Das Klassik-Prisma

 

 Bernd Stremmel

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3. Leonoren-Ouvertüre op.72 a

Szell

Cleveland Orchester

Sony

~ 1969

14‘03

5

musterhafte Darstellung, viele sonst selten zu hörende Details

Fricsay

Berliner Philharmoniker

DGG

1959

14‘04

5

 

Malko

Dänisches RSO u. Königliches Orchester Kopenhagen

Danacord

1951

13‘14

5

live –konzentrierte Darstellung; Ouvertüre, kein Tongemälde

Busch

Dänisches Radio-Sinfonie-Orchester

Danacord

1948

12‘42

5

klassische Darstellung, schnörkellos, tempokonstant, etwas stumpfer Klang

Furtwängler

Wiener Philharmoniker

SWF

Orfeo

1945

13‘59

5

live

Bernstein

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

DGG

1976

14‘20

5

live

Fricsay

RIAS Symphonie-Orchester

audite

1952

14‘03

5

 

 

Klemperer

Philharmonia Orchestra London

EMI

1963

14‘30

4-5

 

Lehmann

Berliner Philharmoniker

DGG

~ 1954

14‘03

4-5

fast ideal

Klemperer

Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester

WdR

1966

14‘47

4-5

live

Klemperer

Staatskapelle Berlin

DGG archiphon

1927

13‘56

4-5

 

Furtwängler

Wiener Philharmoniker

DGG/WFG

1944

14‘00

4-5

 

Furtwängler

Schweizer Festspielorchester

SWF

1947

14‘56

4-5

 

Furtwängler

Wiener Philharmoniker

WFG

1948

15‘08

4-5

 

Furtwängler

Wiener Philharmoniker

EMI

1953

15‘08

4-5

 

Walter

Columbia Symphony Orchestra

CBS

~ 1959

13‘35

4-5

 

Walter

New York Philharmonic Orchestra

Sony

1954

13‘35

4-5

 

Kempe

Berliner Philharmoniker

EMI Testament

1957

14‘33

4-5

T.126ff deutlich belebt, viele Details, trockene und immer präsente Pauke T.481ff, Presto-Beginn nicht ganz überzeugend

Kempe

Münchner Philharmoniker

EMI D-Classics

1971/72

14‘27

4-5

ähnlich, besserer Klang

Fricsay

Radio Sinfonie-Orchester Berlin

EMI

1961

16‘07

4-5

live

Marriner

SWR-Sinfonie-Orchester Stuttgart

Capriccio

1991-94

13‘39

4-5

frisch, detailbewusst, Tempi könnten sich noch besser von einander abheben

Harnoncourt

Chamber Orcherstra of Europe

Teldec

1993

13‘53

4-5

live

Dohnanyi

Cleveland Orchester

Telarc

1986

13‘50

4-5

musterhafte Darstellung, Beachtung vieler Details, insgesamt etwas distanziert

Jochum

Bamberger Symphoniker

BMG

1985

14‘20

4-5

 

Jochum

Concertgebouw Orchester

Philips

1969

13‘27

4-5

 

Markevitch

Orchestre Lamoureux Paris

DGG

1958

13‘33

4-5

vorwärtsstrebendes Allegro, teils hitzig, etwas abseits des Mainstreams, mit etwas mehr Glanz als Leibowitz

Kertesz

Bamberger Symphoniker

Eurodisc

~ 1964

14‘09

4-5

 

Barbirolli

Hallé Orchestra Manchester

Dutton

1959

14‘58

4-5

gute Temporelationen

Leibowitz

Royal Philharmonic Orchestra

Chesky

1962

13‘19

4-5

nur die Musik

Bernstein

Wiener Philharmoniker

DGG

1978

14‘59

4-5

 

Solti

Chicago Symphony Orchestra

Decca

1988

13‘47

4-5

vordergründig überzeugend, mir fehlen einige Details, Blech hier und da zu laut

Mackerras

Scottish Chamber Orchestra

Telarc

1997

12‘58

4-5

frisches Allegro, T.126ff deutlich belebt, Blech in tutti-Passagen oft zu laut, flexibler als Zinman

