsabschnitt, gespielt von Flöten, Oboen und Fagotten. Münch, Scherchen, Ormandy, Leitner, Bernstein, Caracciolo, Gulda, Sinopoli, Anderszewski und Mustonen lassen die jeweils vier Pizzicato-Noten des Themenkopfs deutlich vernehmen. Die begleitenden Achteltriolen des Klaviers staccato und marcato spielt niemand plastischer als Grigory Sokolov.

Am Ende der Durchführung scheint die Musik still zu stehen: arpeggierende Klavierakkorde wechseln sich mit zwei Hörnern ab, pianissimo, sehr geheimnisvoll. Diese gespannte Stille zerstört Beethoven abrupt in T. 344 mit einem fortissimo-Akkord des Klaviers und nachfolgender absteigender Tonleiter über drei Oktaven in beiden Händen von f‘‘ bis c. Für alle Pianisten stellt das kein Problem dar, wäre da nicht ein tiefes g im folgenden Takt, das den Tonleitern zugestellt wird. Pianisten, die im Spiel mit alten Tasteninstrumenten geübt sind, berichten, dass sich die Oktav-Tonleitern auf diesen Hammerflügeln ohne Probleme mit der rechten Hand allein spielen lassen, wie von Beethoven notiert, da die Tasten schmaler als beim modernen Steinway seien, dann könne das tiefe g bequem mit der linken Hand angeschlagen werden. Die Oktav-Tonleitern auf dem modernen Flügel gespielt führen zu einem glissando, an das der Komponist wohl nicht gedacht hat. Wie gehen nun unsere heutigen Pianisten am Steinway oder Bösendorfer mit diesem Problem um? Die meisten mogeln sich mehr oder weniger über diese Untiefe hinweg, Gould lässt das tiefe g einfach weg, Goode, Guy helfen sich mit einem Trick: sie bringen es bereits nach dem Anfangsakkord auf die Zählzeit 3 von T. 344 bei gedrücktem rechten Pedal und lassen unmittelbar danach die linke Hand in die Tonleiter einsteigen. Am überzeugendsten gelingt diese Stelle Maurizio Pollini.

Beethoven gab dem 2. Satz des 1. Klavierkonzerts die Tempobezeichnung Largo , also breit, sehr langsam zu spielen. Gerade in seiner ersten Schaffensperiode finden sich in seinen Kompositionen viele ausdrucksvolle Largo-Sätze, die manchmal noch Zusätze tragen: appassionato (op. 2 Nr. 1), con gran espressione (op. 7). Auch in späteren Werken mit hoher Ausdrucksdichte verwendet Beethoven noch die Largo-Vorschrift, so im sogenannten Geistertrio op. 70 Nr. 1: Largo assai ed espressivo.

Im vorliegenden 2. Satz des 1. Klavierkonzerts schränkt Beethoven das Largo-Tempo insofern ein, als er am Anfang das alla-breve-Zeichen setzt, das bedeutet, dass der Viervierteltakt als zwei Halbe zu verstehen ist, was ein schnelleres Tempo bedeuten kann.

Für mein Empfinden darf der Satz nicht zu schnell gespielt werden, wenn die Tiefe des Ausdrucks nicht gefährdet werden soll. Gut gelungen ist dies bei Altmeister Schnabel, bei Gilels/Szell, bei der neuen Aufnahme Alfred Brendels mit Rattle sowie einem Konzertmitschnitt des WDR mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester und dem Solisten Leon Fleisher, Dirigent war damals André Cluytens, der auch bei anderen Aufnahmen als aufmerksamer Begleiter von sich Reden gemacht hat.

Wie halten es unsere anderen Interpreten mit dem Tempo?

Den langsamsten Satz liefern uns der junge Eschenbach mit Karajan (14’00), gefolgt vom Team Weissenberg/Karajan (13’26). Die meisten Aufnahmen benötigen zwischen 10 und 12 Minuten. Das blaue Band muss man Newman (7’42) und Tan (8’17) zusprechen, verständlich bei den Hammerklavieren, die den Ton nicht so lange tragen können. Unter Verwendung eines Steinways oder Bösendorfers kommen Gieseking (9’03) und Backhaus (9’15) als schnellste zum Ende. Dass Ausdrucksfülle nicht unbedingt mit einem sehr langsamen Tempo korrelieren muss, zeigt uns das Team Duchable/Nelson in ihrer sehr gelungenen Interpretation.

