Das Klassik-Prisma |
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Bernd Stremmel |
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Robert Schumann
Klavierkonzert a-Moll op. 54
Allegro
affettuoso-Intermezzo, Andantino grazioso-Allegro vivace
Schumann erfreut den Hörer in seinem Konzert nicht mit zahlreichen Themen und Melodien, sondern beschränkt sich auf Weniges, der Bläsersatz gleich nach der Klaviereinleitung ist noch mehr als nur ein Hauptthema, es beherrscht den ganzen Satz, wäre da nicht das kurze Seitenthema, könnte man von einer monothematischen Anlage sprechen. Schumanns kompositorischer Fantasie entspringen diverse Möglichkeiten im Umgang mit dem Hauptthema, wobei auch immer wieder das Orchester „mitreden“ darf, im Gegensatz zu so vielen zeitgenössischen Virtuosenkonzerten, in denen das Orchester nur als Diener des Solisten seinen Platz hatte, der in der Regel selbst am Flügel saß.
Der Kopfsatz ist im Großen und Ganzen ein von der Klassik geprägter Sonatensatz, während das Finale – eine Verbindung von Sonaten- und Rondoform – mit seinen brillanten Läufen und Akkordbrechungen mehr dem zeitgenössischen Geschmack entgegenkommt: „angenehm in die Ohren“ hatte schon Mozart seinem Vater geschrieben. Dazwischen steht ein dreiteiliges, vom Komponisten fein ausgearbeitetes Intermezzo. Sowohl das viertönige Thema des Intermezzos als auch das Hauptthema des 3. Satzes gehen auf das Hauptthema des Kopfsatzes zurück, insofern gelingt es Schumann ein verbindendes Band um die drei Sätze zu legen.
Schumann fordert von seinen Interpreten zu Beginn des 1. Satzes ein einheitliches Tempo, leider wird das oft nicht beachtet, da der Pianist in den ersten drei Takten zu schnell spielt, dann klingen die folgenden 8 Bläsertakte viel langsamer. Wenn er dann in seinem Solo ab T. 13 noch langsamer als die Bläser spielt, steht die Musik fast still. Danach beginnt der Dialog zwischen Solist und Streichern, die Holzbläser werden einige Takte später sozusagen als Ausrufezeichen dazugestellt, was von vielen Dirigenten „vergessen“ wird. In Schumanns Sinne hört man es z. B. bei Dohnanyi, Menges, Inbal, Krips, Kletzki, Kubelik, Dorati und Matacic. Nach dem ersten Orchester-Tutti führt der Pianist ab T. 47 mit einem mehrstimmigen staccato-Spiel das Seitenthema ein, in dem die linke Hand führt und die rechte um einen halben Takt nachfolgt, dabei die Melodie heraushebt. Überzeugend spielen das ABM, Moiseiwitsch, Richter, Monique Haas, François und Gulda. Unmittelbar anschließend bringt der Komponist noch einmal das Hauptthema, vom Klavier vorgetragen; jetzt, beim zweiten Mal, spielt dies Rubinstein leise, fast wehmütig, während andere Interpreten hier leicht auftrumpfen. Bei der Durchführung weicht Schumann von der überkommenen Form ab und gliedert sie in zwei Abschnitte: Zunächst erklingt in einem langsamen Andante-espressivo-Abschnitt ein wundervolles Zwiegespräch zwischen Flügel und Klarinette, später Flöte. Dazu setzen die Celli einen Kontrapunkt, wenn auch pp vorzutragen, sollte man sie nicht unterschlagen, auch Geigen und Bratschen treten taktweise hinzu. Im zweiten Abschnitt der Durchführung wird zunächst der Solo-Einstieg des Flügels vom Beginn des Satzes durchgeführt, das klingt wie eine Reprise, diese kommt jedoch erst in Takt 259.
Das dreiteilige Intermezzo beginnt mit einem Vier-Ton-Motiv (drei Sechzehntel, eine Achtel) abwechselnd von Klavier und Streichern jeweils zweimal. Im weiteren Verlauf treten diese zweieinhalb Takte mehrmals auf, Schumann verändert jedoch die Artikulation: Zu Beginn schreibt er Staccato-Punkte sowie zusätzlich Bindebögen darüber/darunter, d. h., dass die Noten kurz aber gleichzeitig auch gebunden zu spielen sind. In den Takten 16-19 fehlen diese Bögen, also ist hier ein reines Staccato angesagt. Das wiederholt sich in der Wiederholung des 1. Abschnittes ab T. 68. Beim Vergleich von hundert Aufnahmen muss man jedoch feststellen, dass sich bei Weitem nicht alle Interpreten an Schumanns Notentext halten. Eine gute Differenzierung bringen z. B. Moiseiwitsch, Backhaus, Nat, Solomon, Istomin, Hough, Perahia, Anda, Kempff, Pollini, Hewitt und Kissin.
Benno Moiseiwitsch |
Otto Ackermann |
Philharmonia Orchestra
London |
EMI
Testament |
1953 |
30‘13 |
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profiliertes Orchesterspiel, Sinn für Proportionen,
gute Balance und Transparenz, jedoch etwas flacher Klang – sehr
differenziertes Klavierspiel, deutliches Legato in Satz 1 T. 197-204,
insgesamt con anima
musiziert, Schumann-Glück! Aufnahme weist daraufhin, welch guter
Begleiter Ackermann war |
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Geza Anda |
Rafael Kubelik |
Berliner Philharmoniker |
DGG |
1963 |
31‘52 |
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▼ |
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5 |
Claudio Arrau |
Karl Krüger |
Detroit Symphony Orchestra |
Columbia MCPS |
1944 |
29‘58 |
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▼ |
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5 |
Wilhelm Kempff |
Josef Krips |
London Symphony Orchestra |
Decca
DGG |
1953 |
32‘10 |
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▼ |
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5 |
Solomon |
Herbert Menges |
Philharmonia Orchestra London |
EMI |
1956 |
29‘41 |
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sehr lebendige Darstellung, alles sehr deutlich, schlankes
Musizieren, eher in der Klassik als der Romantik verhaftet, Solist und
Dirigent halten sich beim Tempo, insbesondere bei Ritardandi,
an Schumanns Vorgaben, das schärft die Physiognomie der Sätze, gute Präsenz
und Transparenz |
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5 |
Lars Vogt |
Simon Rattle |
City of Birmingham
Symphony Orchestra |
EMI |
1992 |
30‘14 |
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I spannungsintensive Beredtheit, Atmen mit der Musik,
II farbiges Spiel, subtil differenziert, MT dezentes Espressivo, III sehr
locker, jenseits von Routine, mit Verve – sehr gute Partnerschaft, treffende
Tempi |
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5 |
Leif Ove Andsnes |
Mariss Jansons |
Berliner Philharmoniker |
EMI |
2002 |
29‘45 |
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aufmerksames Miteinander, sorgfältig,
ausgeglichen, geschmeidig, rhythmische Komponente immer im Hinterkopf; Solist
mit bemerkenswertem Anschlag, locker |
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Andras Schiff |
Antal Dorati |
Concertgebouw Orchester Amsterdam |
Decca |
1983 |
31‘10 |
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poetische Darstellung, differenziertes Klavierspiel, sehr gute Balance
zwischen Klavier und Orchester, Schiff spielt sich nur dann nach vorn, wenn
es die Partitur erfordert (3. Satz), folgerichtig nimmt er den Eingang und
die entsprechenden Stellen T. 185-195 nicht ff
sondern nur f |
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5 |
Maurizio Pollini |
Claudio Abbado |
Berliner Philharmoniker |
DGG |
1989 |
31‘00 |
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live, ▼ |
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5 |
Murray Perahia |
Claudio Abbado |
Berliner Philharmoniker |
Sony |
1994 |
30‘05 |
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live, ▼ |
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5 |
Jewgenij Kissin |
Carlo Maria Giulini |
Wiener Philharmoniker |
Sony |
1992 |
30‘22 |
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|
live, ▼ |
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5 |
Eugene Istomin |
Bruno Walter |
Columbia Symphony Orchestra |
CBS
Sony |
1960 |
30‘49 |
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Orchester nicht nur Begleiter, sondern Mitgestalter,
sehr gute Partnerschaft, überzeugende Tempowahl, keine übertriebenen Rubati – gute Transparenz, Orchester in Tutti-Passagen
weniger geschliffen, Klang weniger farbig |
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5 |
Benedetto Lupo |
Peter Maag |
Radio-Orchester der italienischen Schweiz |
Arts |
1998 |
31‘56 |
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|
Lupo und Maag haben das richtige Feeling für op.