Masur

Gewandhausorchester Leipzig

Philips

1972

13‘51

4-5

schönes Trompetensolo, nur die Musik

Mengelberg

Concertgebouw Orchester

Naxos

1930

12‘57

4-5

ohne die sonst üblichen Mätzchen, werkbezogen und überzeugend

 

Ancerl

Tschechische Philharmonie

Supraphon

1962

13‘09

4

zielstrebig durch das Werk, ohne Verzögerungen, viele Details

Klemperer

Philharmonia Orchestra London

EMI

1954

13‘24

4

 

Klemperer

Königliches Orchester Kopenhagen

Rundfunk Kopenhagen

1954

13‘11

4

live

Furtwängler

RAI Sinfonie-Orchester Rom

Andromeda

1952

14‘25

4

 

Toscanini

NBC Symphonie-Orchestra

RCA

1945

12‘50

4

live

Toscanini

NBC Symphonie-Orchestra

div.

1939

13‘11

4

live

Suitner

Staatskapelle Berlin

Denon

1984

13‘39

4

Beachtung vieler Details

Zinman

Tonhalle Orchester Zürich

Arte Nova

2004

12‘16

4

einerseits überzeugende Lösungen (T.192ff, überraschende Trp), andererseits aufgrund des schnellen Tempos auch etwas mechanisch, herber Klang

Keilberth

Berliner Philharmoniker

Telefunken

P 1961

13‘27

4

 

Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1985

13‘49

4

 

Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1965

14‘38

4

 

Abbado

Wiener Philharmoniker

DGG

1989

13‘35

4

frisch musiziert

Jochum

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

Walhall

1953

14‘36

4

live

Davis

Sächsische Staatskapelle Dresden

RCA

1993

14‘31

4

Presto-Finale zu blechgepanzert

Muti

Philadelphia Orchestra

EMI

1988

13‘49

4

alles glatt bis zum Schluss, keine Entdeckungen

Soustraut

Orchester der Beethovenhalle Bonn

MDG

1997

14‘31

4

gut, solide, jedoch nicht überragend

Karajan

Philharmonia Orchestra

EMI

1953

14‘27

4

 

Karajan

Concertgebouw Orchester

DGG

1943

14‘37

4

 

Schmidt-Isserstedt

Wiener Philharmoniker

Decca

P 1970

14‘51

4

abgesehen vom Finale etwas distanziert

Scherchen

Orchester der Wiener Staatsoper

Westminster Tahra

1951

14‘15

4

Allegro molto e con brio, für die Zeit gutes Klangbild, jedoch in lauten tutti-Passagen etwas knallig und hart, wenig binnendifferenziert

Mitropoulos

Minneapolis Symphony Orchestra

Sony

1940

13‘13

4

etwas äußerlich, Schaustück

Harding

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Virgin

1999

12‘42

4

sehr lebendig, Details werden überfahren, nur vordergründig überzeugend

 

Knappertsbusch

Wiener Philharmoniker

History

1938

14‘32

3-4

teilweise belegtes Klangbild, worunter die Deutlichkeit leidet, Trompeten und Pauken meist zu knallig

Swarowsky

Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester

WdR

1960

13‘04

3-4

live – Adagio-Einleitung zu schnell, prosaisch, cresc. ab T. 49 unterbelichtet

Celibidache

Münchner Philharmoniker

EMI

1989

15‘50

3-4

live – mehr Kopf als Gefühl und Ausdruck

Konwitschny

Gewandhausorchester Leipzig

Berlin Classics

~ 1961

14‘24

3-4

nur solide

Böhm

Staatskapelle Dresden

DGG

1969

13‘31

3-4

unstet in Tempo und Darstellung

Bernstein

New York Philharmonic Orchestra

CBS

1976

14‘22

3-4

live

Davis

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

CBS

1985

15‘29

3-4

Einleitung fast ohne Spannung, zu akademisch, kein jubelnder Schluss

 

Celibidache

Berliner Philharmoniker

M&A

1946

16‘17

3

live – gute Einleitung, jedoch im Allegro zu äußerlich, hitzig, effektvoll

 

Von Beethovens drei Leonoren-Ouvertüren nimmt die dritte beim Publikum, bei Dirigenten und Produzenten den ersten Platz ein, für mich ein Grund eine diskographische Übersicht vorzulegen. Die Ouvertüre ist in der Sonatenform angelegt, mit langsamer Einleitung, einem schnellen Mittelteil und jubelndem Schluss und verwendet Themen aus seiner einzigen Oper „Leonore", die er nach gründlichen Revisionen „Fidelio" nannte.