Nun noch eine Anmerkung zum 3. Satz: nach T. 457 hat Beethoven traditionsgemäß eine Kadenz für den Solisten vorgesehen und auch selbst eine gefertigt, die fast alle Pianisten spielen. Die wenigsten Hörer wissen jedoch um eine weitere Kadenz aus Beethovens Feder zwischen T. 485 und 486, da sie fast niemand spielt. Auf Platten ist sie m. W. nur von Wührer und Eschenbach festgehalten.

Hinweise zu Interpretationen:

Artur Rubinstein hat zwei Gesamtaufnahmen der 5 Beethoven-Konzerte eingespielt, Mitte der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit Josef Krips und dem Symphony of the Air Orchestra, Toscaninis ehemaligem NBC Orchester, und etwas mehr als zehn Jahre später mit dem Boston Symphony Orchestra unter Leitung seines damaligen Chefdirigenten Erich Leinsdorf. Die Aufnahme mit Krips leidet unter klanglichen Mängeln, das Klavier klirrt in höher liegenden Passagen, das Orchester klingt stellenweise (Orchester-Tutti) etwas aufgebläht. Das kommt bei der jüngeren Aufnahme wesentlich besser aus den Lautsprechern. Rubinstein und mit ihm das jeweilige Aufnahmeteam machen klar, dass der Pianist hier die „erste Geige spielt" und das Orchester zurücktritt, sobald Rubinstein spielt, wobei die Oberstimme immer führt. Im langsamen Satz kann man Rubinsteins leuchtenden Ton bewundern. Schade, dass er Beethovens Pedal-Vorschrift für die Takte 50-52 ignoriert. Hier kann man aber auch Rubinsteins Fähigkeit bewundern, quasi improvisatorisch Beethovens Musik zum Klingen zu bringen. Rubinsteins Aufnahmen gelangen nicht ins Spitzenfeld, er bietet mehr (Krips) oder weniger (Leinsdorf) eine Draufsicht auf das Konzert, Details bleiben oft unberücksichtigt. Krips: relaxed, aber doch souverän, eher etwas rhapsodisch musiziert, Leinsdorf: Orchester geschlossener, konzentriertere Darstellung.

Mit Wilhelm Kempff liegen mir inzwischen drei Interpretationen vor, die bekannten Studio-Produktionen mit Paul van Kempen und Ferdinand Leitner als Dirigenten, sowie neu ein Konzertmitschnitt unter Leitung von Carl Schuricht. Kempff bevorzugt in allen Sätzen flüssige Tempi, die Musik ist immer in Bewegung, er ist kein sklavischer Vollstrecker von Beethovens Notentext, seine Ideen sind immer geistreich, überraschend, bleiben aber im von Beethoven vorgebenen Rahmen. Er setzt im 1. Satz nicht nachdenklich ein, wie andere, sondern beteiligt sich sofort am vorgegebenen Diskurs und setzt sich an seine Spitze. Die 2. Sätze werden cantabile, dabei ausdrucksvoll gespielt, die       3. immer wie verlangt scherzando. Die aufmerksamste Orchesterbegleitung stammt von Paul van Kempen, der schon in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts mit Kempff musizierte. Die Aufnahme mit Ferdinand Leitner ist den meisten Hörern bekannt, sie klingt dank der Stereo-Technik wärmer und voller. Damit kann die Schuricht-CD nicht punkten, ihr Klang ist etwas angeraut und leicht flächig, zudem stört mich etwas der spitze Klang der Oboe. Interpretatorisch ist sie den anderen beiden nicht unbedingt unterlegen. Kempff wählte die 2. von Beethoven komponierte Kadenz, gab ihr aber ab T.25 einen anderen Schluss. Im letzten Satz verlegte er in den T. 321-330 die Rondo-Melodie eine Oktave nach oben, auch Paul Badura-Skoda entschied sich so.

