Das Klassik-Prisma

 

 Bernd Stremmel

www.klassik-prisma.de

Diese Webseite ist urheberrechtlich geschützt.

Beethoven        home

 

Konzert für Klavier, Violine und Violoncello C-Dur op. 56

Tripelkonzert“

Allegro – Largo – Rondo alla Polacca

Das Tripelkonzert entstand im Umfeld u. a. der Eroica , der Waldsteinsonate und der Appassionata. Deren Komplexität, eingeschlossen ihrer formalen Experimente, fehlt hier jedoch völlig. Das Werk reiht sich in die Rehe von Beethovens heiteren Kompositionen, wie z. B. der 2. und 4. Sinfonie sowie des 4. Klavierkonzerts ein, das auch um diese Zeit entstand. Formal knüpft es an das Genre der damals beliebten Sinfonia Concertante an, in der eine Instrumentengruppe dem Orchester gegenübergestellt wird. Beethovens op. 56 ist ein Stück Gebrauchsmusik, geschrieben für seinen Schüler und Gönner Erzherzog Rudolf, dessen geringere pianistische Fähigkeiten Beethoven bei der Anlage des Klaviersatzes berücksichtigt hat. Die Stimmen der beiden anderen Solisten sind wesentlich ambitionierter ausgefallen. Eine Sonderrolle spielt hier das Cello, es fällt schon auf, dass alle Themen und Motive von diesem Instrument ausgeführt werden, das zudem meist in hoher Lage, auf der höchsten Saite des Instruments musiziert und sich aufgrund ihrer Körperhaftigkeit gegenüber dem Klang der Geige sehr gut behaupten kann. Fast möchte man meinen, Beethoven habe hier ein verkapptes Cellokonzert geschrieben, zu dieser Annahme verleitet auch der 2. Satz mit dem langen ausdrucksvollen Cello-Solo zu Beginn.

Das Tripelkonzert scheint viele Dirigenten nicht herauszufordern, sie meinen, dass die Solisten für die Hauptspeise zuständig seien, das Orchester eher nur für die Beilagen. Entsprechend routiniert oder lustlos klingt immer wieder die Orchesterbegleitung. Die Klangproportionen zwischen Solisten und einzelnen Orchesterinstrumenten, vor allem den Holzbläsern und den Hörnern, sind vom Dirigenten so auszutarieren, dass der Klang der jeweiligen Instrumente nicht verloren geht, wie man es leider immer wieder hört. Für die Solisten jedoch ist das Tripelkonzert ein heikles Stück, auch aufgrund der vielen Sechzehntel-Passagen, die einerseits akkurat übereinstimmend gespielt werden müssen, andererseits aber immer locker, keineswegs angestrengt klingen sollen.

Der 1. Satz beginnt mit einer zwölftaktigen gespannten Einleitung, 1. und 2. Thema, das aus dem ersten entwickelt wurde, schließen sich unmittelbar an. Im Takt 44 kommt die Musik für einen Moment zur Ruhe, das heißt jedoch nicht, dass das Tempo verlangsamt werden soll, wie bei Chung, Kofman und Shelley zu hören. Kurz vor Ende der Durchführung (T. 307-314) hat der Komponist einen kleinen Dialog zwischen Solo-Cello und der linken Hand des Klaviers gestaltet (während die rechte Hand mit der Solo-Geige konzertiert). Zufriedenstellend hört man den Dialog nur in den Aufnahmen von Dausgaard, Walter, Abbado und Kofman.

Der 2. Satz, mehr eine Einleitung zum abschließenden Rondo, erinnert mich in seiner Stimmung an das Largo des 3. Klavierkonzerts. Das einleitende ausdrucksstarke Cellothema kann man aufgeplustert spielen wie Yo-Yo Ma, oder natürlich wie Leonard Rose. Kein Finale eines Beethoven-Konzerts klingt so heiter gelöst, so entspannt, wie das des Tripelkonzerts, vorausgesetzt, die richtige Stimmung wird getroffen.


   

Schneider, A.

R. Serkin

J. Lareodo

L. Parnas

Marlboro Festival Orchestra

CBS   Sony

1960

36‘59

5

live-Atmosphäre, man spürt die Liebe zur Musik, spontanes Musiziergefühl, emotionsgeladene Kraft, II sehr konzentriert, III hier mehr entspannt

Fricsay

G. Anda

W. Schneiderhan

P. Fournier

Radio Sinfonie-Orchester Berlin

DGG

1960

36‘42

5

konzertante Darbietung, emphatisch, sehr gutes Zusammenspiel, Intonation bei Solo-Vl. Nicht immer top, II konzentriert, Fricsay führt und vergisst auch die Bläser nicht, III konzertant und auch entspannt

Sargent

Oistrach Trio

Philharmonia Orchestra London

EMI

1958

34‘33

5

erfrischend straffes Musizieren, transparenter Klang, Musiker ein Team, III bestes Feeling für Beethovens Partitur


