Das Klassik-Prisma

 

 Bernd Stremmel

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Mozart home

Klavierkonzert A-dur KV 488




Rubinstein

Wallenstein

RCA Victor Symphony Orchestra

RCA

1961

26‘51

5


Curzon

Szell

Wiener Philharmoniker

Decca

1964

26‘04

5



Kempff

Leitner

Bamberger Symphoniker

DGG

1960

25‘07

4-5


Gieseking

Karajan

Philharmonia Orchestra

EMI

1951

25‘17

4-5


Curzon

Kubelik

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

audite

1975

26‘16

4-5

live, leuchtender Klavierton

Haskil

Sacher

Wiener Symphoniker

Philips

1954

24‘49

4-5


Gulda

Harnoncourt

Concertgebouw Orchester

Teldec

1983

26‘00

4-5

Klavier auch als b. c.

Haebler

Rowicki

London Symphony Orchestra

Philips

1965

25‘43

4-5


Zacharias


Kammerorchester Lausanne

MDG

2008

24‘21

4-5

ein Klangereignis, glasklarer Mozart, 2.Satz jedoch etwas unruhig

Rubinstein

Golschman

St. Louis Symphony Orchestra

RCA

1949

24‘52

4-5


Rubinstein

Davis, Colin

English Chamber Orchestra

BBCL

1962

26‘59

4-5

live

Brendel

Marriner

Academy of St.Martin in-the-Fields

Philips

1971

25‘43

4-5


Casadesus

Szell

Columbia Symphony Orchesta

Sony

1969

23‘57

4-5


Say

Griffiths

Zürcher Kammerorchester

naïve

2004

24‘11

4-5


Piazzini

Gantvarg

Leningrader Solisten

col legno

1990

24‘14

4-5

leicht, locker, duftig, kleine Unruhe im 2. Satz

Bruchollerie

Paumgartner

Camerata academica Salzburg

BMG

~1961

26‘25

4-5


Zacharias

Zinman

Staatskapelle Dresden

EMI

1986

25‘08

4-5

partnerschaftliches Musizieren, Klavier filigran, zart, im 2.Satz Auszierungen des Klavierparts

Grimaud

Szulc

Kammerorchester des Bayerischen Rundfunks

DGG

2011

25'57

4-5

live – männliches Klavierspiel, in Tutti-Passagen werden die Bläser etwas zurückgedrängt, II G. versteht es, die Gefühlswelt der Partitur freizusetzen, III zupackend, pulsierendes Musizieren, nirgends ein Wolferl in Sicht – Kadenz im 1. Satz: Busoni

Serkin

Schneider

Columbia Symphony Orchestra

Sony

1955

27‘17

4-5


Moravec

Marriner

Academy of St. Martin in-the-Fields

hänssler

1997

26‘05

4-5


Perahia


English Chamber Orchestra

Sony

1984

27‘25

4-5

Mozart in Watte

Pollini

Böhm

Wiener Philharmoniker

DGG

1976

26‘31

4-5


Fischer, A.

