Das Klassik-Prisma

 

 Bernd Stremmel

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Dvorak       home

9. Sinfonie e-Moll op. 95

Aus der neuen Welt"



Fricsay

Berliner Philharmoniker

DGG

1959

44‘24

5

 

Paray

Detroit Symphony Orchestra

Mercury

1960

34‘38

5

I toller Sound, elektrisierendes Musizieren, immer im Tempo, A. molto, II sehr deutlich, III Tanzcharakter gewahrt, IV superb

Klemperer

Philharmonia Orchestra London

EMI

1963

45‘27

5

W - I facettenreiches Musizieren, K. vergisst keine Nebenstimme, sehr gute Balance zwischen den Instrumentengruppen, II stimmige Lautstärkeproportionen, keine verschleppten langsamen Abschnitte, Englischhorn mit zu viel Vibrato, III auch bei etwas langsamerem Tempo Tanzcharakter gewahrt, IV könnte etwas mehr Drive vertragen – Klemperers Aufnahme sollte Pflichtlektüre für jeden angehenden Kapellmeister sein, der zum ersten mal Dvorak 9. dirigiert

Silvestri

Orchestre National de l’ORTF

EMI  forgotten records

1957

38‘48

5

I nuancenreiches Musizieren, rhythmische Energie, Drive, ziemlich tempokonstant, II espressivo, hellwach bei der Sache, III lebendig, nuancenreich, IV con fuoco, drängend

Dohnanyi

Cleveland Orchestra

Decca

1984

40‘37

5

I facettenreiches Musizieren, sich vor Exaltiertheit hütend, II pastoses Englischhorn, Atmosphäre, III auch immer den Blick auf Details, Trio II gelöst, wie ein Gesang, IV Temperament und Präzision auf gemeinsamen niveauvollem Nenner

Karajan

Wiener Philharmoniker

DGG

1985

42‘19

5

 

Walter

Columbia Symphony Orchestra

CBS Sony

1959

42‘05

5

I entspannt, II etwas verhalten, jedoch intensiv, viel Atmosphäre, III der Musik nachgelauscht, leiser Triangel, IV überlegen, könnte etwas mehr Drive vertragen

Szell

Cleveland Orchestra

CBS Sony

1958

39‘33

5

 

Solti

Chicago Symphony Orchestra

Decca

1983

45‘30

5

W – plastischer und saftiger Klang, I klangliche Schärfung, feurig, II sehr langsam, innig, in die Musik versunken, IV mit viel Schwung – ein fantastisches Orchester trifft auf eine fantastische Klangtechnik

Kubelik

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

BR

1980

42‘02

5

live unveröffentlicht

Kertesz

Wiener Philharmoniker

Decca

1961

40‘25

5

I konzentriert, rhythmisch geschärft, etwas plakativer Blechklang in Tuttipassagen, II facettenreich, expressiv, III 1. Trio T. 96 f 2. Oboe hervor, IV souverän bewältigt, jedoch Retusche, HT beim ersten Auftritt T. 10-17 nur Hörner, beim zweiten T. 18-25 nur Trompeten, Stokowski lässt grüßen – klanglich geschärfte Aufnahme

Dausgaard

Schwedisches Kammerorchester

BIS

2006

41‘27

5

W - sehr aufmerksames, lebendiges Musizieren, transparenter Klang, II flexible Tempi, III Triangel zu leise


Kondraschin

Wiener Philharmoniker

Decca

1979

42‘48

4-5

W, E genau im Metrum, konzentriert, inspiriert, nachdrücklich, II genau disponiert, innig, Viol. 1 T. 54 ff zu leise, III Scherzo fast dämonisch, Trio II etwas langsamer, IV konzentriert, kraftvoll, aber auch zart

Giulini

Philharmonia Orchestra London

EMI

1961

40‘53

4-5

 

Kempe

Royal Philharmonic Orchestra London

Chesky Reader´s Digest Scribendum

1962

39‘29

4-5

II wunderbar federnde Pizzicati der Kb, expressive Celli T. 78 ff, Vibrato des Englischhorns an der geschmacklichen Grenze, beseelt, III T. 49-56 Thema im Horn ganz deutlich, Trio II ein wenig langsamer, IV immer wieder differenziertes Musizieren **

Kempe

Berliner Philharmoniker

EMI Testament

1957

40‘43

4-5

in der Anlage ähnlich, das Largo nicht ganz so expressiv, IV deutlicher Beckenschlag T. 64 – klanglich nicht so frisch und rund wie 1962

Ashkenazy

Tschechische Philharmonie

Ondine

1999

40‘58

4-5

ganz nahe am Spitzenfeld, I fast immer nur Helligkeit, viel Atmosphäre, schöne Hornstelle T. 42 ff, IV Fagott T. 263 ff ??

Horenstein

Royal Philharmonic Orchestra London

Chesky

1962

40‘47

4-5

I facettenreiches Musizieren, die Struktur des Werkes immer bedenkend, II trotz langsamen Tempos etwas unruhig, Englischhorn mit zu viel Vibrato, IV, mit ansteckendem Schwung, Tempo Rubato – Klang manchmal etwas rau, saftige Blechbläser **

Rodzinski

Royal Philharmonic Orchestra London

Westminster

1954

40‘11

4-5

wunderbar transparent, als wär’s eine Stereo-Aufnahme, sorgfältig erarbeitete, spannungsvolle Darbietung, I mit Schwung, Blick auf Details, IV profilierte Pauke

Mackerras

Prager Sinfonie-Orchester

Supraphon

2005

41‘54

4-5

W , live – I sehr lebendig, locker, II vorbildliche dynamische Differenzierung, Violine I T. 54 ff zu leise, III und IV M. hütet sich vor Exaltiertheit, immer mit Geschmack

Reiner

Chicago Symphony Orchestra

RCA

1957

39‘18

4-5

I das Große und Ganze im Blick, einige Details unbeachtet, 3. Th. etwas leise, II Klangbild nicht zufriedenstellend aufgefächert, IV rhythmische Energie genutzt, sehr inspiriert T. 227-241 – Reiner steigert sich von Satz zu Satz

Toscanini

NBC Symphony Orchestra

RCA

1953

36‘31

4-5

I E kein Largo, HT Tempo-konstant, kleines Ritardando vor 3. Th, dort Flöte mehr Luft als Ton, Stringenz, II kaum ein Verweilen, III con spirito, Triangel eine Bereicherung, IV sehr schnelles Tempo, rhythmisch federnd, einige Tutti-Abschnitte jedoch durchgepeitscht – flächiges Klangbild

Kubelik

Wiener Philharmoniker

Decca

1956

40‘28

4-5

 

Fricsay

RIAS Symphonie- Orchester Berlin

DGG

1953

37‘10

4-5

 

Fricsay

Kölner Rundfunk Sinfonie-Orchester

WDR

1953

41‘18

4-5

live unveröffentlicht

Kleiber, Erich

Staatskapelle Berlin

Grammophon Naxos

1929

41‘23

4-5

 

Kleiber, Erich

Kölner Rundfunk Sinfonie-Orchester

Archipel

1954

41‘57

4-5

Live

Karajan

Berliner Philharmoniker

EMI

1957

41‘45

4-5

 

Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1940

40‘17

4-5

 

Karajan

Berliner Philharmoniker

EMI

1977

41‘05

4-5

 