Walter

W. Hendl

J. Corigliano

L. Rose

New York Philharmonic Orchestra

CBS   Sony

1949

34’09

4-5

I mit Verve ans Werk, II wie selbstverständlich, III jenseits aller Routine – kompaktes Klangbild, geringe Transparenz

Ormandy

Eu. Istomin

I. Stern

L. Rose

Philadelphia Orchester

CBS   Sony

1964

35‘58

4-5

spontanes Musiziergefühl, nuancenreiche Darstellung, Solisten gut abgebildet, Orchester mehr als Block bei nicht immer optimaler Transparenz, II Espressivo, III entspanntes Musizieren – insgesamt moderate Tempi

Abbado

A. Lonquich

 J. Gringolts

M. Brunello

Simon Bolivar Youth Orchestra

DGG

2006

34’52

4-5

live – I zupackend, rhythmisch, hellwach, jenseits aller Routine, aufmerksame Orchesterbegleitung, Solisten spielen sich die Bälle zu, II Solo-Cello etwas zu viel Vibrato, III zum Schluss lässt die Spannung etwas nach

Orlov

Oistrach Trio

Radio-Sinfonie-Orchester Moskau

Brilliant

1947

33‘31

4-5

kompaktes Klangbild, leichte Verzerrungen bei lauten Tutti-Stellen, Orlov lässt sein Orchester nicht zu ziseliert aufspielen wie Sargent, Solisten und Orchester engagiert bei der Sache

Kegel

P. Rösel

Chr. Funke

J. Timm

Dresdner Philharmonie

Capriccio

1986

35‘37

4-5

in sich geschlossene Darstellung, homogen, zupackend, farbenreich, II spannungsvoll, III an vielen Stellen meint man die beiden Streicher als ein Instrument zu hören

Gibson

J. Kalichstein

J. Laredo

S. Robinson

English Chamber Orchestra

Chandos

1986

37‘02

4-5

erfrischendes Musizieren, darstellerische Konzentration, Spannung, Gibson achtet auch auf Orchesterpräsenz bei Solo-Stellen, II spannungsvoll, III aufgekratzt

Masur

Beaux Arts Trio

Gewandhausorchester Leipzig

Eterna

Philips

1992

34‘18

4-5

übertrifft die EMI-Aufnahme mit mehr musikalischer Feinarbeit, II leider bei Cello und Violine zu viel Vibrato

Karajan

M. Zeltser

AS. Mutter

Y. Ma

Berliner Philharmoniker

DGG

1979

36‘10

4-5

I Anfang etwas vernebelt, Orchester insgesamt natürlicher als in der EMI-Aufnahme, Solisten stellenweise in fast kammermusikalischer Manier, II Yo-Yo Ma am Anfang mit viel Vibrato, beinahe schon kitschig, III Solisten jetzt näher an der Rampe, der tänzerische Charakter des Satzes kommt nicht zu kurz

 

Eroica Trio

Prager Kammerorchester

EMI

2003

36‘37

4-5

Klaviertrio mehr im Fokus als das Kammerorchester, trotz des etwas langsameren Tempos (I) von musikalischer Energie sprühende Interpretation, Streicher bei punktierten Noten etwas großzügig, Bläser manchmal etwas zurückgesetzt, II mit Hingabe, III entschieden, lustvolles Musizieren

Conlon

Trio Wanderer

Gürzenichorchester Köln

HMF

2000

35‘23

4-5

entspanntes Musizieren, perfekt agierende Solisten, Orchester bei Dialog-Stellen zu sehr im Hintergrund, III pointiert artikuliert, Solisten con spirito

Inbal

Trio Fontenay

Philharmonia Orchestra London

Teldec

1990

35‘35

4-5

I im Stil des „Concerto militare“ musiziert, Inbal vergisst bei Solo-Stellen die Orchesterinstrumente nicht, III mit Schwung – guter Klang gepaart mit guter Transparenz, die Aufnahme bestätigt, dass das Fontenay Trio zur Zeit der Aufnahme zu den besten Trio-Formationen zählte

Drahos

J. Jandö

DS. Kang

M. Kliegel

Nicolas Esterhazy Sinfonia

Naxos

1997

35‘45

4-5

eingespieltes Team, stimmiges Musizieren, Bläser nicht vergessen, gelungene Klangabmischung zwischen den Solisten

 

Masur

Ch. Zacharias

U. Hoelscher

H. Schiff

Gewandhausorchester Leipzig

Eterna

EMI

1984

34‘57

4

lebendige Darstellung, Holzbläser in der Durchführung T. 278 ff zu leise, H. Schiff nimmt sein Cello zu sehr zurück, vor allem im Zusammenspiel mit der Geige, III mehr ein Nebeneinander als ein Miteinander

Toscanini

A. Dorfman

M. Piastro

J. Schuster

New York Philharmonic Orchestra

Naxos

1942

29‘24

4

live – schnelle Tempi in allen Sätzen, kaum Transparenz, ständiges Rauschen der alten Acetat-Platten – I bewegt pulsierendes Musizieren, viel Brio, Solisten gut aufeinander abgestimmt und klanglich vorgezogen, III hier gefällt das zügige Tempo am besten

Davisson

F. Wührer

B. Gimpel

J. Schuster

Württembergisches Staatsorchester

Vox    Tahra

~ 1957

33‘46

4

Klaviertrio im Fokus, Orchester tritt zurück, Klangbild wenig farbig, etwas belegt, interpretatorisch auf hohem Niveau, III warum Couple 2 langsamer?

