Das Klassik-Prisma

 

 Bernd Stremmel

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Debussy

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Prelude à l’après-midi d’un faune

Ergänzung und Neubearbeitung 2013



Der Anlass zur Komposition dieses etwa zehnminütigen Orchesterwerkes war ein Gedicht des zu Jugendzeiten Debussys in Künstlerkreisen sehr bewunderten Dichters Stéphan Mallarmé, es trug den Titel „L'Après-Midi d'un faune – Nachmittag eines Fauns“. Der junge Debussy beabsichtigte ein Tryptichon für Orchester zu komponieren mit den Teilen Prelude, Interlude sowie Paraphrase finale. Aufgrund der Arbeitsbelastung an seiner Oper Pelleas et Melisande kam die geplante Arbeit über das Vorspiel nicht hinaus. Trotzdem hatte der Komponist mit diesem Stück in Frankreich sehr großen Erfolg, der sich später auch auf alle Musikstätten der Welt verbreitete und bis heute noch anhält. Entsprechend groß ist auch die Anzahl der Einspielungen.



Monteux

London Symphony Orchestra

Decca

1961

9‘20

5

locker, schwebend, Schwüle vermittelnd, Cymbal Antique T. 94 etwas zu früh

Paray

Detroit Symphony Orchestra

Mercury

1955

8‘22

5

erstaunlicher Klang, fast eine kammermusikalische Lesart

Karajan

Berliner Philharmoniker

EMI

1977

10‘05

5


Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1985

9‘49

5


Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1964

9‘45

5


Münch

Boston Symphony Orchestra

RCA

1962

8‘58

5


Ormandy

Philadelphia Orchestra

CBS Sony

1959

8‘52

5

duftig

Schuricht

Dresdner Philharmonie

Berlin Classics

~ 1943

11‘25

5

organisches Musizieren, immer fließend, liebevoll gestaltet


Stokowski

London Symphony Orchestra

Decca

1972

11‘40

4-5

Stokowski der Klangmagier; der Hörer sitzt mitten im Orchester, Harfe nicht nur Zutat, Tempo Rubato

Ingelbrecht

Orchestre National de ORTF

Erato

Testament

1953

9‘53

4-5

atmosphärisch dichtes Orchesterspiel

Münch

Orchestre National Paris

Concert Hall

Scribendum

1966

10‘00

4-5


Ansermet

Orchestre de la Suisse Romande

Decca

1957

8’55

4-5

lebendiges Musizieren, offenes Klangbild

Leibowitz

London Festival Orchestra

Chesky

1960

9‘36

4-5

hellwach und inspiriert

Boulez

Cleveland Orchestra

DGG

1991

8‘47

4-5

wie mit einem Silberstift gezeichnet, Clarté

Solti

Chicago Symphony Orchestra

Decca

P 1977

10‘53

4-5

Flöte und Oboe bei langen Noten viel Vibrato, Stimmung ziemlich gut getroffen, gute Bassgrundierung des Klangbildes

Martinon

Orchestre National Paris

EMI

1974

10'25

4-5

Duft, Schwüle

Jaquillat

Orchestre de Paris

EMI

~ 1970

9'33

4-5

lebendig, teilweise auch verspielt

Dutoit

Orchestre Symphonique de Montreal

Decca

1989

10'37

4-5

hellwach, inspiriert, flöte und Oboe mit Vibrato

Pretre

Orchestre National Paris

EMI

1987

10'18

4-5

atmosphärisch dichtes Spiel

Plasson

Orchestre du Capitole de Toulouse

EMI

1987/88

10'36

4-5

atmosphärisch dichtes Spiel

Saraste

Finnisches Radio-Sinfonie-Orchester

Virgin

1991

8‘43

4-5

Flöte und Oboe bei langen Noten viel Vibrato, farbenreich, transparenter Klang


Silvestri

Conservatoire Orchester Paris

EMI

forgotten records

1958

9‘55

4

sehr klar und deutlich, jedoch kaum ein Hauch von Schwüle

Boulez

New Philharmonia Orchestra London

CBS Sony

1968

9‘45

4

lebendig, transparent

Markevitch

Philhamonia Orchestra London

EMI Testament

1954

9'34

4

sehr sorgfältig, transparent, etwas zögerlich

Mrawinsky

Leningrader Philharmonie

Melodya - BMG

~ 1963

9‘32

4

live – offenes Klangbild, facettenreiches Orchesterspiel, Publikumsgeräusche

Beecham

Royal Philharmonic Orchestra London

EMI

1957

10‘21

4

Beecham verfügt über eine gute Hand für das Werk, leider unsägliches Vibrato der Oboe, stört auch den Holzbläserklang in Tuttipartien

