Das Klassik-Prisma

 

 Bernd Stremmel

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Klavierkonzert d-Moll KV 466



R. Serkin

Ormandy

Philadelphia Orchester

Sony

1951

28’38

5

 

R. Serkin

Szell

Columbia Symphony Orchestra

Sony

P 1964

31‘36

5

 

R. Serkin

Schneider

English Chamber Orchestra

BBCL

1966

31‘09

5

live

Bruchollerie

Paumgartner

Camerata academica

BMG

1961

31‘34

5

 

Casadesus

Szell

Cleveland Orchester

Sony

1956

27‘16

5

 

Schiff

Vegh

Camerata academica

Decca

1989

31‘09

5

die ersten Takte sehr genau gelesen, beste Abstimmung zwischen Solist/Dirigent

A. Fischer

Boult

Philharmonia Orchestra

EMI

1959

31‘08

5

sehr schöner 2. Satz

Haskil

Fricsay

RIAS Symphonie Orchester

audite

1954

28‘43

5

live 10.01.54 – unmittelbarer, weniger geglättet als einen Tag später im Studio

Haskil

Fricsay

RIAS Symphonie Orchester

DGG/audite

1954

28‘39

5

11.01.54

Haskil

Markevitch

Lamoureux Orchester Paris

Philips

1960

30‘11

5

 

Katchen

Münchinger

Stuttgarter Kammerorchester

Decca

1966

30‘22

5

 

Rubinstein

Wallenstein

RCA Victor Symphony Orchestra

RCA

1961

30‘54

5

 

Zacharias

Zinman

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

EMI

1989

28‘59

5

kuzer Auftritt des Don Giovanni in der Kadenz des 3.Satzes

Gulda

 

NDR Sinfonie-Orchester

EMI

1993

32‘35

5

live

Gulda

Abbado

Wiener Philharmoniker

DGG

1974

33‘00

5

 

 

Richter

Wislocki

National Philharmonie Warschau

DGG

1959

33‘10

4-5

 

Barenboim

 

English Chamber Orchestra

EMI

1967

32‘11

4-5

 

Brendel

Mackerras

Scottish Chamber Orchestra

Philips

1998

30‘18

4-5

geschärfter Orchesterklang

Ashkenazy

Schmidt-Isserstedt

London Symphony Orchestra

Decca

1968

32‘23

4-5

 

Haskil

Karajan

Philharmonia Orchestra

Stiftung Mozarteum

1956

30‘12

4-5

live, weitere Haskil-Aufnahme, Berliner Oboen fügen sich besser in den Orchesterklang, Streicher-betontes Orchester, II Romance noch etwas mehr Ausdruck als bei Fricsay

Richter

Kondraschin

Tschechische Philharmonie

Andante

1950

32‘36

4-5

live

Michelangeli

Münchinger

Stuttgarter Philharmoniker

M&A

1967

32‘18

4-5

live

Schnabel

Szell

Philharmonic Symphony Orchestra

M&A

1944

30‘45

4-5

live

Ciani

Gavazzeni

I Pomeriggi Musicali

Dynamic

1971

31‘47

4-5

live – beherztes ungestümes Klavierspiel, auf seine Art überzeugend,I kräftige Akzente der linken Hand, z. B. T. 104-107, nirgends so deutlich, II Romance: Zwiesprache mit Mozart, III Ciani setzt alles auf eine Karte, unwirsch dreinfahrende Akkorde. Flächiges, helles Klangbild, viele Publikumsgeräusche, U-Bahn, Orchesterleistung nicht auf dem Niveau des Solisten

Brendel

Marriner

Academy of St.Martin-in-the-Fields

Philips

1973

29‘56

4-5

 

Anda

 

Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester

audite

1969

28‘32

4-5

kräftiges, männliches Klavierspiel, Orchester steuert eine engagierte Begleitung bei, LvB ist nicht mehr weit, II zwei zusätzliche Auftakt-Viertel in T. 43 und 47, aufmerksame Bratschen in T. 60 ff

Anda

 

Camerata academica Salzburg

DGG

1965

27‘40

4-5

Anda weist auf Mozarts Tempovorschriften hin

Gieseking

Rosbaud

Philharmonia Orchestra

EMI

1953

31‘20

4-5

 

Curzon

Britten

English Chamber Orchestra

Decca

1970

32‘55

4-5

 

Walter

 

Wiener Philharmoniker

EMI u.a.