Levine

Sächsische Staatskapelle Dresden

DGG

1995

39‘23

4-5

I mit viel Drive und Temperament, E fast genau im Tempo, II molto espressivo, III Triangel zu leise

Levine

Chicago Symphony Orchestra

RCA

1981

41‘32

4-5

W – I temperamentvolle Darstellung, ohne zu überzeichnen, II sehr zart, III lebendig – saftiger Klang

Barbirolli

Hallé Orchestra Manchester

Nixa

P 1969

39‘45

4-5

auf sehr hohem Niveau, II Hornstelle T. 42-45!!, viel Atmosphäre

Ackermann

Tonhalle Orchester Zürich

Musical Masterpiece Society forgotten records

1951

38’48

4-5

I inspirierte und farbenreiche Darstellung, II trotz bewegten Tempos kaum Verlust an Innerlichkeit, III Trio II langsamer, inspiriert, A. hütet sich vor Exaltiertheit – helles Klangbild, geringere Transparenz

Sawallisch

Philadelphia Orchestra

EMI

1988

43‘08

4-5

W

Giulini

Chicago Symphony Orchestra

DGG

1977

45‘52

4-5

W

Ormandy

Philadelphia Orchestra

CBS Sony

P 1969

41‘50

4-5

Ormandy genießt Dvoraks 9. , saftiger Klang, II Englischhorn zu viel Vibrato, T. 26 f transparenter Streicherchor mit viel Atmosphäre, IV intensiv, facettenreich, vielschichtig

Ormandy

Philadelphia Orchestra

RCA

1976

43‘49

4-5

wie oben, Klang noch intensiver, I ganz großer Auftritt T. 13 f, T. 91 ff Holz mf statt p, II langsamer als 69, Satz durchleuchtet, IV ziemlich breit auslandend

Blomstedt

Sinfonie-Orchester des NDR Hamburg

NDR

1997

45’03

4-5

W - live unveröffentlicht, Blomstedt stellt sich hinter die Musik, transparentes Klangbild, I eine runde Sache, ziemlich tempokonstant, II Musik könnte noch etwas mehr blühen, IV alles sehr deutlich, schwungvoll, jedoch nicht überhitzt

Dorati

Residenz Orchester Den Haag

Philips forgotten records

1952

36‘55

4-5

 

Davis

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Philips

1977

42‘30

4-5

W – I nie forciert, immer locker, ausgeglichenes Klangbild, duftige Pizzicati, II nuancenreich, inspiriert, III solide, IV geschmackvoll

Davis

London Symphony Orchestra

LSO Eigenlabel

1999

43‘47

4-5

W, live – ähnlich wie 1977, II live-Musizieren sorgt für zusätzliche Spannung, duftige Pizzicati der Kb., III in den T. 134-141 hört man einen tiefen Ton auf e, Fg.?, in der Partitur steht nichts davon, Resonanz?

Suitner

Staatskapelle Berlin

Berlin classics

1978

41‘50

4-5

auf hervorragendem Niveau, temperamentvolle Ecksätze

Keilberth

Bamberger Symphoniker

Telefunken

P 1961

39‘52

4-5

insgesamt gelungene Darstellung, der es noch etwas an Feinschliff mangelt (Streicher) – I T. 265-272 Holz erst staccato, dann legato, sehr deutlich, II Streicherchor nicht so transparent, schön T. 42 ff con sordino, III T. 64 ff deutlich: immer 2 Achtel, zweite Wiederholung in Trio II fehlt

Szell

Cleveland Orchestra

CBS / United Archives

1952

38‘14

4-5

 

Talich

Tschechische Philharmonie Prag

Supraphon EMI

1954

41‘12

4-5

 


Galliera

Philharmonia Orchestra London

EMI  forgotten records

1953

38‘14

4

lebendige, lockere und temperamentvolle Darstellung, alles sehr geschmackvoll

Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1964

41‘24

4

 

Kubelik

Berliner Philharmoniker

DGG

1972

42‘06

4

 

Kubelik

Chicago Symphony Orchestra

Mercury

1951

38‘02

4

 

Marriner

Academy of St.Martin-in-the-Fields

Capriccio

1990

41’16

4

W - I 3. Th.: Flöte mehr Luft als Ton, I, III und IV (zu) glatt gebügelt, ohne Ecken und Kanten, II beste Kammermusik

Kabasta

Münchner Philharmoniker

Music&Arts

1944

37‘13

4

I viel Drive, Blick immer nach vorn gerichtet, Vc. T. 99 ff zu leise, II ruhig, Versenkung in die Musik, IV gradlinig – überzeugt im Konzertsaal sicher mehr als vor dem Lautsprecher; wenig transparent, vor allem in den Tuttis, dort auch klangliche Verzerrungen ***

Mengelberg

Concertgebouw Orchester

Telefunken

1941

39‘14

4

I frisch, mit mitreißendem Schwung, II T. 1-4 viel zu laut, unsensibel, T. 22-25 besser, im Übrigen jedoch inspiriert, III und IV viel Stringenz, 2. Wdhg im Trio II fehlt

Ancerl

Tschechische Philharmonie Prag

Supraphon

1961

39‘36

4

I etwas gezügeltes Tempo, II anfangs nicht im Tempo, dynamische Differenzierung nicht top, III farbenreiche Darstellung, IV etwas zu sehr als Kehraus

Harnoncourt

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Teldec

1999

42‘40

4

W, live – H. Interesse zielt eher auf kaum beachtete Details der Partitur, die ausgedehnten Tuttiabschnitte laufen dagegen mehr routiniert, ohne den üblichen Schliff ab, kein Wunder, dass das Largo die tiefsten Eindrücke hinterlässt

Tennstedt

Berliner Philharmoniker

EMI

1984

42‘51

4

solide Einspielung, Ecksätze überzeugen am meisten

Malko

Philharmonia Orchestra London

EMI

1956

38‘23

4

II sordinierte Streicher haben immer Körper, III Anfang etwas lau, Trio I nicht ganz ausgekostet, insgesamt mit etwas Understatement, IV gefällt am besten

Sawallisch

Philharmonia Orchestra London

EMI forgotten records

1958

39’40

4

 

Maazel

Wiener Philharmoniker

DGG

1982

41’40

4

W – konzentriertes Musizieren, rhythmisch betont, vorwärtsdrängend, jedoch auch stromlinienförmig, im Largo Musik mehr referiert als gefühlt, geringere Intensität

Dorati

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Philips

P 1959

39’05

4

 

Jansons

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

BR

2004

41‘26

4

live, unveröffentlicht, I Crescendi beginnen anfangs immer leise und gehen oft mit einer Beschleunigung einher, II konzentriert, IV Thema zu sehr gestampft, musikantisch

Masur

New York Philharmonic Orchestra

Teldec

1991

44‘24

4

W, live – sachlich, genau, gezügelter Schwung, geringere emotionale Beteiligung, gute Orchesterleistung

Muti

Philharmonia Orchestra London

EMI

1976

41‘29

4

II etwas scheu. Pizzicati der Kb T. 54 ff viel zu leise, ebenso Zweiunddreißigstel der Celli T. 78 ff, IV con anima

Rowicki

London Symphony Orchestra

Philips

1969

41‘50

4

W, I bei Th. 3 Flöte mehr Luft als Klang, sachlich, III Trio I sehr gelassen – insgesamt ansprechende Interpretation

