Das Klassik-Prisma  
 Bernd Stremmel

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3 Intermezzi op.117

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Baumgartner, P.

aura

1964

15‘14

5

live – herb, leicht rhapsodisch

Klien

VOX

~ 1960

15‘29

5

herbe und strenge Darstellung

Kempff

Decca/DGG

1950

14‘19

5

natürlich, keineswegs bedeutungsschwanger

Lupu

Decca

1970

16‘42

5

nähert sich dem 1.Stück als wäre es zerbrechlich

Katchen

Decca

1962

15‘05

5

I geheimnisvoll, verhalten, II schönes Legato

Hokanson

Bayer Records

1988

15‘57

5

Brahms‘ Musik genau auf der Spur, sehr gute Dynamik

Kovacevich

Philips

1968

15‘41

5

ein anderer Pianist als bei Beethoven, mit Gespür für die Musik

 

Vogt

EMI

2002

17‘38

4-5

Nr.2 und 3 nicht ganz auf der Höhe des 1., langsamste Nr.3

Vladar

HMF

2003

14‘01

4-5

I klar und klangschön, II espressivo trotz schnellem Tempo, III verbindet cresc. mit accell.

Kempff

DGG

1964

13‘58

4-5

etwas schneller als die frühere Aufnahme

Afanassieff

Denon

1992

19‘44

4-5

monumental, statisch; Musik eines Einsamen, der mit der Welt abgeschlossen hat; langsamster 1.Satz

Katin

Olympia

1990

15‘35

4-5

könnte etwas herber sein

Zitterbart

gutingi

2003

15‘01

4-5

I eigenwillige Phrasierung: alles unter einem Pedal, II nimmt sich Zeit für die Musik, III schmerzlicher Abschied – schöner Klavierklang

Erdmann

div.

~ 1935

12‘51

4-5

II dramatisch, weniger elegisch,III ohne Whlg.– insgesamt schnell, jeder Satz musste auf eine Schellackplatte!

Kuerti

Analekta

1998

14‘40

4-5

plastisches Klavierspiel, I Mittelteil etwas „vernebelt"

Joeres

Largo

1989

15‘02

4-5

III lässt die Musik nicht atmen

Rudy

EMI

1986

14‘23

4-5

schlicht aber innig

 

Rösel

Berlin classics

1973

14‘07

4

insgesamt tadellos, aber nicht mehr

Gould

CBS

1960

16‘32

4

I im Tageslicht, zu laut, viele arpeggierte Akkorde, II sehr gut, III nicht immer übersichtlich, vor allem im Mittelteil

Andsnes

EMI

1997

14‘37

4

I Wiederkehr von Teil A müsste etwas gebrochener sein, II wenig espressivo, III Teile A und B sollten sich schärfer voneinander abheben

Kuschnerova

Ars

2003

14‘55

4

I schlicht, II impressionistisch, III Tempo A und B angeglichen

Angelich

Virgin

2006

16‘55

4

klar, schön, genau, aber etwas glatt, Edelsteine rund geschliffen

Oppitz

BMG

1989

18‘46

4

I sehr heller Klang, kurze cresc. führen schon zum f , kein dolce, holzschnittartig, II T.69-71 rhythmische Verzerrung (vorgeschobene Auftaktigkeit, III B kein dolce

Zilberstein

DGG

1990

15‘23

4

pianistisch gemeistert, ohne Widerstände, ohne emotionale Beteiligung

Leonskaja

MDG

2004

16‘22

4

insgesamt gutklingender Steinway-Flügel von 1901; I Melodie zerfällt in kleine Einheiten, Sechzehntel-Auftakte immer besonders betont, warum? II etwas grob, tändelnd

 

Grimaud

Erato

1995

14‘45

3-4

eher manuell als geistig bewältigt, stellenweise etwas aufgeplustert, Brahms in der Carnegie-Hall