54, Sinn für Proportionen, differenziertes Klavierspiel, I A. espressivo sehr
stimmungsvoll, zart, II aufmerksames Miteinander – Orchester nicht in der
A-Liga, jedoch beachtenswerte Leistung |
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4-5 |
Hans Richter-Haaser |
Rudolf Moralt |
Wiener Symphoniker |
Philips forgotten records |
1958 |
29‘42 |
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|
Solist und Dirigent stellen ein gemeinsam erarbeitetes
stimmiges Konzept erfolgreich vor, I inspiriert, mit Hingabe, II
nuancenreich, MT einfühlsam gestaltet, III straff und schwungvoll, fast
atemlos |
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4-5 |
Christian Zacharias |
Hans Vonk |
Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester |
EMI |
1991 |
29‘14 |
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|
live – I sehr lebendig, pulsierend, Grundtempo
nicht aufgeweicht, II mit viel Klangsinn, III con
spirito – erfreuliche Darstellung |
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4-5 |
Annie Fischer |
Joseph Keilberth |
Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester |
ica classics |
1958 |
31‘30 |
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live, ▼ |
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4-5 |
Annie Fischer |
Hans Rosbaud |
SWF Sinfonie-Orchester Baden Baden |
SWR Classics |
1959 |
31‘21 |
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|
▼ |
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4-5 |
Claudio Arrau |
Christoph von Dohnanyi |
Concertgebouw Orchester Amsterdam |
Philips |
1962 |
33‘48 |
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|
▼ |
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4-5 |
Geza Anda |
Ernest Bour |
SWF Sinfonie-Orchester |
hänssler |
1963 |
30‘44 |
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|
▼ |
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4-5 |
Walter Gieseking |
Günter Wand |
Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester |
medici arts |
1951 |
28‘50 |
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|
live, ▼ |
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4-5 |
Yves Nat |
Eugène Bigot |
Orchestre Symphonique Paris |
EMI |
1933 |
28‘41 |
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I Nat als Begleiter immer deutlich (T. 35-39
und T. 290-294), belebte animato-Abschnitte T. 67 ff. und T. 320 ff., man
hört im Andante-Teil mehr vom Orchester als in vielen späteren Aufnahmen, II
wie selbstverständlich, III elegante Läufe und Akkordbrechungen – gute
Zusammenarbeit zwischen Solist und Dirigent |
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4-5 |
Hélène Grimaud |
David Zinman |
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin |
Erato |
1994 |
30‘29 |
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|
I fast schon ein sportlicher Zugriff, mit spürbarer
Vitalität, jugendlich frisch, II im MT eher sachlich als gefühlsbetont, III
zupackend, mit Hingabe – stabile Tempi, sehr gutes Miteinander |
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4-5 |
Hélène Grimaud |
Esa Pekka Salonen |
Sächsische Staatskapelle Dresden |
DGG |
2005 |
31‘04 |
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|
I Aufnahme klingt etwas weniger brillant, dafür
jedoch wärmer, Cellostimme im Andante der Durchführung dezent herausgestellt,
II mit mehr emotionaler Beteiligung, III Pedalgeräusche |
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4-5 |
Murray Perahia |
Colin Davis |
Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks |
Sony |
1987 |
30‘16 |
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live, ▼ |
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4-5 |
Wilhelm Backhaus |
Günter Wand |
Wiener Philharmoniker |
Decca |
1960 |
30‘37 |
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I sparsamer Umgang mit Rubato, aufgelichteter
Orchesterklang, Signalwirkung der Trp., II
aufblühender Mittelteil, III Klavierbass etwas stumpf, Orchester an
Tutti-Stellen kompakt – insgesamt eher klassisch als romantisch |
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4-5 |
Svjatoslav Richter |
Janos Ferencsik |
Ungarische National-Philharmonie |
BMC |
1954 |
28‘22 |
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live, ▼ |
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4-5 |
Svjatoslav Richter |
Riccardo Muti |
Wiener Philharmoniker |
Orfeo |
1972 |
29‘53 |
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live, ▼ |
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4-5 |
Arturo Benedetti Michelangeli |
Dimitri Mitropoulos |
New York Philharmonic Orchestra |
aura |
1948 |
28‘24 |
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live, ▼ |
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4-5 |
Maria João Pires |
Claudio Abbado |
Chamber Orchestra of
Europe |
DGG |
1997 |
31‘40 |
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|
I Tempo rubato, aber nicht übertrieben, II
unterschiedliche Phrasierung T. 68-70, III deutliche Begleitung, sich vor
Überschwang hütend – partnerschaftliches Musizieren |
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4-5 |
Rudolf Serkin |
Eugene Ormandy |
Philadelphia Orchestra |
CBS Sony |
1956 |
28‘41 |
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▼ |
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4-5 |
Rudolf Serkin |
Eugene Ormandy |
Philadelphia Orchestra |
CBS Sony |
1964 |
30‘45 |
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|
▼ |
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4-5 |
Artur Rubinstein |
Josef Krips |
RCA Victor Symphony Orchestra |
RCA |
1958 |
32‘00 |
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▼ |
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4-5 |
Martin Helmchen |
Marc Albrecht |
Orchestre Philharmonique de
Strasbourg |
Pentatone |
2008 |
30‘16 |
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|
aufmerksames Miteinander, frisches Musizieren,
Orchester in Tutti-Abschnitten nicht immer ausgeglichen, kerniges
Klavierspiel, III stürmisch drängend, Lust an instrumentaler Zuspitzung,
musikalische Energie freisetzend |
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4-5 |
Myra Hess |
Eduard van Beinum |
Concertgebouw Orchester Amsterdam |
Tahra |
1956 |
32‘29 |
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live, ▼ |
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4-5 |
John Ogdon |
Paavo Berglund |
New Philharmonia
Orchestra London |
EMI |
1971 |
30‘52 |
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I vorwärtstreibend, Berglund hebt die oft
übersehene Cello-Stimme in der Durchführung dezent hervor, II immer im
Dialog, III in großen Bögen, Proportionen beachtend – gutes Miteinander |
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4-5 |
Dinu Lipatti |
Ernest Ansermet |
Orchestre de la Suisse Romande |
Decca |
1950 |
30’25 |
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live, Rundfunkmitschnitt – HT langsamer,
Sechzehntel-Staccati im 2. Satz jetzt nach
Partitur, Mittelteil con anima – kraftvolles wie elegantes Klavierspiel,
kompakter Klang, leicht entfernt, an lauten Tutti-Stellen leicht verzerrt |
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4-5 |
Dinu Lipatti |
Herbert von Karajan |
Philharmonia Orchestra London |
EMI |
1948 |
29‘45 |
|||||
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I farbiges Klavierspiel, sehr lebendig, HvK stellt sich auf den Solisten ein, II unterschiedliche
Phrasierungen von Klavier und Str. T. 1-3, Mittelteil zu neutral, III
kraftvolles, geschmeidiges und elegantes Klavierspiel, minimale Verzerrungen |
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4-5 |
Julius Katchen |
Istvan Kertesz |
Israel Philharmonic Orchestra |
Decca |
1962 |
30‘56 |
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entschiedenes, in den Ecksätzen schwungvolles
Musizieren, Sch. Tempovorgaben weitgehend
verwirklicht, breite Ausdrucksskala, zupackendes Klavierspiel, gutes
Miteinander sorgt auch für Transparenz und Balance |
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4-5 |
Maurizio Pollini |
Herbert von Karajan |
Wiener Philharmoniker |
DGG |
1974 |
30‘12 |
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live, ▼ |
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4 |
Annie Fischer |
Otto Klemperer |
Philharmonia Orchestra London |
EMI |
1960/62 |
32‘09 |
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▼ |
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4 |
Svjatoslav Richter |
Lovro von Matacic |
Orchester der Oper Monte Carlo |
EMI |
P 1975 |
30‘02 |
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▼ |
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4 |
Svjatoslav Richter |
George Georgescu |
Staatl. Sinfonie-Orchester der UdSSR |
Brilliant |
1958 |
29’15 |
|||||
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live, ▼ |
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4 |
Svjatoslav Richter |
Witold Rowicki |
Nationale Philharmonie Warschau |
DGG |
1958 |
29’33 |
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|
▼ |
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4 |
Artur Rubinstein |
Carlo Maria Giulini |
Chicago Symphony Orchestra |
RCA |
1967 |
32’03 |
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|
▼ |
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4 |
Artur Rubinstein |
Franco Caracciolo |
Orchestra A. Scarlatti di Napoli |
Arts |
1964 |
32’05 |
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live, ▼ |
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4 |
Samson François |
Paul Kletzki |
Orchestre National Paris |
EMI |
1958 |
30’23 |
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wechselseitiges Nehmen und Geben zwischen Pianisten
und Orchester, I im A. espressivo Vc parallel zu
den Bassnoten des Klaviers, leise, aber deutlich; piu
animato T. 205 ff. könnte etwas belebter und vom Flügel delikater
gespielt sein, II sehr bewegt, Flügel etwas zu laut, III Flügel wünschte man
sich etwas lockerer |
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4 |
Arturo Benedetti Michelangeli |
Gianandrea Gavazzeni |
RAI Orchester Rom |
Frequenz |
1962 |
29’30 |
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live, ▼ |
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4 |
Claudio Arrau |
Alceo Galliera |
Philharmonia Orchestra London |
EMI Testament |
1957 |
33‘35 |
|||||
|
▼ |
||||||||||
4 |
Claudio Arrau |
Colin Davis |
Boston Symphony Orchestra |
Philips |
P 1981 |
32‘49 |
|||||
|
▼ |
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4 |
Christian Zacharias, Klavier und Ltg. |
|
Kammerorchester Lausanne |
MDG |
2000 |
30‘13 |
|||||
|
I Flügel „fehlt“ T. 35-39 und T. 290-294, sehr
helle Oboe – das Klangbild ist hier etwas farbiger und hat mehr Körper als
auf der EMI-CD, trotz aller Qualitäten des Orchesters hätte ich mir einen
Dirigenten gewünscht, viele Orchesterstellen klingen doch etwas mechanisch |
||||||||||
4 |
Leon Fleisher |
George Szell |
Cleveland Orchestra |
CBS Sony |
1960 |
30‘19 |
|||||
|
I kraftvoll, zupackend, spürbare Vitalität, aber
auch (viel) Espressivo, Spannungsbögen, III herb – sehr gutes Miteinander,
gute Balance und Transparenz, metallischer Klavierklang (zu viel für
Schumann), man vermisst doch etwas Wärme, musikalisch perfekt |
||||||||||
4 |
Jewgenij Kissin |
Colin Davis |
London Symphony Orchestra |
EMI |
2006 |
32‘04 |
|||||
|
▼ |
||||||||||
4 |
Nelson Freire |
Rudolf Kempe |
Münchner Philharmoniker |
CBS
Sony |
1968 |
31‘36 |
|||||
|
männliches Klavierspiel, heller, brillanter
Klang, gute Transparenz und Balance, I Anfang nicht in einem Tempo, T. 116
ff. überlässt Freire unnötigerweise den Streichern den Vortritt, im A.