Jansons

Oslo Philharmonic Orchestra

EMI     Brilliant

1988

40‘25

4

I und II Tempo Rubato, III Triangel zu leise, IV T. 220 ff zu laut, T. 268-270 Holz zu sehr zurück – alle Sätze ein wenig schneller als später

Celibidache

RAI Orchester Turin

Frequenz

1962

42’36

4

live – I aufmerksames Musizieren, etwas kompakter Klang, der bei lauten Stelle undifferenziert wird, Rubati, II Celi gliedert die Musik zusätzlich durch kleine Pausen, T. 22-26 Holz zu viel Vibrato, wirkt weinerlich, im Ganzen innige Darstellung, IV Allegro marziale, straff geführt, auch rau

Fischer, Ivan

Budapest Festival Orchestra

Philips

2000

40’55

4

W – ziemlich glatt, ohne Ecken und Kanten, gute Orchesterleistung

de Billy

Radio Sinfonie-Orchester Wien

Oehms

2008

42’38

4

W – I aufmerksam und lebendig, transparenter Klang, II lebendig, jedoch nicht intensiv gestaltet, III Trio I recht lebhaft, Trio II könnte etwas spritziger sein, IV etwas feste Tuttischläge, T. 227 ff zu laut und zu wenig sensibel

Kertesz

London Symphony Orchestra

Decca

1966

43’37

4

W - unnötige Neuaufnahme bereits nach fünf Jahren, einzige Neuerung: III T. 41-55 Synkopen der Hörner und der Holzbläser wichtiger als üblich, Retusche in IV wie 1961, weniger profiliert als 1961

Neumann

Tschechische Philharmonie Prag

Supraphon

1981

41’19

4

transparenter Klang, etwas Hall, I immer wieder Rubato, II Neumann interpretiert eher gefühlsmäßig, nicht immer ganz durchgeformt, III T. 5 Einsatz der Kb. viel zu weich, nicht einheitlich mit den anderen Streichern, sonst jedoch gut, IV Klarinette T. 66 wenig ausdrucksvoll

Giulini

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Sony

1992

46’46

4

 

Bernstein

New York Stadium Symphony Orchestra

Decca-US DGG

1953

40’59

4

 

Järvi, Neeme

Scottish National Orchestra

Chandos

1986

44‘42

4

W, gut, solide, sauber musiziert, Inspiration auf Sparflamme, III Triangel vergessen?

Abbado

Berliner Philharmoniker

DGG

1997

44‘27

4

W - solide Ecksätze, II im Ausdruck sehr zurückhaltend, sehr langsam, III etwas lustlos

Kubelik

Tschechische Philharmonie Prag

Denon

1991

41‘41

4

live


Leinsdorf

Los Angeles Philharmonic Orchestra

EMI

1958

36‘18

3-4

I und IV sehr schnell immer den Blick nach vorn, etwas forsch, II mehr Andante als Largo, Spannungsbögen, T. 26 ff könnte etwas zarter sein, III schnellstes Scherzo, etwas darüber hinweg – Toscanini-Tempi ohne dessen Intensität

Ozawa

Wiener Philharmoniker

Philips Newton

1991

44’20

3-4

W, live – I sorgfältig, solide, Vc. T. 99 ff zu leise, II hält sich an die dynamischen Vorgaben, blutleer, III hier fehlt der Funke, IV korrekt, jedoch wenig Spannung

Stokowski

Philadelphia Orchestra

RCA Andante

1934

41’12

3-4

 

Stokowski

Symphony Orchestra Leopold Stokowski

RCA Dutton

1947

41’55

3-4

 

Stokowski

New Philharmonia Orchestra London

RCA

1973

43’25

3-4

 

Böhm

Kölner Rundfunk Sinfonie-Orchester

WDR

 

42’53

3-4

live unveröffentlicht, glasklares Musizieren, I Allegro moderato, viele Details, T. 25 Tutti nur mf statt ff, nüchtern, III B. lässt sich Zeit, bedächtig, IV etwas holzschnittartig

Talich

Tschechische Philharmonie Prag

Supraphon

1949/50

41’31

3-4

 

Inbal

Philharmonia Orchestra London

Teldec

P 1990

43’47

3-4

I sachlich, genau, ohne Temperament, II zu langsam, ohne Spannung, III Triangel zu leise, IV nicht richtig durchgestartet

Bernstein

Israel Philharmonic Ochestra

DGG

1986

50’16

3-4

W, live

Rostropovitch

London Philharmonic Orchestra

EMI

1979

49‘06

3-4

W - I E Drama, Tempowechselbäder, mächtig und prächtig, Flötensolo T. 149 ff mehr Luft als Ton, II Englischhorn mit Vibrato, T. 54 Orchester nicht auf 1 zusammen, T. 60 ff 1. Geigen vergessen?, Cello-Gegenstimme T. 78-86 zu viel Fett, III etwas unbekümmert, IV robust, inbrünstig



W: Wiederholung der Exposition im 1. Satz

Der Autor dieser Zeilen ist sich bewusst, dass manche der hier bemängelten Aufnahmen, oder nur Abschnitte derselben, von vielen Hörern geliebt und geschätzt werden. Dvoraks Melodien und ihre kompositorische Verarbeitungen sind einfach zu stark, nehmen für sich und das ganze Werk ein, Unebenheiten oder Verbiegungen können der Komposition letztlich wenig anhaben. Auch darin zeigt sich die Größe dieses Werkes.

Vom Brahms - Freund Eduard Hanslick stammt das Bonmot „In Dvoraks Musik scheint immer die Sonne", da könnte man von Brahms noch nachschieben: „Und keine Qual rühret sie an". Viele Dirigenten und Instrumentalisten führen Dvoraks Musik tatsächlich so auf, als könne man sich endlich einmal entspannt zurücklehnen und seine Melodien einfach nur genießen, Musik für die schönen Stunden des Lebens. Das trifft jedoch nicht voll den Gehalt von Dvoraks letzter Sinfonie, die beim großen Publikum als seine schönste und beste gilt. Die nicht zu überhörenden plakativen Abschnitte verdecken oft die Musik, die parallel zu den eingängigen Melodien verläuft. Die Nebenstimmen, Füllstimmen hielt Dvorak für fast ebenso bedeutsam, an ihnen hat er während der Komposition immer wieder gefeilt. Diese sollten von den Ausführenden nicht vergessen, also auch hörbar gemacht werden.

Die 9. Sinfonie beginnt mit einer langsamen Einleitung von 23 Takten, es sind, wie in den anderen Sätzen, keine Tempowechsel angeben. Trotzdem schafft der Komponist mit rein musikalischen Mitteln sehr ruhige und sehr lebendige und ausdrucksstarke Abschnitte. Die meisten Dirigenten, auch die allerberühmtesten, meinen Dvoraks Musik nachbessern zu müssen, indem sie ab T. 9 in der ff-Stelle das Tempo beschleunigen zu müssen, z. B. Kabasta, Celibidache, Bernstein-86 und Rowicki, Stokowski fast um das Doppelte! Wenn hier bereits sehr schnell gespielt wird, geht der Kontrast zum Tempo des Hauptsatzes verloren. T. 5 nach dem markanten Hornruf (4 Schläge) sind noch 3 Schläge Pause vorgezeichnet. Sehr viele Dirgenten haben jedoch Angst vor diesem Nichts und lassen Flöten und Oboen früher beginnen. Auch die Geigen sollen ihr Tremolo T. 23 vier Schläge aushalten. Lediglich 2 bis 3 Schläge hört man hier bei Harnoncourt, Keilberth, Neumann, E. Kleiber-29, Ormandy-69, Kubelik, Malko, I. Fischer, Levine-DG, Karajan, Tennstedt und Leinsdorf. N. Järvi versucht da auszugleichen und lässt die Streicher 6 Schläge lang ausharren. Angehenden Kapellmeistern wird auf der Musikhochschule eingebleut … .

