Das Klassik-Prisma

 

 Bernd Stremmel

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Klaviertrio H-Dur op. 8 – 2. Fassung 1891

Allegro con brio – Scherzo, Allegro molto – Adagio – Allegro

Brahms‘ H-Dur-Trio ist ein Werk der Jugend, das unmittelbar nach seinem folgenschweren Besuch bei Robert und Clara Schumann in Düsseldorf entstand. Das Trio war von Anfang an erfolgreich und wurde immer wieder aufgeführt. 1889, einige Jahre vor seinem Tode, hat der Komponist sein Werk einer gründlichen Revision unterzogen, die Musik gekürzt, umgestellt und teilweise neu komponiert, 1991 wurde das „neue“ Trio mit Brahms am Flügel uraufgeführt. Seitdem wird fast nur noch diese Neufassung gespielt und auf Platten aufgenommen. Bei neuen Gesamtaufnahmen der Klaviertrios nehmen sich einige Formationen auch wieder der Urfassung des H-Dur-Trios an und ermöglichen so Vergleiche anzustellen.

Das Trio verlangt von den drei Musikern immer einen vollen Einsatz. Man muss Farbe bekennen, wie man es mit Brahms‘ Seelenzuständen hält. Zurückhaltende Interpretationen können dem Anspruch des Werkes nicht genügen. Gottlob sind in den letzten 20 Jahren herausragende Einspielungen von jungen Trioformationen eingespielt worden, weitere werden gewiss noch folgen. Dem Musikfreund stehen so eine ganze Anzahl von Spitzen-Interpretationen zur Auswahl bereit, wie die nachfolgende Übersicht zeigt.

Nach den Partiturangaben wünscht sich der Komponist für den Kopfsatz ein schnelles Tempo, Allegro, mit dem Zusatz con brio, darauf weist auch das Alla breve-Zeichen zu Beginn hin. Von meinen ersten Begegnungen mit dem Trio, als mir die Noten noch nicht bekannt waren, ist mir der langsame und ausdrucksvolle Anfang, in dem sich der Flügel noch allein  präsentiert, in fester Erinnerung. So spielte man es damals – und auch heute noch. Nur wenige Trio-Formationen bekannten oder bekennen sich zu dem von Brahms gewünschten schnelleren Beginn: das Heifetz-Trio, das Trio um A. Schnabel, das Oistrach-Trio, das Suk-Trio-76, das Trio di Trieste, das Trio um N. Gutman, das Trio Vogt-Tetzlaff-Pergamenschikoff, das Trio um Chr. Zacharias, das Trio Altenberg, das Trio Novanta, das Prager Guaneri Trio und das O. Schnyder Trio. Interessant zu beobachten ist, dass L. Vogt in seiner neuen Studioaufnahme ein langsameres Tempo als früher anschlägt. Im Takt 6 lässt sich der musikalische Geschmack des Cellisten testen, wenn man darauf achtet, wie er das ais, es ist der fünfte Ton, trifft: genau oder ein ganz klein wenig tiefer, dann klingt es leicht etwas schmalzig.

Pointiert sollte der 2. Satz artikuliert werden, abgesehen vom schwelgerischen Trio. Brahms lässt das Thema schon einige Takte vorher im Scherzo anklingen T. 125 ff (Violine) und T. 137 (Klavier), ohne dass es vom Hörer als solches wahrgenommen wird, es fehlt noch die folgende Sextenseligkeit!