espressivo Streicher zu leise, III gelassen, entspannt, Seitenthema
langsamer, wenig inspiriert |
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4 |
Monique Haas |
Eugen Jochum |
Berliner Philharmoniker |
DGG |
1951 |
30‘04 |
|||||
|
immer lockeres Klavierspiel, leicht und meistens
duftig, leider ziehen Dirigent und Klangregie nicht mit, kompakter, teilweise
auch stumpfer Klang |
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4 |
Moura Lympany |
Thomas Beecham |
Royal Philharmonic Orchestra London |
Somm |
1946 |
27‘30 |
|||||
|
live – Stimmführungen des Klaviers in l. und r.
Hd. immer deutlich, Klavier im Vordergrund, Orchester wie hinter einem
Vorhang, teilweise Verzerrungen, unterschiedliche Klangpegel, wunderbar
lebendig musiziert, in den Ecksätzen mit Schwung und frischen Tempi, eine der
besten Deutungen des Konzerts, aufgrund der klanglichen Gegebenheiten
erfolgte die Herabstufung |
||||||||||
4 |
Stephan (Bishop) Kovacevich |
Colin Davis |
BBC Symphony Orchestra |
Philips |
1970 |
30‘39 |
|||||
|
I stürmisch drängend, II ansprechender
Mittelteil, III mit Verve – gutes partnerschaftliches Musizieren, an leisen
Solo-Stellen stört das Hochheben des Pedals – zur Zeit der Aufnahme hieß der
Pianist noch St. Bishop |
||||||||||
4 |
Vladimir Ashkenazy |
Uri Segal |
London Symphony Orchestra |
Decca |
1978 |
31‘56 |
|||||
|
I gelassenes Tempo, der Aufnahme könnte etwas mehr
Druck gut tun, Satzteile heben sich weniger
voneinander ab, II robuster Mittelteil, III konzertant |
||||||||||
4 |
Daniel Barenboim |
Sergiu Celibidache |
Münchner Philharmoniker |
BR Aufnahme |
1991 |
33‘04 |
|||||
|
live – I Celi nimmt den
Orchesterpart sehr ernst, guter Begleiter und Mitgestalter (s. Andante zu
Beginn der Durchf.), ab T. 77 verschlepptes Tempo,
Coda kein A. molto, II Mittelteil viel besser gestaltet als bei FiDi, III insgesamt zu behäbig, kaum Vivace, Celi lässt große Bögen spielen |
||||||||||
4 |
Horacio Gutierrez |
Tennstedt, Klaus |
London Philharmonic Orchestra |
EMI |
1977 |
32‘12 |
|||||
|
I der Zusammenhalt ist an einigen Stellen gefährdet,
II immer der Partitur auf der Spur, III der Vivace-Charakter wird nicht ganz
getroffen, Solist könnte noch mehr differenzieren – Solist und Dirigent in
guter Partnerschaft, guter Klang |
||||||||||
4 |
Stephen Hough |
Andriss Nelsons |
City of Birmingham
Symphony Orchestra |
hyperion |
2015 |
32‘09 |
|||||
|
alles läuft prima, darüber hinaus jedoch wenig
eigene Physiognomie, spannender Übergang vom Intermezzo zum Finale |
||||||||||
4 |
Martha Argerich |
Nikolaus Harnoncourt |
Chamber Orchestra of
Europe |
Teldec |
1992 |
29‘26 |
|||||
|
live, ▼ |
||||||||||
4 |
Alfred Brendel |
Kurt Sanderling |
Philharmonia Orchestra London |
Philips |
1997 |
32‘11 |
|||||
|
▼ |
||||||||||
4 |
Alfred Brendel |
Claudio Abbado |
London Symphony Orchestra |
Philips |
1979 |
32‘31 |
|||||
|
▼ |
||||||||||
4 |
Walter Gieseking |
Herbert von Karajan |
Philharmonia Orchestra London |
EMI |
1953 |
30‘07 |
|||||
|
▼ |
||||||||||
4 |
Alfred Cortot |
Landon Ronald |
London Philharmonic Orchestra |
EMI |
1927 |
29‘48 |
|||||
|
▼ |
||||||||||
4 |
Wilhelm Kempff |
Rafael Kubelik |
Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks |
DGG |
1973 |
33‘12 |
|||||
|
▼ |
||||||||||
4 |
Myra Hess |
Walter Goehr |
ein Londoner Sinfonie-Orchester |
EMI
Pearl Naxos |
1937 |
31‘45 |
|||||
|
▼ |
||||||||||
4 |
Myra Hess |
Malcolm Sargent |
BBC Symphony Orchestra |
BBCL |
1958 |
30‘58 |
|||||
|
live, ▼ |
||||||||||
4 |
Angela Hewitt |
Hannu Lintu |
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin |
hyperion |
2011 |
31‘14 |
|||||
|
I die technische Perfektion scheint im Vordergrund
zu stehen, II etwas zu schnell, III jetzt A. vivace, kein A. molto – sehr
gutes Miteinander, gute Transparenz, insgesamt jedoch etwas steril und
äußerlich brillant |
||||||||||
4 |
Clara Haskil |
Carl Schuricht |
Städtisches Orchester Straßburg |
Tahra |
1955 |
29‘36 |
|||||
|
live – Haskil mit Schuricht in bester Partnerschaft, lebhafte Tempi,
aufmerksames Zwiegespräch zw. Holz, Streicher und Klavier im A. espressivo,
II con espressione –
insgesamt flacher Klang, spitzer Oboenton |
||||||||||
4 |
Radu Lupu |
André Previn |
London Symphony Orchestra |
Decca |
1973 |
30‘13 |
|||||
|
I konzertant, weniger Innerlichkeit, II Dreiteiligkeit herausgestellt, III Begleitung fehlt es an
Deutlichkeit – Lupu und Previn in guter
Partnerschaft |
||||||||||
4 |
Jorge Bolet |
Riccardo Chailly |
Radio-Sinfonie-Orchester Berlin |
Decca |
1985 |
32‘38 |
|||||
|
die Musik darf sich entfalten, gepflegt,
gelassen, II Musik sensibel nachgezeichnet |
||||||||||
4 |
Jorge Bolet |
Klaus Tennstedt |
London Philharmonic Orchestra |
BBCL |
1984 |
32‘43 |
|||||
|
live – dieselbe Musizierhaltung wie in Berlin,
Orchester im Tutti weniger transparent |
||||||||||
4 |
Heidrun Holtmann |
Stefan Soltesz |
Radio-Sinfonie-Orchester Berlin |
Delta |
1991 |
31‘02 |
|||||
|
sorgfältig, gediegen, nicht immer mit gleicher
Spannung, Streicher in der Begleitung durchgehend zu zurückhaltend, I
Seitenthema schon verlangsamt, geht dezent in das folgende Ritardando über |
||||||||||
4 |
Matthias Kirschnereit |
Jan Willem de Vriend |
Konzerthaus-Orchester Berlin |
Berlin Classics |
2018 |
29‘44 |
|||||
|
Flügel und Orchester gut miteinander verwoben,
jedoch immer wieder auf Kosten einer optimalen Trennschärfe, Klangbild
weniger transparent, Holzbläser oft etwas nach hinten versetzt |
||||||||||
4 |
Claudio Arrau |
Eugen Jochum |
Concertgebouw Orchester Amsterdam |
RCO |
1977 |
33‘17 |
|||||
|
live, ▼ |
||||||||||
4 |
Lili Kraus |
Victor Desarzens |
Orchester der Wiener Staatsoper |
Concert Hall Scribendum |
P 1966 |
31‘05 |
|||||
|
im Ganzen poetische Darstellung, die für sich
einnimmt, HT sowohl von Bläsern als auch vom Klavier langsamer, überzeugendes
non legato, kompakter Klang, in Tutti-Abschnitten wenig transparent,
hier auch leichte Klirr-Neigung, II besserer Klang |
||||||||||
4 |
Ivan Moravec |
Vaclav Neumann |
Tschechische Philharmonie Prag |
Supraphon |
1976 |
32‘03 |
|||||
|
Neumann eher ein Begleiter als Mitgestalter, I
Moravec in Zwiesprache mit Schumanns Gedanken (HT T. 89 ff und T. 267 ff),
differenziertes Klavierspiel, Begleitung der Streicher zu scheu, fast
distanziert, II zögerlich, III gefällt am besten – Balance zwischen Flügel
und Orchester nicht immer top |
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4 |
Leonard Pennario |
Seiji Ozawa |
London Symphony Orchestra |
RCA |
1965 |
30‘37 |
|||||
|
Pennario ohne besondere Lichtblicke, Ozawa lässt das
Orchester auftrumpfen, in der Durchführung von musikalischer Energie
sprühend, wie aufgekratzt, III etwas gleichförmig heruntergespielt, da
wünschte man mehr Formung – Streicher teilweise etwas spitz |
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4 |
Van Cliburn |
Fritz Reiner |
Chicago Symphony Orchestra |
RCA |
1960 |
30‘34 |
|||||
|
Tempi insgesamt nach Schumanns Vorstellungen, ziemlich
perfekt, jedoch routiniert, mit einer gewissen Glätte, ohne Schumannsche Gefühlstiefe |
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|
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3-4 |
Alfred Brendel |
Simon Rattle |
Wiener Philharmoniker |
Decca |
2001 |
31‘02 |
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|
live, ▼ |
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3-4 |
Walter Gieseking |
Wilhelm Furtwängler |
Berliner Philharmoniker |
DGG BP
Media |
1942 |
30‘09 |
|||||
|
live, ▼ |
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3-4 |
Dénes Várjon |
Heinz Holliger |
WDR Sinfonie-Orchester Köln |
audite |