Bemerkt sei noch, dass sich Dvorak den Anfang ganz leise gedacht hat, was jedoch nur von Kempe, Maazel, Mackerras und Giulini-92 beachtet wird.

Zum Hauptsatz: man kann es den Dirigenten nicht übelnehmen, wenn in dem lauten Getümmel die antreibenden Floskeln der beiden Fagotte T. 47-52 untergehen, nur bei Rodzinski, Suitner und Harnoncourt hört man sie deutlich heraus. Eine vergleichbare Stelle befindet sich vor dem 2. Thema in den Takten 77-80, in denen Klarinette und Fagott vor ihrem Nebenthema ab T. 80 quasi leise präludieren, während die 1. Violinen noch Motive aus der vorangegangenen Musik mf spielen, da gehen die Bläser unter. Lediglich bei Horenstein und Rodzinski hört man sie deutlich. In der Fortspinnung des 2. Themas zupfen die Cellisten T. 115-120 Dreiklangsbrechungen der jeweiligen Harmonie, während die Geigen ein Motiv des 2. Themas nachdrücklich zum Höhepunkt T. 121 führen. Wunderbar plastisch hört man die Celli bei Fricsay, Kempe-57 und Mengelberg. Horenstein und Dohnanyi gelingt sogar das Kunststück, die Begleitfigur der Kontrabässe mit denen der Celli zu kombinieren, so ist es von Dvorak wohl gewollt. Wenn einige Takte später für wenige Augenblicke die Kontrabässe die Melodieführung übernehmen, fügt Dvorak noch eine kurze Kontraststimme der Celli hinzu, die von vielen Dirigenten überlesen wird. Bei Fricsay-59, E. Kleiber, Paray, Silvestri, Kempe-57, Kubelik-WP, Bernstein, Karajan-57,-77,-85, Kerstesz und Dohnanyi blühen die Celli glutvoll auf. Vor dem 3. Thema ab T. 149 (Flötensolo) wird der Fluss der Musik von vielen Interpreten gebremst, damit das Flötenthema umso eindringlicher wahrgenommen wird. Diese Abweichungen fließen nicht in mein Urteil ein.

In der Durchführung, am Ende der Überleitung, unmittelbar vor dem 3. Thema (Horn, Flöte, Trompete T. 185-188), begleiten die beiden Karinetten viermal hintereinander die Figur der 1. Geigen mit einem Triolenmotiv, da Dvorak Solo in die Partitur schrieb, wollte er es sicher hervorgehoben wissen. Bei den meisten Einspielungen hört man die Klarinetten nicht, da sie sich in der Mittellage klanglich nicht gut gegen die Geigen durchsetzen können, obwohl diese in den Takten pp spielen sollten. Die wenigen Aufnahmen mit deutlichen Klarinetten liefern Klemperer, Kubelik-CSO, Suitner, Bernstein-86, Horenstein, Sawallisch-58, Kempe-62, Marriner, Giulini-61, Maazel, Davis, Levine-CSO, I. Fischer und Dausgaard. Ein Hinweis noch auf den Takt 256 (Ende des ff Tutti-Abschnitts vor Oboen-Solo), dort schreibt der Komponist nur für zwei Hörner Achtel-Triolen bei gleichzeitigem Crescendo und betont damit marcato das Ende der Durchführung. Bei den meisten Interpretationen hört man viele lasche Hörner, nicht so bei Fricsay, Kondraschin, Solti, Dohnanyi, Maazel, Kertesz-66, Harnoncourt, Levine und P. Järvi.

Der 2. Satz, ein Largo, beginnt mit feierlichen Bläserakkorden, ihnen folgt die melancholische Melodie des Englischhorns, dann folgen nochmals feierliche Bläserakkorde, danach wieder die melancholische Melodie, diesmal von den Streichern intoniert, die übrigens den ganzen Satz hindurch mit Dämpfer spielen sollen, soweit der Satzanfang. Dem aufmerksamen Hörer wird nicht entgehen, dass rund 30 Takte lang bei vielen Aufnahmen verschiedene Tempi eingeschlagen werden und sogar das Metrum, also der fortschreitende Viervierteltakt, verletzt wird. Der genaueste Dirigent ist hier Kondraschin, viele Kollegen haben Tempo und Metrum nicht im Griff, z. B. Giulini, Karajan-57, Sawallisch, Leinsdorf, de Billy und vor allem der Böhme Kubelik, der den dritten Bläsertakt im Crescendo auf zwei Takte ausdehnt, zu pompös. Bei der zweiten Bläserstelle T. 22-26 wird oft der Akkord auf dem Höhepunkt nicht genau nach Partituranweisung ausgehalten und die sordinierten Streicher setzen in T. 26 nicht an der richtigen Stelle und manchmal auch noch zu laut ein. Karajan beginnt mit den Berliner Philharmonikern 1957 und 1964 zu früh, ebenso Fricsay, Rostropovitch und Maazel. Dagegen setzen die Streicher bei Gulini-77 und Harnoncourt zu spät ein. Bei Fricsay, Ackermann, Karajan-85 und Dohnanyi gelingt die Fortsetzung des Themas in den 1. Geigen (T. 30-35) ganz wunderbar, wenn sie Taktstriche und Phrasierungen vergessen und alles unter einen großen Bogen spannen. Harnoncourt misst in den T. 30 f den 2. Violinen zu viel Bedeutung bei. Den Abschluss des ersten Teils dieses Satzes machen T. 42-45 Horn I und II, leise und gedämpft zu spielen. Fast alle Hornisten bemühen sich, dort recht schön und ausdrucksvoll zu spielen. Gedämpfte Hörner sollten jedoch nach etwas Blech klingen, damit der Effekt des „anders Spielens" deutlich wird. Das kann man bei Klemperer, Walter, Keilberth, Karajan-85, Kleiber-29, Stokowski, Kubelik-WP, -BP, -CSO, Muti, Masur und Harnoncourt hören. Nun aber zurück zur Melodie des Englischhorns. Ganz wenige gefallen mir klanglich nicht, wahrscheinlich wurden da noch ältere Instrumente (siehe Schwester Oboe) eingesetzt. Einige Spieler manchen für meinen Geschmack zu viel Gebrauch vom Vibrato, das kann dann weinerlich klingen. Bei der Wiederholung der Melodie spielt das Englischhorn eine Quarte höher, anstatt in Des-dur nun in Ges-dur. Dazu schrieb Dvorak den Klarinetten eine zweite Stimme in tieferer Lage, ihm war es sicher wichtig, dass diese Melodie hier gleichberechtigt klingt und nicht im klanglichen Hintergrund agiert, deshalb beide Klarinetten als eine Stimme. Am deutlichsten hört man dies bei Tennstedt, aber auch bei Ormandy, Horenstein, Solti, Dohnanyi, Karajan, Kertesz-61, Giulini-61, Mengelberg, Muti, Inbal, Dausgaard, Kempe, Davis, Kondraschin, de Billy und Abbado.

