Das Klassik-Prisma |
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Bernd
Stremmel |
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Franz
Schubert
6
Moments musicaux D. 780
Nach dem gewaltigen Aufriss der 32
Klaviersonaten von Beethoven, auch wenn sich darunter einige leichte Stücke
befanden, gingen die nachfolgenden Komponisten der Klaviersonate aus dem Wege,
wahrscheinlich fanden sie sich dem Koloss Beethoven in diesem Genre nicht
gewachsen. Schumann, Chopin und Brahms brachten es nur auf je drei Exemplare.
Bei Schubert sah es so aus: von 21 begonnenen Sonaten wurden nur 12 vollendet,
die restlichen blieben Fragmente, die Schuberts Suchen nach den passenden
Themen sowie ihrer Verarbeitung offenbaren.
Die Wiener Komponistenzunft wandte sich
lieber lyrischen Klavierstücken zu, leicht und schlicht in dreiteiliger Form.
Die böhmischen Kleinmeister Václav Jan Tomášek
(1774-1850) sowie sein Schüler Václav Vořišek
(1791-1825) werden als Erfinder und Verbreiter dieser angenehm klingenden und
nicht zu schwierigen Klavierstücken genannt. Vořišek
soll als erster die Bezeichnung „Impromptu“ benutzt haben, die dann auch
Schubert übernahm. Daneben trat das „Moment musical“,
weniger umfangreich, „jedoch angenehm in den Ohren“ (Mozart), insgesamt schuf
Schubert 6 Stücke diesen Namens, also 6 Moments musicaux,
die noch zu Lebzeiten Schuberts als Zyklus unter der Opuszahl
94 veröffentlicht wurden. Das dritte Stück in f-Moll war bereits fünf Jahre
zuvor im „Album musicale I“ im Verlag Sauer & Leidesdorf
unter dem Titel „Air russe“ erschienen. Das letzte im
„Album musicale II“ ein Jahr später unter dem Titel „Plaintes d’un Troubadour.“
Viele Klavierschüler begegnen den 6
Moments musicaux nicht als Ganzes, sondern widmen
sich einzelner Stücke. Diese musikalischen Augenblicke waren es, die schon zu
Zeit der Schellack-Platte aufgenommen wurden, besonders das dritte. Ein Favorit
von Svjatoslav Richter, der Zeit seines Pianistenlebens Klavier-Zyklen umging, war das erste in
C-Dur, von dem einige Mitschnitte in meinem Archiv aufbewahrt sind. Anfangs
haben viele Interpreten auf die Wiederholungen verzichtet, heute ist es eher
die Ausnahme.
Hier die einzelnen Titel:
Nr. 1 C-Dur in ABA-Form. Je zwei
Wiederholungen sowohl im A- als auch im B-Abschnitt.
Nr. 2 As-Dur fünfteilig in ABA’B’A,
B-Abschnitte in fis-Moll.
Nr. 3 f-Moll, nach einer Einleitung von
2 Takten je 3 Abschnitte zu 8 Takten, die zu wiederholen sind. Anschließend
Variation des ersten Abschnittes.
Nr. 4 cis-Moll in ABA-Form, B-Abschnitt
in Des-Dur mit Wiederholung des zweiten Abschnitts.
Nr. 5 f-Moll in ABA-Form, zwei
Wiederholungen. Aus den harten staccato-Akkorden des ersten Takts entwickelt
Schubert den relatv kurzen Satz.
Nr. 6 As-Dur, langer A-Abschnitt mit
zwei Wiederholungen, Trio in Des-Dur mit einer Wiederholung.
5 |
Emil Gilels |
Melodya EMI Eurodisc |
1966 |
28‘51 |
|
▼ |
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5 |
Clifford Curzon |
Decca |
1971 |
27‘33 |
|
Curzon
Diener am Werk; geradlinig, unspektakulär, überzeugende Phrasierungen, mit
Poesie, klares Klangbild, 6. A ohne W |
|||
5 |
Maria João Pires |
DGG |
1989 |
28‘15 |
|
1.
zart, behutsam, legato, 3. subtil differenziert, geschmackvoll, 4.
abwechslungsreich, 6. eher bewegt, keineswegs gewichtig oder schwerfällig |
|||
5 |
Friedrich Gulda |
ORF Andante |
1967 |
25‘18 |
|
▼ |
|||
5 |
Radu Lupu |
Decca |
1982 |
28‘58 |
|
Lupu stellt
sich hinter das Werk, Musik kann sich aus sich selbst heraus entwickeln, 3.