2015 |
30‘03 |
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|
bewegtes Musizieren, Streicher in den T. 25/26
sowie 29/30 – auch noch später – gegenüber Holz im Hintertreffen, Transparenz
nicht immer top, Flügel führt zu sehr, beim Klangbild wünschte man sich etwas mehr Farbe –
insgesamt eher durchgespielt als geformt |
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3-4 |
Rudolf Serkin |
Franco Caracciolo |
RAI Orchester Neapel |
Walhall |
1957 |
29‘01 |
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|
live, ▼ |
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3-4 |
Jan Lisiecki |
Antonio Pappano |
St. Caecilia Orchester Rom |
DGG |
2015 |
29’36 |
|||||
|
die Interpreten gehen weit über Sch. Tempovorschriften hinaus, Rubato steht hoch im Kurs,
teilweise plakatives Musizieren oder mit Weichzeichner überzogen,
effekterheischende Präsentation, L. teils sportlich vorwärtspreschend, teils
in die Musik versunken, man vermisst ein Gesamtkonzept, die Sätze 2 und 3
gefallen besser, L. in letzterem mit jugendlichem Schwung |
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3-4 |
Artur Rubinstein |
William Steinberg |
RCA Victor Symphony Orchestra |
RCA |
1947 |
30‘10 |
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|
▼ |
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3-4 |
Krystian Zimerman |
Herbert von Karajan |
Berliner Philharmoniker |
DGG |
1981 |
31‘31 |
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I Tempo rubato beim Solisten wie im Orchester, viele
Nebenstimmen werden unterdrückt, II weniger grazioso, III sehr gute
Gestaltung des Klavierparts, zu Streicher-betontes Orchester – etwas topfiger Klang, der teilweise verschwimmt, geringe
Transparenz, Tutti-Stellen in den Ecksätzen leicht knallig; sind die
klanglichen Mängel einer noch nicht bewältigten Digital-Technik bei der
Aufnahme geschuldet? |
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3-4 |
Arturo Benedetti Michelangeli
|
Hermann Scherchen |
Radio-Sinfonie-Orchester der italienischen
Schweiz |
Tahra |
1956 |
28‘42 |
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|
live, ▼ |
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3-4 |
Emil Gilels |
Karl Böhm |
London Symphony Orchestra |
Andante |
1975 |
32‘48 |
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|
live, Salzburg – I Gilels
eher in sich gekehrt, melancholisch, HT bei Bläsern und Klavier langsamer,
auch in der Reprise, wenig belebt die Fortspinnung
T. 19 ff. und T. 274 ff, Böhm gibt wenige Impulse, II viel schneller als
gewohnt, will aber nicht so recht zwischen die Nachbarsätze passen, Gilels übernimmt nicht Schumanns Artikulationshinweise
bei den 4-Ton-Motiven, III Gilels bevorzugt
wuchtige Akkorde, schwerblütig – kein offenes Klangbild |
||||||||||
3-4 |
Peter Rösel |
Kurt Masur |
Gewandhausorchester Leipzig |
Eterna Berlin Classics |
1980 |
30‘44 |
|||||
|
I Masur meist nur Begleiter, im Andante der
Durchführung keine rechte Spannung, gute Coda, II Mittelteil ohne besondere
Aufmerksamkeit, III Orchester oft zu beiläufig |
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3-4 |
Clara Haskil |
Willem van Otterloo |
Residenz Orchester Den Haag |
Philips |
1951 |
28‘51 |
|||||
|
bewegte Tempi, mehr im klassischen als im
romantischen Stil, etwas nüchtern, männlich herber Klavierklang, Otterloo aufmerksamer Partner, er vergisst die wichtige
Cello-Stimme T. 164 ff nicht, insgesamt flacher Klang, stumpfer Flügel im
tieferen Register, spitze Oboe |
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3-4 |
Martha Argerich |
Alexander Rabinovitch |
Orchester der italienischen Schweiz |
EMI |
2002 |
28‘33 |
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|
live, ▼ |
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3-4 |
Martha Argerich |
Mstislaw Rostropovitch |
National Symphony Orchestra |
DGG |
1978 |
29‘43 |
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|
▼ |
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3-4 |
Daniel Barenboim |
Dietrich Fischer-Dieskau |
Philharmonia Orchestra London |
EMI |
1974 |
31‘57 |
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|
Barenboim „Meister“ der schönen Stellen, da
müssen sich die Tempi schon anpassen, Dialoge zwischen Flügel und Klavier
könnten intensiver sein, FiDi als
„Interims“-Dirigent passt sich an, II Im MT zu viele Rubati,
Espressivo etwas dick aufgetragen, III kaum Vivace, Barenboim meist im
Vordergrund und zu plakativ – gute Transparenz, hart klingender Flügel |
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3-4 |
Alfred Cortot |
Ferenc Fricsay |
RIAS Symphonie-Orchester Berlin |
Urania audite |
1951 |
32‘03 |
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|
live, ▼ |
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3-4 |
Friedrich Gulda |
Joseph Keilberth |
Wiener Symphoniker |
Orfeo |
1955 |
28‘25 |
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|
live – Flügel im Vordergrund, Gulda stürmt immer wieder
nach vorn, robust, zeigt wo’s lang geht, Orchester etwas grob, routiniert,
uneinheitliche Darstellung |
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3-4 |
Alicia de Larrocha |
Charles Dutoit |
Royal Philharmonic Orchestra London |
Decca |
1970 |
33‘12 |
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|
gemächliche Tempi, verhindern lockeres
Musizieren, weniger Spannung, mehr Gleichlauf, gutes Miteinander, präsenter
und transparenter Klang |
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3-4 |
Alicia de Larrocha |
Colin Davis |
London Symphony Orchestra |
RCA |
1991 |
33‘52 |
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|
im Großen und Ganzen wie 1970, viele Rubati, L. spielt in Satz 1 bei T. 59 ff. statt a
tempo im langsameren Tempo weiter, auf Dauer geht die Spannung verloren |
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3-4 |
Peter Katin |
Eugene Goossens |
London Symphony Orchestra |
Everest |
P 1959 |
30‘39 |
|||||
|
I Katin setzt rit.
Mehrere Takte vorher an als in der Partitur vorgesehen, T. 59 kein a tempo,
etwas harter Flügelklang, Orchester oft mit rauem Ton, inspirierte
Durchführung T. 156-184, wechselnde Tempi, II MT viel Espressivo, III an
vielen Stellen zu fest, spröde, auch robust |
||||||||||
3-4 |
Justus Frantz |
Leonard Bernstein |
Wiener Philharmoniker |
DGG |
1984 |
31‘18 |
|||||
|
live – I Frantz zelebriert das Hauptthema in der
Exposition und der Durchführung zu sehr, Durchführung: Adagio statt Andante,
fast wie ein langsamer Satz, Frantz ohne pianistische Glanzlichter, Orchester
in den Ecksätzen etwas grobschlächtig, II Eckteile
mit wenig Spannung, III wie durchgespielt |
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3-4 |
Michel Dalberto |
Eliahu Inbal |
Wiener Symphoniker |
Denon |
1993 |
31‘35 |
|||||
|
live - nicht immer mit der geforderten
Sensibilität und Noblesse, Dalberto spielt oft
drauflos, warum klingt die Melodie T. 112-115 nicht gleichmäßig? Piu
animato-Stelle T. 205-258 ohne rechten Schliff, Durchführung hätte mehr
Espressivo vertragen können – Balance zwischen Klavier und Orchester nicht
immer top, bullig klingende Tutti-Stellen |
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|
|||||||||||
Paolo Giacometti |
Michel Tilkin |
Arnheim Philharmonic Orchestra |
Challenge |
2001 |
30‘11 |
||||||
|
I Seitenthema T. 47-58 zergliedert, Streicher in
der Durchführung viel zu leise, auch bei piu
animato T. 205 ff, auch das Klavierpedal spielt mit (T. 189 ff), Pianist
T. 492-95 zu undeutlich, II keine einheitliche Artikulation bei den
4-Ton-Motiven T. 1-3 und T. 68-70, Str. im MT zu unbeteiligt, III Solo T.
