Das Klassik-Prisma  
 Bernd Stremmel

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Nacht und Träume

op.43 Nr.2 D.827

Text: Matthäus von Collin

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Frauenstimmen:

Seefried

S

Moore

EMI

1948

3‘32

5

schlicht, etwas scheu, fast wie zerbrechlich, jedoch sehr konzentriert und eindringlich, introvertiert

Isokoski

S

Viitasalo

Finlandia/ Elatus

1993

3‘48

5

helle, perfekt eingesetzte Stimme, sehr konzentriert, aufmerksame Klavierbegleitung

Moser

S

Hokanson

EMI

1983

3‘53

5

sehr ruhig und eindringlich, konzentriert, weniger introvertiert, sehr aufmerksame Begleitung

Fontana

S

Fischer, György

Decca

1982

4‘12

5

innig, ein langsames Gehen vom ersten bis zum letzten Ton, trotz des langsamen Tempos keine Einbuße an Spannung

 

Augér

S

Baldwin

BBCL

1987

3‘58

4-5

live – gute Atemtechnik ermöglicht lange Phrasen zu singen, konzentrierter Vortrag, sehr gute Textverständlichkeit, klarer Klavierklang

Berger

S

Raucheisen

Membran

1949

3‘19

4-5

glockenhelle Stimme, schlicht und eindringlich, Vibrato noch erträglich, zeitbedingte Portamenti – mangelhafte Übertragung auf CD mit ständigen Vorechos!! (in die Bewertung nicht eingeflossen)

 

Baker

M

Parsons

EMI

1980

4‘22

4

introvertiert, immer zurückgenommene, teilweise verschattete Stimme, bei noch langsamerem Tempo würde das Lied auseinanderfallen, Klavierklang leicht mulmig

Schumann, Elisabeth

S

Moore

EMI

1937

2‘57

4

Andante-Tempo, schlicht, 1.Ton springt nicht gleich an, viele Unterbrechungen der Phrasen durch Zwischenatmen, jeweils der erste Ton einer Phrase wird betont

Bumbry

M

Peschko

DGG

1962

3‘48

4

gute Textverständlichkeit, mehr an der Oberfläche des Textes, Geheimnis?

Kasarova

M

Haider

RCA

1999

3‘12

4

schöne klare Mezzostimme, zu viele Unterbrechungen der Phrasen durch Zwischenatmen, Pianist schenkt Tonartrückung T.14/15 wenig Aufmerksamkeit

 

Hendricks

S

Lupu

EMI

1985

3‘11

3-4

kleinere Stimme, die durch zu viel Vibrato-Einsatz und etwas Hall vergrößert wird, bei lang auszuhaltenden Tönen flattert die Stimme, Aussprache nicht idiomatisch, gute Klavierbegleitung

Männerstimmen:

Prégardien

T

Gees

EMI

1992

3‘43

5

facettenreiches Singen, sehr ruhig und natürlich, Spannung vom ersten bis zum letzten Ton, äußerste stimmliche Disziplin, partnerschaftliche Klavierbegleitung

Anders

T

Giesen

Telefunken

1947

3‘14

5

wie ein inbrünstig gesungenes Gebet, lange Töne mit gleichbleibender Intensität, überzeugend, zeitbedingte Portamenti

Pears

T

Britten

Decca

P 1975

4‘04

5

inspirierter Vortrag, Lautstärke nimmt ab T.23 ab, jedoch nicht die Intensität, etwas näselnde Stimme, Sänger und Begleiter in bester Partnerschaft

Souzay

B

Baldwin

Philips

1961

3‘53

5

ruhig und innig, mit großer Konzentration und Intensität, partnerschaftliche Begleitung; T.21-24 hier nicht so deutlich wie unten

Souzay

B

Bonneau

Decca

~1955

3‘56

5

wie oben, jedoch klanglich nicht so frisch, weiche Stimme; Souzay fasst die Takte 21-24 überzeugend zu einer Phrase zusammen

Fischer-Dieskau

B

Moore

EMI

1951

3‘20

5

ungekünstelt, jedoch genau kalkuliert, insgesamt leise, nur bei „rufen, wenn der Tag erwacht" etwas lauter. Fi-Di fasst in allen seinen Aufnahmen die zweimal hintereinander zu singenden Worte „die belauschen sie mit Lust" (T.15-19) unter einen großen Bogen

