Das Klassik-Prisma  
 Bernd Stremmel

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Mozart

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Klaviersonate C-dur KV 330

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Zitterbart

Tacet

P 1989

17‘33

5

 

Brendel

Philips

1998

19‘15

5

 

Gulda

DGG

1980

25‘49

5

Eigenproduktion Guldas, leichtes Bandrauschen

Haebler

Denon

1986

19‘49

5

 

Haskil

Orfeo

1957

15‘06

5

live

           

Gieseking

EMI

1953

18‘45

4-5

 

Larrocha

RCA

1991

17‘40

4-5

 

Haskil

Philips

P 1951

17‘50

4-5

 

Endres

Arte Nova

1998

16‘14

4-5

 

Klien

VOX

1964

14‘04

4-5

 

Zacharias

EMI

1985

20‘36

4-5

 

Badura-Skoda

BMG

1978

19‘24

4-5

 

Pires

DGG

1990

23‘46

4-5

 

Gould

Sony

1958

16‘09

4-5

 
           

Kocsis

Hungaroton

P 1980

15‘30

4

 

Fleisher

CBS

1958

18‘39

4

 

Lang

DGG

2005

19‘34

4

 

Pirner

Farao

P 2001

18‘07

4

 

Kraus, Lili

Sony

1968

18‘28

4

 

Li

DGG

2005

17‘52

4

 

Seemann

DGG

1952

14‘44

4

 

Pires

Denon

1974

15‘15

4

 

Barenboim

EMI

1984

20‘00

4

 

Uchida

Philips

1984

17‘56

4

 

Fischer, Edwin

EMI

1937

12‘00

4

 

Pommier

Virgin

1982

19‘48

4

 

Arrau

Philips

 

25‘28

4

 
           

Horowitz

DGG

1986

16‘56

3-4

live

Pletnjew

DGG

2005

17‘56

3-4

 

Vogt

EMI

2005

18‘02

3-4

 

Ney

Colosseum

1964

21‘47

3-4

 
           

Gould

CBS

P 1969

11‘17

2-3

 

auf Hammerflügel gespielt:

Staier

HMF

2004

17‘29

5

 

Zitterbart

gutingi

2005

17‘04

5

live

Brautigam

BIS

1996

18‘36

5

 

Leonhardt

Sony

1971

17‘19

4-5

 

Semerjian

Atma

2005

23‘56

4

 

Mozarts heitere Sonate C-dur KV 330 bietet nach der ausdrucksstarken Vorgängerin a-moll KV 310 dem Pianisten scheinbar keine Schwierigkeiten in interpretatorischer Hinsicht. Er muss nur über bewegliche Hände und Handgelenke, einen schönen, lockeren und leichten Anschlag sowie eine gute Tempovorstellung verfügen.

Alle der hier aufgeführten Interpreten verfügen darüber und geizen nicht mit ihrem Können. Aber: bei sehr vielen erschöpft sich damit schon ihren Beitrag zu KV 330. Alles ist blitzsauber und gekonnt vorgeführt. Man erlebt elegante Triller und Doppelschläge, brilliante Läufe, die schnellen Sätze werden oft noch schneller gespielt als von Mozart vorgesehen, es geht ja so leicht von den Händen. Trotzdem kann dies nicht alles sein. Sind da nicht immer wieder moll-Eintrübungen, chromatische Durchgänge, vor allem im 2.Satz? Müssen Wiederholungen, nicht ganze Abschnitte, sondern auch kurze Phrasen immer in der gleichen Manier gespielt werden? Wer diese Freiräume nicht entdeckt und dem Hörer mitteilt, spielt Mozart etwas eindimensional. Auch der Bassstimme, für die Klangbalance von großer Bedeutung, wird leider nicht immer die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Deshalb können folgende Pianisten/-innen m.E. nicht im Spitzenfeld platziert werden: Gieseking, Haskil, Lili Kraus, Seemann, Klien, Badura-Skoda, Larrocha, Barenboim, Fleisher, Pommier, Uchida, Pires (DG-Aufnahme deutlich besser), Kocsis, Li und Lang. Dessen neue Aufnahme ist nur schön, bringt aber keine persönliche Note.

