Das Klassik-Prisma

 

  Bernd Stremmel

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Klavierkonzert Es-Dur KV 482

Mozart hatte Zeit seines Lebens eine Vorliebe für die Tonart Es-Dur. Die Zauberflöte beginnt und endet in dieser Tonart, die Baumeisterarie des Belmonte steht in Es-Dur, ebenso die große Sinfonia Concertante für Violine, Viola und Orchester KV 364.

Es-Dur verleiht der jeweiligen Musik etwas kraftvolles, das wusste nicht nur Mozart. Auch Beethoven schrieb einige charakteristische Werke in dieser Tonart, allen voran das 5. Klavierkonzert op.73.

Allein vier Klavierkonzerte verfasste Mozart in Es-Dur: KV 271, KV 365, KV 449 und zuletzt das vorliegende große Konzert KV 482. Beim Beginn fällt dem Hörer sofort die klangliche Verfeinerung auf, statt der hellen hervorstechenden und oft den Bläserklang beherrschenden Oboen verwendet der Komponist hier zwei Klarinetten, die auch in seinen da-Ponte-Opern eine große Rolle spielen, „Figaros Hochzeit" entstand gleichzeitig mit diesem Konzert. Auch die vielfachen solistisch gesetzten dialogischen Bläserpartien verleihen dem Werk neben den festlich aufspielenden Tutti klangliche Leuchtkraft und Wärme.

Im Klavierkonzert Es-Dur KV 482 haben wir das musikalisch reichste Werk Mozarts vorliegen, er verwöhnt den Hörer mit einer Fülle von Themen und Motiven wie sonst in keinem seiner anderen Klavierkonzerte. Musikologen vermuten, dass Mozart sein Publikum nach dem kühl aufgenommenen d-Moll-Konzert KV 466 mit einem neuen, nun unbeschwerten Konzert versöhnen wollte, dass ihm dieses gelang, bezeugt nicht zuletzt die ungewöhnliche Wiederholung des Andante bei der Uraufführung. Bereits im 1. Satz geht der Komponist mit musikalischen Einfällen sehr spendabel um: außer mit zwei Themen in der Haupttonart und der Dominante reichert er die Exposition des Orchesters mit zwei weiteren Gedanken an (T. 51-57 und T. 58-67). Die Musik scheint wie aus Mozarts Innerem herauszusprudeln. Das sehr eingängige zweieinhalbtaktige Es-Dur-Eingangsthema des vollen Orchesters erklingt am Anfang in Abständen viermal unverändert, wie ein Portal, in der Reprise dann noch zweimal, es wird übrigens nicht, wie sonst üblich, im weiteren Verlauf des Satzes durchgeführt. Dazu zieht Mozart den zweiten Teil des Kopfthemas heran, ein ausdrucksvoller Dialog zwischen den 1. Violinen und Flöte, Klarinetten, Fagotten und Hörnern im Wechsel. Beim Eintritt des Klavieres T. 77 führt sich der Pianist mit einem weiteren Thema ein, bevor T. 94 die eigentliche Soloexposition beginnt, in der die Themen und Gedanken zusammen mit dem Soloinstrument rekapituliert werden. Der Klavierpart ist in weiten Teilen noch nicht als endgültig zu verstehen, Mozart spielte bei der ersten Aufführung selbst den Klavierpart und reicherte ihn mit seinen Ideen an. Die Interpreten sind gefordert, über die an wenigen Stellen angedeuteten „Konturtöne" (Neue Mozart Ausgabe = NMA) hinaus ihren Part geschmackvoll auszufüllen. Aus dem genannten Grund sind auch keine Kadenzen aus seiner Hand überliefert. Diese fertigte Mozart nur dann an, wenn er das jeweilige Werk anderen zur ersten Aufführung überließ. Zurück zum Kopfsatz, sehr merkwürdig erscheint der Klavierpart in den T. 128-131 in b-Moll, die meisten Pianisten greifen hier kräftig zu und drücken das rechte Pedal, da fühlt man sich fast in Brahms‘ 2. Klavierkonzert versetzt! Das kann kaum Mozarts Absicht gewesen sein. Auf die Takte 282/83 in der Reprise sollte noch hingewiesen werden, sie entsprechen in der Orchesterexposition den Takten 19/20. Im Vorwort der Partitur der NMA wird berichtet, dass im Autograph diese Takte durchgestrichen seien, ob von Mozarts Hand, sei nicht gesichert. Bei den meisten Interpretationen werden diese beiden Takte (Hörner mit Streicherbegleitung) gespielt, nicht berücksichtigt werden sie bei Schnabel, Serkin-Casals, Richter, Annie Fischer, Nikolajewa, Badura-Skoda, Anda, Ashkenazy, Jandö und Immerseel.