624-631 undeutlich – insgesamt zwiespältiger Eindruck, da Aufnahmetechnik
keineswegs glänzt |
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3 |
Arturo Benedetti Michelangeli
|
Daniel Barenboim |
Orchestre de Paris |
DGG |
1984 |
32‘57 |
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|
live, ▼ |
||||||||||
3 |
Arturo Benedetti Michelangeli
|
Antonio Pedrotti |
Orchester der Mailänder Scala |
Magit Talent |
1942 |
30‘28 |
|||||
|
live, ▼ |
||||||||||
3 |
Klara Würtz |
Arie van Beek, |
Nordwestdeutsche Philharmonie |
Brilliant |
2001 |
30‘41 |
|||||
|
I routiniert, Klavier meist im Vordergrund, II im
MT mit mehr Anteilnahme, aber kaum innig, III wie nur durchgespielt –
ziemlich tempokonstant, Klangbild mit wenig Leuchtkraft |
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3 |
Rudolf Firkusny |
Louis de Froment |
Sinfonie-Orchester von Radio Luxemburg |
Turnabout MCPS |
~ 1970 |
30‘06 |
|||||
|
nur die große Linie musiziert, ohne Wegmarken zu setzen,
routiniert, Firkusny bleibt hinter seinem Potenzial
zurück, II sehr bewegt, wenig Feingefühl erkennbar, Streicher im MT dick
aufgetragen – großzügige dynamische Differenzierung, insgesamt kaum
Feinschliff |
||||||||||
3 |
Francesco Piemontesi |
Jirí Belohlavek |
BBC Symphony Orchestra |
naïve |
2012 |
30‘40 |
|||||
|
live – kaum spürbare Hingabe, animato-Stellen
ohne Animato, dynamische Differenzierung im p-Bereich kaum ausgeprägt,
es fehlt die Herausarbeitung des Spezifischen jedes einzelnen Satzes,
Einheitsklang – warum diese CD? |
||||||||||
Interpretationen nach historischer Aufführungspraxis,
mit Instrumenten der Schumann-Zeit bzw. zeitgenössischen. |
|||||||||||
5 |
Alexander Melnikov |
Pablo Heras-Casado |
Freiburger Barockorchester |
HMF |
2014 |
31‘17 |
|||||
|
live – farbiges Klangbild, ausgefeilter
Klavierpart, gute Partnerschaft, I Th. T. 59 noch einmal vom Flügel stolz
herausgestellt, bevor es animato weitergeht, Orchester mehr in das
Gesamtgeschehen eingebunden, hellwach musiziertes A. espressivo, II MT ein
wenig langsamer, III könnte ein wenig schneller sein |
||||||||||
5 |
Andreas Staier |
Philippe Herreweghe |
Orchestre de Champs-Elysées |
HMF |
1996 |
30‘43 |
|||||
|
sehr gutes Zusammenspiel, K. gibt dem Orchester
mehr Gewicht innerhalb des Gesamtklanges, I Vc T.
164 ff. nicht vergessen, im A. espressivo wunderbarer Dialog, II bewegt, III
durchweg dialogisches Musizieren |
||||||||||
5 |
Ingrid Fliter |
Antonio Mendez |
Scottish Chamber Orchestra |
Linn |
2015 |
29‘58 |
|||||
|
wie aus einem Guss musiziert, mit jugendlichem
Schwung, sehr lebendig, inspiriert, nuancenreiches Klavierspiel, I A.
espressivo: Vc deutlich mit Klavierbass,
Atmosphäre, Beginn der Reprise nicht langsamer, II reinste Kammermusik, III
große Bögen - HIP |
||||||||||
Anmerkungen
zu Interpreten und ihren Interpretationen:
Alfred
Cortot
Alfred
Cortots Schallplattenaufnahmen bieten dem Hörer die
seltene Gelegenheit, den romantisch geprägten Interpretationsstil
kennenzulernen, wie er noch bei etlichen Interpreten in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts gepflegt wurde, hier im Schumann-Konzert. Hört man den ersten
Satz mit Cortot und dem Dirigenten Landon Ronald,
kann man zu der Auffassung gelangen, sie spielten die ursprüngliche Fantasie
für Klavier und Orchester. Eine strengere Formung der musikalischen Gedanken
und der Tempi, wie sie der Konzertstil fordert, stehen einer freieren,
persönlicheren Auffassung gegenüber. Nach dem anfänglichen Klaviereintritt wird
das Thema von den Bläsern und danach vom Klavier langsam und ausdrucksvoll
dargeboten, auch bei seinem Erscheinen in der Reprise. Danach, ab T. 20, hat
man den Eindruck, „jetzt geht’s erst richtig los.“ Rubato-Musizieren ist hier
ein Stilmittel, besonders auch im ausdrucksvollen Dialog von Klavier mit
Klarinette und Cello zu Beginn der Durchführung zu erleben, eine instrumentale
Gesangsszene des Liederkomponisten Robert Schumann. Auch die Kadenz wird vom
Pianisten ziemlich frei genommen, danach finden Solist und Orchester zum
Kehraus zusammen. Im folgenden Intermezzo hört man m. E. eine der besten
Darstellungen, die auf Platte festgehalten wurde, mit einem aufmerksamen Dialog
in den Eckteilen, der im Mittelstück eine wunderbare Wärme entwickelt. Im
Finale gibt es weniger Überraschungen von bekannten Hörerfahrungen, wenn man
vom auftrumpfenden Beginn einmal absieht. Erwähnt sei noch, dass Schumanns
Notenvorlage von Cortot nicht immer hundertprozentig
umgesetzt wurde, der Geist der Musik war für ihn wichtiger als eine technisch
makellose Ausführung. Für heutige Hörer kann diese Aufnahme eine beglückende
Begegnung sein, oder als fragwürdig erscheinen, wenn sie eine technische
Perfektion der Aufführung als Voraussetzung ansehen.
Die
fast 25 Jahre später im Berliner Titania-Palast mitgeschnittene Aufnahme
wandelt, trotz Ferenc Fricsay am Pult, auf ähnlichen Spuren wie die frühere
Schellackaufnahme. Leider sind die Tempi in den schnelleren animato-Abschnitten
eine Spur langsamer, was als eine gewisse Behäbigkeit wahrgenommen werden kann.
Fricsay kommt in Bezug auf Innigkeit im Andante-Abschnitt sowie im Intermezzo
an die frühere Aufnahme nicht heran. Das Finale beginnt ebenfalls auftrumpfend,
wie ein Motto, das Klavierspiel des alten Cortot
klingt hier leider insgesamt zu mechanisch.
Artur
Rubinstein
Der
Schumann-Spieler Arthur Rubinstein hat leider keine Spitzenaufnahme des
Klavierkonzerts hinterlassen, zu dieser Meinung kommt man nach „Durchsicht“ von
vier Aufnahmen. Am Gelungensten halt ich die, die in Zusammenarbeit mit Josef
Krips entstanden ist. Hier wird eine gemeinsame Sicht verwirklicht, die
allerdings mehr nach innen gerichtet ist, sehr poetisch gelingt hier das A.
espressivo im 1. Satz, ebenso der Mittelteil des Intermezzos. Das Finale wird
abwechslungsreich gestaltet, ohne aufzutrumpfen. Gerade das gefällt nicht in
Rubinsteins früher Einspielung mit William Steinberg, hier wird nur die große
Linie nachgezeichnet, die Musik klingt zu pauschal und plakativ. Bei
Begleitstellen dürfen die Streicher viel zu laut aufspielen, auch im
Mittelteil des Intermezzos, man denkt sofort an Filmmusik (die Aufnahme
entstand mit einem ad hoc-Orchester in Hollywood). Der Klang ist sehr kompakt,
die Balance kaum top. Der Flügel hatte seine besten Zeiten hinter sich. Der
Konzertmitschnitt aus Neapel gefällt da interpretatorisch wesentlich besser,
Caracciolo bleibt mit seinem Orchester jedoch etwas zurückhaltend und ordnet
sich den Vorstellungen des berühmten Gastes am Flügel unter. Das Klangbild ist
etwas entfernt. Drei Jahre nach diesem Mitschnitt ging Rubinstein noch einmal
mit Schumanns Konzert ins Aufnahmestudio, am Pult des Chicago Symphony
Orchesters stand nun Carlo Maria Giulini, der nicht
unbedingt für zügige Tempi bekannt ist. Der Kopfsatz ist um fast eine Minute
langsamer als bei Krips, im A. espressivo wünschte man sich das Cello mehr im
Zwiegespräch mit dem Flügel, Giulini jedoch hält es
auf Distanz, insgesamt bleibt er mir zu statisch. Rubinsteins Ton ist nun nicht
mehr so kernig und lebendig wie in den Jahren zuvor. Der Klang ist insgesamt
besser als in den früheren Aufnahmen, zeigt jedoch nicht das, was technisch
möglich gewesen wäre, z. B. ein transparenteres Tutti.
