Das Klassik-Prisma

 

 Bernd Stremmel

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Gretchen am Spinnrade D.118

Goethe



Schwarzkopf

S

E.Fischer

EMI

1952

3‘21

5

 

Schwarzkopf

S

Parsons

EMI

1973

3‘11

5

 

Ludwig

M

Parsons

EMI

1961

3‘07

5

 

Janowitz

S

Gage

DGG

1977

3‘57

5

 

Zomer

M

Schoonderwoerd

Alpha

2002

3‘20

5

Hammerklavier – ausdruckvoll, lebendig


Baker

M

Moore

EMI

1970

3‘34

4-5

 

Isokoski

S

Viitasalo

Finlandia

1993

3‘20

4-5

fast Spitze, Klavier könnte noch etwas mehr differenzieren

Seefried

S

Werba

Ades

1968

3‘16

4-5

 

Seefried

S

Werba

BBCL

1962

3‘32

4-5

live

Augér

S

Baldwin

BBCL

1987

3‘35

4-5

live

Ziesak

S

Eisenlohr

Naxos

2002

3‘18

4-5

endlich mal ein Gretchen, keine Grete!

 

Schumann, E.

S

Moore

EMI

1936

3‘20

4

 

Augér

S

Orkis

Virgin

1990

3‘36

4

 

Augér

S

Olbertz

Berlin Classics

1976

3‘31

4

 

Giebel

S

de Nobel

Teldec

1968

3‘47

4

Klavier: Mittelstimme nicht immer da

Seefried

S

Werba

Orfeo

1957

3‘50

4

live

Ludwig

M

Gage

DGG

1973

3‘21

4

 

Müller

S

Raucheisen

Acanta Membran

1944

3‘33

4

Schluss immer langsamer

Donath, Helen

S

Donath, Klaus

EMI

1975

3‘29

4

Klavier etwas neutral, nur Begleitung

Norman

M

Moll

Philips

1984

3‘40

4

nicht in Gretchens Kammer gesungen

Gerhardt

S

Hegner

EMI

1926

3‘21

4

 

Bonney

S

Parsons

Teldec

1994

4‘08

4

die langsamste Aufnahme, jugendliche Stimme

Fontana

S

G.Fischer

Decca

1982

3‘37

4

gebremste Emotionen

Fink

M

Huber

HMF

2007

3‘36

4

die Stimme erinnert an die von Seefried, weniger emotionale Anteilnahme

Ferrier

A

Spurr

Decca

1947

3‘06

4

gebremste Emotionen, Rauschen der Schelllackplatte

 

Della Casa

S

Sándor

Orfeo

1957

3‘38

3-4

live – heller Sopran, Vortrag ohne/wenig emotionale Beteiligung; Pianist nur Begleiter, kein Mitgestalter

Hendricks

S

Lupu

EMI

1985

3‘21

3-4

etwas glatt, eher an der Oberfläche

 

Popp

S

Gage

EMI

1983

3‘36

3

unruhige, brüchige Stimme mit Problemen bei der deutschen Aussprache, lispelt



In „Gretchen am Spinnrade" darf der Hörer kein Kunstlied im herkömmlichen Sinne sehen, sondern eine kleine Szene, die Goethe auch in seinem „Faust" so geschaffen hat. Das sollte Konsequenzen bei der Darstellung des Liedes nach sich ziehen, ein neutraler Vortragsstil kann nicht überzeugen. Jessye Norman übertreibt da in die andere Richtung, ihre Darbietung voller emotionaler Anteilnahme an Gretchens Situation ist, vielleicht auch auf Grund ihrer voluminösen Stimme, zu opernhaft ausgefallen und sprengt Schuberts Rahmen.

Kurz angeschnitten sollte auch noch die Frage werden, ob in Bezug auf die Glaubwürdigkeit der Darstellung nur junge, helle Sopranstimmen dieses Lied singen sollten, oder auch ältere Sängerinnen sowie Mezzo- und Altstimmen? Ruth Ziesak und Barbara Bonney können sehr glaubhaft mit jugendlichen hellen Stimmen aufwarten, auch Lucia Popp. Die Übersicht zeigt, dass jedoch auch anderen ein überzeugender Vortrag gelingen kann.

Hinweise zu einigen Interpretationen:

Elisabeth Schwarzkopf: Die beiden Aufnahmen sind sich ziemlich ebenbürtig, bei Edwin Fischer ist der Klang zeitbedingt etwas stumpf, das ist in der späteren Aufnahme mit Parsons besser gelöst. Schwarzkopf singt wie immer mit sehr kontrollierter Stimme, 1973 muss der Hörer jedoch einige Vokalverfärbungen in Kauf nehmen.

Irmgard Seefried und Erik Werba: Die erste Strophe wird 1957 ein wenig langsamer gesungen als in den beiden anderen Aufnahmen. Bei der Stelle in der dritten Strophe „...vergehen sollt" verkürzt Seefried in allen drei Aufnahmen die Silbe „ge-„, auch dehnt sie den Buchstaben s beim Wort „Kuss". Gut gelungen beim BBC-Mitschnitt in der zweiten Strophe „Lächeln" und „Augen Gewalt", der Hörer kann es beinahe sehen.

Arleen Augér: Von den drei Aufnahmen gefällt mir die live-Aufnahme mit Dalton Baldwin, dem langjährigen Begleiter von Gerard Souzay, am besten. Hier sind Sopran und Klavier gemeinsam am Werk, das ist bei Orkis nicht ganz so, bei Olbertz noch weniger. In dieser Aufnahme schöpft die Sängerin noch aus dem Vollen.

Christa Ludwig: Von allen beteiligten Klavierbegleitern spielt sich Irwin Gage an die Spitze; bei ihm hört man, auch ohne Blick in die Noten, dass Schubert den Klavierpart 3-stimmig angelegt hat: die fließende, Unruhe stiftende Sechzehntel-Bewegung im Diskant, unten die liegenden Basstöne (meist volltaktig), dazwischen Einzeltöne bzw. 2-stimmige Akkorde als Achtelnoten, tatam, tatam, tatam.... , alles staccato zu spielen, ausgenommen in der dritten Strophe von „... sein hoher Gang" bis „Kuss", da sind in der linken Hand taktweise nur 2/3-stimmige Akkorde gesetzt, Gage gelingt diese Stelle meisterhaft! Und Ludwig? In der späteren Aufnahme mit Gage forciert sie bei f-Stellen in hoher Lage sehr, unschöne Tremoli stechen hervor. Da klingt die ältere EMI-Aufnahme mit der jungen Chr.Ludwig viel natürlicher, auch lebendiger. Auch wenn Parsons nicht den Rang von Gage hat, steht sie bei mir ganz vorn.

eingestellt 2003

letzte Ergänzung: 04.10.09

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