Prégardien

T

Hoppstock, Tilman

Signum

1998

3‘03

5

Gitarrenbegleitung!!

nicht so langsam und konzentriert wie 1992, schlichter, jedoch ebenfalls überzeugend

 

Fischer-Dieskau

B

Moore

DGG

1969

3‘23

4-5

natürliches Singen weicht dem deklamatorischen, bessert sich jedoch während des Vortrags, Textfehler in T.21: Fi-Di singt „holde" statt „heilge", nuancenreich

Fischer-Dieskau

B

Moore

Orfeo

1963

3‘28

4-5

live – Stimme schwerer und ein wenig breiter, am Anfang mehr deklamiert, Applaus in den Schlussakkord

Schlusnus

B

Peschko

DG/Preiser

1939

3‘19

4-5

ungekünstelt und schlicht, jedoch keineswegs belanglos, stimmliche Disziplin, leider öfteres Atmen mitten in Phrasen

Erb

T

Seidler-Winkler

EMI

1936

3‘03

4-5

ungekünstelt bringt Erb das Kleinod zum Vortrag, lange Töne am Abschluss einer Phrase etwas verkürzt, kleine Tempomodifikationen, Klavier etwas unruhig, Wechsel T.14/15 unterbelichtet

 

Fischer-Dieskau

B

Höll

Claves/ Brilliant

1987

3‘42

4

klingt wie eine Erinnerung, wie ein Abschied, Klavier etwas einförmig und unflexibel

Holzmair

B

Wyss

Tudor

P 1991

3‘15

4

kernige Stimme, etwas schwer, geringere Spannung beim Vortrag, Klavier etwas brav

Im Jahre 1825 vertonte Schubert das Lied „Nacht und Träume" nach einem Gedicht seines im Jahr zuvor verstorbenen Freundes Matthias von Collin. Im selben Jahr entstanden u.a. solch bedeutende Werke wie die Klaviersonaten in C-dur D.840 (Fragment), a-moll D.845 und D-dur D.850 „Gasteiner", die Sinfonie C-dur D.944, sowie in zeitlicher Nachbarschaft das dramatische Lied „Die junge Nonne" und mehrere Gesänge nach Walter Scott. Schubert wählte für „Nacht und Träume" die ausgefallene Tonart H-dur, wechselt in der Mitte des Liedes unvermittelt nach G-dur und kehrt am Schluss nach H-dur zurück, einer Tonart, mit der er vielleicht das Unwirkliche, das Traumhafte der Textvorlage treffen wollte. Ich konnte bei meiner Übersicht auf mehr als 20 Aufnahmen zurückgreifen, musste jedoch feststellen, dass manche ausgewiesenen Liedersänger einen Bogen um diese wunderbare Komposition machen, vor allem solche mit tiefer Stimmlage. Das Lied ist eher für hohe Lagen geeignet, wenn es zu tief transponiert wird, verliert es einen Teil seiner Wirkung. Alle Soprane und Tenöre tragen das Lied in der Originaltonart vor, die Mezzosoprane und Baritone transponieren in das für sie bequeme A-dur oder As-dur, Vesselina Kasarova wählte sogar G-dur, während der Bariton Wolfgang Holzmair mit B-dur zurechtkommt. Das langsame Tempo von „Nacht und Träume" verlangt einen Sänger/eine Sängerin, die über eine perfekt geführte, gut fokussierte und wenig ausladende, tragfähige Stimme sowie einen langen Atem verfügt.

Manche Interpreten sind der Auffassung, bei diesem Liede handle es sich um ein Werk, dass mehr für eine private Aufführung im kleinen Kreis gedacht sei, z.B. Irmgard Seefried, Peter Pears, Gérard Souzay, Christoph Prégardien, Gabriele Fontana. Andere tragen es so vor, als sei der Konzertsaal der richtige Aufführungsort, z.B. Karl Erb, Peter Anders, Erna Berger, Grace Bumbry, Barbara Hendricks.

Hier noch ein Nachtrag: Anne Sofie von Otter hat „Nacht und Träume" in einer Orchesterbearbeitung von Max Reger vorgelegt, zusammen mit anderen Schubert-Liedern in Orchesterfassung.

von Otter

M

Chamber Orchestra of Europe    Abbado

DGG

2002

3‘43

4-5

live

eingestellt am 29.08.10

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