Boult

Philharmonia Orchestra

EMI

1959

25‘42

4-5


Klien

Maag

Orch. der Wiener Volksoper

VOX

1968

26‘27

4-5


Kirschnereit

Beermann

Bamberger Symphoniker

Arte Nova

2005

26‘16

4-5

2. Satz Klavierstimme weiter entwickelt

Tipo

Jordan

Ensemble Orchestral de Paris

EMI

1991

26‘45

4-5



Solomon

Menges

Philharmonia Orchestra

EMI

1955

24‘47

4


Curzon

Kertesz

London Symphony Orchestra

Decca

1968

26‘28

4


Curzon

Kubelik

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

BR

1964

25‘55

4

live, unveröffentlicht

Curzon

Neel

National Symphony Orchestra

Decca

1945

24‘42

4


Haas, Monique

Leitner

Berliner Philharmoniker

DGG

1953

24‘59

4


Schiff

Vegh

Camerata academica Salzburg

Decca

1989

26‘14

4


Anda


Camerata academica Salzburg

audite

1962

25‘38

4

live

Ashkenazy


Philharmonia Orchestra

Decca

1980

26‘54

4

ausgewogen, korrekt

Michelangeli

Giulini

RAI Orchester Rom

Frequenz

1951

24‘36

4

dürftiges Klangbild

Moravec

Vlach

Tschechisches Kammerorchester

Supraphon

1974

26‘47

4


Pletnjew


Deutsche Kammerphilharmonie

Virgin

1991

24‘23

4

preußischer Mozart

Larrocha

Davis

English Chamber Orchestra

RCA

1993

26‘43

4


Casadesus

Jochum, Georg Ludwig

Kölner Rundfunk Sinfonie-Orchester

medici arts

1956

23‘32

4

live

Barenboim


English Chamber Orchestra

EMI

1967

26‘05

4


Barenboim

Kubelik

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

BR Classic

1970

26‘01

4

live

Barenboim


Berliner Philharmoniker

Teldec

1991

27‘01

4


Uchida

Tate

English Chamber Orchestra

Philips

1986

26‘22

4


Pires

Guschlbauer

Gulbenkian Orchester

Erato

1973

26‘40

4


Curzon

Hurst

BBC Northern Orchestra

BBC music

1963

27‘14

4

live, Rondo wenig spritzig

Curzon

Krips

London Symphony Orchestra

Decca

1953

25‘32

4


Franz

Flor

Bamberger Symphoniker

BMG

1989

27‘08

4


Anda


Camerata academica Salzburg

DGG

1963

25‘48

4


Serkin

Abbado

London Symphony Orchestra

DGG

1982

28‘49

4


O’Conor

Mackerras

Scottish Chamber Orchestra

Telarc

1990

25‘02

4


Schmidt

Masur

Dresdner Philharmonie

Berlin Classics

P 1974

25‘57

4


Kocsis

Rolla

F. Liszt Kammerorchester Budapest

Hungaroton

1983

23‘05

4

Virtuosität im Vordergrund


Gulda


Sinfonie-Orchester des NdR

EMI

1993

25‘45

3-4

live

Horowitz

Giulini

Orchestra del Teatro alla Scala

DGG

1987

23‘42

3-4

alles etwas hektisch

Czerny-Stefanska

Ancerl

Tschechische Philharmonie

Supraphon

1955

25‘29

3-4

keine Zwischentöne

Vogt

Bolton

Mozarteum Orchester Salzburg

Oehms

2008

25‘31

3-4

live - Vogt vorzüglich, Orchester grob und derb, im Tutti zu mächtig, vertane Chance!

Goode


Orpheus Chamber Orchestra

Nonesuch

1997

25‘27

3-4

Klavierbass oft zu beiläufig, kein wirkliches Concertare

Pommier


Sinfonia Varsovia

Virgin

1988

27‘33

3-4

in Solo-Passagen Orchester nur nebenher, es fehlt der Dirigent!

Buchbinder


Wiener Symphoniker

Calig

1998

25‘02

3-4

live – es fehlt der koordinierende Dirigent

Engel

Hager

Mozarteum Orchester Salzburg

Teldec

1974

25‘24

3-4

wenig Differenzierung im Orchester, manchmal „hau-ruck“


Hess

Boult

London Philharmonic Orchestra

BBCL

1961

25‘19

3

live – schlechtes Klangbild, Klavierstil zeitbedingt


Interpretationen auf Originalinstrumenten und Hammerflügel:



Sofronitski, Viviane

Karolak

Musica Antiqua Collegium Varsoviense

Et'cetera

2005/06

24'13

5

ausgewogener Klang, Bläser immer präsent, sehr gutes Zusammenspiel, II Andante, etwas zu schnell, einige Verzierungen, III mit ansteckender Spielfreude


Nicholson

Kraemer

Capella Coloniensis

DHM

1989

25‘20

4-5


Levin

Hogwood

Academy of Ancient Music

Decca

1997

25‘32

4-5


Immerseel


Anima Eterna

Channel Classics

P 1991

24‘08

4-5


Tan

Norrington

London Classical Players

EMI

1991

24‘14

4-5


Bilson

Gardiner

English Baroque Soloists

DGA

1987

25‘19

4-5


Buchbinder

Harnoncourt

Concentus Musicus Wien

Sony

2012

25'03

4-5

live – angerauter Orchesterklang, Klangfarben des Hammerflügels hier begrenzt, im 2. Satz einiger Verzierungen des Klavierparts, gutes Miteinander