Den langsamen Satz, Adagio, wie der Kopfsatz steht er in H-Dur, beginnt das Klavier quasi wie mit einem Choral – entrückt. Der Komponist erwartet vom Spieler, dass er das linke Pedal niederdrückt – una corda, dabei verschiebt sich die Tastatur des Instruments und nur eine der zwei oder drei Klaviersaiten wird beim Spiel angeschlagen, was einen entrückten, gläsernen Klang erbringt. Beim vergleichenden Hören wird klar, dass die Pianisten, vor allem die, denen moderne Steinways zur Verfügung stehen, kaum das linke Pedal treten, sondern sich auf die hochentwickelte Mechanik, die  differenzierende Anschlagsnuancierungen ermöglichen, verlassen und wunderbar leise und abgerundet die entsprechenden Takte erklingen lassen. Dabei entgeht dem Zuhörer jedoch der beschriebene besondere una corda-Klang. Ihn hört man nur beim Beaux Arts Trio, beim Trio di Trieste, beim Suk Trio-76, beim Trio um Chr. Zacharias, beim Altenberg Trio, beim O. Schnyder Trio sowie beim Trio Vogt-14. Nicht sicher bin ich mir beim Trio Parnassus, beim E. Fischer Trio, beim Moskauer Klaviertrio sowie beim Trio Wanderer.

Dem 3. Satz hat Brahms eine Vierteiligkeit gegeben: Dem beschriebenen Choral-ähnlichen Anfang folgt als Abschnitt B eine ausdrucksvolle Cellokantilene (T. 32-43). Der Klavierpart im längeren Abschnitt C (T. 43-65) weist auf eine Klaviertechnik voraus, die Brahms in seinen späten Klavierstücken, hier besonders op. 117 Nr. 2, aufgreift. Das Finale kehrt zum anfänglichen „Choral“ zurück, nur sind die drei Instrumente hier näher zusammen gerückt, verdichtet. Dazu kommt noch eine Besonderheit, die nur dem aufmerksamen Hörer zuteil wird: bei den Choral-ähnlichen Akkorden hat der Pianist erneut das linke Pedal zu treten, bei den begleitenden Figurierungen lässt er es los, dann erklingen wieder alle Saiten (tutte la corde) Diesen klanglichen Unterschied hört man nur beim Suk Trio, dem Trio Altenberg, sowie beim Trio Vogt-14.

Beim 4. Satz sei noch angemerkt, dass der Cellist und der Pianist, später auch der Geiger, anfangs sehr leise zu spielen haben, nur so klingt der Beginn auch geheimnisvoll oder sogar unheimlich. Das erste f ist erst in T. 43 vermerkt!

Die Wiederholung der Exposition im ersten Satz wird von den meisten Trios beachtet, Ausnahmen: Heifetz-Trio, Trio um Badura-Skoda, Trio um Schnabel, Trio um E. Fischer, Beaux Arts Trio, Trio Novanta. Da Trio im Scherzo wird immer ausgeführt, das im folgenden Trio übergehen das Beaux Arts Trio sowie das Trio um E. Fischer.

Altenberg Trio Wien

Vanguard

1999

33‘50

5

I mit Hingabe, con brio, artikulatorische Feinarbeit, klangliche Schärfungen, III vielschichtig, atmosphärisch dicht, Unterschied zwischen una corda und tutte la corda herausgestellt, IV souverän – vorbildhafte dynamische Differenzierung

Trio Fontenay

Teldec

1989

36‘05

5

I souverän bewältigt, II Anfang des Trios mf statt p, III Teil C als Kontrast zum Umfeld herausgestellt, IV mit Verve – gelungene Klangabmischung zwischen den Instrumenten

Trio Istomin – Stern – Rose

CBS    Sony

1966

37‘23

5

I u. IV konzertant, 3 Solisten immer unter Anspannung, II nur Allegro, Trio zu Beginn zu laut, trotzdem atmosphärisch dicht, III ausdrucksvoll, ohne Überdruck

Trio Katchen – Suk – Starker

Decca

1968

36‘19

5

I mit Inbrunst, sehr gute Balance, III viel Espressivo – Katchen als Regisseur im Hintergrund, Klangbild nicht mehr taufrisch

Smetana Trio

Supraphon

2012

36‘18

5

I Anfang ausgekostet, insgesamt etwas langsamer, mit Druck und Fantasie musiziert, auch im 2. Satz, III spannungsvoll, IV pulsierend – sehr gute Balance, gute dynamische Gestaltung im Sinne des Komponisten

Wanderer Trio

HMF

2005

35‘56

5

I geschmeidig, phantasiereich, III sehr gute dynamische Gestaltung, Atmosphäre, IV souverän – sehr gute Balance und Transparenz, französischer Brahms