und 5. Schuberts Dynamik übernommen, 4. nachdenklich, Proportionen sensibel
nachgezeichnet, 6. Trio etwas schneller |
|||
5 |
András Schiff |
Decca |
1990 |
30‘32 |
|
1.
akkurat, 2. Musik immer unter Pedal, poliert, 3. elastisch, 4. locker,
differenziert, 6. mit Feingefühl – insgesamt gute Tempowahl |
|||
5 |
Paul Lewis |
HMF |
2012 |
27‘11 |
|
Tempi
in den meisten Stücken dezent variabel, 1. T.6/7 sowie 27/28 accel. mit rall.
gekoppelt, ähnlich in B 2 (fis-Moll), Dynamik entsprechend angepasst, 6. ohne
2. W in A |
|||
5 |
Jewgenij Koroliov |
Tacet
|
1995 |
30‘34 |
|
mit
spürbarem Feingefühl und Stilbewusstsein am Werk, jedoch auch pointierte
Dramatik |
|||
|
||||
4-5 |
David Fray |
Virgin |
2009 |
35‘18 |
|
1. T.
6/7 sowie 27/28 teilweise legato, in B bei Phrasen-Enden immer rit, 2. B 1 zärtlich, 3. innig, 4. gelöstes Musizieren in
A, B überwiegend weich mit viel Klangsinn, 6. etwas manieriert, insgesamt
ruhig und gelassen |
|||
4-5 |
Wilhelm Kempff |
DGG |
1967 |
27‘53 |
|
teilweise
etwas eigenwillige Darstellung, 1. T. 16 unter Pedal, letzter Ton h klingt
in T. 16 weiter, W nicht Kopie vom Anfang, 2. sehr gute dynamische
Differenzierung, 5. Takt für Takt konsequent die 1 betont, klingt jedoch
etwas manieriert |
|||
4-5 |
Rudolf Serkin |
CBS Sony |
1952 |
29‘37 |
|
subtil
differenziert, mit Empathie, 2. fis-Moll-Abschnitt I etwas langsamer, 5.
kraftvoll nach vorn, den Anforderungen des Notentextes gerecht werdend |
|||
4-5 |
Anton Kuerti |
Analekta |
1991 |
30‘43 |
|
mit viel
Empathie, ausdrucksstark, gibt jedem Stück seine eigene Physiognomie,
nuanciertes Spiel – man wünschte sich etwas mehr an Klang |
|||
4-5 |
Edwin Fischer |
EMI |
1950 |
24‘19 |
|
kleinste
harmonische und melodische Wendungen werden sensibel nachgezeichnet, flexible
Tempi, immer wieder poetische Momente, 2. bewegt, 3. etwas unstet, 4. zu viel
Pedal, Fischer verzichtet leider auf einige W |
|||
4-5 |
Emil Gilels |
Orfeo |
1970 |
26‘27 |
|
live,
▼ |
|||
4-5 |
Friedrich Gulda |
Concert
Hall Sribendum Denon |
1963 |
28‘09 |
|
▼ |
|||
4-5 |
Martin Helmchen |
Pentatone |
2007 |
29‘03 |
|
1.
geradlinig, 2. fis-Moll schneller, Akkorde in sich ausgewogen, 3. eine runde Sache,
4. B Musik wie aus einer besseren Welt, 5. ausdrucksstarkes Akkord-Spiel, 6.
Trio bewegter, mehr Klang als in A |
|||
4-5 |
Alfred Brendel |
Philips |
1972 |
31‘58 |
|
▼ |
|||
4-5 |
Alfred Brendel |
Philips |
1987 |
27‘17 |
|
▼ |
|||
4-5 |
Michael Korstik |
CPO |
2010 |
37‘38 |
|
Dynamik
und Tempi werden immer wieder hinterfragt, weich und nachdenklich, 3. rhythmisch
pointiert, 5. molto assai, 6. Tempo immer sehr zurückgenommen, wie kein
anderer Pianist |
|||
4-5 |
Dina Urgorskaja |
Avie |
2018 |
34‘39 |
|
1.
