Das Klassik-Prisma

 

 Bernd Stremmel

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    1. Sinfonie B-Dur op. 38 „Frühlings-Sinfonie“


Neubearbeitung und Ergänzug 2012



Kletzki

Israel Philharmonic Orchestra

EMI

Doremi

1956

29‘46

5

genaues Nachzeichnen von Themen und Melodieverläufen, mit viel Liebe und Engagement bei der Sache, I sehr rhythmisch, II (fast) immer lebendig, verschiedene Ebenen der Komposition immer deutlich, III nicht zu schnell, Coda abgesetzt, nachdenklich, IV T. 46-49 und T. 53-55 etwas langsamer

Dohnanyi

Cleveland Orchestra

Decca

1987

33‘04

5

I immer sehr deutlich, II D. lässt sich Zeit, Spannung bei T. 50?, III ganz „natürlich“, IV Orchester top, könnte hier etwas mehr Stringenz zeigen

Skrowaczewski

Deutsche Radio-Philharmonie Saarbrücken

Oehms

2007

32‘48

5

S. hat eine Vorstellung vom Werk und verwirklicht sie konsequent, akzentuiert, die Musik atmet, I Allegro molto, II langsames Tempo, Musik jedoch geformt, fällt nicht auseinander, wunderbar die Streicherbegleitung zum Solo von Oboe und Horn T. 78 ff, III con brio, konzentriert, IV schnelles Allegro

Koussevitzky

Boston Symphony Orchestra

RCA, History u.a.

1939

33‘02

5

werkgerechte Darstellung, leicht entfernt und nicht immer transparent – I klar, aufmerksam, II gesangvoll, fließend, Pos. T. 112 ff nicht ganz top, III Trio II etwas schneller

Szell

Cleveland Orchestra

Sony

1958

30‘33

5

I elegantes und rhythmisch federndes Musizieren, II Andante, immer fließende Melodie und dazu die „Kommentare“ der anderen Instrumente, IV Szell lässt sich Zeit, E mit viel Aplomp, Blick auf Details – Klangbild nicht mehr so frisch


Rosbaud

SWF Sinfonie-Orchester Baden-Baden

SWR

1960

32‘32

4-5

R. durchleuchtet die Partitur in allen Sätzen, I Stringenz, T. 437 kein Ritardando, II Andante, spannungsvoll, Musik pulsiert immer, III Trios im Tempo nicht wesentlich schneller, Trio II mehr Klang als gewöhnlich, IV nicht zu schnell, Holz immer präsent

Sawallisch

Staatskapelle Dresden

EMI

1972

31‘54

4-5

I frisches Tempo, mit Verve bei der Sache, II hält das Stimmengeflecht immer durchsichtig, natürlich gesungene Cellokantilene T. 41 ff, Atmosphäre, III lebendige Trios, IV wie 1. Satz

Paray

Detroit Symphony Orchestra

Mercury

1958

30‘48

4-5

männliche, unverzärtelte Darstellung, I flottes Allegro, zackig, Themen und Motive scharf gezeichnet, II innewohnende Dramatik kommt nicht zu kurz, sehr konzentriert, III Allegro molto e vivace, drängend

Furtwängler

Wiener Philharmoniker

Decca/DGG

1951

33‘09

4-5

live München – I Schumann auf der Spur, Spannung auf- und abbauen, II ausdrucksvoll, beredt, vielschichtig, III sehr gewichtig genommenes Scherzo-Thema, Trios deutlich schneller, poetisches Finale ab T. 377, IV zurückhaltendes Tempo, T. 117-169 wie für WF geschaffen – etwas entferntes Klangbild, in den Tuttis weniger durchsichtig

Abendroth

Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin

Tahra

1955

30‘48

4-5

live – I sehr nahe bei Schumann, drängendes Allegro, II molto cantabile, III stürmiges Scherzo, Coda langsamer – für die Zeit der Aufnahme durchsichtiges Klangbild, präsent, sehr diszipliniertes Publikum!

Münch

Boston Symphony Orchestra

RCA

forgotten records

1951

32'20

4-5

deutlicher und profilierter als die spätere Stereo-Aufnahme, etwas Hall, Im Scherzo aufgewühltes Trio II, IV con anima. Im 2. Satz klingt die Musik etwas äußerlich, zu mächtig, weniger intim

Walter

New York Philharmonic Orchestra

Iron Needle

1945

28‘36

4-5

live – I E T. 25 ff gut, Allegro con anima, II beseelt, Wärme, III Artikulation des Scherzothemas leidet unter sehr schnellem Tempo, Trio II Viertel zu gewichtig, IV Tempo rubato, con anima – Rauschen und Knistern der Acetat-Platten, kompacktes Klangbild

Zinman

Baltimore Symphony Orchestra

Telarc

1989

31‘45

4-5

athletisches Orchesterspiel, Vorstufe zur späteren Aufnahme mit dem Tonhalle Orchester, I flottes Allegro, rhythmisch akzentuiertes Spiel, Blick nach vorn, II nicht mit der glühenden Intensität wie 2003