Der 2. Satz steht in c-Moll und ist Andante überschrieben. Bei den meisten Interpretationen wird er jedoch langsamer gespielt, was den Charakter des Satzes aber nicht verändert. Der Satz beginnt mit der Exposition eines tiefernsten Themas in den Streichern. Vor allem die 1. Violinen verbreiten eine traurig anmutende Stimmung mit Seufzermotiven in den Takten 12-20. Auf diese 32 Takte baut Mozart 5 Variationen auf. Var. 1 für Klavier solo, Var. 2 nur für die Blasinstrumente – die Behandlung der Bläser erinnert mich an die Begleitung von Arien aus Figaros Hochzeit, Var. 3 Klavier (Seufzermotive) mit Streicherbegleitung. Var. 4 ist ein sogenannter maggiore-Teil, also in Dur, hier C-Dur, mit einem duftig anmutenden Dialog von Flöte und Fagott wiederum mit Streicherbegleitung. In der abschließenden 5. Variation tritt nun das ganze Orchester zackig, auftrumpfend wieder in c-Moll auf, das Klavier tritt dieser Haltung mit sanft beruhigenden Melodien entgegen. Diese Stelle erinnert mich stark an ein Konzert, das 23 Jahre später das Licht der Musikwelt betreten wird und dort noch immer als eines der vollkommensten seiner Gattung gilt, ich meine Beethovens 4. Klavierkonzert, speziell den 2. Satz. In der Coda von KV 482 bringen die Streicher in den Takten 193-200 noch einmal die erwähnten Seufzermotive (= Klammer zum Satzbeginn), jedoch nicht mehr so ausdrucksstark, kommentiert vom Fagott und Klavier. In den folgenden Takten lässt Mozart den Hörer in eine hoffnungsvollere Welt blicken, C-Dur. Das Moll am Schluss hat nun seine Kraft verloren.

Der Finalsatz ist kein Rondo, wie sonst üblich, sondern ein Allegro im 6/8-Takt, der dem Satz eine gewisse Leichtigkeit verleiht, sofern die Interpreten Mozarts Impulse aufnehmen und umsetzen. Dem Pianisten sind wieder durch effektvolle Läufe und Passagen reiche Entfaltungsmöglichkeiten gegeben, auch in Verbindung mit den Orchesterinstrumenten. In den T. 164-172 hat Mozart im Autograph dem Klavierspieler von Takt zu Takt nur die „Konturtöne" vorgegeben, zu seiner Zeit wusste dieser, wie er den Klangraum improvisierend auszufüllen hatte. Diese Kunst ist heute verloren gegangen, nur ganz wenige Pianisten, Robert Levin ist einer von ihnen, verfügen aufgrund intensiven Studiums von Mozarts Partituren über die Fertigkeit, Mozarts „Lücken" ohne einen Stilbruch glaubhaft zu ergänzen. Allen anderen Klavierspielern steht in der Partitur der NMA für diese neun Takte ein Ausführungsvorschlag zur Verfügung, den die meisten der hier aufgeführten auch verwenden. Schnabel, Serkin, Richter und Nikolajewa übernehmen lediglich Mozarts Ecknoten. Kempff, Anda-WDR, Immerseel und Kirschnereit bieten eigene Improvisationen an. Mitten im Allegro wendet sich nach einem Es-Dur-Septakkord in T. 217 die Stimmung, Mozart hat hier ein Andantino cantabile eingefügt (T. 218-263), Musik wie aus einer anderen (früheren?) Zeit. Das Klavier übernimmt den Part der 1. Geigen und der Bässe, also ein Hinweis darauf, ihn mit eigenen Ideen auszuschmücken. Larrocha, Serkin-DGG, Perahia, Uchida, Piazzini, Bilson, Levin, Immerseel, Jandö, Frantz und O’Conor lassen die sich ihnen bietende Gelegenheit nicht aus. Durch kreativen Umgang sticht Zacharias‘ Beitrag bei EMI heraus. In seiner neusten CD lässt er in den T. 226-233 den Flügel schweigen, spielt in den T. 242-252 jedoch eine verzierte Version. Barenboim lässt den Flügel ganz leise spielen und Buchbinder-WS reduziert die Anzahl der Streicher auf ein bis zwei Pulte, in den T. 245-252 bietet er zusätzlich eine Verzierung an. Das Andantino endet auf einem Septakkord auf B bei T. 264. Zu Mozarts Zeiten war es üblich, an diesen Stellen (T.217 und 264) eine Überleitung, einen Eingang zu spielen). Viele Pianisten steuern im 1. und 3. Satz jeweils eine eigene Kadenz bei. A. Fischer greift auf Hummel zurück, Knauer und Schmidt auf Badura-Skoda. Richter spielt die seines Freundes Benjamin Britten, die als kreatives Beispiel gerühmt wird, mir jedoch nicht gefällt, da sie total Mozarts Stil verlässt und als Fremdkörper dasteht.

 

Zacharias

Zinman

Staatskapelle Dresden

Eterna EMI

1986

34‘54

5

 

Zacharias

 

Kammerorchester Lausanne

MDG

2003

32‘59

5

 

Perahia

 

English Chamber Orchestra

CBS Sony

P 1975

36‘08

5

Mozart aus einer Hand, transparentes Klangbild, gute Abstimmung zwischen Flügel und Orchester, leuchtende Bläser, I kraftvolles, unverzärteltes und vielschichtiges Klavierspiel, II elegisch, auch bedeutungsvoll, Wärme ausstrahlend, Bläser in Var. 4 ganz nahe am Ohr, III frisch, lebendig, ausdrucksvolles Andantino, viele Auszierungen, Eingänge T. 217 und T. 264

Casadesus

Szell

Columbia Symphony Orchestra

CBS Sony

1959

30‘20

5

straff geführtes Orchester, transparenter Klang, jedoch geringe Tiefenstaffelung, leichtes Rauschen, I Anfang wie eine Fanfare, heroisch, II die verschiedenen Abschnitte scharf gegeneinander gestellt, III quicklebendig, dass es einem fast den Atem verschlägt, blitzschnelles Reagieren, wunderbares Jeu Perlé-Spiel