1937

27‘40

4-5

 

Haskil

Swoboda

Winterthur Sinfonie-Orchester

Westminster

1950

30‘57

4-5

 

Haskil

Klemperer

Philharmonia Orchestra

Audite Nota Blu

1959

30‘26

4-5

live, etwas entferntes Klangbild

Vogt

Bolton

Mozarteum Orchester Salzburg

Oehms

2008

29‘28

4-5

HIP-Produktion, in gewohnten Bahnen, keine neue Sicht auf KV 466

Perahia

 

English Chamber Orchestra

Sony

P 1977

31‘03

4-5

schön, aber etwas glatt, sehr durchsichtiges Klangbild, Holzbläser etwas nach vorn geholt

Heidsieck

Vandernoot

Orchestre Conservatoire Paris

EMI

P 1960

29‘04

4-5

 

Kempff

Karajan

Berliner Philharmoniker

audite

1956

30‘35

4-5

live – Kempff und HvK auf einer Ebene, Klangbild hier und da etwas kompakt bzw. mulmig, I dramatische Orchester-Exposition, Kempff verzögert plötzlich T. 215, II Kempff nicht ganz in die Musik versunken wie Haskil

Judina

Gortschakov

Radio Sinfonie-Orchester der UdSSR

Melodya

1948

33‘19

4-5

 

Argerich

Rabinovitch

Orchestra de Padova & Veneto

Teldec

1998

29‘18

4-5

 

Goode

 

Orpheus Chamber Orchestra

Nonesuch

1996

29‘26

4-5

 

Moravec

Marriner

Academy of St.Martin-in-the-Fields

hänssler

1997

31‘46

4-5

 

 

Firkusny

Bour

SWF Sinfonie-Orchester

Intercord

 

30‘50

4

 

E. Fischer

 

London Philharmonic Orchestra

EMI

1933

29‘56

4

 

Schnabel

Süsskind

Philharmonia Orchestra

EMI

1948

30‘07

4

flächiges Klangbild

R. Serkin

Abbado

London Symphony Orchestra

DGG

1981

32‘36

4

 

Egorov

Sawallisch

Philharmonia Orchestra

EMI

1985

30‘46

4

 

Pletnjew

 

Deutsche Kammerphilharm

Virgin

1995

32‘37

4

1. Satz zu langsam

Uchida

Tate

English Chamber Orchestra

Philips

1985

33‘21

4

Uchida verwechselt Mozart mit Beethoven

Anda

 

Wiener Symphoniker

BMG

1973

29‘55

4

 

Haebler

Melles

Wiener Symphoniker

VOX

1958

31‘59

4

aufnahmetechnisch nicht alles gemeistert

O’Conor

Mackerras

Scottish Chamber Orchestra

Telarc

1991

30‘41

4

3. Satz Clementi?

Pires

Jordan

Kammerorchester Lausanne

Erato

1977

32‘28

4

 

Barenboim

 

Berliner Philharmoniker

Teldec

1988

30‘30

4

 

Kempff

van Kempen

Berliner Philharmoniker

DGG

1941

29‘47

4

Plattenrauschen

Kirschnereit

Beermann

Bamberger Symphoniker

Arte Nova

2000

30‘16

4

 

Benedetti Michelangeli

Garben

Sinfonie-Orchester des NDR

DGG

1989

33‘31

4

ABM mit erhobenem Zeigefinger, Klang etwas zu dick, letzter Satz durchgefingert

Ashkenazy

 

Philharmonia Orchestra

Decca

1983

34‘15

4

 

Frantz

Flor

Bamberger Symphoniker

BMG

1989

32‘55

4

alles etwas lustlos, wenig spannend

Lefébure

Furtwängler

Berliner Philharmoniker

EMI

1954

28‘40

4

live, entferntes Klangbild

Walter

 

NBC Symphony Orchestra

History

1939

26‘12

4

live

 

Jarrett

Russel-Davis

Stuttgarter Kammerorchester

ECM

1996

32‘09

3-4

alles schön, aber etwas glatt, 3. Satz von Bach?

Benedetti  Michelangeli

Giulini

RAI Orchester Rom

Frequenz

1951

31‘06

3-4

live, unbefriedigendes Klangbild

Schmidt

Masur

Dresdner Philharmonie

Berlin Classics

1972

30‘10

3-4

 

Buchbinder

 

Wiener Symphoniker

Calig

1998

32‘48

3-4

live

Haebler

Galliera

London Symphony Orchestra

Philips

1965

34‘25

3-4

etwas lustlos, wenig profiliert

 

Engel

Hager

Mozarteum Orchester

Teldec

1976

32‘03

3

Engel zu gradlinig, inhomogener Streicherklang

Han

Freeman

Philharmonia Orchestra

Brilliant

1993

32‘09

3

Mozart eingeebnet, 2. Satz-minore: Klavieretüden

 

Stadtfeld

Weil

Sinfonie-Orchester des NdR

Sony

2004

28‘20

2-3

wenig sensibel, ohne Höhepunkte durchs Werk, Orchester-tutti knallig, gab es da einen verantwortungsvollen Produzenten?