Nezet-Seguin

Chamber Orchestra of Europe

DGG

2012

29'18

4-5

live – immer sportlich, lockeres Musizieren, I E hätte noch aufmersamer sein können, z. B. T. 24 ff: Fg. nicht zu hören, Abwechseln der Klanggruppen wenig zwingend, HT straff, T. 281 ff vor Reprise nicht deutlich, II Musik darf atmen, Oboe beherrscht den Bläserklang!?, III Trio I 3-Ton-Motive zwischen Str. und Bläsern nicht immer egal artikuliert, der Akzent auf dem jeweils 2. Ton könnte etwas deutlicher sein, sonst gut, Coda langsamer, IV Spannung bricht am Schluss der kurzen Einleitung ein, Str.-Unisono T. 46-49 und 53-56 langsamer

Kubelik

Berliner Philharmoniker

DGG

1963

31‘09

4-5

klar, durchsichtig, partiturbezogen, ernsthaft, in den Tempi nicht überzogen

Krips

London Symphony Orchestra

Decca

1957

28‘49

4-5

Orchester leicht entfernt, jedoch durchsichtiges Klangbild, II mit Impetus, II Andante, fließend, IV mäßiges Tempo

Kempe

Berliner Philharmoniker

EMI

1955

29‘56

4-5

I trotz gleicher Spielzeit wie bei HvK klingt die Musik viel lebendiger und farbiger, II Andante, bewegtes Musizieren, immer sehr durchsichtig

Fricsay

RIAS Sinfonie-Orchester Berlin

DGG

1955

32‘02

4-5

I genaues Musizieren, frisch, in den Tuttipassagen nicht auftrumpfend, II F.unterscheidet immer zwischen Melodie und Begleitung, die Musik spricht für sich, III gute Gestaltung, IV animato! – vielleicht mehr mit dem Kopf gestaltet als mit dem Herzen empfunden, etwas blasses Klangbild

Sinopoli

Sächsische Staatskapelle Dresden

DGG

1992

33‘13

4-5

immer ganz nah an der Partitur, I aufmerksam, zielgerichtet, setzt Akzente, II eine große Gesangsszene – ein wenig Hall

Solti

Wiener Philharmoniker

Decca

1969

31‘14

4-5

Soltis Vergnügen am prallen Orchesterklang wird auch hier deutlich, temperamentvoll, ausgefeilt, II beim Cellothema T. 41 ff sind die anderen Instrumente zu laut, Satz klingt etwas artifiziell, Instrumente überdeutlich, wenig Innerlichkeit

Ansermet

Orchestra de la Suisse Romande

Decca

1951

31‘14

4-5

helles, durchsichtiges aber dünnes Klangbild, Oboe wie in London, I fällt etwas gegenüber den andern Sätzen ab: Tuttis oft zackig, piu vivace T. 25 ff ziemlich leblos, II Andante, bewegtes Musizieren, A. unterscheidet immer zwischen Melodie und begleitung, Pause zwischen den Sätzen 2 und 3 zu lang (attacca!), III schlank, nicht überladen, IV lebendig schlank, Holzbläser immer präsent

Mehta

Wiener Philharmoniker

Decca

1976

33‘21

4-5

I flottes Allegro, M. lässt an der innewohnenden Dramatik des Satzes teilnehmen, II immer im Fluss, Stimmengeflecht immer klar, III Scherzo-Thema kräftig und bedeutsam, Trios heben sich in ihrer Eigenart deutlich ab, IV kommt erst in der Coda richtig zur Sache


Stenz

Gürzenich Orchester Köln

GO live

2006

31‘44

4

live – I E Wechsel der Bratschen und 2. Geigen T. 25 ff wenig spannend, Höhepunkte werden nicht überspielt, II Andante, Gesangsszene, IV frisch musiziert – Streicher nicht immer homogen, transparentes Klangbild, Blech oft vorn

Münch

Boston Symphony Orchestra

RCA

1959

29‘09

4

etwas streicherbetontes Musizieren zu Lasten der Holzbläser, I frisch musiziert, in den Tutti-Abschnitten nicht immer geschliffen, ausdrucksvolle Coda, II dichtes Musizieren, III Thema könnte besser artikuliert sein, IV mit Verve, Kadenz Flöte: wie ein Schmetterling

Semkow

St. Louis Symphony Orchestra

Vox

Marshall


30‘00

4

I aufmerksames Dirigat, in der Coda ab T. 467 bricht jedoch die Spannung ein, II belebt, Spannung, III Trio I tänzerisch, Trio II ein Scherzo im Scherzo, IV könnte etwas schneller sein

Oramo

Königlich Philharmonisches Orchester Stockholm

Sony

2008

32‘53

4

aufmerksames Musizieren noch in philharmonischer Tradition, I E etwas blass, Fanfare ganz legato, kein überhitztes Tempo im HT, II sich Zeit lassend, III Trios schneller als Scherzo, IV nicht zu schnell, geringere Spannung

