Das Klassik-Prisma

Bernd Stremmel

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                                                                                                                                  Klarinettenquintett A-Dur KV 581

                                                                                                          Allegro – Larghetto – Menuetto mit 2 Trios – Allegretto con Variazioni

 

Mozart schrieb das A-Dur-Quintett sowie weitere Werke unter Mitwirkung der Klarinette für seinen Freund, den Klarinettisten Anton Stadler, der sich ein Instrument mit einem nach unten erweiterten Tonumfang bis zum kleinen c bauen ließ. Damals und auch heute noch ist die tiefste Ton das kleine e. Vermutlich kannte Mozart Stadlers neues Instrument und schrieb das Quintett sowie das spätere Klarinettenkonzert für dieses Instrument, das heute Bassettklarinette genannt wird. Mozarts Autograph ist verschollen und alle Klarinettisten spielen das Werk nach der Erstausgabe von Johann André oder in der überarbeiteten Fassung der Neuen Mozart-Ausgabe, vorgelegt von Ernst Fritz Schmid bei Bärenreiter. Nach Untersuchungen des Notentextes unter Einbeziehung der erweiterten Möglichkeiten der Bassettklarinette unterbreiteten G. Dazeley (1948) und J. Kratochvil (1958) Vorschläge zur Rekonstruktion des Urtextes. Gleich beim 1. Thema des Kopfsatzes (T. 9) endet der Klarinettist seinen Sechzehntellauf mit dem tiefen c, bisher wurde immer c' gespielt, das kann der Hörer leicht nachhören. Einen Takt vor Beginn des 2. Themas lässt er die Tonleiter nun bis zum tiefen c auslaufen, bisher stieg er wieder zu c'' an. So gibt es noch weitere Stellen im 2. Trio des Menuetts sowie in Variation 1 und 4 des Finales. Anzumerken bleibt allerdings, dass nicht alle Spieler, die sich der Bassettklarinette bedienen, auch all die "Änderungen" übernehmen. Im letzten Satz schreibt Mozart am Ende der Adagio-Variation eine Fermate über den zweitletzten Ton, ein Hinweis für den Spieler zu einer kleinen Kadenz. Die Bärenreiter-Ausgabe unterbreitet einen Vorschlag zur Ausführung, den Stoltzman, de Peyer-DGG und Shifrin-DGG aufgreifen. Leister-96, Klöcker, Hoeprich, Rodenhäuser, Neidich, Steffens, Fröst und Kam steuern eigene Beiträge hinzu.

Mozarts Klarinettenquintett ist beim Publikum wie den Klarinettisten gleichermaßen beliebt und die Anzahl der Einspielungen reicht schon beinahe ins Unübersichtliche. Für den Musikfreund, der eine gute Interpretation sucht, steht eine große Palette bereit, das Interpretationsniveau ist insgesamt sehr hoch.

Der Kritiker Gerhard Pätzig schrieb zu KV 581: Auffallend ist auch, dass alle qualifizierten Interpreten von Mozarts Quintett unweigerlich in den Bann dieser großartigen Musik geraten und gleichsam intiutiv zu Bestleistungen in der Werkdeutung angespornt werden (FonoForum 1996 Heft 4, S.74). Das spiegelt sich auch in meiner Übersicht wieder.

 

Klöcker

Leopolder Quartett

MDG

1990

36'28

5

Fröst

Vertavo String Quartet

BIS

2002

35'55

5

betörend schöner Klarinettenklang, ganz weiche Einsätze, sehr gute Lautstärkedifferenzierung, Zusammenspiel bestens, hervorragender Klang,