Myra
Hess
Für
ihre Interpretation des Schumann-Konzerts war Myra Hess‘ vor allem im
Vereinigten Königreich anerkannt, wahrscheinlich hatte sie das richtige Feeling
für diese Musik. Hess lässt die Musik sprechen, sie spielt sich nicht nach
vorn. Wunderbar ihr Spiel im Andante espressivo, dabei kommt es hier auch auf
ihren Partner am Pult an, von den drei Dirigenten gefällt mir der Holländer
Eduard van Beinum am besten, der die
Tempovorstellungen der Pianistin teilt. Der Mitschnitt aus Amsterdam kann auch
klanglich noch überzeugen, während zwei Jahre später in London mit Sargent die
Aufnahme zu kompakt und weniger präsent klingt, dazu kommen immer wieder
leichte Publikumsstörungen. Die Studio-Produktion mit einem Londoner
(vermutlich ad hoc-) Orchester stammt aus den besten Jahren der Pianistin und
zeigt sich ebenfalls durch große Schumann-Nähe aus, klingt aber
unterschiedlich, je nach Übertragung der alten Schellacks
auf CD.
Walter
Gieseking
Von
Gieseking liegen drei Interpretationen vor, die älteste ist ein Mitschnitt aus
der Alten Berliner Philharmonie mit Furtwängler am Pult. Von der Art ihres
Musizierens und ihrer Auffassung wollen die beiden nicht unbedingt zueinander
passen, obwohl sie oft miteinander Konzerte gegeben haben. Dem Schumann-Konzert
kann man fasziniert zuhören, auch wenn für mich mehr Furtwängler darin steckt
als Schumann: Viele Wechsel der Tempi, großformatiger Klang, der vor allem auch
im Mittelteil des Intermezzos aufgeplustert wird, molto espressivo ist die
These, da ist Griegs op. 16 schon ganz nahe, eigentlich sollte es doch
umgekehrt sein. Spannend und gleichzeitig beeindruckend ist der Übergang vom
Intermezzo zum Finale. In diesem Satz wird m. E. etwas grob und al fresco
musiziert. Gieseking ließ sich nicht von Furtwänglers Sicht auf op. 54
beeinflussen und lieferte eine eher partiturgerechte
Version ab, die Walzer-Anklänge im Finale werden nicht übersehen, leider sind
auch einige Patzer nicht zu überhören.
In
der Londoner Studio-Aufnahme hält sich Karajan, was die Orchesterbegleitung
angeht, viel mehr zurück, die Aufnahme klingt neutraler, fast schon etwas
glatt. Die Tuttistellen sind recht kompakt, die spitz klingende Philharmonia-Oboe ist an Solo-Stellen nicht mein Fall, der
Flügel ist nach bekannter Mono-Art nach vor dem Orchester platziert. Am besten
gefällt da ein Mitschnitt mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester aus dem
Nachkriegs-Essen mit Günter Wand am Pult. Auch hier stört mich eine spitze
Oboe, auch ein schmalbrüstiger Klang, insgesamt jedoch herrscht ein
einvernehmliches Musizieren vor. Wand und Gieseking bringen am meisten von
Schumanns Musik zum Klingen, im Mittelteil des Intermezzos gelingt Wand, ein
wundervolles Espressivo, auch ohne die Musik aufzubauschen.
Wilhelm
Kempff
Mit
Wilhelm Kempff am Flügel sind zwei Studio-Produktionen greifbar. In bester
Partnerschaft mit Josef Krips gelingt in London eine überzeugende
Interpretation, die geradezu als Anti-Virtuosenkonzert
wahrgenommen werden kann, hier steht eindeutig das Poetische im Vordergrund.
Klavier und Orchester werden jeweils als Teile eines Ganzen begriffen. Krips
arbeitet das Verwobensein von Soloinstrument und
Orchester sehr gut heraus, wobei der musikalische Aufbau genau gezeichnet wird
(vgl. 1. Satz T. 112-128, sowie in der Reprise T. 365-380), dabei wird auch
immer auf eine stimmige Balance geachtet. Spontanität spricht aus Kempffs
Klavierspiel, so spielt er die vier Abschnitte des Seitenthemas immer wieder
anders, auch in der Reprise, es wird nicht vorher Festgelegtes abgerufen. Den
2. Satz verstehen die Künstler tatsächlich nur als Intermezzo, der Mittelteil
erklingt hier ganz zart, aber nicht spannungslos. Entspannt und spielerisch,
jedoch con spirito,
also im Gegensatz zu den meisten anderen Lesarten dieses Konzerts, wird der
Finalsatz dargeboten.
Zwanzig
Jahre später spielt Kempff mit Rafael Kubelik das Schumann-Konzert noch einmal
ein. Sein Anschlag ist jedoch nicht mehr so farbig wie früher. Dem Dirigenten
gelingt es nicht, das Flair von Krips auch in der neuen Aufnahme zu erwecken,
die Spannung erreicht nicht das Niveau von früher, übrigens auch nicht im
Finale. Im Mittelteil des 2. Satzes blühen vor allem die Streicher mehr auf als
bei Krips.
Rudolf
Serkin
Serkins
Interpretationen von Schumanns op.54 zeichnen sich durch nervöses, drängendes,
glutvolles Klavierspiel aus, das „verweile doch…“ kommt bei ihm etwas kurz, er
spielt ziemlich geradlinig, dabei wünscht man sich als Hörer oft mehr von
Schumanns Zwischentönen. Mit spürbarer Hingabe leitet Eugene Ormandy das
Philadelphia Orchester. Die beiden Aufnahmen ähneln sich, abgesehen vom etwas
langsameren Tempo, besonders im Finale, das in der älteren Aufnahme fast
atemlos vorüberzieht. Das Klavier ist in beiden Aufnahmen klanglich etwas nach
vorn gezogen. Neuere Erkenntnisse in Bezug von Serkins Deutung von Schumanns
Klavierkonzert bringt auch der Mitschnitt aus Neapel aus dem Jahre 1957 nicht.
Ein entferntes und stumpfes Klangbild spricht nicht unbedingt für seine
Veröffentlichung, dazu kommen Bandstörungen im 2. Satz.
Claudio
Arrau
Der
chilenische Pianist hat Schumanns op. 54 viermal im Studio produziert, dazu
tritt in meinem Archiv noch ein Konzertmitschnitt aus dem Amsterdamer
Concertgebouw. Sieht man von den etwas verhaltenen Tempi im Kopfsatz sowie im
Finale ab, könnte man ihn als einer der idealen Interpreten des Konzerts
bezeichnen. Die früheste Aufnahme wurde 1944 in Detroit eingespielt, sie ist
mir die liebste, auch wenn klangtechnische Mängel (teilweise schütterer Klang)
nicht zu überhören sind. Sony hat sie soeben zusammen mit sämtlichen anderen
Columbia-Aufnahmen in einer Box klanglich überarbeitet neu herausgebracht, ich
konnte sie jedoch hier noch nicht heranziehen. Arraus Klavierspiel kann man mit
einem guten vollmundigen Wein vergleichen, das trifft auf alle Aufnahmen hier
zu, deutlich, abgerundet, mit viel Körper, geschliffen und elegant. Eine
Spezialität des Pianisten sind die zahlreichen Walzeranklänge im Finalsatz. Der
hier unbekannte Karl Krüger erweist sich als kongenialer Begleiter, der nicht
nur auf durchgehende Tempi achtet, sondern auch sonst (häufig) unbeachtete
Orchesterstimmen zu Gehör bringt. Alle anderen Arrau-Aufnahmen sind in allen
Sätzen langsamer, im Intermezzo beinahe schon Adagio, wie bei Galliera, hier
erleben wir im Mittelteil einen träumerischen Pianisten, der sich keineswegs
nach vorn spielt. Auch das Finale erklingt hier etwas verhalten, keinesfalls
ein Rausschmeißer wie z. B. bei Gieseking und Lipatti.