Masur

Gewandhausorchester Leipzig

Eterna

BMG

1973

31‘52

4


Masur

London Philharmonic Orchestra

Teldec

1990

31‘35

4


Marriner

Academy of St. Martin-in-the-Fields

hänssler

Brilliant

1998

30‘57

4

M. rückt die Sinfonie in die Nähe Mendelssohns, sehr schlankes, oft federndes, leichtfüßiges Musizieren, mehr die hellen Seiten der Sinfonie herausgestellt, aufgelichteter Klang, schnelle Tempi, auch im langsamen Satz, zügig, leicht dahin, irgendwie jedoch einseitig

Kertesz

London Symphony Orchestra

BBCL

1965

30‘16

4

live – Repertoire-Erweiterung bei Kertesz, keine neuen Aspekte bei Schumann, aufmerksam und solide, diszipliniert, Tuttis in den schnellen Sätzen etwas fest, ausdrucksvoller 2. Satz

Muti

Wiener Philharmoniker

Philips

1993

32‘46

4


Caetani

Robert-Schumann- Philharmonie Chemnitz

Calig

1997

31‘27

4

immer präsentes Blech, besonders Posaunen, jedoch nicht aufdringlich, praller Tuttiklang, I ziemlich konstantes Tempo, II Andante, sehr bewegt, aber immer nahe bei Schumann, III Trios sehr schnell – Orchester nicht ganz top

Eschenbach

NDR-Sinfonie-Orchester Hamburg

RCA

1998

32‘54

4


Eschenbach

Bamberger Symphoniker

Virgin

1991

34‘03

4


Vonk

Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester

EMI

1993

31‘50

4

live - insgesamt gesehen eine sehr solide Aufnahme, offenes Klangbild, Abstimmung zwischen Streichern und Holzbläsern in Tutti-Abschnitten nicht immer optimal

Levine

Berliner Philharmoniker

DGG

1991

33‘50

4

konventionell, gefällig, immer betriebsam, ohne besondere Handschrift zu hinterlassen, ohne Höhen und Tiefen – klangschöne Aufnahme

Bernstein

Wiener Philharmoniker

DGG

1984

33‘14

4

live

Haitink

Concertgebouw Orchester Amsterdam

Philips

1983

32‘30

4

I unspektakulär, detailgenau, II Andante, korrekt, III Ausdruckspotentional der Trios wenig genutzt, IV detailgenau, jedoch irgendwie temperamentarm, Coda ausgenommen

Konwitschny

Gewandhausorchester Leipzig

Berlin classics

1960

33‘25

4

I bewegte E, solide, II fließend, Cello T. 41 ff taucht zu sehr im Stimmengeflecht unter, III solide, IV könnte etwas spritziger sein, nur gediegen

Kubelik

Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

CBS

P 1979

34‘43

4

I accell. T. 25 ff nicht so überzeugend wie früher, Aufnahme klingt gewichtiger, II Dialog der Violinen T. 55 ff wenig deutlich, weniger konzentriert, IV zu erdverbunden, zäh, wenig spritzig, geringere Inspiration – leicht entferntes Klangbild


Muti

Philharmonia Orchestra

EMI

P 1979

33‘23

3-4


Mitropoulos

New York Philharmonic Orchestra

Archipel

1953

31‘08

3-4

live - Huster im 4. Satz

Mitropoulos

Wiener Philharmoniker

Orfeo

1957

31‘59

3-4

live

Zacharias

Kammerorchester Lausanne

MDG

2011

33'00

3-4

I deutliches Musizieren, jedoch ohne Schwung, eher referiert als erlebt, II keine großen Bögen, Abschnitte reihen sich aneinander, III gefällt am besten, IV kaum animato

Inbal

New Philharmonia Orchestra

Philips

1970

34‘08

3-4

I heller Orchesterklang, die schnellen Abschnitte klingen sehr betriebsam, Blick auf Details, insgesamt etwas glatt, II klingt nach Mendelssohn, leichtgewichtiges Cello T. 41 ff, III locker, Trio II etwas zu langsam, zu sehr buchstabiert, IV ohne Esprit, lahm – dünne POL-Oboe

Jordan, Armin

Orchestre de la Suisse Romande

Erato

1989

31‘38

3-4

I E wenig Spannung, T. 281-289 so gut wie nicht gestaltet, II Cello-Thema T. 41 ff etwas unterbelichtet, insgesamt weniger farbig, III Trio II etwas lieblos, IV die einzelnen Abschnitte werden wenig aufeinander bezogen, Spannung wird nicht immer gehalten

Thielemann

Philharmonia Orchestra

DGG

2001

34‘43

3-4

I lustlos, nur korrekt, keine Akzente, etwas blutleer, II keine großen Bögen, meist oberstimmenbetont, III Scherzo-Thema unprofiliert, schleppt sich dahin, Trio I T.123 u.199 kein sf, Trio II erfrischend, IV ohne Temperament, Hornsolo T.171 kein con fuoco

Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1971

30‘13

3-4

I E schwerfällige Fanfare, 2. Thema blass, zähes Tempo, die Musik schleppt sich dahin, ohne Spannung, II Andante, dichtes Klangbild, eine Episode reiht sich an die andere ohne richtigen Zusammenhang, oberstimmenbetontes Musizieren, Vc-Thema T. 41 ff wenig hervorgehoben, III viel näher an der Musik, IV zackige Tuttis