Leister

Brandis Quartett

Nimbus

1996

32'30

5

Leister

Berliner Solisten

Teldec

1989

32'16

5

Leister

Prazak Quartett

Orfeo

1987

32'27

5

Wright

Boston Symphony Chamber Players

Philips

1993

33'33

5

Shifrin

Emerson String Quartet

DGG

1996

32'10

5

Meyer, Sabine

Wiener Streichsextett

EMI

1988

32'45

5

Meyer, Sabine

Philharmonia Quartett Berlin

Denon

1982

34'16

5

Brunner

Hagen Quartett

DGG

1987

31'00

5

Vorsicht: sehr helle Klarinette!! - alle Spieler hellwach bei der Sache, sehr gutes Tempogefühl, sehr gute dynamische Differenzierung, höchste Transparenz

Portal

Cherubini Quartett

EMI

1995

32'03

5

Manno

Paetsch-Neftel, Cunz, Rohde, Schiefen

Arte Nova

1996

33'46

5

Stimmverläufe bestens abgebildet, deutlicher Bass, gute dynmamische Differenzierung, Klangrede

Rodenhäuser

Ensemble Villa Musica

MDG

2003

34'53

4-5

I frisches Tempo, Streicher mehr solistisch, weniger geschlossen, II fließend, III und IV die Freude im Umgang mit Mozarts Partitur blitzt überall durch

Riha

Smetana Quartett

Supraphon

1952

30'16

4-5

zügige Tempi, immer lebendig, inspiriertes Musizieren, präsentes, jedoch kompaktes Klangbild, Streicher teilweise verfärbt

Leister

Wiener Streichquartett

Camerata Tokyo

1981

32'57

4-5

Klöcker

Consortium Classicum

EMI

P 1975

30'47

4-5

de Peyer

Mitglieder des Melos Ensemble

EMI

~ 1961

27'24

4-5

Portal

Quator Ysaye

Ysaye Records

2004

32'00

4-5

Prinz

Wiener Kammerensemble

Eurodisc BMG

1979

33'17

4-5

ausdrucksvolle Klarinette, sehr gutes Zusammenspiel, durchsichtiges Klangbild, Instrumente gut abgebildet, Kopfsatz etwas zu ruhig, Finale könnte lockerer gespielt sein

Steffens

Scharoun Ensemble Berlin

Tudor

2005/6

31'31

4-5

Carbonare

Hery, Binder, Bone, Pouzenc

HMF

1997

32'32

4-5

I Streicher anfangs zu laut, in der Durchführung etwas zu mechanisch, II gut, III kleine Verzierungen in der Klarinette, in Trio 2 T. 8/9 und T. 43-48 Klarinette erst staccato, der der Wiederholung legato, IV hurtig, auch hier Verzierungen im Klarinettenpart, Schluss fällt in der Gestaltung etwas zurück

Kell

Fine Arts String Quartet

Decca-US DGG

1951

30'10

4-5

Stoltzman

Tokyo String Quartet

RCA

1990

33'57

4-5

Wright

Marlboro Ensemble

CBS Sony

1968

30'43

4-5

Boskowsky, Alfred

Mitglieder des Wiener Oktetts

Decca

1954

30'47

4

homogenes Zusammenspiel, hinreichend transparentes Klangbild, gutes Tempogefühl, insgesamt jedoch etwas einförmig

Goodman

Budapester Streichquartett

EMI RCA

1938

26'03

4

älteste Aufnahme von KV 581 (?), Musik klingt mehr wie durchgespielt als wie gestaltet, I zügiges Tempo, II schneller als gewöhnlich, jedoch nicht gegen den Geist der Musik

Leister

Philharmonische Solisten Berlin

DGG

P 1965

33'56

4

Stoltzman

Tashi: Kavafian, Stoltzman, Phillips, Sherry

RCA

1977

34'16

4

Kell

Philharmonia String Quartet

EMI Testament

1945

29'35

4

Portal

R. Pasquier, R. Daugereil, B. Pausquier, R. Pidoux

HMF

P 1984

34'21

4

Oppenheim

Budapester Streichquartett

CBS

~ 1959

30'41

3-4

expressives, kraftvolles Spiel, musikantisch, weniger Feinzeichnungen; unruhiger, bei langen Noten flattriger, Klarinettenton (älteres Instrument?); bekannte Qualitäten des Budapester Str. Qu. auch hier zu erleben; heller, in der Höhe spitzer, Klang

de Peyer

Amadeus Quartett

DGG

1975

32'48

3-4

Wlach

Wiener Konzerthaus Quartett

Westminster

~ 1950

36'35

3-4

alle Sätze langsamer als gewöhnlich, Sätze 2 und 4 schleppend, ohne Esprit, im 2. Satz störendes Vibrato der Klarinette bei langen Noten