Ebenso wie der acht Jahre ältere Kempff befasste sich Claudio Arrau zeitlebens mit Beethovens Klavierkonzerten und hinterließ mindestens drei Gesamteinspielungen bei EMI und Philips. 1958, gerade zu Beginn des Stereo-Zeitalters, spielte er mit EMIs Begleiter vom Dienst, dem nicht zu unterschätzenden Alceo Galliera, das 1. Konzert in London ein. Das Klangbild ist erstaunlich durchsichtig, entbehrt aber noch einer Tiefenstaffelung, die Holzbläser sind gut abgebildet. Hier wird sehr sorgfältig musiziert, der jugendliche Überschwang in den Ecksätzen war jedoch nicht ihre Sache. Die folgende Aufnahme aus dem Amsterdamer Concertgebouw unter Leitung von Bernard Haitink kann damit auch nicht aufwarten, bietet aber ein verbessertes Klangbild. Im 2. Satz hebt Arrau die Basslinie in den Takten 67-73 sehr schön heraus. Im Rondo, obwohl nur 2 Sekunden schneller als früher gespielt, ist in dieser Aufnahme mehr los. Dreizehn Jahre später nochmal Arrau mit op. 15, diesmal dirigiert Colin Davis die Sächsische Staatskapelle. Die Aufnahme bietet in den Tutti-Abschnitten viel, zu viel, Hall, der mir aber nicht zu Beethovens Jugendwerk und auch nicht zu Arraus unspektakulärer Darstellungsweise so recht passen will. Ecken und Kanten scheinen abgeschliffen. Im 2. Satz kann man die fabelhaften Holzbläser und Hörner bewundern, auch die früher schon erwähnte Basslinie ist Arrau immer noch sehr wichtig. Im Finale jedoch fehlt einfach der pianistische Zugriff, die Musik wird in erster Linie korrekt dargeboten, zu didaktisch, ein Blick des alten Arrau auf Beethovens Jugendwerk! Arrau wählte in allen drei Aufnahmen die unvollendete erste Kadenz unter Hinzufügung eines sinnvollen Abschlusses.