Im weiteren Verlauf des Satzes wird die Musik lebendiger und Dvorak erinnert lautstark an das Hauptmotiv des 1. Satzes. In T. 90 spielt die Oboe eine kecke Staccato-Melodie, die im folgenden Takt von den Klarinetten übernommen wird, allerdings nicht staccato, sondern gebunden, leggiero. Daran halten sich die meisten Spieler, außer bei Jansons, Böhm, Celibidache, Rodzinski, Ozawa, Karajan-85, Mackerras, Marriner und Ozawa. Ashkenazy und Giulini-92 nehmen dieser Stelle den Schwung, indem sie den Spielern portato verordnen.

Im tänzerischen Scherzo sollten die beiden Klarinetten in den Takten 21-30 nicht vergessen werden. Aufmerksame Dirigenten hier: Levine, Karajan, Ackermann, de Billy, Galliera, Kondraschin, Davis, Kempe, Marriner, Giulini-61 und – 92, Solti, Leinsdorf, Kabasta und Barbirolli. In der Einleitung und während des 1. Trios, das etwas langsamer gespielt werden soll, bringen 2. Geigen, Bratschen und Celli eine pulsierende Begleitung aus vier Tönen (Achtel-Sechzehntel, Achtel-Sechzehntel). Bei nachlässiger Artikulation verschmelzen die vier Töne zu zweien, damit geht auch der pulsierende Charakter dieser Stelle verloren. Gut getroffen ist es bei Ormandy, Klemperer, Keilberth, Walter, Kubelik-WP, Kleiber, Fricsay, Blomstedt, Jansons, Malko, Böhm, Stokowski -47, Rodzinski, Suitner, Muti, Levine-DGG, Karajan-40, Ackermann, Sawallisch, Horenstein, Järvi, Barbirolli, Kondraschin, Marriner, Giulini-77, Maazel, Silvestri und Kertesz. Im 2. Trio lassen Masur und Giulini-77 und 92 in den Takten 5-9 (Partiturtakte 179-183) die Bläser deutlich legato spielen, da Dvorak hier keine Staccatopunkte wie zuvor eingetragen hat. Zum Kolorit dieses Scherzos gehört auch der Triangel, der jedoch in vielen Aufnahmen ganz weit hinten agiert.

Ein kleiner Hinweis noch zum 4. Satz: Zwei Takte vor dem wunderbaren Klarinettensolo vermerkt Dvorak einen Beckenschlag, mf, also nicht zu laut soll er erklingen. Bei fast allen Aufnahmen kommt dieser jedoch viel zu leise, außer bei Mengelberg, Kempe-57 und Horenstein.

Damit endet meine Erbsenzählerei.

Hinweise zu Dirigenten und ihren Interpretationen:

Ein Werk wie Dvoraks e-moll-Sinfonie war für den englischen Dirigenten Leopold Stokowski wie ein „gefundenes Fressen", er hat es dreimal für die Schallplatte eingespielt. Dem vergleichenden Hörer entgeht nicht, dass der Dirigent immer nach demselben Konzept vorgeht, ohne davor zurückzuschrecken, Dvoraks Partitur in seinem Sinne zu „verbessern": in der Einleitung, Stokowski verfügt nicht über die Ruhe eines Szell, eines Reiner oder Giulini, lässt er den Pausentakt 5 einfach weg und schließt nach dem Hornruf sofort Flöten und Oboen an. Den letzten Takt der Einleitung, wo einige Dirigenten kam erwarten können, mit dem Hautthema zu beginnen, verlängert er auf das Doppelte. Im ganzen 1. Satz, aber auch in allen anderen, ist immer wieder Tempo rubato angesagt, obwohl der Komponist selbst agogische Änderungen vorzeichnet. Im Largo lässt Stokowski die Takte 24-26 völlig frei, außerhalb eines Metrums spielen. In der 34er-Aufnahme setzt das Englischhorn mit ihrem bekannten Solo zu früh ein, 1947 spielt es mit zu viel Vibrato, dazu passen die zu breit gepinselten Partien der Violinen. Im Scherzo lässt er das gesamte Orchester T. 49 ff statt ff jetzt p spielen, um das Thema, hier von Celli und Bässen vorzutragen, nicht von den anderen Motiven zu übertünchen. Das klingt interessant, warum kam der Komponist nicht auf diese Idee? Auch im Finale wartet Stokowski mit einer Verbesserung auf: in den Takten 10-17 lässt er das Hauptthema nur von den Hörnern spielen, bei der Wiederholung nur von den Trompeten, d. h. erst prächtig, dann grandioso. Kurz vor dem Ende fügt der Dirigent in den T. 305 und 331 jeweils einen Beckenschlag zu, dazwischen in T. 323 sorgt das keineswegs vorgesehene Tamtam für eine kalte Dusche. Bei all diesen Abweichungen fragt man sich, ob Stokowski seinen Interpretationen eine uns unbekannte, noch von Dvorak vor seinem Tode revidierte Partitur, zugrunde legte. Zu seiner Entschuldigung sollte gesagt werden, dass es Stokowski gelingt, mit kräftigen grellen Farben zu malen, es sind sozusagen Kolossalgemälde im Cinemascope-Stil, Ausdruck steht immer an oberster Stelle. Auch die älteren Aufnahmen klingen erstaunlich gut.

Eine der frühesten Aufnahmen von Dvoraks 9. erstellte der noch nicht 40jährige Erich Kleiber mit der Preußischen Staatskapelle Berlin, also dem Orchester der Staatsoper Unter den Linden, dessen Generalmusikdirektor der Dirigent damals war. Sein deutliches, hellwaches und auch temperamentvolles Musizieren lässt den unvermeidlichen Rauschpegel der nun mehr als 80jährigen Aufnahme fast vergessen. Hochpathetisch erscheint die Einleitung, danach fast wie überraschend das Allegro molto. Innig wird das Largo gespielt, deutlich die kräftigen Pizzicati ab T.54. Im Scherzo und dem Finale stützt sich der Dirigent auf die Freisetzung der werkimmanenten rhythmischen Energie, hier kommt auch deutlich Kleibers musikantisches Wesen zum Tragen. Die zweite hier aufgeführte Aufnahme stammt aus dem Jahre 1954, also 25 Jahre später, nach Kleibers Emigrationszeit in Mittel- und Südamerika und dem Versuch, erneut in Europa Fuß zu fassen. Bis zu seinem frühen Tode kam er immer wieder ans Pult des Kölner Rundfunk Sinfonie-Orchesters, mit dem er auch das letzte Konzert seines Lebens gab. Im November 1954 stand dort auch Dvoraks 9.Sinfonie auf dem Programm. In der Anlage hat Kleiber wenig verändert, das Klangbild ist seltsamerweise weniger durchsichtig als früher, was vor allem im Largo von Nachteil ist. Die Tuttiabschnitte dagegen klingen geschärft. Im ersten Satz lässt Kleiber übrigens den dritten Ton des Hauptmotivs immer staccato spielen, Dvorak schreibt hier nur manchmal Staccato vor. Außerdem verkürzt er diese Achtelnote etwas, was dem Thema einen ungarischen (amerikanischen?) Anstrich verleiht. Sehr schwungvoll das Scherzo, dessen zweites Trio wieder etwas langsamer kommt. Das Finale klingt hier nicht ganz so intensiv wie früher. Soweit der musikalische Eindruck. Beim Hören kommen mir Zweifel, ob es sich tatsächlich um die Kölner Aufnahme vom 16. 11. 1954 handelt, der Klang will mir nicht recht dazu passen. Ich lebe seit Geburt im Sendegebiet des WDR und kenne vom Radiohören und von Platten den Klang des Großen Sendesaals am Wallraffplatz. Der Klang der Archipel-CD weicht erheblich davon ab. Sie scheint von einer LP übernommen worden sein, dabei könnte beim Remastering die Dynamik verändert worden, einige leise Stellen scheinen nachträglich hervorgehoben zu sein. Die Authentizität wird sich erst bei einer genauen Gegenüberstellung mit dem WDR-Band erweisen.