Berkes

Eder Quartett

Teldec

P 1979

29'39

3-4

Klarinette untadelig, Quartett spielt mehr spontan als absichtsvoll geschliffen, III 2. Trio etwas schneller, IV Thema klingt mechanisch

Cuper

Talich Quartett

Calliope

1996

30'22

3-4

live – I und II zuviel Vibrato bei den Streichern, passt zu Brahms, aber nicht zu Mozart, III wie durchgespielt, nur die Noten, nüchtern, Ausnahme Trio 2, IV spontanes Musiziergefühl

 

Interpretationen mit Bassettklarinette:

 

Schmidl

Mitglieder des Wiener Oktetts

Decca

1989

32'34

5

bestens aufeinander eingespieltes Team, geschmeidiges Musizieren, ausdrucksstark

Kam

v. Keulen, Mathé, Jacobson, Rivinius

Berlin Classics

2011

30'32

5

fünf Solisten beschäftigen sich höchst erfolgreich mit KV 581, beste dynamische Differenzierung, transparenter Klang, kaum Vibrato bei den Streichern

Steffens

Charis Ensemble

Tudor

1997

30'31

4-5

Shifrin

Kavafian, Arm, Appel, Sherry

Delos

1984

32'25

4

 

Interpretationen in historischer Aufführungspraxis und mit Originalinstrumenten:

 

Hoeprich

Bassettklarinette

London Haydn Quartet

Glossa

2004

32'15

4-5

uneinheitlich, Kopfsatz etwas schleppend, die restlichen Sätze besser, das Plus der CD ist der Klang der alten Instrumente

Neidich

L'Archibedulli

Sony

1992

34'32

4

Neidich, ein Virtuose auf der alten Klarinette, Satzcharaktere insgesamt jedoch nivelliert, Lautstärkedifferenzierung könnte besser sein

 

Hinweise zu Interpreten und Interpretationen:

Reginald Kell

Der englische Klarinettist Reginald Kell hat das Prädikat eines Klarinettenpioniers verdient, war er doch einer der ersten, die das Instrument aus der Ecke der Unterhaltungsmusik in den Konzertsaal geführt haben. Unermüdlich hat er sich für Kammermusikwerke mit Klarinette eingesetzt, was vor dem 2. Weltkrieg noch eine Seltenheit war. Sein Brot verdiente er allerdings als Soloklarinettist in verschiedenen Londoner Orchestern sowie beim Luzerner Festspielorchester. Dort arbeitete er auch mit Furtwängler zusammen, der meinte, als einziger der ihm bekannten Klarinettisten würde er mit dem Herzen spielen. Toscanini wollte ihn als Soloklarinettisten für sein NBC Symphony Ochestra verpflichten. Sein berühmtester Schüler war Benny Goodman. Schon in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ging er ins Schallplattenstudio: u. a. nahm er mit dem Busch Quartett das Klarinettenquintett von Brahms auf. Die Einspielung von Mozarts KV 581 mit Streichern des neugegründeten Philharmonia Orchestras entstand 1945. Leider klingen die Instrumente sehr hell und dünn. Die Schelllacks geben auch in der technischen Aufbereitung von Testament nur einen verfärbten Klang wieder. Das Knistern im Hintergrund kann doch sehr stören. Ein Glück, dass er sechs Jahre später in New York für die amerikanische Decca Mozarts Quintett nochmals aufnehmen konnte, diesmal auf Tonband aufgezeichnet. Hier klingt die Musik natürlicher, obwohl das Klangbild immer noch hell ist. Die Streicher des Fine Arts Quartets spielen homogener als ihre Kollegen aus London. Im 2. Satz stört mich das ungleichmäßige Vibrato der Klarinette, das auch schon in der älteren Aufnahme, wenn gleich nicht so deutlich, auffiel.