Bernstein

New York Philharmonic Orchestra

Sony

1960

33‘54

3-4


Klemperer

New Philharmonia Orchestra

EMI

1966

35‘21

3-4

Klemperer musiziert klar und deutlich, jedoch etwas unflexibel, starr, wirkt deshalb eintönig, II schleppend


Barenboim

Chicago Symphony Orchestra

DGG

P 1977

33‘56

3


Barenboim

Staatskapelle Berlin

Teldec

2003

34‘42

3


Comissiona

Houston Symphony Orchestra

Arte Nova

1988

34‘35

3

Orchesterleistungen nicht immer top, Klang wenig farbig, vor allem das Holz, II T. 41 ff Defizite in der Gestaltung: miteinander oder nebeneinander?, III Trio II lahm, tapsig, Tänzbär?, IV es läuft so, jedoch zu langsam, Gestaltungsdefizite

Roschdestvensky

Estländisches Staatsorchester

Melodya

1978

32‘50

3

I E Spannungseinbrüche in T. 8 und 12 vor der 3 und T. 18 vor der 4, Einzelabschnitte stehen nebeneinander, kein Crescendo von Ob/Fl T. 248 f und T. 256 f sowie T. 262 ff bei allen Holzbläsern, Satz nicht aus einem Guss, II Oberstimmen-betontes Musizieren, Nebenstimmen ohne Ausdruckskraft, III Scherzo-Thema ohne rechten Biss, Trio I farblos, IV ohne Schwung und Spannung, keine Höhepunkte, pflichtgemäß exekutiert – durchsichtiges Klangbild, jedoch ziemlich farblos



Aufnahmen nach historischer Aufführungspraxis, teilweise mit Originalinstrumenten:


Zinman

Tonhalle Orchester Zürich

Arte Nova BMG

2003

29‘13

5

Partitur durchleuchtet, sehr helles Klangbild, I voller Stringenz, kaum Luft zum Atmen, T. 437 ff nur ein wenig lamgsamer, II Andante, sehr farbiges Musizieren, pulsierend, genaue Disposition, III Scherzo fast wie gehetzt, aber immer im Griff, Trio I dritte Note des 3-Ton-Motiv fast verschluckt, IV Quirliges Hauptthema, lustbetontes Musizieren

Herreweghe

Orchestre des Champs Elysées

HMF

2006

32‘11

5

Musizieren aus einem Guss, saftiger Klang, in Tuttiabschnitten vom Blech beherrscht, trotzdem immer transparent – II Gesangsszene, erfülltes Musizieren

Dausgaard

Schwedisches Kammerorchester

BIS

2007

31‘18

5

Schumann im Kammerorchesterformat, sehr gute Transparenz – I hervorragende Disposition, lichtdurchflutet, rhythmisch akzentuiert, schwungvoll und locker, II Th. klingt anfangs wie mit Dämpfern gespielt, Musik erstklassig dargeboten jedoch weniger gefühlt, III Trio I Dreitonmotiv gebunden, Trio II nicht zu schnell, Staccato-Viertel eher verbunden, IV duftende Pizzicati

Järvi, Paavo

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

RCA

2010

31‘19

4-5

mehr mit dem Kopf als mit dem Herz musiziert, hellwaches Dirigat, sehr schlank – I E Fanfaren nicht auftrumpfend, erste sogar verhalten, rhythmische Ernegie der Themen genutzt, flirrende Geigen, II Andante – Thema zu Beginn etwas körperlos, ganzer Satz ein wenig blutleer, III; leicht federnd, Trio I sehr schnell, „Quasi Presto“ bestens, IV bewegt pulsierende Streicher und Holzbläser


Gardiner

Orchestre Revolutionaire et Romantique

DGA

1997

30‘09

4-5

HIP als Normalität – I flottes Allegro, vorwärtsdrängend, Freisetzung der innewohnenden rhythmischen Energie, II im Ausdruck zurückhaltend, III flottes Scherzo, keine Akzente vergessen, IV wie Satz 1

Goodman

The Hanover Band

RCA

1993

30‘20

4-5

offenes Klangbild, sehr deutliches Musizieren – I lebendig, Blick immer nach vorn, höherer Stellenwert des Blechs, II Andante, zu betriebsam, keine klare Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenstimmen, III Trio II Viertel T. 289 f und 291f gebunden, IV T. 171 schmetternde Hörner

Harnoncourt

Chamber Orchestra of Europe

Teldec

1995

31‘15

4-5

live – Interpretation mit einigen Eigenwilligkeiten, z.B. gebundene Achtel in der Durchführung des 1.Satzes, Seufzer im 2.Trio des Scherzos, I E Spannung lässt am Ende der 2.Fanfare nach, überzeugende Steigerung am Ende der Reprise, II gute Disposition, mangelnde Innigkeit, III flottes Scherzo, Artikulation im Trio I nicht immer top, IV Stringenz