Die Klavierkonzerte von Beethoven begleiteten Rudolf Serkin ein Leben lang. Eine Gesamtaufnahme entstand jedoch erst 1983 mit Seiji Ozawa, als er nicht mehr über seine früheren Kräfte verfügte. Im Jahre 1977 spielte er mit Rafael Kubelik und dem Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks im Münchner Herkules-Saal alle Konzerte sowie die Chorfantasie, die Konzertmitschnitte wurden 2005 von Orfeo zugänglich gemacht. Meine älteste Aufnahme ist auch ein Mitschnitt aus der New Yorker Carnegie-Hall mit dem NBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Guido Cantelli. In den Ecksätzen legen sie schnelle Tempi vor, es wird schwungvoll und mit Attacke musiziert, jedoch auch etwas unruhig, Dirigent und Solist agieren auf gleicher Wellenlänge, Serkins feuriges und im besten Sinne nervöses Klavierspiel nimmt den Hörer gefangen. Das Presto-Tempo des Rondos ist m. E. jedoch etwas überzogen und schmälert den Gehalt der Musik. In den Takten 146 ff verliert Serkin den Faden, findet jedoch nach ein paar Sekunden wieder zum vorgesehenen Rondo-Thema. Der 2. Satz hat nicht den Charakter eines Largos, es ist eher ein Andante con moto, eigentlich zu schnell. Die folgende Aufnahme aus Neapel fünf Jahre später unter der Leitung von Franco Caracciolo ähnelt der soeben besprochenen, für den 1. Satz brauchen die Interpreten jedoch eine Minute länger, im Gegensatz dazu spielen sie den Schlusssatz noch um eine halbe Minute schneller, im Konzertsaal sicher überzeugend, aus dem Lautsprecher weniger, das Orchester stößt hier an seine Grenzen. An der selben Stelle wie bei Cantelli hat Serkin erneut diesen Gedächtnisfehler, die Takte 241-243 geraten ihm undeutlich. Als Zuhörer im Konzertsaal hält man aufgeregt den Atem an. Der 2. Satz gefällt mir in diesem Konzertmitschnitt besser, er ist auch mehr als eine Minute länger ausgefallen. Die Aufnahme ist in Tutti-Abschnitten streicherbetont, jedoch gut durchhörbar. Trotz der aufgeführten Mängel und Imponderabilien vermitteln diese beiden Aufnahmen doch eine Vision von Beethovens eigenem Vortrag des C-Dur Konzerts. Die Studio-Einspielung mit Eugene Ormandy am Pult ist da viel ausgeglichener, jedoch nicht unverbindlicher, dafür sorgt schon Serkins Feuer. Der Hörer erlebt ein gutes Miteinander von Solist und Orchester, der Klang ist gut aufgefächert. Der 2. Satz, obwohl im Andante-Tempo, wenngleich auch nicht so schnell wie 1953, wird mit viel Ausdruck gespielt, vgl. T. 47 ff. Der dritte Satz gelingt nicht so aufregend wie bei Caracciolo, dafür wird hier mit sorgfältiger Artikulation Musik gemacht. Insgesamt gesehen eine überzeugende Produktion. Der Live-Mitschnitt mit Kubelik ähnelt der erwähnten Ormandy-Aufnahme, hat jedoch den Nachteil, dass das Orchester klanglich etwas zurückgesetzt aufgenommen wurde, was auf Kosten der Präsenz geht, auch klingt es kompakter als das Philadelphia Orchester. Der 2. Satz wird wieder etwas schneller genommen. Auch hier liegt noch eine gelungene Aufnahme vor. Sechs Jahre später, Serkin hatte bereits das 80. Lebensjahr erreicht, entstand die letzte Aufnahme unter Leitung des japanischen Dirigenten Seiji Ozawa mit dem Boston Symphony Orchestra. Serkin spielt nach wie vor ausdrucksvoll, jedoch nicht mehr so zwingend wie in jüngeren Jahren, die Kraft für ein schwungvolles Brio scheint abhanden gekommen. Ozawas bestens vorbereitetes Orchester kann nur sorgfältig mit plastischem Spiel assistieren. Serkin spielt im 3. Satz nicht Beethovens Kadenz.

Svjatoslav Richter war zeitlebens sehr wählerisch in Bezug auf sein Repertoire. Von vielen Stücken existieren eine Reihe von Aufnahmen, andere wichtige Werke hat er nie öffentlich gespielt. Von Beethovens Klavierkonzerten spielte er nur die Nummern 1 und 3, von beiden gibt es jeweils eine Studioproduktion und zusätzlich mehrere Konzertmitschnitte. Wie gern hätte ich auch die Interpretation von Beethovens 4. Klavierkonzerts kennengelernt! Da verweigerte sich der Meister. Richters bekannteste Aufnahme von op. 15 entstand während seiner ersten, triumphalen, Konzertreise durch die USA mit dem Boston Symphony Orchestra unter Leitung des Beethoven-erfahrenen Charles Münch, der dem Pianisten eine prägnante Orchesterleistung zur Seite stellt. Gleich nach den Eröffnungstakten weiß der Hörer, hier wird ein großes Konzert gegeben, ich könnte mir diesen Satz jedoch etwas schneller gespielt vorstellen. Sehr gelungen der 2. Satz, die Orchesterqualität kommt jedoch nicht ganz an die des Cleveland Orchesters heran. Insgesamt jedoch eine recht gute Interpretation. Vier Jahre vor Richters USA-Debut spielte er in der damaligen Tschechoslowakai sowohl in Prag als auch in Brünn das 1. Klavierkonzert, wovon Radio-Mitschnitte erhalten geblieben sind. Die Aufnahme mit dem Brünner Dirigenten Bretislav Bakala kann mich weniger befriedigen, da der Dirigent nicht aus der Rolle des Begleiters heraustrittt, von ihm gehen nur wenige Impulse aus. Auch ist die Koordination zwischen Solist und Orchester nicht immer optimal. Der Orchesterklang hätte geschmeidiger sein können, ein jämmerlicher Oboenklang sticht aus der Durchführung des 1. Satzes hervor. Besser gefällt die kürzlich bei Supraphon erschienene Aufnahme mit Karel Ancerl und der Tschechischen Philharmonie. Ancerl gibt gute Vorlagen und bemüht sich immer um ein Concertare. Der 2. Satz wird von allen am schnellsten gespielt (10‘13), was sich jedoch nicht negativ auf Konzentration und ausdrucksvolles Spiel auswirkt. Dem Finale drückt Richter durch recht spontanes Spiel seinen Stempel auf. In allen Aufnahmen wählt der Pianist für den 1. Satz Beethovens letzte Kadenz. Vielleicht war ihm die Überlänge suspekt, oder auch die inzwischen weiterentwickelte Klaviertechnik Beethovens (Doppeltriller), die ihn veranlassten, die Kadenz nach dem ersten langen Triller zu beenden. Seine Dirigenten und Orchesterkollegen waren auf diese Lesart nicht recht vorbereitet, kein Wunder, wenn das folgende Tutti recht verwackelt klingt!