Brendel

Mackerras

Scottish Chamber Orchestra

Philips

2000

35‘43

5

 

Fischer, Annie

Sawallisch

Philharmonia Orchestra London

EMI

P 1959

34‘11

5

 

Larrocha

Segal

Wiener Symphoniker

Decca

1981

35‘22

5

I verbindlich, nicht auftrumpfend, immer flüssiges Musizieren, nuancenreiches Klavierspiel, sehr gute Partnerschaft, II etwas langsamer als üblich, Wärme ausstrahlend, III nicht zu schnell, entspanntes Musizieren, teilweise auch nachdenklich; etliche Verzierungen des Klavierparts, vor allem im 2. und 3. Satz

Richter

Britten

English Chamber Orchestra

BBCL

Memories

1967

34‘16

5

live

Schiff

Vegh

Camerata academica Salzburg

Decca

1989

35‘46

5

entspanntes Musizieren, beste Partnerschaft zwischen Dirigent/ Orchester und Solist, liebevoll gestaltet, transparentes Klangbild, I Streicher in Tuttiabschnitten nicht optimal differenziert, II nahezu Adagio, empfindsam, fast zerbrechlich, fein abgestimmte Dialoge der Bläser, Schiff nicht herausgehoben, sondern immer Partner, T. 264 kleine Kadenz

 

Brendel

Marriner

Academy of St. Martin-in-the-Fields

Philips

1975

34‘36

4-5

 

Richter

Muti

Philharmonia Orchestra London

EMI

1979

34‘50

4-5

 

Ashkenazy

 

Philharmonia Orchestra London

Decca

1978

36‘45

4-5

Mozart aus einer Hand, I sehr lebendiges und inspiriertes Mozartspiel, Flügel etwas zu sehr im Vordergrund, II teils empfindsam, teils dramatisch, alles sehr sauber musiziert, III gelassen, einige kleine Verzierungen, Eingänge in T. 217 und 264

Anda

Silvestri

Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester

audite

1960

33‘46

4-5

 

Anda

 

Camerata academica Salzburg

DGG

1962

33‘56

4-5

 

Schnabel

Walter

New York Philharmonic Orchestra

BWS Andromeda

1941

35‘10

4-5

live – Orchester bei Begleitungen stellenweise entfernt, nur im Tutti präsent, störende Knack- und Knistergeräusche der alten Acetatplatten, Gleichlauf nicht immer gegeben, I flüssiges Allegro, expressives Klavierspiel, II innig, Klavier T. 93-124 molto espressivo, zwingende Darstellung von T. 144 bis zum Satzende, III die Allegroteile lebendig, Finale als Kehraus, Mittelteil: molto espressivo, ausgedehnte Kadenz, keine Verzierungen und Eingänge

Barenboim

Kubelik

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

BR Klassik

1970

33‘25

4-5

 

Barenboim

 

Berliner Philharmoniker

Teldec

1989

35‘24

4-5

 

Barenboim

 

English Chamber Orchestra

EMI

1971

35‘31

4-5

 

Leonskaja

Davis, Colin

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

BR

1990

35‘31

4-5

live, unveröffentlicht – philharmonischer Mozart, I kraftvolles, männliches Klavierspiel, Davis steuert eine opulente Orchesterbegleitung bei, II ausdrucksvoll, düstere Var. 3, III in der Anlage ähnlich wie Satz 1, Eingänge T. 217 und T. 264, kaum Verzierungen

Badura-Skoda

Furtwängler

Wiener Philharmoniker

SWF      Orfeo       Idis

1952

36‘01

4-5

live – Furtwängler wertet die Begleitstimmen auf, indem er die jeweiligen Instrumente ganz deutlich spielen lässt, Bläser oft zu weit entfernt, I flüssiges geradliniges Klavierspiel, in den Takten 226, 230, 234 u. 236 in Vl. und Va. keine Streicheruntermalung, sondern jeweils deutlich die Harmonie hörbar gemacht, II expressive Einleitung, T. 193 ff Fagott zu leise, jedoch ausdrucksvolle Seufzer in den Violinen, III Pianist ebenbürtiger Partner, deutliche Begleitung, Keine Verzierungen, Eingang T. 264

Haebler

Davis, Colin

London Symphony Orchestra

Philips

P 1966

33‘45

4-5

I einvernehmliches Musizieren, transparenter Klang, Kantabilität hat einen hohen Stellenwert, II Bläser T. 69-91 etwas kompakt, ohne Duft, T. 201-204 Bass?, III sehr solide, Eingänge T. 217 und T. 264, jedoch keine Verzierungen

Uchida

Tate

English Chamber Orchestra

Philips

1986

34‘52

4-5

gute Partnerschaft, Uchida widmet sich mit Verve dem Klavierpart, kerniger Mozart, II Orchestereinleitung routiniert und distanziert, U. bringt Ausdruck ins Spiel, dynamische Differenzierung im Orchester nicht top, III sehr entspanntes Musizieren, Eingänge in den T. 217 und 264, einige Verzierungen

Buchbinder

Marriner

Academy of St. Martin-in-the-Fields

EMI

1990

33‘30

4-5

 

 