Merz

Klassische Philharmonie Düsseldorf

ebs

1991-93

34‘48

2-3

Merz bricht eine Lanze für die Gleichberechtigung der Blechbläser, Trompeten und Pauken fallen penetrant aus dem Gesamtklang heraus, keine Ausgewogenheit, II aneinandergereihte Motive ergeben noch keine Melodie, alles scheint M. gleich wichtig zu sein, Musik schleppt sich dahin, III Scherzo-Thema eher moderat, Trio I bewegt, Trio II gemächlich, IV zu langsam, ohne Schwung, ausgenommen Pauken-Achtel und -Sechzehntel – sehr einseitig



Aufnahmen in der Bearbeitung von Gustav Mahler:


Chailly

Gewandhausorchester Leipzig

Decca

2007

30‘19

5

I lebendiges frisches Musizieren, Blick auf Details, duftige Pizzicati der Bässe, II Andante, immer das Ganze im Blick, III schnelles Scherzo mit Profil, Trio I im Tempo, Trio II schneller, drängend, erinnert an „Sommernachtstraum“, IV wie 1. Satz


Schumanns sinfonischer Erstling ist vielschichtiger ausgefallen als seine offizielle 2. Sinfonie. Der Komponist schöpft aus einer Fülle von Melodien und klammert sich nicht wie obsessiv an wenige Themen bzw. Motive. Die ganze Musik fügt sich leichter und lockerer zusammen. Trotzdem entgeht es dem aufmerksamen Hörer oder/und Leser der Partitur nicht, wie Schumann fast wie besessen an den ersten fünf Noten des Hauptthemas während des ganzen ersten Satzes festhält und es überall perpetuiert. Ziemlich am Ende der Exposition formt er es zu einem Tonleitermotiv um (T. 117 ff) und greift es dann in der Durchführung wieder auf (ab T. 246 bis T. 281).

Schumanns Orchestersatz orientiert sich im Großen und Ganzen an Beethovens Orchesterkompositionen, vorrangig den Sinfonien. Im Wesentlichen übernimmt er dort gezeigten Techniken und wendet sie auf seine Weise an. Die größere Fülle der Gedanken sowie interessanter harmonischer Einfälle führen über Beethoven hinaus und fordern den Mut zu eigenen Lösungen. Auch im formalen Bereich erweitert er das klassische Schema, z. B. ein neu eingeführtes Thema in der Durchführung, die sich zudem zu einer nie gehörten Länge ausweitet. Dabei gelingt es Schumann, seine Gedanken trefflich in seine Partitur zu übertragen. Hier und da ist die Instrumentation jedoch etwas überladen, da sollte der Dirigent Prioritäten setzen und Instrumente hervorheben oder zurücksetzen. Die einzige Stelle in der 1.Sinfonie, die man bemängeln dürfte, sind die Takte 282 – 289, in denen nacheinander Flöten, Oboen und Fagotte zweistimmig, also pro Stimme ein Holzblasinstrument gegen den nicht gerade leise zu spielenden Instrumentenchor aus Klarinetten, Hörnern und Streicher das Anfangsmotiv des 1.Themas anzuspielen haben, das ist wenig geschickt und bedarf eigentlich einer Korrektur. Bruno Walter, Semkow, Zinman und Chailly lassen eine Trompete oder zwei Hörner mitspielen, was vermutlich auf Mahler zurückgeht. Dessen Bearbeitung erkennt man sofort in den ersten Takten, spielen nicht da die Hörner und Trompeten tiefer? Richtig! So hatte es Schumann ursprünglich gedacht, da bei den ersten Proben die Naturhörner einige Töne der Anfangsfanfare gestopft spielen mussten, also die rechte Hand in den Sturz zu stecken hatten, war die gewünschte Gleichmäßigkeit der Melodie nicht gegeben. Mendelssohn gab Schumann den Rat, so berichtet es das Booklet bei Chailly, die Fanfarentakte um eine Terz höher zu transponieren, was Schumann einleuchtete. So werden diese Takte bis heute gespielt, obwohl vor ca. 150 Jahre die Ventilhörner die Naturhörner im Orchester abgelöst haben, also eigentlich keine Notwendigkeit mehr für diesen Eingriff vorliegt. Mahler hat in seiner Edition Schumanns ursprüngliche Kompositionsabsicht wieder freigelegt. Die weiteren Änderungen fallen dem Hörer nicht sofort auf, z. B. eine zusätzliche Pauke auf a. Im 2. Satz lichtet Mahler Schumanns dichten Orchestersatz, indem er einige Hornstellen entfernt, um Holzbläser deutlicher hervortreten zu lassen. Zu Beginn des Satzes lässt er die Hauptmelodie nicht nur von Viol.1 sondern beiden Geigengruppen spielen. Auch im dynamischen Bereich gibt es Modifikationen, indem längere f-Stellen, die Mahler etwas starr klangen, durch Diminuendi und Crescendi interessanter gemacht wurden, vor allem in der Sätzen 3 und 4. Im Finale gibt es sogar einen Eingriff in den Kern der Komposition, wenn Mahler in einigen Takten die Stimmen der Hörner, Trompeten und Posaunen ändert.