Alfred Brendel hat insgesamt vier Gesamtaufnahmen der Beethoven-Konzerte hinterlassen. Seine allererste kommt von Vox. Die restlichen wurden alle von Philips produziert. In diesen Aufnahmen macht Brendel unmissverständlich klar: dieses Konzert ist ein Jugendwerk und sollte nicht im Rückblick aus einer späteren Schaffensperiode des Komponisten interpretiert werden. Es wird immer locker musiziert, teilweise geradezu kokett (1. Satz), man hört Musik eines aufstrebenden Komponisten, der von sich reden machen möchte. Der 2. Satz wird jeweils ausdrucksvoll musiziert (Haitink und Rattle, weniger Levine), ohne Tiefsinn zu suggerieren. Nicht immer ist die späteste Aufnahme auch die überzeugendste, hier trifft es jedoch zu: Rattle ist ein sehr aufmerksamer Begleiter, der ständig auf dem Sprung steht, um die Vorlagen des Pianisten aufzunehmen und weiterführen, Interaktion wird hier ganz groß geschrieben. Haitink gelingt eine sehr schöne Orchesterexposition, mehr maestoso als con brio musiziert. Im 2. Satz kann man sich einer gelungenen Bläserpartie T. 29-41 erfreuen, die gewöhnlich neben dem (zu) lauten Klavier untergeht. Bei Levine hat man den Eindruck, dass Routine vor Feinzeichnung geht: einige wichtige Partien werden vernachlässigt oder kommen klanglich nicht durch, z. B. die Streicher in T. 269 f, 273 f und 277 f des 1. Satzes, die Pizzicati T. 280 ff. Am meisten überzeugt hier das Rondo. Unter diesem Eindruck stellt sich der Hörer die Frage, ob die Digitaltechnik im Blick auf die Interpretation so viel gebracht hat (die 5 Beethoven-Konzerte unter Levine waren Teil des digitalen Startprogramms des Philips-Labels)?

Von Glenn Gould stand den Sammlern jahrzehntelang nur die CBS-Aufnahme mit V. Golschman zur Verfügung. Sie klingt sehr hell und durchsichtig. Der 1. Satz ist mit 12:50 recht zügig gespielt, vielleicht klingt klingt die Musik deshalb etwas spieldosenhaft. Beim 2. Satz wird ein eher langsames Tempo gewählt, das Gould ein expressives Spiel erlaubt, Golschman steuert ab T. 67 ausdrucksvolle Streicher-Pizzicati bei. Das Rondo fällt demgegenüber etwas ab, das Orchester spielt hier robust und pauschal. Ca. 1997 kam eine weitere Gould-Aufnahme auf den Markt, es handelt sich um einen Konzertmitschnitt aus Toronto, entstanden noch vor 1955. In der Anlage ähnelt diese der Studio-Produktion. Nachteilig wirkt sich jedoch das Rauschen der Acetat-Platten aus, besonders im 2. Satz, außerdem klingen die Streicher in hoher Lage sowie lauten Stellen ziemlich scharf und spitz. Der Orchesterklang ist insgesamt rau, auch gehen viele Details gegenüber der Studio-Aufnahme verloren. Was die Aufnahme für manche Hörer interessant machen könnte, sind die Beethoven-Kadenzen. Auf der CBS/Sony-Scheibe sind Goulds eigene Kadenzen festgehalten, die jedoch viele für sehr gewöhnungsbedürftig halten werden.