Betrachten wir zunächst die Einleitung: Die Ouvertüre beginnt mit dem Ton g. Während Streicher, Trompeten und Pauke lediglich eine Achtel spielen, halten Holzbläser und Hörner den Ton jedoch länger als einen Takt lang aus. Beethoven schreibt ein diminuendo vom ff zum p über die Noten der Bläser, das wird von fast allen Interpreten so gespielt, lediglich Ancerl, Markevitch, Böhm und Bernstein bieten andere Lösungen an. Ancerl und Markevitch lassen die Bläser wie die Streicher eine kurze Achtel im ff spielen, wechseln dann aber sofort zu einem mf, bei Bernstein-WP ist es ähnlich, die Bläser werden aber noch etwas leiser. In seiner live-Aufnahme mit dem SO des Bayerischen Rundfunks übernehmen im 2. Takt unmerklich die Streicher den Bläserklang, das ist gekonnt gemacht. Böhm lässt erst sfp spielen, also zuerst ff, danach sofort pp. Beethoven möchte die Einleitung langsam gespielt wissen; Bernstein macht daraus ein Adagio molto, auch Celibidache. Während er in Berlin den Klang ausdrucksvoll formt, hat seine spätere Münchner Aufnahme nur geringe Spannung. Leibowitz, Swarowsky, Mackerras, Zinman und Harding wählen als Tempo Andante. Colin Davis-85 setzt die Takte 5, 6 und 7 mit den klagenden Fagotten durch jeweils eine Pause voneinander ab, auch Harnoncourt, bei ihm fallen die Pausen jedoch kürzer aus. Bei Muti sind die Klarinetten in T. 13 nicht mit den Fagotten und Bratschen genau zusammen. In den Takten 20 bis 23 wechseln sich Flöte und 1. Geigen mit kurzen steigenden Dreitonmotiven einander ab. In T. 24 – 26 lässt der Komponist die Bässe mit den 1. Geigen in einen Dialog treten. Bei Szell kann man die „sprechenden" Bässe bewundern, auch bei Harnoncourt und Mackerras. Ähnlich, jedoch weniger deutlich bringen diese Stelle Jochum-COA, Karajan-POL und 65, Dohnanyi, Markevitch und Bernstein-BR. Mit einem crescendo des ganzen Orchester geht es zum folgenden Takt 27, der im fff prächtig von allen Bläsern, auch Posaunen, als As-Dur-Akkord intoniert wird. Alle Violinen spielen vier schnelle aufsteigende Skalen und eine fallende Skala, sehr deutlich ist dies bei Abbado festgehalten. Bratschen, Celli und Kontrabässe grundieren den As-Dur-Akkord mit 16tel Triolen auf dem tiefen as. Leider hört man dieses Klopfen der tiefen Streicher fast nie, da meist die Pauke viel zu laut spielt! Nur Klemperer-63 und Kertesz stellen die richtigen Klangverhältnisse her, Suitner und Ancerl waren auf dem richtigen Weg. Einige Takte später kann der Hörer noch ein ausdrucksvolles Solo von Flöte, Oboen und Fagotten erleben, einen Takt später dasselbe noch inniger eine Terz höher, falls er die Platte mit Rudolf Kempe und den Münchner Philharmonikern auflegt. Mit etwas weniger Intensität, aber immer noch auf Beethovens Spur, warten Leibowitz, Bernstein-BR und –WP sowie Harnoncourt auf. Am Ende der Einleitung werden die meisten Interpreten wider die Partiturvorschrift langsamer, außer Harnoncourt, Zinman und Harding.