Insgesamt kommt Galliera nicht an Krügers Differenzierung heran. Einen besseren
Eindruck hinterlässt da Dohnanyi, da haben die Philips-Techniker einen guten
Klang eingefangen mit erfreulicher Balance und bester Transparenz. Bei
schnelleren Tempi hätte sie einen Platz in der obersten Kategorie verdient. Die
letzte Studio-Produktion kommt aus Boston, am Pult steht der op. 54-Begleiter
vom Dienst, Colin Davis. Die Tempi sind überraschenderweise etwas schneller als
in den Vorjahren. Aufnahmetechnisch liegt jedoch ein Rückschritt vor: die
Bläsersoli sind zu leise eingefangen, das Orchester läuft akustisch nur
nebenher, so als spielten die Streicher mit Dämpfer. Im Finale gibt es einen
Durchhänger ab T. 254. Im Intermezzo unterscheiden Arrau/Davis penibel genau
zwischen legato- und staccato-Motiven, der Mittelteil hebt sich jedoch weniger
von den benachbarten Teilen ab. Aus dem Mitschnitt mit Jochum spricht eher
Routine, Jochum zeigt hier weniger Sensibilität als in anderen Aufnahmen, die
Spannung wird nicht immer gleichmäßig gehalten.
Svjatoslav Richter
Die
DGG-LP des Schumann-Konzerts mit Witold Rowicki und
der National Philharmonie Warschau aus dem Jahre 1958 war für Richter der erste
Schritt zur Weltkarriere. Zum ersten Mal war eine Schallplatte des legendären
Pianisten, dessen Kunst man bisher nur vom Hörensagen kannte, im Westen
greifbar. Zwei Jahre später durfte er in den USA konzertieren und dort auch
Plattenaufnahmen machen. Im Nachhinein stellt sich jedoch heraus, dass die
Warschauer Aufnahme nicht seine stärkste von op. 54 ist. Die Ursachen sind das
etwas unfreie Spiel des Pianisten, der das Konzert mehr als Virtuosenstück
spielt, aber auch der wenig gepflegte und nicht immer inspirierte
Orchesterklang. Die folgende Studio-Produktion kommt aus Monte Carlo, unter
Leitung von Lovro von Matacic spielt das dortige
Opernorchester für EMI. Erfreulich ist, dass sich Richter jetzt mehr den
lyrischen Partien öffnet. Die Holzbläser spielen oft pauschal, den
Orchester-Tutti fehlt eine gewisse Transparenz (z. B. Satz 1 T. 134 ff), im
selben Satz ist das Orchester T. 43/44 nicht genau zusammen. Der
vorwärtsdrängende Ansatz des Pianisten im Finalsatz wird vom Dirigenten nicht
voll geteilt. In beiden Studio-Aufnahmen hätte ich mir jeweils eine
klangvollere Oboe gewünscht.
Die
überzeugenderen Aufführungen fanden jedoch im Konzertsaal statt und sind
mittlerweile auch auf dem CD-Markt angekommen. Sowohl mit Janos Ferencsik als auch mit George Georgescu
findet ein hohes Maß an partnerschaftlichem Musizieren statt. Ferencsik und Richter verbindet dieselbe Vorstellung von
op. 54, sehr stimmungsvoll gelingt hier das Intermezzo. Der Klang der Aufnahmen
ist historisch kompakt, im Tutti dominieren die Streicher. Die Brilliant-CD
verliert durch eine jämmerlich klingende Oboe etwas von ihrem Wert. Beim
Mitschnitt von den Salzburger Festspielen wird Richter von Riccardo Muti und
den Wiener Philharmonikern sorgfältig und inspiriert begleitet. Für das
Seitenthema des 1. Satzes nimmt der Pianist sich nun mehr Zeit als früher, der
Hörer hat nun mehr Zeit, seine Anschlagskultur zu bewundern, insgesamt neigt er
hier auch zu Temposchwankungen. Wie bei Ferencsik
möchte ich den Mittelteil im Intermezzo lobend erwähnen. Obwohl etwas langsamer
als in früheren Aufnahmen gespielt, besitzt das Finale doch den richtigen
Schwung. Die Aufnahme klingt relativ gut.
Arturo
Benedetti Michelangeli
Leider
hat der italienische Meisterpianist Schumann Klavierkonzert nie unter
Studiobedingungen aufgenommen, wir Hörer müssen uns hier mit fünf
Konzertmitschnitten unterschiedlicher Art zufrieden geben. Zuerst muss gesagt werden, dass
ABM zeitlebens einer der ganz großen Interpreten dieses Konzerts war, der den
Notentext mit Raffinesse und leuchtender Klarheit umsetzte. Dank seiner breiten
Anschlagspalette zeichnete sich sein Klavierspiel immer durch eine prägnante
Physiognomie aus. Das Seitenthema des 1. Satzes gliederte er deutlich in vier
kurze Abschnitte, jedoch mit künstlerischer Freiheit nicht immer auf dieselbe
Art. Auch für den Anfang der Kadenz ließ er sich mehr Zeit als seine
Kollegen/-innen, er klingt wie verträumt, suchend oder sich vortastend. Tempo
Rubato war für ihn ein Mittel der Verdeutlichung des musikalischen Ablaufs,
Schumann hat es durch dynamische Hinweise (ritardando, animato) bereits
eingeleitet, ABM modifiziert es nach seinen Vorstellungen. Die vom
künstlerischen Standpunkt überzeugendste Aufnahme entstand 1948 in New York
unter Leitung von Dimitri Mitropoulos, in bester Partnerschaft wird
hierlebendig und spannungsvoll musiziert. Leider muss ein durchgehendes leises
Rauschen der Acetatplatten in Kauf genommen werden. Platz 2 nimmt ein römischer
Mitschnitt aus dem Jahre 1962 ein, der jedoch nur dann zu goutieren ist, wenn
der Lautstärkepegel angehoben wird. Der Dirigent Gavazzeni
lässt die Celli im Mittelteil des 2. Satzes zu laut beginnen, Espressivo
bedeutet nicht Forte! Auf Platz 3 dirigiert Scherchen, auch hier ist die
Aufnahme klanglich misslungen, das Klavier steht zu sehr im Vordergrund (mit
leuchtendem Klang!) und vor allem sind Streicher bei den Begleitpartien fast
nur noch zu erahnen; im Finale bessert sich das etwas. Von der musikalischen
Seite macht hier das kapriziös gespielte Intermezzo auf sich aufmerksam. Der
früheste Mitschnitt aus der Mailänder Scala ist musikalisch nicht zu verachten,
entspannter musiziert als 1948. Inakzeptabel wird er durch die klangtechnische
Aufbereitung, die ein unnatürliches und steriles Klangbild hinterlassen, wobei
das Orchester entfernt platziert wird. Klangtechnisch weitaus besser als alle
Mitschnitte zuvor ist ein Konzert aus Paris mit Daniel Barenboim am Pult, die
DGG hat es jedoch erst viele Jahre später, nach ABMs Tod, veröffentlicht. Dem
Dirigenten gelingt es hier nicht, das Werk in befriedigender Weise
darzustellen: Gleich zu Beginn, aber auch an den entsprechenden Stellen später,
hört man Akkorde in Brucknerscher Manier, nicht schneidend, sondern breit,
wobei die Instrumente nicht genau zusammen sind. Die piu
animato-Stellen nach dem Hauptthema werden schleppend angegangen, die
Streicher spielen mit dickem Pinsel. Das Andante espressivo zu Beginn der
Durchführung zerbröckelt bei dem langsamen Tempo. Einige Takte später (T. 197
ff) wiederholen die Streicher den (wiederholten) Klaviereingang, sie lassen
sich jedoch nicht von Benedetti Michelangelis
rhythmisch geschärfter Darstellung animieren. In der Coda wird auch Schumanns
Anweisung „Allegro molto“ nicht umgesetzt. Der Mittelteil des Intermezzos wird
viel langsamer als die umrahmenden Teile gespielt, Grieg stand hier Pate. Im
Finale, aber auch schon früher, klingen die Orchester-Tutti recht
aufgeplustert.
Annie
Fischer
Von
der als Schumann-Interpretin geschätzten ungarischen Pianistin sind drei
Aufnahmen mit dem a-moll-Konzert bekannt. Die älteste
wurde beim WDR in Köln während eines Konzertes mitgeschnitten und von ica classics zugänglich gemacht.
Trotz der nicht berauschenden Aufnahmetechnik ist ein plastisches Musizieren
sowohl bei Fischer als auch bei Keilberth am Pult
auszumachen, Klavier und Orchester sind klanglich gut miteinander verwoben.
Schnelle, aber keine forcierten Tempi. Erfreulich sind die deutlichen Animato-Passagen
im ersten Satz, die so klingen, wie sie gemeint sind. Transparenter Klang, die
Streicher klingen jedoch etwas rau. Ein Jahr später trifft man die ungarische
Pianistin erneut in Westdeutschland mit dem Schumann-Konzert, jetzt in
Baden-Baden mit dem SWF-Sinfonie-Orchester im Studio unter Leitung von Hans Rosbaud. Solistin und Dirigent stellen ein tragfähiges
Konzept vor. Die Außensätze sprühen von musikalischer Energie, immer wieder
gelingt der Solistin sprechende Artikulationen. Besonders auch im Mittelsatz,
wenn sie bei den Sechzehnteln zu Beginn und am Ende
genau zwischen legato- und staccato-Abschnitten unterscheidet.
Viel Schwung – Walzerabschnitte – zeichnet das Finale aus.