Piazzini

Gantvarg

Leningrader Solisten

Fine Arts

P 1990

32‘15

4

transparenter heller Klang, jedoch mit geringer Tiefenstaffelung, I schlankes, geschmeidiges Klavierspiel, immer den Blick nach vorn gerichtet, Gantvarg steuert eine sorgfältig erarbeitete Orchesterbegleitung bei, II ohne einen Anflug von Schmerz, Trauer oder Betroffenheit, etwas glatt und distanziert, III mehr an der schön abgebildeten Oberfläche musiziert, schnelles Andantino, Eingänge in den T. 217 und 264, einige Verzierungen

Knauer

Entremont

Niederländisches Kammerorchester

Berlin Classics

1999

34‘38

4

immer flüssiges Musizieren als Prinzip, Orchester etwas pauschal, Klavierpart immer schlank und geschmeidig - I vorwärtsdrängend, fast atemlos, in einem großen Bogen gespielt, erst in der Kadenz findet die Musik ein Innehalten, II flüssiges Tempo, Seufzer T. 193-200 nicht vergessen, III in der Anlage wie Satz 1, schnelles Andantino, einige wenige Verzierungen, Eingänge in den T. 217 und 264

Serkin, Rudolf

Casals

Perpignan Festival Orchestra

CBS

1951

37‘54

4

live

Kempff

Klee

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

DGG

P 1982

34‘25

4

I Klee zuverlässiger Partner, K.: fantasievoller Umgang mit Mozarts Notentext, schönes Non-Legato-Spiel, II ausdrucksvoller Klavierpart, Seufzer T. 193-200 nicht übersehen, III im Tempo zu zurückhaltend, nach dem Andantino, das fast im selben Tempo gespielt wird, etwas schneller, Eingang in T. 217

Kempff

Böhm

Sinfonie-Orchester des Hessischen Rundfunks

HR

1953

36‘24

4

live, unveröffentlicht – kompaktes Klangbild, I ausladende Orchester-Exposition und spätere Tutti-Stellen, Kempff schlank, luzide, II Adagio, zurückhaltende Einleitung, Orchester mehr akkurat als herzlich, expressives Klavier, III zurückhaltendes Tempo, K.: fantasievoller Umgang mit Mozarts Notentext, T.217 kleine Überleitung, T. 264 Eingang, keine Verzierungen

Kirschnereit

Beermann

Bamberger Symphoniker

Arte Nova

2001

34‘59

4

I K.: fantasievolle Umsetzung des Notentextes, einige Verzierungen, Orch.: dynamische Differenzierung nicht immer befriedigend, II Orchester-Routine, insgesamt etwas robust, III wie Satz 1, T. 217 und T. 264 Eingänge, Verzierungen

Nikolajewa

Sondeckis

Litauisches Kammerorchester

Melodya HMF

1983

37‘33

4

solide Orchesterbegleitung, I gelassen, Nikolajewas Vortrag ist differenziert, niemals gelättet, präsente Pauke, II insgesamt sehr ruhig, in den T. 53ff Klavier etwas breit, III solide, frisches Tempo in den Außenteilen, Eingänge T. 217 und T. 264, jedoch keine Verzierungen

Engel

Hager

Mozarteum Orchester Salzburg

Teldec

1976

32‘56

4

I Interpreten nehmen sich zurück und lassen allein Mozart sprechen, gediegen, II T. 144-192 etwas hölzern, die anschließenden Seufzer nicht vergessen, III frisches Musizieren, etwas handfest, Eingang im T. 264

Fischer, Annie

van Beinum

Concertgebouw Orchester Amsterdam

RNM

1956

32‘41

4

live

Buchbinder

 

Wiener Symphoniker

Calig

1998

32‘20

4

live

 

Schmidt

Masur

Dresdner Philharmonie

Berlin Classics

P 1972

34‘05

3-4

I im Stil des Concerto militare, wie executiert, abgewickelt, den Blick immer nach vorn gerichtet, nur eine Interpretationsebene, II hier wird mehr auf den Gehalt der Musik geachtet, III ähnelt dem Kopfsatz, Andante lädt kaum zum Verweilen ein, Eingänge und Verzierungen

Frantz

Flor

Bamberger Symphoniker

Eurodisc BMG

1989

34‘38

3-4

ordentliche bis gute Orchesterleistung, mehr in der Rolle des Begleiters, sauberes, jedoch ziemlich farbloses Klavierspiel ohne Spannung, moderate bis langsame Tempi, II Klavier ab T. 93 schneller, C-Dur T. 201-207 kein Ereignis, III Lichtblicke sind die vielen Verzierungen

Han

Freeman

Philharmonia Orchestra London

Brilliant

1993

35‘06

3-4

I transparentes Klangbild, aufmerksames Miteinander, pianistisch auf hohem Niveau, II weniger ausdrucksvoll, die Zweiunddreißigstel der linken Hand in Var. 3 T. 93 ff nicht non legato, sondern gebunden, sie klingen deshalb etwas wie verklebt (zu viel Pedal?), III nichts falsch gemacht, jedoch den Notentext nicht ausgelotet, zu einförmig, kein Kontrast zwischen Allegro und Andantino, Eingänge T. 217 und T. 264

Jandö

Antal

Concentus Hungaricus

Naxos

1990

31‘52

3-4

I und III stimmige Tempi, wie abgespult, kaum eine Vertiefung in die Musik, II fließend, eher eine Referat, mechanisch, Eingänge T. 217 und T. 264