Demus


Collegium Aureum

DHM

1975

25‘01

3-4

als die Originalklangbewegung gerade bei Mozart angekommen war




Im A-dur Konzert KV 488 tritt uns eines der unbeschwertesten und liebenswürdigsten Mozart-Konzerte entgegen, voller zarter Innigkeit und Anmut. Umrahmt wird es von den gleichzeitig entstandenen Geschwistern in Es-dur KV 482 und c-moll KV 491, beide von der Anlage und vom Umfang der eingesetzten Instrumente gewichter. Gleichzeitig mit den drei Klavierkonzerten schuf Mozart auch Figaros Hochzeit. Der Stil dieser großen Oper hat m.E. auch seine anderen Werke dieser Zeit beeinflusst, insbesondere vorliegendes A-dur Klavierkonzert. Beim langsamen Satz fühle ich mich an eine Arie Cherubinos oder der Gräfin erinnert, während der letzte Satz an die großen Ensembles des 2. oder 4. Aktes denken lässt. Neben dem Klavier begegnet uns noch ein weiteres Solo-Instrument, das dem Konzert einen spezifischen Klang verleiht, die Klarinette. Darauf haben die Interpreten zu achten.

Aufnahmen ohne Dirigenten, bei denen der Solist (nebenbei) noch das Orchester führt, sind auch hier nicht immer unproblematisch: oft ist die Klangbalance gestört, oder das Orchester spielt etwas pauschal nebenher. Bei den oben aufgeführten Einspielungen trüben diese Mängel mehr oder weniger stark den Hörgenuss, auch wenn der Name des Interpreten noch so berühmt und vielversprechend ist.

Viele berühmte Pianisten vor allem der zwischen 1880 und 1930 geborenen hatten nicht wie heute 21 und mehr Mozart-Konzerte im Repertoire, sondern beschränkten sich auf wenige besonders publikumswirksame. Bei Kempff zählte ich 9, bei Schnabel 8, bei Gieseking 6, bei Rubinstein 5, bei Backhaus und Horowitz nur 1. Von Arrau gibt es keine einzige Aufnahme, er wollte gern, seine Vertragsfirma lies ihn jedoch nicht zum Zuge kommen, die war schon auf Haebler und Brendel festgelegt.

Clifford Curzon war seinen Aufnahmen gegenüber voller Skrupel und verweigerte deshalb oft eine Veröffentlichung. So ist es zu verstehen, dass von seinen wenigen Mozart-Konzerten mehrere Einspielungen existieren. Vom letzten Konzert gibt es sechs, vom A-dur Konzert sind es vier (Neel, Krips, Kertesz, Szell), dazu kommen noch Mitschnitte von Rundfunkanstalten, zwei mit Rafael Kubelik und dem Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks sowie eine mit dem BBC Northern Symphony Orchestra unter George Hurst. Am gelungensten finde ich die Aufnahme mit Szell und den Wiener Philharmonikern. Aber bereits die allererste von 1945, die kürzlich wiederveröffentlicht wurde, hat ihre Meriten, das Klangbild ist erstaunlich frisch und ohne großes Rauschen. Klanglich am schlechtesten schneidet die Produktion unter Leitung von Josef Krips ab.

Von Artur Rubinstein, der das A-dur Konzert schon als 13!Jähriger mit großen Erfolg in Berlin spielte, ist zu den beiden kommerziellen Aufnahmen von 1949 (Golschman) und 1961 (Wallenstein) kürzlich noch ein Mitschnitt der BBC von 1962 (Colin Davis) getreten, auch eine sehr gute Aufnahme, lebendig, musikantisch gespielt. Sie ähnelt etwas der Golschman-Aufnahme. Die Platte unter Leitung von Wallenstein überzeugt mich wegen ihrer Ausgeglichenheit noch etwas mehr, der 2. Satz schwebt förmlich dahin. Rubinstein ist in der Musikwelt vor allem als der Chopin-Interpret berühmt, seine Mozart- und Brahms-Interpretationen jedoch haben für mich einen höheren Rang. Ähnlich ergeht es mir bei Vladimir Ashkenazy, auch bei ihm schätze ich seine Mozart-Aufnahmen höher ein als die von Chopin.