Froh werde ich mit den Aufnahmen von Staier, Zitterbart, Gulda, Haebler und Brendel, letzterer bietet uns so etwas wie einen Mozart für Fortgeschrittene. Auch Arrau spielt eine durchdachte Interpretation, leider kam die Aufnahme für ihn/uns ein wenig zu spät. Er ist um ein flüssiges Spiel bemüht, aber die Triller und Läufe kommen nicht immer egal, Ähnliches erlebt man bei Elli Ney. Horowitz bietet eine persönliche, wenn auch geschmäcklerische Darstellung: mal verzärtelt, mal kraftvoll gespielt, Einzelheiten werden wie mit dem Zeigefinger hervorgehoben, das Tempo ist wenig konstant. Auch Pletnjew geht in diese Richtung, aber er übertreibt: mit dem Tempo geht er recht frei um, am Ende einer Melodie oder Phrase wird gebremst, danach geht es schneller weiter. In den Takten 75 – 78 (Durchführung des 1.Satzes) wird der Hörer Zeuge einer kleinen Tragödie, wenn in Takt 78 die Musik fast still steht . Beim ersten Hören mag man dies als interessant empfinden, beim mehrmaligen aber auch langweilig, zumal die betreffenden Stelle in der Reprise in derselben Manier gespielt wird. In Takt 135 des 3. Satzes fehlen die Töne g bis b des Eingangs.

Clara Haskil spielte die Sonate KV 330 zu Beginn der 50er Jahre im Studio ein, danach brachte Orfeo den Mitschnitt eines Konzertes von den Salzburger Festspielen (1957) heraus. Der Interpretationsansatz ist ziemlich ähnlich, jedoch klingt die Salzburger Aufnahme heller und präsenter, im 2. Satz gefällt mir die langsamere Philips-Aufnahme besser.

Von Glenn Gould gibt es zwei recht unterschiedliche Aufnahmen. Während die erste (1958) noch recht klassisch daherkommt, manchmal traktiert er sein Instrument, als hätte er ein Hammerklavier unter den Händen, führt uns die zweite im 1.Satz ein Formel -1-Mozart vor, wer kann’s noch schneller? Im 3. Satz stört das Gehämmere der linken Hand doch sehr.

Inzwischen sind einige Aufnahmen mit Hammerklavier erschienen, die ich nun der Übersicht halber extra aufgeführt habe. Andreas Staier geht sehr phantasievoll mit dem Notentext um, ohne ihn zu verbiegen, Wiederholungen nutzt er zu Auszierungen und Schattierungen, die Klangfarben seines ausgezeichneten Hammerflügels unterstützen seine Interpretationsabsichten. Ähnlich zu Werke geht Gerrit Zitterbart in seiner neuen ausgezeichneten Aufnahme (eine mit Steinway ist schon länger auf dem Markt). Ronald Brautigam hat eine Gesamtaufnahme der Sonaten und Klaviervariationen vorgelegt. Er spielt natürlich, empfindsam aber auch kraftvoll zupackend.

Die Instrumente von Semerjian und Leonhardt können ihre Herkunft vom Cembalo nicht vergessen machen, während die von Staier und Brautigam schon den modernen Flügel erahnen lassen. Zitterbarts Instrument liegt im Klang dazwischen.

Fast alle Interpreten wiederholen die Exposition des 1. Satzes, außer E. Fischer, Haskil (Orfeo), Leonhardt, Klien und Gould. Arrau, Pires (DG), Gulda und Zacharias bringen auch die zweite. Gulda, Brautigam und Semerjian spielen auch die Wiederholungen im letzten Satz. Bei E. Fischer, Klien und Gould fehlen alle Wiederholungen.

eingestellt am 05.02.06

letzte Ergänzung am 03.03.07

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