Hinweise zu einigen Stellen in den Sätzen:


Gleich zu Beginn erklingen in der Einleitung zum 1. Satz die schon erwähnten Fanfaren von Hörnern und Trompeten, wobei der Komponist jeweils den ersten Ton als Achtelnote mit nachfolgender Achtelpause notiert hat, dann folget eine punktierte Viertel und weitere fünf Viertel. Er wollte gewiss ausdrücken, dass die beiden Achtel deutlich von den folgenden Tönen abgesetzt werden sollten. Nicht alle Dirigenten erfüllen Schumanns Absicht: Rosdestvensky überspielt die Pausen, auch bei Muti und Mehta bleibt es undeutlich. Genau nach Anweisung der Partitur lassen z. B. Koussevitzky, Mitropoulos, Bernstein, Haitink und Harnoncourt spielen. Einige Takte später schreibt Schumann vier von Streichern angespielte Achtelakkorde für Streicher und Blechbläser, die Holzbläser sollen um eine Sechzehntel später folgen, man könnte fälschlich meinen, die Flöten etc. seien unaufmerksam, aber so steht es in der Partitur! Diese Verschiebung der Akkorde arbeiten einige Dirigenten scharf heraus: Dohnanyi, Koussevitzky, Ansermet, Solti, Skrowaczewski, Roshdestvensky, Mehta, Goodman, Zinman II, Oramo, Harnoncourt, Gardiner, Chailly und Dausgard. Takt 12 werden die vier Akkorde nochmals aufgerufen, diesmal jedoch von Vierundsechtigstel-Stößen der Trompeten angekündigt, ganz deutlich ist dies zu verfolgen bei Kertesz, Mehta, Inbal, Harnoncourt, Thielemann, Zinman, Merz, Gardiner, Chailly und Herreweghe. In den T. 21/22 bringt Schumann einen wunderbar romantisch klingenden Einwurf der Flöte, worauf die Klarinette zu antworten hat. Leider liegen deren Töne in der für das Instrument wenig reizvollen Mittellage und geht oft im Orchester unter. Die Ehre des Instruments retten: Ansermet, Abendroth, Münch, Kempe, Fricsay, Konwitschny, Semkow, Skrowaczewski, Caetani und Chailly. Unmittelbar anschließend ab T. 25 baut sich das zum Ende führende Crescendo auf. Schumann hat dies aufmerksam komponiert: Bratschen spielen jeweils einen Takt mit gewobenen Achtel-Triolen, während die beiden Fagotte jeweils einen Liege-Ton aushalten. Danach folgen die 2. Geigen mit den Achtel-Triolen, während Flöten und Klarinetten einen Liegeton halten. Das wird dann in den nächsten beiden Takten auf der nächst höheren Akkordstufe wiederholt, danach werden die Motive zeitlich halbiert und der Wechsel geht schneller, aber immer in der gleichen Art: Bratschen mit Fagotten bzw. Geigen mit Flöten und Klarinetten. Leider bleiben die Fagotte meist zu sehr im Hintergrund oder ganz weg. Die beste Disposition bieten hier: Walter, Konwitschny, Rosbaud, Masur-90, Marriner, Semkow, Comissiona, Inbal, Zinman-89 und Dausgaard. Beim Markevitch-Sohn Oleg Caetani sind fast nur die Streicher zu hören, das Holz spielt hier keine Rolle.

Das 2. Thema wird meist langsamer gespielt, besonders bei Barenboim, im Tempo bleiben: Abendroth, Paray, Konwitschny, Caetani, Skrowaczewski, Marriner, Zinman und Goodman. Im T.199 mit Auftakt möchte der Komponist überraschend ein kurzes Trompetensignal hören lassen, leider kümmern sich nur wenige Dirigenten darum, obwohl es forte gespielt werden soll. Wenn der Hörer es deutlich hören möchte, greife er zu einer Aufnahme dieser Interpreten: Walter, Mitropoulos, Skrowaczewski, Kempe, Kubelik-BP, Solti, Bernstein-WP, Haitink, Semkow, Zinman, Oramo und Chailly. Wie schon oben erwähnt, führt Schumann T.150 ein neues kurzes Thema ein, das ab T. 218 wiederholt wird. Zunächst von Flöten und 1. Violinen, dann ab T. 226 von Oboen, Klarinetten und Flöten. Den Part der Violinen übernehmen nun die Celli, was fast alle Dirigenten übersehen(?), oder habe ich sie im Mischklang überhört? Rosbaud, Zinman und Sinopoli sorgen für die nötige Trennschärfe.

Die Reprise läuft nach eine großen Steigerung ab T. 429 aus und leitet über zur Coda, die T. 437 mit einem Streicherchor piano beginnt und T. 451 Holzbläser und Hörner, jetzt forte, einbezieht. Die meisten Dirigenten, auch solche aus der HIP-Ecke, lassen ihr Orchester hier mehr oder weniger langsamer spielen, als müsse es vor der Schlussstretta kurz verweilen. Barenboim beginnt bereits T. 433 mit einem molto Ritardando. Einige bringen zudem T. 467 bei den Klarinetten und Fagotten ein (zusätzliches) Ritardando, die Partitur vermerkt diesbezüglich nichts und so handeln entsprechend Rosbaud, Harnoncourt und Zinman. Bei ihnen erübrigt sich dann nach dem Flötensolo T. 479-483 auch das übliche Stringendo.