Beecham

London Symphony Orchestra

EMI History

1939

9‘17

4

aufnahmebedingt weniger Klangfarben

Salonen

Los Angeles Philharmonic Orchestra

Sony

1996

10'07

4

S. liest die Partitur genau, Crescendo ab T. 65 etwas schmal brüstig

Münch

New York Philharmonic Orchestra

Rundfunkaufnahme


10‘07

4

live- unveröffentlicht

Münch

Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester

WDR

1966

9‘41

4

live- unveröffentlicht

Suitner

Staatskapelle Dresden

Berlin Classics

1962

9‘23

4

transparenter Klang, bewegt und locker, jedoch kaum Schwüle

Lehmann

Berliner Philharmoniker

DGG

1954

9‘51

4

etwas zu sachlich

Toscanini

NBC Symphony Orchestra

RCA

1953

8‘46

4

live – bewegtes Tempo, Musik immer im Fluss, Schwüle? - Publikumsgeräusche

Cantelli

Philharmonia Orchestra London

EMI Testament

1954

9'10

4

klar, transparent, ohne Duft

Stokowski

Concertgebouw Orchester Amsterdam

RNM

1951

10‘16

4

live – im Konzertsaal ein Erlebnis, von der CD jedoch kaum: unbefriedigender Klang, Störgeräusche der Acetatplatten

Krivine

Orchestre National de Lyon

Denon

1994/95

9'36

4

ansprechend, warmherzig, aber auch etwas uneinheitlich

Bernstein

New York Philharmonic Orchestra

CBS Sony

1960

10‘20

4

etwas entfernter Klang, im Tutti al-fresco-Neigung, Schwüle?


Fricsay

RIAS Symphonie-Orchester Berlin

DGG

1953

10‘12

3-4

Oboe störendes Vibrato, deshalb nicht bestens im Holz integriert, insgesamt etwas zu nüchtern

Haitink

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Philips

1976

11‘11

3-4

Flöte und Oboe bei langen Noten viel Vibrato, T. 27 Flöte buchstabiert, T. 67-72 Streicher im Unisono zu dick, T. 86-89 zu schwer – klar, transparent, Bassabrundung!

Bernstein

Orchestra di St. Caecilia Rom

DGG

1989

11’32

3-4

wenig locker, die Musik zieht sich hin, zuviel Erdung, hoher Transparenzgrad

Monteux

Concertgebouw Orchester Amsterdam

APL

1950

9‘58

3-4

live – gute Interpretation, Oboe und Flöte mit zu viel Vibrato, stumpfes Klangbild, wenig Transparenz, Publikumsgräusche

Rattle

Berliner Philharmoniker

EMI

2004

10'12

3-4

mehr Einzelabschnitte als zwingende Einheit, Streicher etwas vernachlässigt, keine Schwüle, ohne Duft

Previn

London Symphony Orchestra

EMI

P 1979

10‘17

3-4

Aufnahme aus den Anfängen der Digitalzeit, Abschnitte wie zusammengeklebt, in den Tuttistellen wenig durchsichtig, insgesamt ruhig, wenig Atmosphäre


Gergijew

London Symphony Orchestra

LSO

2010

11'29

3

wenig Spannungsbögen, Holz und Streicher spielen nebeneinander her, ohne Schwüle, die Musik zieht sich hin

Ashkenazy

Cleveland Orchestra

Decca

1986

10'01

3

Ashkenazy schlendert durch die Partitur, Flöte mit viel Vibrato, Cymbales antiques?

Denève

Royal Scottish National Orchestra

Chandos

2011/12

10'10

3

Klangfarben der Streicher bleiben weithend ungenutzt, ziemlich farblos, ohne Duft


Klemperer

Los Angeles Philharmonic Orchestra

Symposium

1938

8‘29

2

live – bewegtes Tempo, sehr klar, kein Träumen des Fauns; sehr starkes Knistern und Rauschen




Hinweise zu Dirigenten und Interpretationen:

Charles Münch

Mit Münch liegen mir vier Interpretationen vor, zwei Studio-Aufnahmen sowie zwei Konzertmitschnitte, die bisher unveröffentlicht waren. Am besten gefällt mir die Bostoner Aufnahme von 1962, auch wenn Flöte und Oboe bei langen Noten viel Vibrato spielen. Die folgende Concert Hall-Aufnahme zeigt ein offeneres Klangbild mit sehr gut eingefangenen Holzbläsern, leider spielen die Streicher zu rau. Zu Beginn sind etliche Raumgeräusche mit auf das Band gelangt. Der New Yorker Mitschnitt zeigt weniger Atmosphäre als zuvor, in Köln spielt man lebendiger, aber auch etwas sachlich, ein deutscher Debussy.

Herbert von Karajan

Ein Werk, dass dem Maestro sicher gut lag, die Aufnahmen gewinnen noch durch die immer wieder verbesserte Klangtechnik. Die ausgewogenste Interpretation lieferte er 1977, die früheste hat mich schon damals bei ihrem Erscheinen begeistert, sie wird jedoch noch durch seine letzte übertroffen, in der höchste Transparenz und Präsenz herrscht, man meint direkt im Orchester zu sitzen, leider dominieren hier die Streicher in den T. 63-72 zu viel.

eingestellt 2004

letzte Ergänzung 21. 12. 13

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