individuelle Tempogestaltung, A teilweise verzärtelt, B Bass T. 45-49
hervorgehoben, 3. sprechende Artikulation, staccato im Bass etwas fest, 4. A
T. 1-30 verträumt, B teilweise gestelzt, individuelles Tempo, 6. Trio
schneller |
|||
4-5 |
Artur Schnabel |
EMI Arabesque |
1937 |
24‘35 |
|
insgesamt
etwas unstet, Schnabel pflegt hier von Abschnitt zu Abschnitt kein festes
Tempo, auch verzichtet er auf einige W, 6. Fehler in T. 32 auf 2 |
|||
|
||||
4 |
Emil Gilels |
Melodya |
1965 |
25‘27 |
|
live,
▼ |
|||
4 |
Walter Gieseking |
EMI Warner |
1951 |
24‘31 |
|
1. A
ohne 2.W, 2. tieftraurige fis-Moll-Takte, 3. gediegen, 5. stürmisch,
vehementer Zugriff, prägnante Rhythmik, 6. mit Hingabe und Klangsinn, 2. W
fehlt – insgesamt jedoch etwas spröde |
|||
4 |
Lars Vogt |
Ondine |
P 2016 |
31‘23 |
|
1. parzelliert,
fehlender Zusammenhang, 2, fis-Moll-Abschnitte etwas schneller, 3. ähnlich
wie Stück 1, 4. B wie eine andere Welt, 6. nachdenklich – Vogt interpretiert
die einzelnen Stücke, schafft jedoch keinen Zusammenhang |
|||
4 |
Anne Queffélec |
Erato |
1971 |
26‘39 |
|
1.
und 4. mehr Allegro als moderato, etwas unruhig, 2. etwas distanziert, mehr
Technik als Empfindung, 6. gefällt am besten, ansprechendes Tempo |
|||
4 |
Andor Foldes |
EMI |
1970 |
28‘16 |
|
1.
spielfreudig, mit einer gewissen Sinnlichkeit, 2. lyrisch, feinfühlend, 3.
ein wenig nachdenklich, 4. zu schnell und zu motorisch, Musik wird etwas
überfahren, B-Abschnitt besser, 5. mit wacher Aufmerksamkeit, 6. die beiden
Abschnitte gut gegenübergestellt |
|||
4 |
Alain Planès |
HMF |
1999 |
28‘58 |
|
1.
Klavierbass etwas mulmig, 2. traurig, 3. trocken, nüchtern, 4. gefällt, A und
B gut gegenübergestellt, 5. Allegro assai, kraftvoll nach vorn, 6.
nachdenklich, Trio bringt Farbe in die Musik |
|||
4 |
Alfred Brendel |
VOX Brilliant |
1962 |
25‘35 |
|
▼ |
|||
4 |
Nikolai Tokarew |
Sony |
2007 |
28‘45 |
|
A bewegt, B mit Hingabe, 2. ruhig, 3. elastisch, 4. bewegt, aber auch
etwas unruhig, besonders in B, 6. A ohne 2. W, Tokarew atmet mit der Musik |
|||
4 |
Daniel Barenboim |
DGG |
P 1978 |
31‘21 |
|
1. nuanciertes Spiel, Pianist weist auf die unterschiedlich zu
artikulierenden Achtel in T. 4 und 5 hin, auch an späteren Stellen, 2.
überwiegend zurückhaltend, 3. gebremstes Tempo, 4. Spannung bricht ein, 5.
Artikulation nicht immer nach Notentext, 6. stellenweise etwas blass |
|||
4 |
Yves Nat |
EMI |
1954 |
25‘15 |
|
1.
geschmeidiges Musizieren, 2. kaum Dramatik in den fis-Moll-Takten, 4. sehr
schnell, B-Abschnitte langsamer, 5. feste Akkorde – insgesamt individuelle
Darstellung, einige wenige Fehlgriffe, stumpfer Klavierklang |
|||
4 |
Rudolf Buchbinder |
Teldec |
P 1979 |
28‘36 |
|
1.
genau, aber etwas distanziert, 2. Pausen überspielt, 4. und 5. mechanisch, 6.
akkurat, objektiv, Buchbinder zeigt kaum Emotionen |
|||
4 |
Mitsuko Uchida |
Philips |
P 2001 |
36‘09 |
|
1. A mit
Ausrufezeichen, einige Rit. B geschmeidiger, 2. einige Pausen überspielt,
insgesamt etwas langatmig, 3. Nerv der Musik getroffen, 4. zu fest, A und B
jedoch gegenübergestellt, 5. etwas zäh, mit viel Nachdruck, auch 6, fester
Anschlag |
|||
4 |
Gerhard Oppitz |
hänssler |
2007 |
31‘04 |
|
weicher
Anschlag, korrektes Spiel, Musik eher in Verlaufsform, wenig Atmosphäre,
4.ein wenig geleiert (A), B etwas lockerer, 5. zu fest, 6. nüchtern |
|||
|
||||
3-4 |
Claudio Arrau |
Philips |
1990 |
31‘27 |
|
eine der
letzten Aufnahmen Arraus, insgesamt wenig locker, auch schwerfällig,
Temposchwankungen, Dynamik eingeebnet |
|||
3-4 |
Adrian
Aeschbacher |
DGG forgotten records |
1952 |
23‘59 |
|
interpretatorisch
etwas unausgeglichen, gute dynamische Differenzierung, etwas stumpfer Klang,
2. zurückhaltender fis-Moll-Abschnitt 1, 3. empfindsam, 4. Perpetuum mobile
(A), geschmeidig (B), 5., drängend, 6. feinfühlend – außer 3. keine W |
|||
3-4 |
Emile Naoumoff |
EMI |
1990 |
30‘13 |
|
1.