Gervase de Peyer

Von dem englischen Meisterklarinettisten sind zwei Studio-Aufnahmen überliefert. Die erste entstand in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zusammen mit Kollegen vom Londoner Melos Ensemble. Man hört sofort, dass sich hier Musiker zusammengetan haben, die aufeinander eingespielt sind und durch sauberes, diszipliniertes, homogenes Musizieren Mozarts Quintett überzeugend vorführen. Auffallend auch die gute dynamische Differenzierung. Leider fehlen außer der Wiederholung im 1. Satz auch die zweiten Wiederholungen im Menuett, den beiden Trios und in Var. 5 des Finalsatzes. Auf diese Weise ließ sich das Werk auf einer LP-Seite unterbringen. De Peyers zweite Einspielung entstand in Partnerschaft mit dem Amadeus Quartett, obwohl de Peyer seinen Part noch verfeinert, ist sie gegenüber der früheren Aufnahme ein Rückschritt. Damals hatte das Quartett seinen künstlerischen Zenit bereits überschritten und Homogenität und Klangschönheit eingebüßt. Die Instrumente klingen kompakt, das Zusammenspiel ist nicht ganz sauber, hier und da treten Intonationsprobleme auf, in den Takten 40 f, 61 und 146 f stören kratzige Akkorde. Die Sätze klingen wie ohne Probe durchgespielt. Die Klarinette spielt eher wie ein Solist, denn als integriertes Ensemblemitglied.

Karl Leister

Der ehemalige Soloklarinetttist der Berliner Philharmoniker Karl Leister hat Mozarts Klarinettenquintett immer wieder live gespielt und auch mehrmals aufgenommen, dreimal mit Orchesterkollegen (DGG, Teldec, Nimbus). Er ist ein Meister seines Fachs und begeistert auch heute noch durch hohe Musikalität und Kunstfertigkeit, Mozarts Quintett ist bei ihm in den besten Händen. Die älteste Aufnahme mit seinen Kollegen Brandis, Westphal, Ueberschaer und Boettcher ist jedoch noch etwas konventionell geraten, korrekt, die fünf spielen auf Nummer sicher, deshalb fehlt es der Aufnahme an Biss. Am besten gefällt hier das Larghetto. Nun wird es jedoch schwer, eine Rangfolge zu finden, da die restlichen Interpretationen sich alle auf höchstem Niveau bewegen: in der Aufnahme mit dem Brandis Quartett wird Kammermusik gespielt (neues Instrument?), bei den Berliner Solisten auf Teldec dagegen tritt das Solistische mehr in den Vordergrund, von Larghetto abgesehen frische Tempi, lebendiges, teilweise zugespitztes, Musizieren, das trifft auch auf die Aufnahme mit dem Prazak Quartett bei Orfeo zu, hier spielen die Streicher mit etwas mehr Druck als bei den anderen Interpretationen. Der Wiener Aufnahme ist auch ein sehr hohes Niveau zu bescheinigen, sie reicht jedoch in punkto Ausgeglichenheit und Spielfreude nicht immer an die vorigen heran. Auch hier gefällt mir der langsame Satz am besten.