Aufnahmen mit Hammerflügeln und Originalinstrumenten:

Bilson

Gardiner

English Baroque Soloists

DGA

1986

29‘28

5

 

Cohen

Coin

Ensemble Baroque de Limoges

Astrée

1995

33‘40

5

Cohens Instrument noch in Cembalo-Nähe

Tan

Norrington

London Classical Players

EMI

1991

29‘09

4-5

 

Gibbons

Brüggen

Orchester des 18. Jahrhunderts

Philips

1986

32‘13

4

live

Immerseeel

 

Anima Eterna

Cascavelle

1990

29‘01

4

Orchester etwas pauschal



Mozarts Klavierkonzert KV 466 ist das erste von zweien in einer Moll-Tonart. Es wurde im Februar 1785 mit Mozart am Hammerflügel uraufgeführt, angeblich soll die Tinte des Kopisten auf den Notenblättern noch nass gewesen sein. Mozarts Vater wohnte dem Konzert bei und soll sich sehr lobend über das Werk geäußert haben.

Die beiden Ecksätze sind sehr dramatisch, leidenschaftlich und düster angelegt. An wichtigen Stellen begegnen uns immer wieder 2 Fagotte, wie später in der Einleitung zur Prager Sinfonie KV 504 oder der Don Giovanni-Ouvertüre, wo sie wie hier den Eindruck des Beklemmenden, Bedrohlichen vermitteln (z. B. T. 24 ff, T. 182 ff).

Formal gesehen ist der erste Satz ein erstaunliches Stück, in der die Musik aus der von Mozart in seinen bisherigen Konzerten selbst geschaffenen Form ausbricht. Orchester und Klavier stehen sich gegenüber, wobei sich das Klavier unterzuordnen hat. Das 2. Thema erscheint nicht schon wie üblich in der Orchesterexposition, sondern erst in der Soloexposition des Klaviers (T. 127 ff) und bleibt nur eine Episode. Für diesen Satz trifft Mozarts berühmte Äußerung seinem Vater gegenüber voll zu „.... dass die Nichtkenner zufrieden seyn müssen, ohne zu wissen warum."

Zwischen den Ecksätzen steht ein als Romance bezeichneter Mittelsatz in B-dur, dessen liebliche Stimmung aber durch einen als Parforce-Ritt dahinstürmenden Mittelteil in g-Moll grimmig gestört wird. Mozart hat dem Satz ein alla breve-Zeichen vorgesetzt, ein Hinweis für die Interpreten, das Tempo nicht zu langsam zu nehmen, was von den meisten Interpreten jedoch ignoriert wird, „die Musik ist doch so schön!" Mozarts Spielanweisungen befolgen in diesem Satz weitgehend Casadesus, Anda-DG, Brendel-Mack., A. Schmidt, Ciani, Schiff, Egorov, Zacharias, O’Conor, Cohen, Kirschnereit. Sehr langsam spielen Judina, Gieseking, Curzon, Ashkenazy-83 und Frantz.

Einige Pianisten reichern ihren Part im 2. Satz mit Verziehrungen an, wie es Mozart selbst gehalten hat: Kempff, Curzon, Gulda, Buchbinder, Brendel-Mack., Perahia, Uchida, Zacharias, O’Conor, Bilson, Tan, Vogt und Kirschnereit.

Im ersten Satz kann sich das Klavier kaum durchsetzen, das Orchester, hier groß besetzt mit Pauken und Trompeten, fordert Unterordnung. Im letzten Satz kommt es dann zu einer Partnerschaft. Zum Schluss entlässt Mozart seine Zuhörer mit einem versöhnlichen Ende in D-Dur. Bei Takt 167 improvisieren einige Pianisten eine kleine Kadenz bzw. bringen einen Eingang.

Das d-moll Konzert blieb lange Jahre hindurch das einzige Mozart-Klavierkonzert, das von den Klavierspielern wahrgenommen wurde. Beethoven hat zu seiner Verbreitung beigetragen und zwei Kadenzen für den 1. und 3. Satz geschrieben, die heute noch fast ausschließlich gespielt werden. Auch Brahms hat es gespielt und für den 1. Satz eine Kadenz hinterlassen, Idel Biret hat sie bei Naxos eingespielt.

Kempff, Haskil, Heidsieck, Anda, Brendel, Zacharias, Bilson, Tan spielen eigene Kadenzen. Bruno Walter greift zu Carl Reinecke. Nicht klären konnte ich Casadesus, Engel, Lefébure, Immerseel, und Edwin Fischer, hier vermute ich, dass sie aus der eigenen Werkstatt stammen.

Einige Interpreten teilen nicht oder nur bedingt die Auffassung, das Werk sei in erster Linie von Mozart dramatisch, düster, fatalistisch gedacht. Eine kleine Gruppe spielt es eher elegisch: Kempff, Curzon, Firkusny und Ashkenazy-83.

Clara Haskil bietet beide Versionen: mit Fricsay und Swoboda elegisch, mit den anderen Dirigenten dramatisch. Ebenfalls S. Richter,: die Live-Aufnahme aus Prag sehr dramatisch, die Studio-Einspielung aus Warschau elegisch, auch tragisch.

Mit dem d-Moll Klavierkonzert wurde die Tradition des romantischen Klavierkonzerts des 19. Jahrhunderts begründet. Seine Popularität ist bis heute ungebrochen, dies spiegelt sich auch in der äußerst umfangreichen Diskographie wider.

eingestellt am 12.10.06

Ergänzung am 17.01.10

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