Achtel T. 4/5 teilweise legato, etwas geradlinig, 2. asketisch, wenig
Spannung, 3. gute Dynamik, 4. Adagio molto, klingt dann etwas wie geleiert,
im B-Teil besser, 5. MT T. 34 ff. zu laut, kein pp, 6. zäh,
stellenweise wie entrückt |
|||
3-4 |
Steven Kovacevich |
EMI |
1994 |
25‘24 |
|
2.
beim zweiten fis-Moll-Teil ff statt f, 3. zu schnell,
Musik etwas überfahren, keine Atmosphäre, 4. zu schnell, perpetuum mobile, im
B-Abschnitt passt das besser, 5. Akkorde zu schneidend, Lautstärke nicht nach
Vorlage; 6. E-Dur-Akkorde T. 43 und 37 auf 3 wie verschluckt |
|||
3-4 |
Valery Afanassieff |
ECM |
2010 |
29‘41 |
|
1. akkurat,
B-Anfang zu laut, 2. etwas reserviert und manieriert (lk.
Hd. überdeutliches fis), 3. zögernd, affektiert, 4.
Schuberts Dynamik nicht immer übernommen, 5. rasant, starker Kontrast zum
Vorgänger, 6. Trio etwas schneller, insgesamt jedoch wenig Atmosphäre |
|||
3-4 |
John O’Conor |
Telarc |
1993 |
28‘58 |
|
1.
weich, teilweise auch zart, 2. As-Dur-Abschnitte und fis-Moll-Abschnitte nicht
genügend voneinander abgesetzt, wenig Passion, 3. zurückhaltend, etwas blass,
4. Pianist verzettelt sich etwas (A),5. und 6. Musik in Verlaufsform,
diszipliniert, wenig Klangsinn |
|||
3-4 |
Michel Dalberto |
Denon Brilliant |
1989 |
27‘36 |
|
1. etwas
hölzern, 2. zu zögerlich, 4. zu schnell, 5. kräftig, jedoch mit wenig
Feingefühl, mechanisch, 6. ohne 2. W |
|||
3-4 |
Vladimir Feltsman |
CBS |
1978 |
33‘53 |
|
1. zögerlich, 2. idem, entrückt, 3. ohne Esprit,
5. harter Anschlag, ohne W, 6. sehr ruhig, A ohne 2. W |
|||
3-4 |
Alexandre Tharaud |
Erato |
2021 |
27‘41 |
|
1. T.
6/7 sowie 27/28 teilweise legato, zupackend, aber auch etwas robust, 2. A etwas
geglättet, B etwas langsam, 3. einige der immer wiederkehrenden Spielfiguren
nicht ganz rund, 4. oberflächliche Brillanz, 6.Dynamik im p/pp-Bereich
unausgeglichen, Trio viel schneller und akzentuierter – Aufnahme hinterlässt
keinen bleibenden Eindruck |
|||
3-4 |
Ingrid Haebler |
Philips Decca |
1960 |
25‘26 |
|
Haebler lässt sich nicht ganz auf das Potential der Stücke
ein, Musik von außen, kaum von innen betrachtet, 1. zielstrebig durch den
Satz, 3. wie nur durchgespielt, 5. großzügige Dynamik |
|||
|
||||
3 |
Wilhelm Backhaus |
Decca |
1955 |
22‘26 |
|
eine
der wenigen Schubert-Aufnahmen von Backhaus, 1. geradlinig, klar, 2. wie durchgespielt,
eingeebnete Dynamik, 3. emotionslos, Poesie? 4. A Perpetuum mobile, spröde,
ohne W im ersten und letzten Stück – insgesamt wenig Anteilnahme spürbar |
|||
3 |
Tzimon Barto |
Capriccio |
2007 |
40‘00 |
|
1. A teilweise
legato statt staccato, T. 17 Pause gekürzt, idem T. 27/28, B kein festes
Tempo, gedehnt, überwiegend p/pp, Adagio, schleppend, kaum Kontrast
zwischen As-Dur und fis-Moll-abschnitten, 3 affektiert, 4. ohne
Spannung, 6. Barto lässt sich nicht vom Notentext
herausfordern |
|||
Interpretationen nach
historisch-informierter Aufführungspraxis sowie mit Hammerflügel |
||||
5 |
András Schiff |
ECM |
2014 |
27‘09 |
|
insgesamt
herber als die frühere Decca-Produktion; Franz Brodmann Fortepiano mit vier Pedalen |
|||
|
||||
4 |
Lambert Orkis |
Virgin |
1990 |
30‘31 |
|
1.