Im 2. Satz möchte ich nur auf die richtige Artikulation in den Takten 25/27 und 33/35 hinweisen, da viele Dirigenten den Unterschied von Akkorden in Achteln bzw. in Viertel nicht deutlich herausstellen, der jeweils erste Akkord ist kurz, als Achtelnote, zu spielen, der zweite länger als Viertelnote. In den Takten 70 und 72 sollen die Akkorde beide als Viertelnote gebracht werden. Auf den Unterschied zwischen Achteln und Vierteln achten deutlich Konwitschny, Masur, Vonk, Caetani, Thielemann, Sinopoli, Goodman, Herreweghe, Zinman, Stenz, Gardiner, Goodman, P.Järvi und Dausgard.

Zuletzt zu den Wiederholungen. Im Kopfsatz sowie im Finale sollen jeweils die Exposition wiederholt werden. Fast alle Dirigenten halten sich hier an Schumann Anweisung, Ausnahmen sind Walter, Münch, Kletzki, Krips, Karajan, Kempe, Armin Jordan, Semkow und Kertesz die beide Wiederholungen weglassen. Abendroth, Furtwängler, Szell und Roshdestvensky verzichten auf die im Kopfsatz, Rosbaud, Kubelik-BP und Barenboim-CSO auf die im Finalsatz. Die Wiederholungen im Scherzosatz werden von allen respektiert.


Anmerkungen zu Dirigenten und ihren Aufnahmen:


Von Dimitri Mitropoulos stehen hier zwei Konzertmitschnitte zur Diskussion, wünschenswert wäre eine Studio-Produktion gewesen, in der der Dirigent seiner Auffassung mehr Profil hätte geben können. Bei den Mitschnitten aus New York und Salzburg bleibt das Resultat recht zwiespältig. In der Aufnahme mit den New Yorker Philharmonikern kann man den Kopfsatz als nur solide bezeichnen, der langsame Satz, hier im Andantetempo, wird zu vordergründig, oft auch zu laut musiziert; weniger Differenzierung, dafür große nachgezeichnete Linien. Das Scherzo klingt etwas pauschal, lediglich das Finale kann aufgrund der lebendigen Darstellung gefallen, besonders die spannende Coda. Leider verliert die Hornstelle mit nachfolgender Flöten-Kadenz durch Husten und eine andere Störung ihre Spannung. Das Klangbild ist präsent, die Trompete hier und da etwas zu präsent, in der Lautstärke fehlt der untere Bereich weitgehend.

Die Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern vom letzten Orchesterkonzert der Salzburger Festspiele 1957 leidet auch unter einem etwas entfernten blassen Klang. Ich habe den Eindruck, dass der Festspielbetrieb für die Frühlingssinfonie weniger Probenzeit hergab als für die nachfolgenden Stücke (Ravel Klavierkonzert für die linke Hand und die Sinfonia Domestica von Strauss), irgendwie klingt das Resultat nur nach solide, so als wäre man nicht mit ganzem Herzen bei der Sache gewesen. Mitropoulos überwacht den Ablauf ohne genügend zu gestalten. Im Scherzo wackelt es T. 335-344 gewaltig, als Mitropoulos das Tempo etwas anzieht.


Leonard Bernsteins Beiträge fallen recht unterschiedlich aus. Bei der früheren New Yorker Einspielung erlebt man ein lustbetontes Orchesterspiel, sehr lebendig, jedoch nicht immer mit der gebotenen Sorgfalt geformt, in den schnellen Sätzen klingt manche Partie recht hemdsärmelig oder hektisch. Trotz des sehr langsamen Tempos wirkt der 2. Satz ziemlich unruhig, da Bernstein nicht genügend zwischen Haupt- und Nebenstimme differenziert, da stellt sich keine richtige Atmosphäre ein. Beim Mitschnitt eines Konzertes mit den Wiener Philharmonikern erleben wir einen gewandelten Dirigenten am Pult. Bei ziemlich gleichen Tempi, abgesehen vom Finale, dass ein wenig schneller genommen wird, spielt das Wiener Orchester viel gepflegter, aber auch routinierter, mit weniger Spannung. Der 2. Satz wird nun mit viel mehr Übersicht angegangen, aber eine Innigkeit stellt sich auch hier nicht ein. Das Trio II im Scherzosatz wird hier nun viel lebendiger, spritziger geboten als beim NYPO. Insgesamt gesehen vermitteln beide Aufnahmen kein rechtes Schumann-Glück.