Brendel

Angerer

Wiener Kammerorchester

Vox  Brilliant

1967

33‘39

3-4

 

Serkin, Rudolf

Abbado

London Symphony Orchestra

DGG

1984

39‘00

3-4

 

Interpretationen in historischer Aufführungspraxis, teilweise mit Originalinstrumenten:

Levin, Robert

Hogwood

The Academy of Ancient Musik

Decca

1997

32‘46

5

Hogwood lässt trotz schneller Tempi der Musik Zeit zu atmen, sehr transparent, beste Abstimmung zwischen Solist und Orchester, I Levin spielt Continuo-Bass leise mit, II bewegt, ausdrucksvolle Bläser, III Hogwoods Academy mehr eine farbenträchtige, rhythmisch aufspielende Banda, als eine klanglich glättende Formation, fantasievoller Umgang mit der Notenvorlage, viele Verzierungen und Eingänge T. 217 und T. 264

O’Conor

Mackerras

Scottish Chamber Orchestra

Telarc

1991

33‘25

5

Mackerras zeigt wieder seine Extraklasse in Sachen Mozart, beste Partnerschaft, transparenter Klang, in lauten Tuttistellen klangliche Schärfung, I farbenreiches Klavierspiel , II darstellerische Konzentration, III sehr gutes Miteinander, Eingänge T. 217 und T. 264 sowie Verzierungen

 

Immerseel

 

Anima Eterna

Channel Classics

P 1991

34‘07

4-5

I festlich klingende Tuttiabschnitte, etwas motorisch geprägtes Musizieren, II elegisch, im Ausdruck zurückgenommen, T. 193ff ausdrucksvolle Seufzer, III lebendiges, farbenreiches Musizieren, viele Verzierungen und Eingänge T. 217 und T. 264

Sofronitzki, Viviana

Karolak

Musica Antiqua Collegium Varsoviense

Et’cetera

2005/6

33‘08

4-5

I sehr lebendig, energetisches Potential der Musik nutzend, gutes Zusammenspiel, transparenter Klang, II elegisch, dynamische Differenzierung noch nicht top, kleine Verzierungen, III lebendiges, farbenreiches Musizieren, Andantino etwas zu schnell, ausdrucksvolle Bläser, Eingänge T. 217 und T. 264, wenige Verzierungen

Bilson

Gardiner

The English Baroque Soloists

DGA

1987

34‘04

4-5

(fast schon zu) perfektes Orchester, der Abstand zum späteren Sinfonie-Orchester ist nicht mehr so groß, sehr gute Abstimmung zwischen Solist und Orchester, Bilson bleibt dem Notentext nichts schuldig, II Andante, weniger ausdrucksvoll, T. 193ff Seufzer nicht übersehen, III perfekt, fast schon glatt, etwas Wärme könnte der Musik gut tun, Eingänge T. 217 und T. 264,

Hinweise zu Interpreten und Interpretationen:

Rudolf Serkin

In den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts plante die Deutsche Grammophon Gesellschaft eine Gesamtaufnahme aller Klavierkonzerte Mozarts mit dem Pianisten Rudolf Serkin und dem Dirigenten Claudio Abbado. Serkin starb 1991, bis dahin waren 15 Konzerte aufgenommen und auf CD veröffentlicht. Für viele Musikfreunde galt Serkin als einer der ganz großen Mozart-Pianisten des 20. Jahrhunderts. Die amerikanische Columbia nahm in den 50er-Jahren in unregelmäßigen Abständen einige Konzerte in Marlboro mit dem dortigen Festival-Orchester unter Leitung des Geigers Alexander Schneider auf, in dem neben Dozenten auch hochbegabte Schüler mitspielten und sich im Ensemblespiel übten. Hier konnte man Serkins geradezu glühende Hingabe an Mozarts Musik bewundern. Auch wenn sich Serkin und Schneider auf musikalischer und menschlicher Ebene prächtig verstanden, war das Orchesterspiel leider alles andere als perfekt zu nennen und wurde dem hohen Anspruch von Mozarts ambitionierter Musik nicht immer gerecht, beim Anhören der Platten blieb ein Gefühl des Unvollendeten, der verpassten Chancen, zurück. Jahre vergingen bis weitere Konzerte mit Serkin aufgenommen wurden, in Begleitung von Szell und Ormandy kam es zu einer fruchtbaren Partnerschaft. Leider waren es nur Eintagsfliegen. Erst in fortgeschrittenem Alter, nachdem Serkin seine Plattenfirma gewechselt hatte, wurde vom neuen Label eine Gesamtaufnahme in Angriff genommen. Diese kam für den Pianisten altersbedingt zu spät. Serkins Finger haben an Geläufigkeit und Lockerheit eingebüßt, der Glanz im Passagenwerk ist weitgehend verblichen, sein Spiel ist weniger flexibel, insgesamt nachdenklicher und vielleicht auch vorsichtiger zu nennen. Diesen Eindruck gewinnt man auch beim Es-Dur-Konzert. Abbado stellt sich mit seinem aufmerksamen Orchester auf das Spiel des Pianisten ein, kann aber auch trotz optimaler Aufnahmebedingungen kein Mozartglück erzwingen. Das LSO malt mit breitem Pinsel Mozarts Es-Dur-Tutti aus, das Tempo ist in allen Sätzen zu langsam. Nur im 2. Satz, nun zu einem Adagio mutiert, gelingt überzeugend ein klagender Gesang, ausdrucksvolle Bläser und auch der Pianist haben großen Anteil daran. Das Finale ist viel zu zäh, Mozarts Witz bleibt auf der Strecke. Serkin steuert vor und nach dem Andantino Eingänge bei, allerdings verzichtet er auf Verzierungen. Aus dem Jahre 1951 ist eine Live-Aufnahme des Es-Dur-Konzerts von Pablo Casals‘ Perpignan-Festival erhalten geblieben. Hier wird ein ganz anderer Mozart geboten: Casals dirigiert den Kopfsatz als Concerto militare, forsch vorwärtstreibend mit zackigen Tuttiakkorden, jedoch auch etwas rustikal, weniger gepflegt. Hier kann man Serkins wunderbares Non-Legato-Spiel bewundern, seine Frische, mit dem er den Klavierpart zu einem Ereignis werden lässt. Wie in der DGG-Produktion ist auch hier der 2. Satz viel langsamer als gewöhnlich genommen, ein ausdrucksvoller Klagegesang, in dem auch der C-Dur-Mittelteil keine Versöhnung bereithält. Das vermittelt jedoch als extreme Darstellung Größe. Das Finale gefällt am wenigsten, da zu bedächtig, zu wenig locker gespielt. T. 217 verzichtet Serkin auf einen Eingang, nach dem Andantino T. 264 weitet sich der Eingang fast zu einer kleinen Kadenz aus. Die französischen Holzbläser sind kaum so homogen wie die des LSO.