Eine gespannte Allegro-Eröffnung erleben wir bei Fritz Busch; Knappertsbusch beginnt moderato und wird dann schneller, ebenso Celibidache-MP. In der älteren Berliner Aufnahme kommt er erst langsam in Fahrt und erreicht ab T. 69 ein schnelles Tempo, da er klingt die Musik hitzig, aber auch etwas äußerlich, auf Effekte hin angelegt. Zu Beginn der Durchführung nimmt Beethoven die Überleitung zum Nymphenreigen in Smetanas Moldau vorweg: geheimnisvoll erklingen erst ein, dann beide Fagotte über einem taktweise sich wiederholenden Violinmotiv (T. 184 ff). Genau hingehört hat da Lehmann, Konwitschny, Kempe, Ancerl, Leibowitz und Dohnanyi. Sofort anschließend erklingt mit Unterbrechungen fünfmal ein länger als vier Takte dauernder ff-Akkord von Flöten, Klarinetten, Blech, 1. Geigen und Bratschen in wechselnden Tonarten, während die 2. Geigen, Celli und Bässe sowie Fagotte mit steigenden und fallenden Tonleitern in Achteln den prächtigen Klang aufzubrechen versuchen (T. 192 ff). Leider legen viele Dirigenten den Blechbläsern keine Zügel an, so dass die beabsichtigte Wirkung sich nicht entfalten kann, z. B. Furtwängler-44, Walter, Knappertsbusch, Mitropoulos, Konwitschny, Böhm, Keilberth, Karajan-43. Sehr überzeugend bei Szell, Barbirolli, Fricsay, Kempe-MP, Bernstein-NY und WP, Abbado und Zinman.

Am Ende der Durchführung erklingt das berühmte, Rettung ankündigende, Trompetensignal. Einige Dirigenten lassen die Takte bis zum 2. Signal ahnungsvoll – im Hinblick auf die Rettung – erklingen: Markevitch, Karajan, Kertesz, Knappertsbusch, Keilberth, Schmidt-Isserstedt, Celibidache, Abbado, Mackerras, Davis, Marriner und Harnoncourt. Fricsay und Jochum verzögern das Tempo anfangs ein wenig, wodurch die Wirkung noch verstärkt wird. Bei Bernstein kann man an dieser Stelle den Dialog von hohen und tiefen Streichern bewundern. Nach dem 2. Trompetensolo schlägt die Ahnung in Gewissheit über. In den meisten Aufnahmen erklingen beide Soli leise, entfernt, bei Furtwängler-RAI sogar sehr leise. Bei Walter, Fricsay, Karajan-65 und 84, Mitropoulos, Solti ist das 2. Solo lauter, bei Suitner, Karajan-43 und 53, Leibowitz, Masur, Marriner und Davis etwas lauter, bei Zinman kommt das Trompetensolo völlig überraschend. Einige Takte später beginnt die Durchführung mit einem Dialog zwischen Flöte und Fagott. Leider wird bei Leibowitz, Markevitch, Bernstein, Davis-85 und Harnoncourt das Fagott zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Am Ende der Durchführung (T. 481 –497) hören wir eine Stelle voller Spannung, wenn Holzbläser und Streicher im Dialog spielen; dazu klingt leise ein Klopfmotiv der Pauke, leider hört man sie bei vielen Aufnahmen zu leise: Böhm, Keilberth, Toscanini-45, Keilberth, Karajan, Muti, Mackerras, Davis, Harnoncourt, bei Bernstein-NY und Marriner ist sie fast nicht da, sehr gut präsentiert sie sich bei Fricsay-52.

Die Ouvertüre endet in einem jubelnden Presto-Finale, eingeleitet wird es durch schnelle Streicherskalen, zunächst nur von 1. Violinen, dann nacheinander von 2. Violinen, Bratschen und Bässen. Anfangs sollen laut Partitur nur 2-3 Spieler spielen, danach alle anderen. Diese Anweisung befolgen jedoch nur Celibidache-MP, Scherchen, Harnoncourt und Zinman. Kurz vor Schluss verstärkt Beethoven die fallenden Töne des aufgelösten C-Dur-Akkords in den Holzbläsern durch die vier Hörner, allerdings nur in den Takten 626-628. Ancerl, Bernstein-WP, Marriner und Abbado lassen die Hörner in der ganzen Passage bis zu den Schlussakkkorden mitspielen, also auch in den Takten 629-631!