Von Kurt Masur erwarten nicht wenige Musikfreunde Schumann-Interpretationen aus erster Hand, leitete er doch Jahrzehnte lang das Gewandhausorchester, dass viele Orchesterwerke Schumanns zur Uraufführung brachte, u. a. auch seine 1. Sinfonie. Noch zu DDR-Zeiten spielte Masur mit dem Gewandhausorchester einen kompletten Zyklus der Sinfonien für Eterna ein, im Westen wurden die Platten von Eurodisc gepresst und vertrieben. Später kam ein Zyklus mit dem London Philharmonic Orchestra bei Teldec heraus, dem Masur danach von 2000 – 2007 als Chefdirigent vorstand. Masur tritt hinter Schumanns Partitur zurück, es sind gute Interpretationen ohne persönliche Fußnoten, stilistisch näher bei Mendelssohn angesiedelt als bei Schumanns späterem Zögling Brahms.Die Tempi ähneln sich, lediglich beim LPO ist der langsamere Satz etwas bewegter ausgefallen, auch die restlichen Sätze sind minimal schneller genommen. Klangtechnisch hat die neuere Aufnahme die Nase vorn.


Auch von Riccardo Muti liegen mir zwei Aufnahmen vor, mit dem Philharmonia Orchester, als der aufstrebende Dirigent von EMI unter Vertrag genommen wurde, sowie den Wiener Philharmonikern, nun bei Philips. Abgesehen vom Kopfsatz gefällt mir letztere Aufnahme besser, da lebendiger und profilierter gestaltet. Im Allegro des Kopfsatzes erreicht Muti in der ersten Aufnahme stellenweise eine einnehmende Sogwirkung, der Orchesterklang ist offenener, saftiger, jedoch nicht so gerundet wie bei den Wienern, deren Holzbläser in Tutti-Passagen etwas weniger präsent klingen. Die Tempi beider Aufnahmen sind in den Ecksätzen nahezu identisch, im langsamen Satz und im Scherzo spielen die Wiener minimal schneller, was sich auf die Artikulation positiv auswirkt.


Im Abstand nur sieben Jahren durfte Christoph Eschenbach zweimal alle vier Schumann-Sinfonien aufnehmen, über die Notwendigkeit der Reprise in für Klassik-Produktionen so kurzem Abstand lässt sich rätseln, zumal Eschenbach zu dieser Zeit nicht als ausgesprochener Schumann-Spezialist gehandelt wurde. Wie dirigiert er nun die „Frühlingssinfonie“? Die Ecksätze werden frisch musiziert, die Aufnahme mit dem NDR-Orchester für RCA verfügt in der Einleitung noch über etwas mehr Innenspannung und fällt in der Coda dieses Satzes durch einen etwas höheren Differenzierungsgrad auf. Im Finale stehen neben gut gestalteten Abschnitten auch einige, in denen die Musik ohne Spannung abläuft. Im langsamen Satz lässt sich der Dirigent Zeit, bei den Bambergern nutzt er sie jedoch nicht zu einer intensiven Durchleuchtung des Stimmengeflechts, das Cellosolo T. 41 ff bleibt merkwürdig unbeteiligt, bei ein wenig schnellerem Tempo überzeugt Eschenbach beim NDR eher. Auch beim Scherzo gefällt mir die letztere Aufnahme besser, da die Musik mehr an die Hand genommen wird, die Trios klingen in beiden Aufnahmen profilert, das „Quasi Presto“ am Ende des Scherzos wird bei der RCA-Aufnahme endlich einmal ernst genommen.


Im Rahmen seines immensen Aufnahmepensums legte Daniel Barenboim auch seine Interpretation aller Schumann-Sinfonien mit dem Chicago Symphony Orchestra für die DGG vor. Rund ein Viertel Jahrhundert später ging er erneut mit den 4 Sinfonien ins Studio, nun für Teldec, diesmal leitete er die Staatskapelle Berlin. Wer nun hofft, dass sich Barenboims Werkauffassung nach der wenig zufriedenstellenden ersten Aufnahme zum Besseren gewandelt hat, muss von dem Resultat enttäuscht sein. Beide Aufnahmen ähneln sich sehr, von der verbesserten Klangtechnik einmal abgesehen. Die Interpretationen kommen mir wie eine Furtwängler-Nachahmung vor, ohne dessen Gestaltungskraft auch nur entfernt zu erreichen. Mit den Tempi geht er recht frei um, der Notentext deckt das nicht immer ab, im 1. Satz erlaubt sich der Dirigent T. 433 ein molto ritardando, um dann T.483 ein Allegro molto zu bringen. Auch im 2. Satz ist Tempo Rubato angesagt. In der DGG-Aufnahme beginnt er ihn ganz zart und innig, sogar pp und nicht p wie von Schumann gedacht, danach gelingt es ihm jedoch nicht die Spannung zu halten. In beiden Aufnahmen verlangsamt er in den Takten 70-74 deutlich das Tempo, ich sehe da keinen Zusammenhang, Bläser und Streicher spielen oft nebeneinander her. Beim CSO ist das Scherzo-Thema schwammig artikuliert und klingt zäh, in Berlin gelingt das besser. Ein Lichtblick sind die beiden Trios. Dem Finalsatz mangelt es an Leichtigkeit und Esprit, die Musik klingt wie hergebetet. Am Ende der Durchführung wird die Flötenkadenz regelrecht ausgebremst. Den Schwung des Finales hätte man sich viel früher gewünscht. Auch auf ausdrucksvolle Pizzicati, vor allem in den Ecksätzen hofft der Hörer vergebens.



eingestellt 2004

letzte Überarbeitung: 06.04.14











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