Inzwischen ist auch die Mozart-Diskographie Geza Andas um Rundfunk-Mitschnitte erweitert worden. Ein Jahr vor seiner DGG-Aufnahme mit der Camerata academica Salzburg gastierte er mit diesem Klangkörper, dessen künstlerischer Leiter er damals war, im WdR-Funkhaus in Köln, audite hat das gesamte Konzert auf CD veröffentlicht. Beide Produktionen haben ihre Licht- und Schattenseiten. In der Konzertaufnahme gefällt mir der 1.Satz besser, das Orchester spielt engagierter („Wir-Gefühl"?), in der DGG-Aufnahme klingt er dagegen etwas starr, hier jedoch gelingt der 2.Satz besser, weil ruhiger gespielt. Im Kölner Mitschnitt hätte ich mir noch einen Dirigenten gewünscht. Im 3.Satz spielt Anda im Studio die beiden ersten (Viertel-)Noten so lang, als wären es Halbe, die Geigen dagegen fallen dann T.9 wie von Mozart vorgesehen mit Vierteln ein. Vermutlich nimmt Anda die ersten drei Noten unter Pedal, um ihnen gerade zu Beginn des Rondos mehr Gewicht zu verleihen. Bei der Kölner Aufnahme fällt dies weniger auf. Übrigens lässt sich diese „Kleinigkeit" auch bei Barenboim und dem Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks beobachten, die der Bayerische Rundfunk auf seinem Eigenlabel inzwischen vorgelegt hat. Zeitlich liegt die Aufnahme zwischen den Studioaufnahmen aus London (EMI) und Berlin (Teldec). Auch hier lässt sich keine eindeutige Empfehlung geben. Im 1.Satz gefällt mir der Münchner Mitschnitt am besten, Kubelik gibt den Rahmen vor und Barenboim fühlt sich darin wohl. Im 2.Satz überrascht Kubelik T.35ff mit einem lauteren und etwas schnelleren Bläsereinsatz, als käme hier etwas Neues, das klingt wenig sensibel, das ist in den anderen Aufnahmen besser. Beim English Chamber Orchester stört mich jedoch ein übertriebenes Vibrato der Flöte. Beim Rondo gebe ich dieser Aufnahme den Vorzug vor den anderen, da das ECO einfach duftiger klingt als die größer besetzten Orchester aus München und Berlin.

Noch einmal zurück nach Köln, dort war in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts der französische Pianist Robert Casadesus mehrmals Solist des Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchesters. 1956 begleitete ihn Georg Ludwig Jochum, der jüngere Bruder Eugen Jochums, beim A-dur-Konzert. Die Aufnahme zeignet sich durch partnerschaftliches Musizieren aus, der Klavierklang ist jedoch etwas stumpf, schwankende Orchesterleistungen lassen sich hier und da nicht überhören. Aus dem Adagio formen die Musiker ein Andante, noch etwas schneller gespielt als bei der Szell-Aufnahme. Der letzte Satz wird vor allem von Casadesus energisch vorangetrieben. Insgesamt ziehe ich jedoch die CBS-Aufnahme mit Szell vor.

Einige Jahre noch dem Beginn der historisch-informierten Aufführungspraxis wandten sich die Experten auch dem Schaffen von Mozart zu. Das bedeutete ein Überdenken der Artikulation, der Tempi, vor allem aber eine Verkleinerung des Streichorchesters sowie natürlich die Verwendung von Instrumenten der damaligen Zeit, bzw. Nachbauten derselben. Alles dies wirkte sich auf Klang und die Tempi aus, die Bläserstimmen erfuhren gerade in den Tuttipassagen eine Aufwertung, bisher verschüttete Stimmverläufe kamen zu Gehör, die Werke klangen wesentlich transparenter und frischer.

Das erste deutsche Originalklang-Ensemble war die Capella Coloniensis des WdR Köln. Es spielte unter Leitung von Franzjosef Maier, der auch das etwas später gegründete Collegium Aureum leitete, das Konzerte gab und bei DHM Schallplatten einspielte. Als Jörg Demus mit diesem Ensemble einige Mozart-Konzerte aufnahm, steckte man noch in den Anfängen der Mozart-Exegese. Das Orchester spielt noch so, als sei es ein kleines Sinfonie-Orchester mit Original-Instrumenten. 12 Jahre später erleben wir schon das Gegenteil. Gardiner hat sein English Baroque Ensemble so geschult, dass man beim oberflächlichen Hören fast nicht merkt, dass hier Originalinstrumente zum Einsatz kommen. Der „neuartige" alte Klang ist schon fast überzüchtet.

eingestellt am 30.08.05

letzte Ergänzung am 26.05.14

 

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