Von einigen Dirigenten liegen mir mehrere Interpretationen vor:

Arturo Toscanini: Die Aufnahme von 1939 ist etwas äußerlich, das Blech tritt in Tutti-Stellen zu sehr hervor, die spätere Aufnahme hinterlässt einen geschlosseneren Eindruck.

Bruno Walter: Beiden Aufnahmen ist eine gelungene Einleitung eigen, die Aufnahme aus New York ist nicht so geschliffen und abgerundet wie die mit dem Columbia Orchester.

Otto Klemperer: Alle Klemperer-Aufnahmen stehen interpretatorisch auf hohem bis höchstem Niveau. 1927: die archiphon-Überspielung ist natürlicher restauriert als die der Stammfirma DGG, die zwar schöner klingt, jedoch weniger Konturen besitzt, der Überschwang im Finale hält sich in Grenzen, etwas zu diszipliniert. 1954 POL: Die Kontrabässe T. 37 ff könnten bedrohlicher klingen, das 1. Trompetensolo ist undeutlich, da die 16tel-Noten nicht exakt getrennt gespielt werden. Schlussakkord: Orchester nicht genau auf den Schlag. 1954 Kopenhagen live: in der Interpretationshaltung wie 1963, Orchester jedoch nicht auf dem spieltechnischen Niveau des POL. 1966 Köln live: eindringlich, monumental, keine richtigen pp. 1963 POL: ausgeformte Einleitung, T. 9 ff geheimnisvoll, detailreich, Finale im Tempo etwas gebremst.

Wilhelm Furtwängler: Alles live-Aufnahmen außer die EMI-Produktion von 1953, die alles sehr deutlich bringt, jedoch geringere Inspiration aufweist. Bemerkenswert ohne Störungen die beiden Kriegsaufnahmen von 1944/45, Freudentaumel im Presto-Finale. Luzern: Orchester nicht auf der Höhe der Wiener Philharmoniker, ausdrucksvolle Einleitung, Freudentaumel, geringe Gleichlaufschwankungen bei der Aufnahme. 1948: erste Fidelio-Aufführung in Salzburg nach dem Krieg, schwerblütige Einleitung, sonst wie die bisher genannten Interpretationen, Aufnahme klangtechnisch nur mäßig. 1952 RAI: klangtechnische Mängel, Acetat-Platten, interpretatorisch jedoch gut.

Eugen Jochum: 1953 SOdBR: solide live-Aufführung, mehr nicht. Presto-Beginn nicht überzeugend. 1969 COA: Allegro: langgezogenes crescendo vom Anfang bis zum vollen tutti T. 65, sehr überzeugend! Presto-Beginn auch hier nicht optimal. 1985 Bambg: Presto hier am besten, Jochum trotz des hohen Alters noch frisch.

Herbert von Karajan: 1943 COA: Oberstimme führt meistens, sattes Blech bei ausgehaltenen lauten Tönen, übertönt dann tiefere Stimmen. 1953 POL: Allegro in mäßigem Tempo, stellenweise etwas lasch, auch hier: Oberstimmen führen. 1965 BP: mehr episch als dramatisch, 1985: Einleitung schneller als zuvor, Karajans dramatische Leonore III.

Leonard Bernstein: 1976 live Carnegie-Hall: vordergründige Interpretation, beim Presto ist LB in seinem Element. 1976 SOdBR (live, Amnesty International-Konzert): überzeugende Interpretation, Bernstein hat sich und die Musik unter Kontrolle. 1978 WP: auch gut, jedoch ohne die Inspiration der Münchner live-Aufnahme.

Ferenc Fricsay: 1952 RIAS-Studio: hellwache Interpretation, T. 126 ff insistierende Mittelstimmen, T. 300 ff alle Stimmen gleichberechtigt, präsente, aber niemals aufdringliche Pauke, viele Details. 1959 BP: interpretatorisch wie 1952, Pauke mehr integriert, Orchester hat etwas mehr Glanz, ein wenig Hall. 1961 RSO, live: langsame, schwerblütige aber eindringliche Einleitung, stellenweise um Ausdruck ringend, sonst wie zuvor.

eingestellt am 27.09.09

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