Ähnlich wie Svjatoslav Richter hat auch Martha Argerich nicht alle Beethoven-Konzerte im Repertoire, sondern nur die ersten beiden. Bei op. 15 stehen mittlerweile drei CDs im Regal, die Studioproduktion der DGG mit Giuseppe Sinopoli aus dem Jahre 1985, dann der Mitschnitt aus dem Concertgebouw mit Heinz Wallberg von 1992. Kürzlich veröffentlichte der Bayerische Rundfunk als Debut-CD seines neuen Klassik-Labels einen Mitschnitt unter Leitung von Seiji Ozawa. Wer beim ersten Satz von der Argerich eine furiose Gestaltung bei schnellem Tempo erwartet hatte, muss sich enttäuscht sehen. In allen drei Aufnahmen spielen die Orchester zu zurückhaltend, zu brav, sobald sie mit der Solisten konzertieren, bei Wallberg muss man noch einige Ungenauigkeiten in Kauf nehmen. In der DGG-Aufnahme lässt die Spannung ab T. 154 plötzlich nach, wurden da unterschiedliche Takes miteinander verbunden? Am besten gefällt mir die Aufnahme aus München mit Ozawa. Der 2. Satz kann besser gefallen, mit expressivem Spiel übernimmt Argerich die Führung, während Sinopoli und Wallberg eher brav begleiten, Ozawa und sein Orchester bringen sich mehr als Partner ein. Im letzten Satz kann die Pianistin dann endlich die Fesseln abstreifen, in dem Beethovens Musik dem Temperament der Pianistin bestens entgegen kommt. Hier ist es die EMI-Aufnahme, die mir am gelungensten erscheint, gefolgt vom Münchner Mitschnitt. Eine eindeutige Empfehlung lässt sich nicht ohne weiteres geben, ich bevorzuge das Gespann Argerich/Ozawa.

Mit Maurizio Pollini liegen zwei offizielle Mitschnitte vor. Beim ersten passen Pollini und Eugen Jochum nicht zusammen, entsprechend nüchtern fällt das Resultat aus: I Tempo etwas lahm, Pollini zieht es etwas an, das Orchester bleibt pauschal in der Gestaltung, sehr gut bietet der Pianist die Kadenz dar, am besten gelingt noch das Rondo. Die Aufnahme zusammen mit seinem Freund Claudio Abbado kann jedoch auch nicht voll überzeugen, vor allem scheint der Klang nicht richtig ausbalanciert: im 1. Satz ist mir der Pianist im Zusammenspiel mit dem Orchester etwas zu laut, im Verlauf von Couple 1 des 3. Satzes sind die Holzbläser viel zu leise (T. 93 ff), im 2. Satz spielt das Orchester bei Tutti-Stellen zu rauh (z .B. T. 60 ff). Eine Studio-Aufnahme nach den Berliner Konzerten wäre sicher befriedigender ausgefallen, dafür fehlte wohl das Geld.

Mit dem russischen Meisterpianisten Grigory Sokolov verzeichnet der Katalog keine Interpretation des 1. Beethoven-Konzerts, bekanntlich scheut der Meister das Studio. Erfreulicherweise haben Rundfunkanstalten Aufnahmen mitgeschnitten und gesendet, hier sollen zwei bekannt gemacht werden. Beim (vergleichenden) Hören wird sofort klar, dass der Pianist eine bestimmte Auffassung des Konzerts entworfen hat, die er mit seinen Partnern verwirklicht. In ihr wird dem Orchester im wesentlichen eine begleitende Rolle zugewiesen, es scheint, dass er beide Dirigenten mit seiner Sicht überzeugen konnte, beide Aufführungen ähneln sich in ihrer Anlage sehr, auch wenn Pinnocks Begleitung eindeutig der historisch-informierten Aufführungspraxis verpflichtet ist. Bei Sokolovs Spiel habe ich immer den Eindruck, als würde das Werk unter seinen Händen gerade seine Uraufführung erleben, sehr authentisch.