T10/11 Metrum? 3. etwas hölzern, 5. Allegro assai statt vivace, markant
akzentuiert, zupackend, insgesamt wünschte man sich mehr Farbe – HF von
Thomas und Barbara Wolf nach Nannette Streicher,
1990 |
|||
|
||||
3-4 |
Melvyn Tan |
Virgin |
1987 |
25‘23 |
|
1. keine
festen Tempi, unruhig, moderato? 2. ähnlich wie 1. 3. Terzen rechte Hd unausgewogen, 4. A Leerlauf, etwas wie geleiert, 6.
durchgespielt, insgesamt großzügige dynamische Gestaltung – HF von Derek Adlam nach Nannette Streicher,
Wien 1814 |
Hinweise auf Interpreten und
Interpretationen
Emil Gilels
Drei Interpretationen liegen mir mit Gilels vor, eine Studioproduktion aus London (EMI) sowie
zwei Konzertmitschnitte aus Moskau (Melodya) und
Salzburg (Orfeo). Als Höhepunkt in der Interpretation Schubertscher
Klaviermusik erweist sich die Londoner Aufnahme, in der Gilels
die Musik sprechen lässt, in festem Tempo, einfühlsam und mit viel Klangsinn.
Im ein Jahr älteren Mitschnitt aus Moskau tritt der Virtuose vor sein Publikum,
hier wird schneller, unruhiger, kantiger und mit mehr Dynamik gespielt. Der
Klang des alten (?) Flügels lädt nicht unbedingt zum Hören ein. Besser klingt
und gefällt dagegen der Mitschnitt aus dem Mozarteum Salzburg, die Musik klingt
ausgewogen und farbenreich. Leider verzichtet der Pianist auf einige
Wiederholungen.
Friedrich Gulda
Friedrich Gulda hat die Moments musicaux in den 1960er Jahren mehrmals aufgenommen, zwei
Studio-Produktionen liegen hier vor: Scribendum 1963
sowie Andante 1967. Letztere ist eine Aufnahme des ORF. Von der Erstgenannten
sind diverse Labels im Handel, die nicht immer dasselbe Aufnahmejahr nennen:
1960, 1963 und 1964. Neben diesen mir vorliegenden Aufnahmen wird bei discogs eine weitere vom Label Paradiese Productions genannt, angeblich Guldas letzte Aufnahme
überhaupt, ein Jahr vor dem Tod des Pianisten 2000 im Paradies Studio
Weissenbach entstanden. Die ORF-Aufnahme zeigt etwas schnellere Tempi als 1963,
auch spielt Gulda geschmeidiger und eleganter (4.) als früher. Als störend
empfinde ich die leisen dumpfen Geräusche im Hintergrund (zumindest bei meiner Scribendum CD), die dem Pedaleinsatz geschuldet sein
könnten.
Alfred Brendel
Von Guldas Landsmann Alfred Brendel
kenne ich drei Studio-Produktionen. Die älteste wurde vom amerikanischen Label
Vox 1962 in Wien produziert und ist heute in der umfangreichen Brilliant-Box
mit Brendels frühen Aufnahmen enthalten. 10 Jahre später, Brendel ist
mittlerweile ein Philips-Künstler, entstand eine zweite Aufnahme der 6 Moments musicaux. Nach 15 Jahren, jetzt im digital-Zeitalter, eine
dritte Aufnahme. Die frühe Vox-Aufnahme mit ihren mulmigen Bässen und dem
insgesamt etwas bedecktem Klangbild ist aufgrund der späteren Philips-Platten
überflüssig geworden. Diese erfreuen durch viele poetische Abschnitte sowie
auch ihre dynamische Differenzierung vor allem im leisen Bereich. Leider
verzichtet Brendel auf einige Wiederholungen.
eingestellt am 08.01.25