Vom Nestor der tschechischen Dirigenten, Vaclav Talich, stehen zwei seiner drei Aufnahmen der 9. Sinfonie zur Diskussion. Die erste wurde während der deutschen Besetzung des Landes aufgenommen, sie fehlt hier. Die folgende entstand aufgrund der politischen Umwälzungen in der Tschechoslowakei unter einer bedrückten Stimmung, die sich über das ganze Land gelegt hatte und auch Musiker und den Dirigenten ergriff. Hier wird insgesamt korrekt, jedoch auch etwas lustlos, nicht mit dem Herzen musiziert. Die Sätze 1, 2 und 4 wurden 1949, das Scherzo ein Jahr später aufgenommen. Die letzte Aufnahme der „Neuen Welt" konnte Talich 1954 am Ende seiner Konzertkarriere aufzeichnen, sie ist viel überzeugender als ihre Vorgängeraufnahme, leidet jedoch unter den damals in Prag noch wenig ausgereiften Aufnahmebedingungen. So sind z. B. die Holzbläser außer an Solo-Stellen ziemlich benachteiligt, das Klangbild ist noch wenig transparent. Am besten ist das Largo gelungen, das zurückhaltend, aber trotzdem sehr intensiv gestaltet wird und viel Atmosphäre ausstrahlt, nichts ist überzeichnet. Im Scherzo vergisst Talich nicht den Tanzcharakter des Stückes. Im Finale soll noch auf das Solo des Fagotts T.259ff hingewiesen werden, bei dem der Spieler genau nach Vorschrift artikuliert.

Der aus Böhmen gebürtige George Szell versteht Dvoraks Musik in der Linie Beethoven - Schumann – Brahms stehen, also primär als Klassiker denn als böhmischer Musikant. Hier wird streng musiziert, die Musik klingt immer geformt, Szells Handschrift ist stets gegenwärtig, sein Gestaltungswille lässt nichts im Ungefähren, was jedoch nicht heißt, dass er das besondere Kolorit der jeweiligen Werke übergeht, im Gegenteil. In den Ecksätzen sowie im Scherzo wird mit viel Temperament und Schwung musiziert. Im Largo vertieft sich der Dirigent in die Musik und schafft ein atmosphärereiches Spiel unter Berücksichtigung rhythmischer Disziplin. Die frühe Aufnahme stammt aus Szells Anfangsjahren in Cleveland. Sie klingt transparent, orchestertechnisch jedoch noch nicht so geschliffen wie Szells spätere Aufnahmen, kann sich aber durchaus schon mit anderen europäischen Orchestern aus Paris, Prag, Genf, London, Leipzig, Den Haag und Berlin in dieser Zeit messen. Die spätere Aufnahme von 1958 klingt da wesentlich besser, man darf jedoch nicht vergessen, dass sie auch nicht mehr die jüngste ist.

Die beiden Aufnahmen mit Antal Dorati, beide in Holland entstanden, sind sich interpretatorisch ähnlich. Auffallend ist ein festes Tempo ohne große Rubati, abgesehen von den in der Partitur vorgesehenen Verlangsamungen. Dorati führt den Hörer mit Schwung durch die schnellen Sätze, sein Blick ist immer noch vorn gerichtet, auch im Scherzo wird das Tempo kaum zurückgenommen. Das Largo nimmt er in der älteren Aufnahme etwas zu schnell, in der neuen lässt er sich mehr Zeit, trotzdem wird noch bewegt musiziert. In beiden Aufnahmen findet je ein dünn klingendes Englischhorn Verwendung, das zudem noch mit Vibrato, beim COA mit zuviel Vibrato geblasen wird, fast unerträglich! Das mindert leider den Rang der jeweiligen Aufnahme. Auch die spitz klingende Oboe klingt, vor allem im 4. Satz nicht gerade vorteilhaft.

Wenn Musikhörer die Bedeutung von Herbert von Karajans Plattenaufnahmen ausloten, fällt oft das Statement, dass die ersten Aufnahmen die besten seien. Aus meinen langjährigen Hörerfahrungen kann ich dieser Aussage – bedingt – zustimmen. Dies trifft auch bei Dvoraks 9. Sinfonie zu. Das war 1940 ein ganz starker Auftritt. Das Largo hat er später nicht wieder so beredt, mit so viel Atmosphäre, hingekriegt. Auch das Finale könnte damals bei rekordverdächtigem Tempo, nur Paul Paray war viele Jahre später genau so schnell, viel Furore gemacht haben. Hier wird sehr schnell musiziert, die Partitur scharf umrissen, aber nicht gehetzt oder darüber hinweg musiziert. Die anderen Sätze sind auch gut, erreichen jedoch nicht ganz dieses Niveau. Das Klangbild ist trotz des Alters einigermaßen transparent, die Streicher klingen jedoch etwas rau. An diese Leistung knüpft Karajans letzte Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern an und übertrifft sie an Klangschönheit und Prägnanz. Das Scherzo gefällt mir hier besser, auch weil der Dirigent mehr auf Details achtet. Das Finale ist einfach superb, obwohl es fast 2 Minuten länger dauert. In beiden Aufnahmen hält Karajan im letzten Takt (23) der Einleitung das Tremolo der Geigen genau vier Schläge aus, wie es die Partitur vorsieht, in allen anderen begnügt er sich bereits mit zwei oder drei Schlägen. Platz 3 meiner Übersicht fällt der EMI-Produktion von 1957 zu, eine der ersten Aufnahmen mit den Berlinern nach Übernahme des Chefdirigenten-Postens. Diese Produktion ist in den schnellen Sätzen recht lebendig und locker, die Tontechnik sorgte für ein ausgewogenes Klangbild. Im Scherzo liefert die Pauke fast ein Kabinettstück ab, auch der Triangel, der sich gewöhnlich nur in einer Grauzone bewegt, darf sich hier profilieren. Das Largo strahlt wieder viel Atmosphäre aus. Das lässt sich von der DGG-Aufnahme aus dem Jahr 1964 leider nicht sagen, das mir zu indifferent und auch T. 46 ff distanziert klingt, das ändert sich erst ab T. 64. Der Dirigent vermag in dieser Aufnahme kaum den Eindruck von Innigkeit zu vermitteln. Insgesamt wird in dieser Aufnahme mit (zuviel) Druck musiziert, davon zeugen auch die undeutlich artikulierten Streicherpassagen in den Takten 111-120. Das Scherzo wird gelassen angegangen, am meisten überzeugt mich der Finalsatz. Von allen hier versammelten Aufnahmen könnte ich auf diese verzichten. Die letzte in dieser Reihe wurde 1977 aufgenommen. Das Orchester kann sich mit farbigem Klang präsentieren, fast wie poliert, böhmisches Kolorit muss man da schon mit der Lupe suchen. Das Klangbild ist auch hier sehr transparent. In der Einleitung zum 1. Satz spielen die Streicher die scharf geschnittenen Motive T. 9-13 viel zu breit, die Dynamik ist ausgeweitet. Vor dem 2. Thema wird das Tempo gedrosselt, übrigens in allen Aufnahmen Karajans, wie auch die Celli T. 93 ff viel zu leise, fast unhörbar, erklingen. Im Largo führen die 1. Geigen zu sehr. Die Pauke und der Triangel spielen hier nicht die Rolle wie 20 Jahre zuvor. Das Finale wird auch in dieser Aufnahme sehr farbig gespielt, mir klingt es etwas zu perfekt. Übrigens lässt Karajan in T. 227 mf spielen, nicht pp, wie es Dvorak vorsah. Klangliche Pracht, auch wenn sie sich im unteren Bereich der Dynamik bewegt, steht beim Maestro immer ganz vorn.