Svjatoslav Richter

Obwohl Richters Diskographie offizieller Mozart-Aufnahmen verschwindend gering ist, hat er doch eine große Anzahl von Sonaten und Konzerten regelmäßig aufgeführt, auch das vorliegende in Es-Dur. Im Jahre 1967 stand es auf dem Programm des Aldeburgh-Festivals, das der Komponist Benjamin Britten leitete. Richter und Britten müssen sich gut verstanden haben, der Pianist zeichnet auch für die erste (?) offizielle Aufnahme von Brittens Klavierkonzert verantwortlich und hat das Stück auch in Russland mit Svetlanov aufgeführt. Die gegenseitige Sympathie der Mitwirkenden spürt man überall, Britten sorgt für ein festlich ausladenes Tuttispiel und begleitet mit Aufmerksamkeit Richters nuacenreiches, männliches und niemals geglättetes Klavierspiel mit gelungenen Non-Legato-Abschnitten. Die dynamische Differenzierung könnte allerdings etwas besser sein. Im Andante holt Britten mehr aus der Musik heraus als andere Dirigenten, Klavier und Orchester sind eng miteinander verzahnt: Der C-Dur-Teil wird ein ganz klein wenig langsamer gespielt und auch die Seufzer in den Geigen T. 193ff werden nicht überspielt. Im Finale erlebt der Hörer einen fantasievollen Umgang mit dem Notentext. Richters offizielle Plattenaufnahme des Konzerts entstand zwölf Jahre später mit dem Philharmonia Orchestra London unter Leitung von Riccardo Muti, mit dem er gern zusammenarbeitete. Klanglich hat diese Aufnahme mehr Saft, das Orchester spielt sehr akkurat und auch runder, mit weniger Ecken und Kanten als bei Britten. Das Andante wird jetzt noch etwas belebter gespielt, Muti gelingt es jedoch nicht, die Musik so zu formen wie Britten. Das Fagott kommt in den T. 193-199 zu leise, auch ist die folgende C-Dur Stelle kein Ereignis. Das Finale wird sehr sauber musiziert, weniger schnell als 1967. Richter verzichtet auf Auszierungen des Klavierparts, er erlaubt sich lediglich einen kurzen Eingang in T.217.

Annie Fischer

Die ungarische Pianistin galt zeit ihres Lebens und darüber hinaus als geschätzte Mozartspielerin. Für EMI nahm sie in London sechs Mozartkonzerte mit drei verschiedenen Dirigenten auf, mit Wolfgang Sawallisch die Konzerte KV 482 und KV 467. Ihr Klavierspiel war glasklar, männlich und immer geschmeidig. Im 1. Satz korrespondiert sie in bester Partnerschaft mit dem kraftvoll aber auch sehr präzise aufspielenden Philharmonia Orchestra. Trotz des Alters der Aufnahme gelang es den Tontechnikern, ein großes Maß an Transparenz herzustellen. Im 2. Satz lässt Sawallisch die Streicher vom Beginn bis zum Einsatz des Flügels das c-Moll-Thema fast unerbittlich scharf zeichnen, Fischer bringt dann eine gewisse Aufhellung und Entspannung. Der Satz wird insgesamt eher empfindsam als düster/ traurig gespielt. Im 3. Satz erfreut sich der Hörer ausdrucksvoller Bläserpartien und wieder der gelungenen Partnerschaft zwischen Klavier und Orchester. Hatte sich Frau Fischer in den beiden ersten Sätzen jeglicher Verzierungen der Klavierstimme enthalten, bereichert sie diese im Finale an einigen ihr passenden Stellen, auch fügt sie nach den beiden Fermaten T. 217 und T. 264 verbindende Eingänge ein. Einige Jahre vor dieser Londoner Studioeinspielung traf sich Annie Fischer mit Eduard van Beinum im Concertgebouw in Amsterdam, auf dem Programm stand auch das Es-Dur Konzert. Die Rundfunkaufnahme reicht aufnahmetechnisch kaum an die EMI-Produktion heran: das Klangbild ist weniger transparent, im Tutti werden fast immer die Streicher bevorzugt und die Bläser treten eher als Block denn solistisch auf. Auch das Orchesterspiel weist nicht die Präzision des Londoner Klangkörpers auf. Im Zusammenspiel jedoch fällt der Mitschnitt weniger ungünstig aus, z.B. im Andante, wenn Fischer nach dem düster klingenden Streicherbeginn für eine mildere Atmosphäre sorgt, oder im frischen Kehraus des Allegroteils im Finale. Auf Verziehrungen verzichtet A. Fischer vollständig, die historisch-informierte Aufführungspraxis in Sachen Mozart war damals noch nicht so weit gediehen.