Harold Wright

Der langjährige Soloklarinettist des Boston Symphony Orchestra hat Mozarts A-Dur-Quintett zweimal für die Schallplatte aufgenommen: 1968 in New York zusammen mit dem Marlboro Ensemble (A. Schneider, I. Cohen, S. Rodes und L. Parnass) für CBS, dann noch einmal 1993, kurz vor seinem Tode, mit Kollegen seines Orchesters (M. Lowe, L. Park, B. Fine und J. Eskin). Die frühere Aufnahme ist in allen Sätzen hervorragend gelungen, den Kopfsatz hätte ich mir jedoch etwas schneller gewünscht, er lässt aber durch eine beherzt angegangene Durchführung aufhorchen. Der Klang der Instrumente ist gut eingefangen und kommt im transparenten Klangbild hervorragend zur Geltung. Bei der letzten Aufnahme standen die Mikrophone ganz in der Nähe der Instrumentalisten, eingefangene Atemgeräusche weisen deutlich darauf hin. Hier ist beste Kammermusik zu erleben, Mozarts Musik wird intensiv con anima gestaltet, immer wieder erfreuen duftige Pizzicati der tiefen Streicher. Den Schlusssatz gehen die Musiker eine Idee schneller an, lebendiger, man meint ihren Spaß, den sie beim Spielen empfinden, zu hören. Var. 5 erklingt ganz scheu, in sich gekehrt. Insgesamt besitzt diese Interpretation ein höheres Maß an Spiritualität als die frühere Aufnahme.

Dieter Klöcker

Im Jahre 1975 erschien eine Electrola-LP mit dem Klarinettenquintett sowie zwei Fragmenten gespielt von Klöcker und Mitgliedern seines Consortium Classicum (drei Brüder Kussmaul sowie A. Bauer). Es war eine rundum gelungene Aufnahme, die dann auch bald mit der "Wiener Flötenuhr" ausgezeichnet wurde. 15 Jahre später spielte er es erneut ein, diesmal bei MDG, mit dem Leopolder Quartett. Die schöne "alte" Aufnahme wird von der Neuproduktion noch deutlich klanglich und musikalisch übertroffen. Vielleicht kann man es so ausdrücken, dass das Consortium Classicum eine weibliche Variante vorlegt mit einem sehr homogen spielenden Streichquartett, das Leopolder Quartett dagegen die männliche Variante, zupackender, unruhiger, lebendiger und expressiver. Die neue CD überzeugt letztendlich mehr.

Michel Portal

Die drei Aufnahmen mit dem französischen Klarinettisten Michel Portal und wechselnden Partnern sind unterschiedlich ausgefallen. Bei der ersten CD mit bekannten französischen Partnern gewinnt man den Eindruck, dass die Musiker noch keinen rechten Zugang zu Mozarts Musik gefunden hätten. Die Tempi sind in allen Sätzen noch zurückhaltend, im Finale hätte man sich mehr Esprit gewünscht. Höhepunkt ist hier der 2. Satz. Insgesamt nur eine solide, mittlerweile entbehrliche Aufnahme. Besser gefällt mir da die CD mit Portal und dem Quatuor Ysaye auf dem kleinen Label Ysaye Records. Die Tempi sind hier etwas schneller als bei der HMF-Aufnahme. Im Kopfsatz lassen sich die Musiker noch Zeit für die Musik, eine epische Deutung, sehr ausdrucksvoll das Larghetto, trotz bestem Zusammenspiel reicht es jedoch nicht bis auf's Siegertreppchen, dort warten Portal samt den Herren des Cherubini Quartetts. Das Ensemble glänzt mit sehr gutem Zusammenspiel, einem schlanken Streicherton sowie einer hervorragenden Differenzierung sowohl im klanglichen als auch im dynamischen Bereich. Das Larghetto klingt beinahe so, als wäre es mit einem Silberstift gezeichnet. Im Finale wird die alle breve-Vorschrift ernst genommen, bewundernswert das Leggiero der Klarinette in Var. 4.. Meines Wissens ist die Qualität dieser Produktion nie richtig gewürdigt worden.