Drei Interpretationen des ungarischen Dirigenten Ferenc Fricsay stehen hier zur Diskussion, zwei davon entstanden im selben Jahr 1953. In beiden Aufnahmen erweist sich Fricsay als überlegener Gestalter. Im Studio der DGG musiziert man ganz nahe bei Dvoraks Partitur, das schließt keineswegs aus, dass mit der Tempowahl flexibel umgegangen wird. Der Anfang des Kopfsatzes hat noch nicht die Ruhe und Überlegenheit der späteren Studioeinspielung, auch im langsamen Satz erreicht Fricsay noch nicht ganz deren Expressivität. Am besten gelingen da das feurig und inspiriert vorgetragene Scherzo (Triangel zu leise) sowie das Finale. Die zweite Aufnahme des Jahres 1953 entstand in Köln mit dem dortigen Rundfunk-Sinfonie-Orchester, einem Klangkörper, mit dem Fricsay in diesen Jahren immer wieder zusammenarbeitete. Beim ersten Blick fällt auf, dass die Musiker hier vier Minuten länger für Dvoraks 9. benötigen. Im ersten Satz verlangsamt Fricsay das Tempo während des zweiten und dritten Themas, auch in der Reprise, sein Blick ist nicht nur nach vorn gerichtet, auf das Große und Ganze, sondern er dringt mehr in die Komposition ein, legt Nebenstimmen frei, lässt die Musik mehr pulsieren. Das Largo hat viel Atmosphäre, im Scherzo werden beide Trios langsamer genommen. Bei allem Engagement der Musiker lässt sich jedoch nicht überhören, dass das KRSO (noch) nicht in derselben Liga spielt, wie das unter Fricsays Händen geformte RIAS SO, die Streicher z. B. spielen noch zu rau. Die Studio-Aufnahme klingt gradliniger und etwas brillanter. Einige Jahre später, schon mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung kämpfend, geht Fricsay nochmals ins Studio der DGG, der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem, diesmal sind die Berliner Philharmoniker seine Partner, außerdem zeichnet man in Stereo auf. Diese Aufnahme knüpft an die Kölner an, die Tempi sind noch etwas langsamer, ohne zu schleppen. Mich überzeugen die darstellerische Konzentration, die intensiven Spannungsbögen sowie der Blick auf die Details der Komposition, die bei schnelleren Tempi nicht wahrgenommen werden können. Im Finale überraschen vor Höhepunkten, z. B. in T. 91, minimale Rubati, dadurch treten jene jedoch umso eindringlicher hervor. Diese Einspielung besitzt Wärme, Atmosphäre und Größe. Erwähnt sei noch, dass Fricsay seinen Englischhorn-Spielern keinen vibratofreien Vortrag abverlangt.

Der italienische Meisterdirigent Carlo Maria Giulini hat zeitlebens immer wieder die letzten Sinfonien von Dvorak aufgeführt und dreimal für die Schallplatte eingespielt. Bei der Beurteilung der CDs sehe ich Ähnlichkeiten mit der Karajans, die frühesten Aufnahmen sind die besten. Obwohl die aufnahmetechnischen Fortschritte in späteren Jahren nicht zu überhören sind, entwickelt sich der interpretatorische Sektor nicht weiter. Die EMI-Aufnahme mit dem Philharmonia Orchestra von 1961 ist fast eine Spitzenaufnahme, vor allem im Largo und Finale, Kopfsatz und Scherzo reichen nicht ganz daran. Nach Giulinis Wechsel zur DGG wurde die „Neue-Welt-Sinfonie" mit dem Chicago Symphony Orchestra aufgezeichnet, auch eine fast gelungene Interpretation, klanglich geraten die lauten Tutti-Passagen jedoch nicht mehr so schlank und transparent. Auch das 2. Trio des Scherzos ist klanglich nicht klar strukturiert. Im zweiten Satz gelingt es Giulini nicht mehr ganz so intensiv zu gestalten. Die letzte Aufnahme mit dem Amsterdamer Concertgebouw Orkest ist in allen Sätzen langsamer, besonders im Largo und Finale. In der Einleitung des Kopfsatzes sind in den Takten 9-13 die Streicher nicht mehr so scharf artikuliert wie früher, insgesamt wird weniger prägnant und auch schwerfälliger musiziert. Das Largo ist ein Klangereignis, die Spannung erreicht jedoch kaum hohes Niveau. Im Scherzo hört man schöne Bläser-Partien, das Final-Tempo ist jedoch zäh, dabei ist kaum noch ein lockeres Musizieren möglich.

Rafael Kubelik hat sich immer wieder auch Musik seiner böhmischen Heimat angenommen, darunter auch der Antonin Dvoraks. Von seiner 9. Sinfonie liegen mir fünf Aufnahmen vor, drei wurden im Studio erstellt, zwei sind Konzertmitschnitte. Seine erste Aufnahme entstand 1951 für das neue Label Mercury in Chicago, dessen Chefdirigent der noch junge Kubelik damals war. Mercury-Platten wurden wegen ihres guten Klangs gerühmt, diese hier gehört m. E. jedoch nicht dazu, das Klangbild ist flächig und nicht immer transparent, vielleicht befand sich das Aufnahmeteam noch im Experimentierstadium. Das musikalische Resultat jedoch kann sich hören lassen, die Ecksätze werden mit Drive hingelegt, das Finale auch etwas zackig, im 2. Satz bricht die Spannung in den T. 54-89 etwas ein, im Scherzo wird nicht immer die volle Kraft eingesetzt. Kubeliks letzte Studio-Aufnahme erfolgte in der Berliner Jesus-Christus-Kirche, hier gelang es den Tontechnikern, einen saftigen Klang festzuhalten, mit betörenden Holzbläsern. Im 1. Satz stören mich in Tutti-Abschnitten jedoch die zu lauten Blechbläser, die Pizzicati T. 99 ff sind dagegen zu leise, auch in dieser Aufnahme wird im 2. Satz die Spannung bei extrem langsamen Tempo nicht immer gehalten. Der Anfang des Scherzos könnte etwas schärfer gezeichnet werden, den Triangel hört man kaum, wie auch bei den Aufnahmen mit dem Chicago Symphony Orchestra und der Tschechischen Philharmonie. Das Finale hätte bei etwas schnellerem Tempo gewonnen. Die Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern ist da um einiges überzeugender geraten, die Tempi sind etwas schneller und die Musik wird doch schärfer gezeichnet als in Berlin und Chicago. Scherzo und Finale klingen etwas derb urwüchsig. Negativ ins Gewicht fällt jedoch der mickrige Klang des Wiener Englischhorns, der dem Satz einen Teil seines Duftes nimmt. Die meiner Meinung nach beste Aufnahme wurde mit dem Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks eingespielt, die viel live-Atmosphäre mitbringt, sie ist nicht identisch mit der früheren Aufnahme aus den 70er Jahren, die von Orfeo auf den Markt gebracht wurde, die ich jedoch nicht kenne. Das Konzert mit der Tschechischen Philharmonie, das Denon veröffentlicht hat, war für den ehemaligen Chefdirigenten sicher eine rührende Wiederbegegnung, auch wenn wahrscheinlich keiner seiner ehemaligen Musiker noch an den Pulten saßen, für den CD-Hörer jedoch kaum, da insgesamt zu indifferent gespielt wurde, auch der Klang kann mit der Rundfunkaufnahme aus München oder den Berlinern nicht mithalten. Am besten gefällt mir hier der 2. Satz, der mit großer Ruhe dargeboten wird.