Die
dritte Fischer-Aufnahme von op. 54 entstand in London unter Klemperers Leitung
in zwei zeitlich auseinander liegenden Sitzungen, sie klingt jedoch weniger
überzeugend als die zuvor erwähnten Interpretationen. Schuld daran sind die
etwas langsameren Tempi in den Ecksätzen, mehr noch der zurückhaltende Einsatz
des Philharmonia Orchesters in den Begleitpartien. Da
klingt das Andante in der Durchführung wie ein Monolog der Pianistin, da das
Orchester viel zu leise klingt. Das Finale klingt unter Klemperers Dirigat viel
weniger elegant als früher. In den Takten 205-212 nimmt A. Fischer das Tempo
merklich zurück, auch in den Takten 224-251, auch schon in Köln. Das POL klingt
insgesamt gepflegter als das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester.
Geza
Anda
Einer
der besten Interpreten des Schumann-Konzerts war Geza Anda, der mit schlankem
aber auch eindringlichem Klavierton sowie intuitiver Einfühlsamkeit inklusiver
dezenter Rubati den Klavierpart gestaltete. Zusammen
mit dem aufmerksam agierenden Rafael Kubelik entstand eine schöne Aufnahme. Das
kann auch im Großen und Ganzen von der Studio-Aufnahme mit Ernest Bour gesagt
werden, die sich im Orchesterklang jedoch etwas pauschaler gibt und auch
weniger Präsenz besitzt. Anda ist hier im Finale nicht immer so deutlich wie in
Berlin.
Alfred
Brendel
Zwei
Studio-Produktionen, beide in London entstanden, stehen zur Diskussion, die
mich aber beide nicht recht glücklich machen. Dass das Seitenthema ebenso
nachdenklich gespielt werden soll wie das Hauptthema, überrascht, sollte da
nicht doch ein Kontrast zu hören sein? In der Kadenz verzichtet Brendel
gänzlich auf eine virtuose Attitüde. Auch im Finale vermisst man den
pianistischen Glanz und auch Drive, das ist doch zu brav, ein Anti-Schumann? Im
Intermezzo nimmt der Pianist in der ersten Aufnahme den Mittelteil zu
nachdenklich, das Espressivo bleibt auf niedrigem Niveau. Kurt Sanderling
jedoch gestaltet diese Episode mit dem POL aufmerksam und wertet sie zum
Mittelpunkt des kurzen Satzes auf. Insgesamt scheint mir Sanderling in den
Begleitphasen engagierter als der eher sachliche Abbado. Das fällt auch im
Finale auf, wenn jener die Reibungen bei den Streichern T. 450-479 deutlich
hervorhebt. Neben die soeben erwähnten Studioaufnahmen tritt nun noch ein
Konzertmitschnitt aus Wien mit Simon Rattle am Pult. Auch diese Interpretation
kann mich kaum begeistern. Es fehlt ihr das Schumannsche
Feuer, man spielt nicht richtig im Einklang, eher nebeneinander her. Die Musik
klingt hier gediegen und sachlich. Einige Stellen kommen beim Pianisten wie
gestelzt. Transparenz und Balance der Rundfunkaufnahme sind nicht auf höchstem
Niveau angesiedelt,
Maurizio
Pollini
In
Zusammenarbeit mit Abbado hat Pollini die meisten der klassischen und
romantischen Klavierkonzerte gespielt, die DGG hat sie auf CD veröffentlicht,
so auch das von Schumann. Dabei wird der Hörer Zeuge einer spannungsintensiven
Deutung, kombiniert mit spürbarer Vitalität, Solist und Dirigent atmen mit der
Musik. Pollini agiert mit prägnantem Zugriff, die Musik scheint zu pulsieren,
die Begleitung der linken Hand wird nicht vom Pedaleinsatz verwischt. Die
Kadenz wird im Gegensatz zu den meisten Pianisten eher sachlich als
auftrumpfend gespielt. Im Intermezzo besticht die penible Artikulation der
aufsteigenden 4-Ton-Motive, auch im Orchester. Den Mittelteil erlebt man nicht
romantisch aufgeladen, sondern mit gebremsten Espressivo. Sehr spannungsvoll
gelingt der Übergang ins Finale.
Fünfzehn
Jahre vor diesem Berliner Konzert führte Pollini das Konzert mit Karajan und
den Wiener Philharmonikern in Salzburg auf, die DGG hat den Mitschnitt des ORF
vor Jahren als Bonus der Maurizio-Pollini-Edition beigegeben. Bekanntlich
pflegte HvK einen kräftigeren Orchesterklang, die
Bläser in der Durchführung bekommen mehr Präsenz, der Wiener Oboenklang erinnert jedoch sehr an den des POL. Im
Intermezzo teilt der Dirigent Pollinis Ansicht bzgl. der Artikulation der
aufsteigenden 4-Ton-Motive nicht, stattdessen lässt er die Streicher im
Mittelteil mehr singen als Abbado. Als störend empfindet man die ständigen
Publikumsgeräusche, auch das harte Klangbild, Flügel eingeschlossen, ist nicht
vorteilhaft. Dieser steht klanglich zu sehr im Vordergrund.
Martha
Argerich
Martha
Argerich hat zwar viele Werke von Schumann öffentlich und im Studio gespielt,
trotzdem kann sie mich nicht immer überzeugen, da sie das Virtuose von
Schumanns Klaviersatz zu sehr in den Vordergrund stellt. Das trifft vor allem
auf das Klavierkonzert zu, weniger auf ihre Kammermusikaufnahmen. In den drei
hier aufgeführten Aufnahmen des Konzerts hat man den Eindruck, es ist ein
Konzert für den Flügel, Argerich spielt in den Ecksätzen zu plakativ,
als wäre sie eine Primadonna. Das Orchester spielt im Großen und Ganzen nur
eine Nebenrolle, die drei Dirigenten passen sich leider zu sehr an, die Begleitung
der Streicher in den animato-Teilen bleiben fast unhörbar. Dazu kommen
unstete Tempi und überraschende Rubati. Die Kadenz
wird 1978 und 2002 ziemlich schnodderig hingeworfen. Das Intermezzo kommt bei
Martha rhapsodisch, oder wie ein Capriccio, der Mittelteil hängt sehr auch vom
Dirigenten ab, bei Hanoncourt ist man Schumann am
Nächsten. Im Finale scheint die Pianistin den Klavierpart eher abzuspulen als
zu interpretieren. Bei Rostropovitch scheint man das
Konzert nur durchzuspielen, am Ende des Intermezzos wartet Argerich ungeduldig
auf den Beginn des Finales, den sie mir Aplomb hinlegt. Die Streicher des
National Symphony Orchestra klingen in der Begleitung zu rau. Eine Beziehung
zum Konzert spricht nicht aus dieser Aufnahme. Etwas besser sieht es bei
Harnoncourt aus, aber auch er legt seinen Streichern die Zügel an, deshalb
bleibt die Steigerung ab T. 116 zu blass, auch die Dialoge zwischen Holzbläsern
und Klavier hat man schon viel inspirierter gehört. Im Finalsatz spielt
Argerich differenzierter als früher, auch das Orchester spielt gepflegter. Bei Rabinovitch kommt wieder das Rhapsodische heraus, die Musik
bleibt zu unstet. Das Intermezzo klingt nur wie referiert, wo ist hier
Schumann? Dagegen macht das Finale einen besseren Eindruck.
Murray
Perahia
Nach
dem schon guten Konzertmitschnitt aus München veröffentlichte Sony einen noch
etwas besseren aus Berlin, die Tempi sind in etwa dieselben. Trotzdem klingt
unter dem Dirigat von Abbado die Berliner Aufnahme etwas lebendiger. Die
Streicher werden hier nicht nur als Abrundung des Klanges verstanden, sondern
noch mehr thematisch eingebunden. Bei Davis könnte der Klavierbass an vielen
Stellen im Finalsatz etwas mehr herauskommen. Im 1. Satz sticht Perahia mit
einem facettenreichen Klaviersolo T. 77 ff. hervor, in der Durchführung werden
auch die Flöten nicht vergessen. Klanglich hat die Berliner Aufnahme die Nase
vorn. Beide Aufnahmen gefallen durch einen abwechslungsreich gestalteten
Mittelteil im Intermezzo und auch eine gute Tempowahl.
Jewgenij
Kissin
Mit
Kissin liegen mir zwei unterschiedliche Aufnahmen
vor. In guter Partnerschaft mit Giulini und den WPh gelingt eine poetische aber auch elegante
Interpretation, die wie selbstverständlich klingt und im Finale recht
schwungvoll endet. Für eine Giulini-Produktion
überrascht das helle Klangbild. In der späteren Studio-Aufnahme mit Colin Davis
und dem LSO klingt das Hauptthema im Kopfsatz viel langsamer und
nachdenklicher, ab T. 19 wird es dann wieder schneller, insgesamt wird mit dem
Tempo ziemlich frei umgegangen, schöne Stellen werden ausgekostet, dabei
zerfällt der Satz in Einzelabschnitte. Der Mitteteil des Intermezzos streift
schon das Sentimentale, am besten gelingt das Finale. Bei Giulini
am Pult begegnet man eher einer Interpretation im Geiste der Klassik, bei Davis
eine der Romantik.
eingestellt
am 03.02.17
ergänzt am 19.06.24