Oliver Schnyder Trio

RCA

2014

33‘07

5

I mit Inbrunst, 2. Th. etwas langsamer, Cellist spart nicht mit Vibrato, II Allegro molto, spannungsintensiv, III nuancenreich, IV großbogige Gestaltung, subtil differenziert, wie aus einem Guss – sehr gute dynamische Gestaltung und Balance

Trio Zacharias – Hoelscher – Schiff

EMI

1982

34‘54

5

unruhig, beschwörend, Sturm und Drang, der junge Brahms – gut aufeinander abgestimmtes Solisten-Trio, nicht ganz so differenziert wie Schiff/Previn, stattdessen jedoch ursprünglicher

Trio Previn – Mullova – Schiff

Philips

1993

36‘37

5

farbiges Spiel, nuancenreich, auch kräftig auftrumpfend, insgesamt jedoch schlank, Instrumente gut aufeinander abgestimmt, gute Balance, sehr gute dynamische Differenzierung und Transparenz

Trio Parnassus

MDG

1995

34‘32

5

I kammermusikalische Feinabstimmung, dynamischer Reichtum, vital, II Trio anfangs emotional etwas zurückhaltend, III tragfähige Spannungsbögen, IV ausgelassen – hervorragende Transparenz, sehr gute Balance

Trio Pires – Dumay – Wang

DGG

1995

37‘48

5

I emotionaler Vortrag, 2. Th. langsamer, II Trio: con sentimento, III innig, IV mit viel Empathie – helles Klangbild, ein Klangereignis, Dumays Geigenton ist nicht immer ganz schlackenlos

Trio Vogt – Chr. und T. Tetzlaff

Ondine

2014

34‘17

5

I gepflegter, etwas weniger Feuer als 2000, II Trio mit modernem Zugriff: weniger emotionsgeladen, vornehm zurückhaltend, III hier viel mehr Espressivo als früher, Unterschied zwischen una corda und tutte la corda herausgestellt – hervorragende dynamische Differenzierung

Trio Vogt – Chr. Tetzlaff – Pergamenschikoff

EMI

2000

33‘30

5

live – I, II u. III mit Herzblut, nervös, con spirito, III insgesamt weniger innig, Abschnitt C bewegt – gute dynamische Differenzierung, Geige klanglich meist vor dem Cello


Trio Angelich – Renaud u. Gautier Capucon

Erato

2003

38‘06

4-5

I souverän bewältigt, insgesamt jedoch langsamer und mit weniger Brio, II perfektes Zusammenspiel, gefühlsbetontes Trio, III kontemplativ, sehr gute Dynamik, IV mehr Tempo – die Musiker haben eher den älteren als den jungen Brahms im Fokus

Suk Trio

Supraphon

1976

34‘35

4-5

I spannungsintensiv, III Unterschied zwischen una corda und tutte la corda herausgestellt, IV aufgekratzt, weniger Spannung als bei Suk/Katchen – ausgeglichene Balance, Bassbereich des Flügels weniger präsent

Trio E. Fischer – Schneiderhan – Mainardi

Amadeo

1953

32‘14

4-5

Studio BR

Gutman Trio

Brilliant

2012

34‘46

4-5

I musikantisch, spannungsvoll, II robust, ruppig, aber voller Einsatz, Trio anfangs zu laut, III ausdrucksvoll, IV aufgekratzt, spontan, anfangs zu laut – Geige in höchster Lage bei lauten Tönen unangenehm spitz und teilweise kratzig, transparenter Klang

Moskauer Klaviertrio

Melodya

P 1987

35‘06

4-5

I mit Hingabe, auftrumpfend, II bewegt, Trio mit Hingabe, III spannungsintensive Beredtheit, IV sehr bewegt, temperamentvoll – gelungene Klangabmischung bei den Streichern, Klangbild insgesamt jedoch etwas eingeengt

Münchner Klaviertrio

Genuin

P 2008

36'10

4-5

I u. II kraftvoll, con brio, mit viel Spannung, III Flügel könnte bei una corda zurückhaltender sein, dynamische Differenzierung etwas großzügig, auch in IV – hervorragendes Miteinander, mit Herzblut, sehr gute Transparenz, Cellist schnieft