Leonard Bernstein stellt Dvoraks 9. hier in zwei Aufnahmen vor. Die erste stammt aus seiner Anfangszeit als Dirigent, sie wurde 1953 für die amerikanische Decca in New York aufgenommen, die New Yorker Philharmoniker firmierten hier unter „New York Stadium Symphony Orchestra". Das Klangbild ist flach und stellenweise auch etwas stumpf, die Streicher hört man in Tuttistellen meist nur als Block, eine Transparenz, mit dem z. B. Fricsay-Aufnahmen aus der selben Zeit aufwarten, hätte man sich auch hier gewünscht. Am besten gefällt mir der Kopfsatz, der mit viel Drive durchgezogen wird. Bernstein scheint Dvoraks Komposition noch nicht ganz zu vertrauen, nach dem Hornruf in T. 5 steht eine lange Pause, Bernstein verkürzt sie und lässt Flöte und Oboen schon früher einsetzen. Im zweiten Satz, der recht langsam genommen wird, werden die Takte 22-26 nicht im Tempo gespielt. Die Zweiunddreißigstel der Celli ab T. 78, die die 1. Geigen begleiten, sind zu leise. Im Scherzo nutzt Bernstein die rhythmische Energie der Notenvorlage zu einem akzentuierten und schwungvollen Vortrag. Erstaunt macht mich das Finale in dieser Interpretation, da der Dirigent den Zusatz con fuoco einfach ignoriert, was für Bernstein doch untypisch ist! Herausgekommen ist ein eher schneller Marsch, der von langsamen Teilen unterbrochen wird. Die zweite Aufnahme mit dem Israel Philharmonic Orchestra, bei einem Konzert in Paris mitgeschnitten, klingt viel besser, ist interpretatorisch jedoch problematischer. Gleich zu Beginn besitzt der rhythmische Ablauf keine feste Kontur, auch im Verlauf des Satzes greift Bernstein immer wieder zu Rubati, der vorher gelobte Drive vermisst man in dieser Interpretation. Das Largo ist zum Gähnen verschleppt, die Musik fast gefroren, ab T. 90 dann plötzlich schneller, da das Motto der Sinfonie bevorsteht! Im 3. Satz kehrt Bernstein zur Normalität zurück, con fuoco! Im 2. Trio T. 200-206 ist die Artikulation der Bläser etwas zu lasch, auch vermisse ich den Triangel! Das Finale wird noch langsamer als 1953 gespielt, im selben Tempo wie Klemperer, nur, der holt mehr aus dem Notentext heraus.

Wie fast schon zu erwarten, wird in den Aufnahmen unter Leitung von Wolfgang Sawallisch sehr sauber, schwungvoll, jedoch auch mehr sachlich (werkgerecht) musiziert. Sawallisch pflegt nie eine besondere persönliche Note, stattdessen durchleuchtet er die Partitur und weist dezent auf Details hin, die von anderen meist unbeachtet bleiben. Manchen Hörern mag seine Musizierhaltung zu geglättet erscheinen. Das trifft in diesen Aufnahmen von Dvoraks 9. allenfalls bedingt zu. Auffallend ist eine Vertiefung des Ausdrucks in den Mittelsätzen bei der jüngeren Interpretation aus Philadelphia, die auch noch prachtvoll klingt. Erwähnt sei noch, dass kein anderer Dirigent im 4. Satz die Trompete während der Tuttistelle T. 92 ff so markant hervortreten lässt.

** Die Aufnahmedaten bei der Chesky- CD Nr. 31 mit Jascha Horenstein sowie bei der Scribendum-CD Nr. 040 mit Rudolf Kempe sind auf den CDs gleichlautend angegeben: Walthamstow Town Hall, London, 26.-30.Januar 1962, eine der Angaben muss falsch sein. Man könnte auch annehmen, dass die Aufnahmen identisch seien, dagegen sprechen allerdings die unterschiedlichen Laufzeiten in allen vier Sätzen sowie der unterschiedliche Stil der beiden Dirigenten. Auch die klangliche Seite der Aufnahmen weicht voneinander ab, es sind zudem verschiedene Aufnahmeleiter und Toningenieure vermerkt.

*** Im Jahre 1981 erschien beim kleinen Schweizer Label Relief eine LP mit der 9. Sinfonie von Antonin Dvorak, die Aufnahme wurde angeblich in einem Konzert in der Alten Berliner Philharmonie Berlin mitgeschnitten, Wilhelm Furtwängler dirigierte die Berliner Philharmoniker dort am 30. 11. 1941. Da es keine andere Aufnahme einer Komposition Dvoraks, außer einem Slawischen Tanz aus dem Jahre 1930 mit Furtwängler gab, war die Neugierde immens, wie der Dirigent die e-moll-Sinfonie wohl dirigierte. Das Band, das der LP zugrunde lag, sollte im Wege der Rückführung alter Mitschnitte aus russischen Archiven in den Westen gelangt sein. Der Einführungstext weist ausdrücklich darauf hin, dass namhafte Kenner der Materie sowie der damalige Solo-Hornist des Orchesters, die Aufnahme als authentisch bezeichnen. Der Autor dieser Zeilen kaufte sich die LP und war – auch noch heute - begeistert. Unmittelbar nach der Veröffentlichung kamen dann doch Zweifel bezüglich der Echtheit auf, genährt wurden sie aufgrund der doch ganz anderen Akustik der alten Philharmonie, wie man sie von vielen Mitschnitten her kannte und der für ein Konzert völlig fehlenden Publikumsgeräusche. Ein weiteres Indiz war, dass die Konzerte 1941 noch auf Schellackplatten festgehalten wurden, erst 1942 auf Magnetband, die Laufgeräusche der Schellacks fehlten jedoch. 1990 entdeckte man im Archiv des Bayerischen Rundfunks alte Bänder der Reichsrundfunkgesellschaft RRG, unter anderem solche der Münchner Philharmoniker unter Leitung ihres Chefdirigenten Oswald Kabasta, darunter auch eine Studio-Aufnahme der 9. Dvorak vom 14. 07. 1944. Beim eingehenden Vergleich der beiden Tondokumente stellte sich heraus, dass die letztlich nicht gesichterte Furtwängler-Aufnahme mit der authentischen von Kabasta identisch war. Relief zog darauf die LPs und CDs vom Markt zurück.

eingestellt am 30. 06. 12

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