Geza Anda

Zwei Aufnahmen des Klavierkonzerts KV 482 liegen mir vor. Die erste ist eine WDR-Aufnahme mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester unter Leitung von Constantin Silvestri, die das Label audite herausgegeben hat. Gleich zu Beginn stellt der Dirigent eine scharf umrissene Orchesterexposition vor, auch im weiteren Verlauf des Konzerts spürt der Hörer immer wieder die sehr gute Partnerschaft mit dem Pianisten, eine darstellerische Konzentration im Blick auf das Ganze ist im jedem Augenblick zu spüren. Als männlich, unverzärtelt und expressiv kann man Andas Klavierspiel kennzeichnen, immer wieder erfreut sein konzentriertes Non-Legato-Spiel. Der 2. Satz wird sehr ruhig dargeboten bei einem atmosphärisch dichten Musizieren. Die zweite Aufnahme entstand zwei Jahre später und stammt aus Andas Gesamtaufnahme mit der Camerata academica Salzburg bei der DGG, Anda leitet dort das Orchester vom Flügel aus. Als erstes fällt der wärmere und etwas erweiterte Klangraum positiv auf. Obwohl das Orchester kleiner besetzt war, wirkt es voluminöser als das Kölner RSO. Anda selbst spielt etwas geschmeidiger und bringt ein wenig mehr Farbe ins Spiel. Das Andante wird hier deutlich schneller gespielt als vorher, die Bläser klingen im Block etwas runder, beim Kölner Orchester eher solistisch. Am Ende des Satzes spielen mir die Streicher in den T. 193-200 etwas zu leise. Der Schlusssatz wird auf der DGG-CD gelassen gespielt, um ca.1 Minute langsamer als früher. Diese Aufnahme ist inspirierter ausgefallen als die spätere, auch wenn diese mit ausdrucksvolleren Bläsern aufwartet. An Auszierungen des Notentextes wagt sich Anda noch nicht.

Alfred Brendel

Mit dem Pianisten Alfred Brendel liegen drei Interpretationen von KV 482 vor: 1967 nahm er es mit dem Wiener Kammerorchester unter Leitung von Paul Angerer für Vox auf. Gleich zu Beginn legen sich die Musiker kraftvoll ins Zeug, geradezu auftrumpfend kommt die Musik in der Orchesterexposition daher, alles klingt jedoch etwas zu frisch drauf los, weniger geformt, die Tuttiakkorde werden mir zu zackig in den Raum gestellt. Beim Orchester, insbesondere bei den Geigen, hätte ich mir ein gepflegteres Spiel gewünscht, außerdem klingen sie oft zu dünn besetzt. Im 2. Satz hebt der Dirigent die Seufzermelodie T. 12ff hervor, das gefällt. Auch das Finale wird zu unbekümmert in Szene gesetzt. Brendels natürlich klingendes Klavierspiel (hell klingender Flügel) setzt sich demgegenüber vorteilhaft ab, bei passender Gelegenheit verziert er den präzise umgesetzten Notentext und fügt Eingänge ein. Die folgende Aufnahme, Teil der Gesamtaufnahme für Philips, erfreut durch eine sehr gute Partnerschaft mit Marriner und seiner bestens aufspielender Academy, die sehr aufmerksam reagiert, hier bleibt kaum ein Wunsch offen, das Klangbild ist offen, im Tutti allerdings noch nicht völlig transparent. Die Ecksätze klingen kraftvoll, das c-Moll-Andante sauber, jedoch ein wenig distanziert. Brendels letzte Aufnahme mit Mackerras und dem Scottish Chamber Orchestra, ebenfalls bei Philips, ähnelt der früheren mit Marriner, als kleine Pluspunkte muss man die verfeinerte Klangtechnik, sowie das bessere Verhältnis von Klavier zu Bläsern werten. In allen Aufnahmen gefällt mir das Finale des 3. Satzes, als Kehraus gespielt, gut. Brendel bedient sich eigener Kadenzen.