Guaneri Trio Prag

Praga

2006

33‘04

4-5

I u. II mit Hingabe, sehr klar und deutlich, con brio, III bewegt, weniger Espressivo, IV ausgelassen, dynamische Differenzierung hier nicht ganz top – transparenter Klang, sehr gute Balance


Trio Opus 8

Bayer Records

1986

38‘47

4

I eher gemächliches Tempo, 2. Th. noch langsamer, mit Hingabe, jedoch schwerblütig, II überzeugende Artikulation, Trio mit Inbrunst, III etwas neutral im Ausdruck, IV langsamer, aber mit Nachdruck – eher der alte Brahms

Trio Novanta

Tudor

P 1993

29‘53

4

I u. II kraftvoll, mit Hingabe, Sturm und Drang, III mehr kontrolliert als emotional, IV zupackend – nicht ganz so gepflegt wie z. B. O. Schnyder oder Wanderer

David Oistrach Trio

Brilliant

1951

34‘09

4

I vitale Interpretation, 2. Th. etwas langsamer, Cello anfangs zu laut, II bewegt, temperamentvoll, Trio molto espressivo, III T. 22-24 etwas schmalzig, hier wird nicht mit Vibrato gespart, IV vital – sehr gutes Miteinander, kein natürliches Klangbild, Geige klingt im Diskant spitz, aufdringlich und auch kratzig

Beaux Arts Trio

Philips    Decca

P 1967

29‘50

4

I kraftvoll, II pulsierend, spannungsvolles Trio, III etwas routiniert, IV zupackend, jedoch nicht so aufregend – sehr gute Transparenz und Balance

Trio E. Fischer – Schneiderhan – Mainardi

Cetra

1953

33‘51

4

live Salzburg

Trio Badura-Skoda – J. Fournier – Janigro

Westminster

forgotten records

~ 1952

33’19

4

I mit Herzblut, aufgekratzt, hier und da auch etwas grobkörnig, II Scherzo könnte etwas lockerer gespielt sein, insgesamt etwas nüchtern, III atmosphärisch dicht, IV zurückhaltendes Allegro – etwas belegter Klang, einige Portamenti, Intonation der Vl nicht immer top

Florestan Trio

hyperion

1997

35‘44

4

I etwas nüchtern, weniger emotional, II Scherzo pulsierend, Trio dagegen etwas spröde, III eher sachlich als gefühlsbetont, IV mit Hingabe, aber eher herb

Trio Rubinstein – Heifetz – Feuermann

RCA

1941

27‘37

4

I unruhig, in Staccato-Abschnitten Str. etwas zackig spitz, II Allegro molto, gelegentliches Spiccato der Vl, III fast Andante, Str. T. 4 ff zu laut, weniger innig, IV Cello beginnt mf statt p, mit spontanem Musiziergefühl – einige Portamenti, Knistern der Schellackplatten, im 1. Satz Verzerrungen, kompackter Klang, betrifft vor allem das Klavier

Trio di Trieste

DGG

1967

33‘12

4

unbefriedigende Balance, Cello von Geige und Klavier eingeengt, Geige bei lauten Tönen im Diskant forciert und spitz klingend, IV langsameres Tempo, wenig Schwung


Trio Testore

audite

2011

38‘05

3-4

I erste Note fast als Halbe, linke und rechte Hd. beim Thema nicht ganz synchron, 2. Th. viel langsamer, inges. mehr Rubato (in allen Sätzen) als bei anderen Trios, II anfangs zu laut, auch das Trio, weniger emotional, III etwas geschmäcklerisch, IV einige Drücker bei der Geige – insgesamt unausgeglichen, auch in der Balance

Trio Ashkenazy – Perlman – Harrell

EMI

1991

35‘08

3-4

All-Star-Trio vereinnahmt op. 8: orchestraler Zugriff, con brio, robust, wie mit breitem Pinselstrich, Sturm und Drang, dynamische Differenzierung kaum ausgeschöpft – 3. Satz gefällt am besten