David Shifrin

Seine erste Aufnahme von Mozarts Klarinettenquintett entstand 1984 mit Mitgliedern der Chamber Music Northwest bei Delos. Shifrin setzte damals schon die Bassettklarinette ein, was der CD von vornherein Pluspunkte bescherte. Die vier Streicher bilden jedoch kein homogenes Quartett. Was aus den Lautsprechern kommt ist solide, etwas neutral und im Ausdruck zurückhaltend (2. Satz). Ganz anders dagegen die Neuproduktion mit dem Emerson String Quartet: homogenes Miteinander, sehr gute Differenzierung, eine wohlklingende Spitzenaufnahme. Auch hier bedient sich Shifrin wieder einer Bassettklarinette.

Richard Stoltzman

Vom amerikanischen Klarinettisten Stoltzman liegen zwei Aufnahmen vor. Die erste entstand zusammen mit seinen Kollegen vom Tashi-Ensemble, sauber und gepflegt gespielt, abgesehen vom Larghetto jedoch in mäßigen Tempi. Man meint zu hören, dass den Streichern Quartetterfahrung fehlt. Überzeugender dagegen die zweite Aufnahme mit dem Tokyo String Quartet, das beherzter im Zugriff agiert und einen souveräneren Eindruck hinterlässt. Sehr innig und überzeugend hier das Larghetto.

Karl-Heinz Steffens

Auch der von der Klarinette zum Dirigentenpult gewechselte Steffens hat Mozarts Klarinettenquintett zweimal eingespielt, beide für das kleine schweizer Label Tudor. In der ersten Produktion ist das Charis Ensemble mit von der Partie. Die Musik wird klar konturiert, man erlebt ein erfrischendes, lebendiges Musizieren bei einem präsenten Klang. In der späteren Aufnahme mit dem Berliner Scharoun Ensemble wird etwas ruhiger musiziert, der Klang ist ebenfalls präsent, scheint mir jedoch polierter. Man könnte von einer städtischen Aufnahme sprechen, bei der vorherigen dagegen von einer ländlich rustikalen. Steffens setzte beim Charis Ensemble eine Bassettklarinette ein, beim Scharoun Ensemble eine normale A-Klarinette.

Sabine Meyer

Meyers erste Aufnahme entstand im Vorfeld ihres nur kurzen Engagements bei den Berliner Philharmonikern mit dem Philharmonia Quartett Berlin, eins der zahlreichen Kammermusikensembles aus den Reihen dieses Orchesters. Die japanischen Techniker haben den wunderbar weichen Ton der Klarinette, aber auch die Streichinstrumente auf das Vorteilhafteste eingefangen. Auffallend die gute dynamische Differenzierung. Die Streicher verharren nicht in einer Art Begleitrolle, sondern sind immer aktiv ins musikalische Geschehen eingebunden. Das trifft auch auf die sieben Jahre jüngere Aufnahme mit Mitgliedern des Wiener Streichsextetts zu. Jedoch scheint mir der Klang des Ensembles noch etwas kultivierter, feiner gezeichnet und abgerundeter zu sein, allerdings auch etwas kompakter. In der früheren Aufnahme lassen sich die Musiker für den 2. Satz eine Minute mehr Zeit, für das Finale mehr als eine halbe Minute, was jedoch nur beim dirtekten Vergleich auffällt.

Im 1. Satz sieht Mozart wie damals üblich zwei Wiederholungen vor: 1. Wdhlg. Exposition, 2. Wdhlg. Durchführung und Reprise. Die meisten Ensembles bringen lediglich die erste, Klöcker-90, Rodenhäuser, Neideich und Frost spielen beide, deshalb auch die längeren Laufzeiten. Goodman, Kell, de Peyer-EMI, Oppenheim, Wright-1968, und Berkes verzichten auf alle. Im Menuettsatz sollen beide Teile wiederholt werden, ebenso in den beiden Trios, was von den meisten Interpreten befolgt wird, Ausnahmen: Goodman sowie de Peyer. Die Wiederholungen im abschließenden Finale werden immer beachtet.

eingestellt am 18. 04. 2013

 

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