Daniel Barenboim

Auch vom argentinisch-israelischen Pianisten und Dirigenten Barenboim liegen drei Studio-Aufnahmen vor und stehen hier zur Diskussion. Die erste entstand im Münchner Herkulessaal mit dem Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von Rafael Kubelik, der im 1. Satz sofort erkennen lässt, das es sich um eines von Mozarts Concerti militare handelt, festlich mit Pauken und Trompeten schreitet die Musik straff, kraftvoll und auftrumpfend geradeaus. Diesen Eindruck gewinnt man auch im abschließenden Finale. Über einige Passagen gehen die Interpreten dann etwas unbekümmert hinweg, z.B. 51-56. Barenboims Klavierspiel entspricht dem vom Dirigenten vorgegebenen Klangideal, was mich im 2. Satz nicht immer ganz überzeugt. Insgesamt ist die Stimmung in diesem Satz doch weitgehend getroffen. Das Klangbild ist transparent und zeichnet die vielen gelungenen Bläserpartien gut nach. Hier überzeugt mich Barenboim am meisten. Beim Einsatz von Verzierungen hält sich Barenboim zurück. Bei den nächsten Aufnahmen verzichtet er auf einen Dirigenten und leitet die Musik jeweils vom Flügel aus. Vielleicht liegt es daran, dass das ihm vertraute English Chamber Orchestra eine genaue, aber etwas pauschale Begleitung, vor allem der Streicher, abliefert. Im 2.Satz nehmen diese zu Beginn die Musik so breit, als spielte hier ein großes Orchester. Auch die Bläser klingen nicht so präzise geformt wie bei Kubelik. Im Finalsatz klingen die Violinen in lauten Tuttistellen etwas solistisch. Die 18 Jahre später entstandene Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern ist insgesamt die rundeste, was nicht heißen muss: die beste. Der Kopfsatz wird geradlinig musiziert, jedoch etwas langsamer und nicht ganz mit dem erfrischenden Impetus der vorigen Aufnahmen. Barenboim arbeitet im 2. Satz die Seufzer T. 12ff gut heraus, die Bläser gefallen mir in den T. 68-75 besser als vorher. Bei allen drei CDs sind die Fagotte in T. 192ff zu leise. Der Schlussatz gefällt auch in der Teldec-Produktion, könnte aber etwas mehr Pfiff vertragen.

Rudolf Buchbinder

Buchbinder hat uns bisher zwei Aufnahmen von KV 482 hinterlassen, die in den Ecksätzen fast auf die Sekunde genau treffen und trotzdem recht unterschiedlich ausgefallen sind. Die erste CD spielte er für EMI mit Neville Marriner und seiner Academy ein, bei der anderen handelt es sich um einen Mitschnitt aus dem Wiener Konzerthaus, bei dem der Pianist vom Flügel aus die Wiener Symphoniker dirigierte. Marriner führt sein Orchester wie gewohnt straff durch die Ecksätze, es ist ein lebendiges Miteinander, musikantisch, jedoch hier und da auch ein wenig forsch. Das Andante gelingt nur sauber, routiniert und etwas nüchtern. Beim Wiener Mitschnitt begleitet das Orchester eher wie einstudiert, in Tuttiteilen führen meist die Streicher mit den Geigen an der Spitze, während sich die Bläser anpassen. Das hat in der EMI-Aufnahme mehr Format. Im 2. Satz durchschreiten die Interpreten im zügigen Tempo den Notentext und lassen sich dabei kaum auf denselben ein. Erfreulich lebhaft auf beiden CDs ist das Tempo im Finale. Auch Eingänge und Verzierungen des Klavierparts bereichern Mozarts Musik.

Christian Zacharias

Zacharias erste Aufnahme ist Teil einer beachtenswerten Gesamtaufnahme (ohne 1-4 sowie 7 und 10), die der Pianist in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit verschiedenen Dirigenten und Orchestern für EMI aufnahm. Bei KV 482 traf er auf David Zinman mit der Staatskapelle Dresden, hervorragend ist die sehr gute Partnerpartnerschaft, es wird immer sehr abwechslungsreich musiziert. Hervorzuheben ist auch die fantasievolle Ausgestaltung des Klavierparts. Zinman führt das Orchester straff, lässt aber auch den lyrischen Abschnitten Raum. Der 2. Satz grenzt schon an ein Adagio, sehr empfindsam die ruhigen Abschnitte. Auch im Finale lassen sich die Interpreten Zeit, der Buffo-Charakter des Satzes geht nicht verloren. Zacharias reichert seinen lebendig gestalteten Klavierpart immer wieder mit Verzierungen an. Auch die eigenen Kadenzen passen zum jeweiligen Satz, im 1. Satz werden als Überraschung auch die Holzbläser mit einbezogen. Auch in der zweiten Aufnahme, sie ist auch Teil einer Gesamtaufnahme, nun für das Label MDG. Dieses Mal leitet er vom Flügel das Kammerorchester Lausanne, als dessen Dirigent und künstlerischer Leiter er seit 2000 fungiert. Die Unterschiede zur ersten Produktion liegen im Tempo, jetzt wird etwas schneller gespielt, sowie im Klang. Die MDG-CD zeigt ein noch runderes Klangbild, besitzt m. E. jedoch nicht die gleiche Präsenz wie früher. Im 1. Satz fallen die Orchestertutti etwas zackig aus, insgesamt wird ein wenig straffer gespielt., auch im Andante, das um eine Minute schneller abläuft, vielleicht ist deshalb in den T. 72-78 ein wenig Unruhe in die Musik eingekehrt. Der Klavierklang ist mir stellenweise zu stark. Trotz dieser Einwände liegt auch hier eine außergewöhnliche CD vor. Wem man von den beiden den Vorrang geben sollte, lässt sich schwer beurteilen und hängt auch vom persönlichen Geschmack des Hörers ab.

eingestellt am 07.12.12

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