Das Jahr 2007 brachte gleich fünf Neuaufnahmen des 1. Beethoven-Konzerts: mit Kissin, Guy, Brautigam, Lang Lang und Anderszewski, ein Jahr zuvor erschien die Aúfnahme mit Mustonen. In den letzten vier genannten Interpretationen begegnen dem Hörer Produktionen nach historisch informierter Aufführungspraxis mit modernen Instrumenten. Vergleichen wir Brautigam mit Anderszewski: I Brautigam und Parrott haben das Große und Ganze im Blick, die Musik läuft wie geschmiert, nicht die geringste Trübung lässt sich erkennen. Anderszewski dagegen lässt sich Zeit für Einzelheiten, schon die Orchester-Exposition gliedert sich in viele Abschnitte, dass setzt sich konsequent fort bis in die Kadenz hinein. Anderszewski benötigt für diesen Satz eineinhalb Minuten länger als sein holländischer Kollege. II Während Anderszewski immer wieder Blicke ins Innenleben des Satzes wirft, glänzen Brautigam und Parrott durch souveränes Zusammenspiel losgelöst von den Fesseln des Notentextes, sehr überzeugend. III Brautigam ist jetzt wieder eine Minute schneller als Anderszewski, hier wird presto gespielt, dabei die Musik die Musik vielleicht auch ein wenig überfahren. Der polnische Pianist musiziert sehr überzeugend in vorgegebenen Bahnen, die Orchester-Tutti der Bremer Kammerphilharmonie fallen mir allerdings etwas zu lärmend aus. François-Frederic Guys Aufnahme mit Philippe Jordan ist in der Mitte von Anderszewski und Brautigam angesiedelt und wird deshalb möglicherweise als weniger interessant angesehen, nicht so vom Autor. Der 2. Satz ähnelt in der Anlage des von Brautigam, ohne jedoch dessen Souveränität zu erreichen. Im letzten Satz klingt gleich zu Beginn die Note nach dem Auftakt so, als wäre sie ein Vorschlag der folgenden, das hat Beethoven so nicht gemeint, kein anderer Pianist spielt das so, auch Guy im Verlauf das Satzes nicht mehr. Nun zu Olli Mustonen, der vom Klavier aus die Tapiola Sinfonietta leitet, die dann leicht mechanisch begleitet, nicht immer von Vorteil für die Musik, hier im 2. Satz zu beobachten, in dem in den Takten 19-23 Bratschen und Bässe Farbe ins Spiel bringen würden, so man sie denn ließe. Das Rondothema des 3. Satzes wird von Mustonen ohne Anlass verfremdet wiedergegeben, in T. 458 ff nach der Kadenz leiert die Begleitung der linken Hand. Der Klang der Aufnahme ist nicht immer bestens aufgefächert.

Ein paar Worte noch zu den Kadenzen, die Beethoven bei den Aufführungen improvisierte. Später notierte er auf Drängen von Klavierspielern und Freunden nacheinander drei Kadenzen, wobei die erste nach 60 Takten abbricht, fantasievolle Spieler finden leicht einen angemessenen Schluss. Die zweite Kadenz ist nur 32 Takte lang, also etwa im Umfang der von Mozart. Die dritte, mit 126 Takten längste Kadenz, hat die Klaviertechnik des 27Jährigen weit hinter sich gelassen und muss viel später, zur Zeit der Waldsteinsonate und des 4. Klavierkonzerts entstanden sein. Triller in beiden Händen mit zusätzlicher Ober- bzw. Unterstimme deuten darauf hin. Sie stellt sich wie eine zweite Durchführung dar, in der die einzelnen Themen des Satzes nochmals, aber in anderer Verarbeitung, dem Hörer vorgeführt werden. Die jeweils eingespielte Kadenz ist am Ende jeder Reihe angegeben (K1 ....K3). Mustonen spielt seine eigenen, Barenboim (1. Satz) und Casadesus vermutlich auch. Bei Ashkenazy, Duchable und Zacharias ist der Verfasser nicht genannt. Vielleicht kann ein Leser/Hörer einen Tipp geben.

eingestellt : 23.07.05

ergänzt und überarbeitet am 26.06.10

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