Trio Hess – Stern – Casals

CBS    Sony

1952

39‘51

3-4

live – schwergängiges Musizieren bei insgesamt langsameren Tempi als vorgesehen (vom Finalsatz abgesehen), auch weniger Spannung; den alten knurrigen Brahms beschwörend, Casals brummt wie immer mit


Trio Schnabel – Szigeti – P. Fournier

arbiter

1947

32‘09

2-3

live – I aufgekratzt, Geige führt, Cello oft bedrängt, II stellenweise wie ein Parforce-Ritt, III warmherzig, molto espressivo, T. 42 ff Gleichlaufprobleme des (Master?)Bandes, IV T. 1-4 fehlen – Portamenti, starkes Rauschen der Acetatplatten, elektronische bedingtes Brummen im Hintergrund

 

Hinweise zu Interpreten und Interpretationen:

Edwin Fischer Trio

Vor Jahrzenten berühmt war das Edwin-Fischer-Klaviertrio, in dem neben Edwin Fischer der Geiger Georg Kulenkampff, nach dessem Tod 1948 Wolfgang Schneiderhan, sowie der Cellist Enrico Mainardi mitwirkten. Leider sind mit dieser Formation keine Plattenaufnahmen entstanden, gottlob sind einige Konzertmitschnitte sowie Studioproduktionen von Rundfunkanstalten erhalten, die hier herangezogen werden können. Beide Aufnahmen des H-Dur-Trios entstanden 1953, im August bei den Salzburger Festspielen sowie im November in einem Studio des Bayerischen Rundfunks. Der Cellist Enrico Mainardi berichtet, dass die drei Musiker unzufrieden waren mit ihrem Tempo am Beginn des Kopfsatzes. Brahms schreibe da Allegro con brio vor, aber es würde von ihnen immer zu breit gespielt. Bei einem Konzert in Kopenhagen habe man sich nun doch entschlossen im schnelleren Tempo zu beginnen. Abends auf dem Konzertpodium habe Edwin Fischer jedoch - entgegen der Absprache - wieder mit dem gewohnten langsameren Tempo angefangen: „… da spieltest Du mit einem wunderbaren langsamen Tempo, wie Du es noch nie so langsam gespielt hattest, und Du hast es so großartig, mit solch einer Innigkeit gespielt, daß wir natürlich gleich mitmachten!“* Dieser ausdrucksvoll gespielte Beginn lässt sich auch vor allem auf der Münchner Aufnahme nachhören, den das österreichische Label Amadeo veröffentlicht hat. Das Trio spielt mit einer spannungsintensiven Beredtheit, mit romantischem Tonfall und im Tempo rubato. Das gilt entsprechend für alle Sätze. Auch im Scherzo wird ein langsameres Tempo gewählt, das Trio dagegen klingt beim Salzburger Mitschnitt sehr innig. So auch das Adagio, im Abschnitt B tritt Mainardi mit ausdrucksvollem Spiel hervor. Beim Finalsatz, streckenweise etwas nachdenklich und auch gewichtig, setzt man auch nicht auf Tempo, als Zuhörer meint man, das die Musiker hier kaum an ein Finale gedacht haben, von der Schlussstretta einmal abgesehen. Nicht verschwiegen sollen einige spieltechnische Unzulänglichkeiten, die man heute kaum noch hört. So klingt Schneiderhans Geige im Scherzosatz im Diskant zu spitz und auch kratzig (T. 51 ff - Salzburg). Über etliche falsche Töne des Pianisten muss man hinweggehen. Das heutige Schönheitsideal, das Interpretationen austauschbar macht, war zu Zeiten Edwin Fischers noch nicht unbedingt das Erstrebenswerteste. Der Klang der Aufnahmen ist besser als andere aus dieser Zeit, die Rundfunkaufnahme hat die Nase vorn.       

*Enrico Mainardi im Sender Beromünster, aus: Dank an Edwin Fischer, Wiesbaden 3/1963

eingestellt am 19. 02. 2016

ergänzt am 05. 03. 2016

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