Ortiz

Collins

1990

15‘34

3-4

ewas zu schnell, unruhig, III man hat den Eindruck, als sei der Mittelteil der langsame Teil, Brahms wollte es aber umgekehrt

 

Einzelaufnahmen:

Intermezzo Nr.1 Es-dur

Schnabel

EMI

1947

4‘48

5

 

Curzon

Decca

1962

4‘42

4-5

konzentriert, klar

Rubinstein

RCA

1941

4‘46

4-5

espressivo

Backhaus

EMI

1936

4‘30

4-5

klar, nur die Musik spricht

Ney

Colosseum

1962

4‘53

4-5

 

Intermezzo Nr.2 b-moll

Solomon

EMI

1944

5‘10

5

Steigerung zum Schluss

Rubinstein

RCA

1941

3‘58

5

Ballade in nuce

Backhaus

EMI

1936

3‘33

4-5

 

Rubinstein

RCA

1953

4‘37

4-5

nicht so expressiv wie 1941

Horowitz

RCA

1951

4‘07

4-5

live

Firkusny

EMI

1959

3‘50

4

sehr flüssig gespielt

Rubinstein

RCA

1970

4‘53

4

wirkt ein wenig wie buchstabiert

Intermezzo Nr.3 cis-moll

Rubinstein

RCA

1953

5‘45

4-5

 

 

Die drei Intermezzi op.117, Teil 2 der späten Klavierstücke, hat Brahms mehrmals als „Wiegenlieder meines Schmerzes" benannt. Dass er damit seine Befindlichkeit in seinen letzten Lebensjahren charakterisieren wollte, möchte ich eher verneinen, Privates war ihm kein Thema für die Öffentlichkeit.

Eduard Hanslik nannte die drei Klavierstücke Monologe und traf damit sicher den Kern der Musik. Kunst in erster Linie nicht für den Konzertsaal gedacht, sondern für die persönliche Beschäftigung. Von daher verbietet sich die Zurschaustellung von Technik, gefragt ist eher ein Hineinversenken in Brahms‘ Ausdruckswelt. Die Stücke werden oft anheimelnd, süßlich und/oder melancholisch vorgetragen, als habe Brahms schon an Candlelight-Classic gedacht.

Im 1. Intermezzo bleiben oft die beiden kurzen c-moll-Stellen unbeachtet (T.11 und 48). Aber vier Takte vor Schluss meldet sich das c-moll noch einmal, von Brahms mit rinf. und espressivo überschrieben, es war ihm wohl wichtig! Hier, aber auch in den Schwesterwerken können Pianisten zeigen, ob sie etwas von Klangrede verstehen.

Beim 2. Intermezzo spürt man, dass der musikalische Impressionismus nicht mehr weit weg war. Debussy konzipierte seine Suite bergamasque sowie andere Einzelstücke bereits 1890, also noch vor den Intermezzi.

Im 3. Stück bringt Brahms in Takt 11 (mit Auftakt) ein 2.Thema, unisono in beiden Händen, eine Melodie mit fallenden Intervallen. Wenn ich sie höre, kommt mir immer der Beginn seiner 2. Rhapsodie g-moll op.79 Nr.2 in den Sinn: hier eine stürmisch aufsteigende Phrase, im Intermezzo der resignative Abgesang.

Manch ein Musikfreund bevorzugt bestimmte Einzelstücke aus allen Klavierstücken von Brahms und sucht CDs mit den jeweilig besten Interpretationen.

Hier die meiner Meinung nach besten Einspielungen der Intermezzi aus op.117:

Nr.1 Es-dur: Hokanson, Vogt, Klien, Katchen, Baumgartner, Schnabel

Nr.2 b-moll: Solomon, Gould, Rubinstein (1941), Kempff

Nr.3 cis-moll: Kovacevich, Baumgartner, Lupu, Klien, Kuerti

eingestellt am 19.02.07

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