Karajan

S. Richter

D. Oistrach

M. Rostropovitch

Berliner Philharmoniker

EMI

1969

36‘16

4

Solisten ordnen sich Karajans Klangvorstellung zu sehr unter, alles so schön wie möglich, Orchester bei lauten Tutti-Stellen mit fettem, pompösem Klang, II sehr langsam, molto espressivo, passt jedoch besser zum späten Brahms

Montgomery

Sima Trio

 Philharmonie Jena

Arte Nova

1996

35‘23

4

Trio und Orchester gut aufeinander abgestimmt, Solo-Vl. An einigen Stellen lauter als Vc., erfrischendes Musizieren, Bläser bei Solo-Stellen nicht vergessen, III begrenzte Inspiration

Barenboim

D. Barenboim

I. Perlman

Y. Ma

Berliner Philharmoniker

EMI

1995

35‘01

4

live – kompaktes Klangbild, Perlman besticht durch sein filigranes Violinspiel, gleichberechtigte Partner, I mit Schwung, teilweise auch etwas schnoddrig, unbekümmert, II Klavier könnte etwas deutlicher sein, III Klavierskalen durch zu viel Pedal vernebelt


Kofman

I. Goto

W. Hink

F. Dolezal

Orchester der Beethovenhalle Bonn

MDG

2005

37’13

3-4

Orchester nur Begleiter, T. 44-51 langsamer ?, T. 278 ff zu sehr im Hintergrund, II Solo-Vc. mit zu viel Vibrato, ansonsten atmosphärisch dichtes Spiel, III der Satz könnte einen Schuss Esprit vertragen

 H. Shelley

H. Shelley

T. Little

T. Hugh

Opera North Orchestra

Chandos

2011

33’57

3-4

darstellerische Konzentration, eingespieltes Team, Orchester jedoch etwas mechanisch, Solo-Cello in hoher Lage weniger ausdrucksstark, neigt dort etwas zum Säuseln, II grenzwertiges Vibrato beim Solo-Vc., uneinheitliche Artikulation T. 44 (Vc.) und T. 45 (Vl.) jeweils am Phrasenende

Rabinovitch

M. Argerich

R. Capucon

M. Maisky

Orchestra della Svizzera italiana

EMI

2002

34‘40

3-4

live – I zupackend, immer auf dem Sprung, jedoch auch etwas schnoddrig , II Streichersolisten mit viel Vibrato, III zupackend, aber auch etwas drauflos, ohne kammermusikalische Feinabstimmung – Orchester agiert abgesehen von Tuttistellen im Hintergrund, große Namen stehen hier im Vordergrund, nicht Beethoven

Inbal

C. Arrau

H. Szeryng

J. Starker

New Philharmonia Orchestra

Philips Decca

1971

37‘18

3-4

bedächtige Tempi, etwas lärmende Tutti-Stellen, andererseits gehen leise Orchesterstimmen nicht verloren, II Klang zwischen Solisten nicht immer ausgewogen, Geige lauter, III etwas schleppend, Esprit ?

Järvi, N.

Trio Poseidon

Gothenburg Symphony Orchestra

Chandos

2007

36‘34

3-4

Klaviertrio im Mittelpunkt, gut aufeinander eingespielt, Järvi beschränkt sich auf die Koordination, Orchester läuft meist nur mit – insgesamt nur solide, I T. 194 ff Hörner und Bläser ?, II T. 31 ff Violine dominiert zu sehr, III Polacca-Stelle T. 171 ff ohne Feuer und Schwung

Kertesz

H. Menuhin

Y. Menuhin

M. Gendron

London Symphony Orchestra

BBCL

1964

34‘11

3-4

live – I Orchester pauschal, T. 2 Pause verkürzt, T. 30 f Tonstärkeregler (?) deutlich zurückgedreht, Solo-Vl. hudelt über manche Stellen hinweg (z. B. T. 376 f), insgesamt wenig elegant, II auch hier Pause in T. 2 nicht aus gezählt – klingt wie eine Pflichtübung, insgesamt kaum Esprit, Orchester nur bei den Tutti-Stellen präsent

M. Chung

Chung Trio

Philharmonia Orchestra London

DGG

2009

34’54

3-4

gespannte E, T. 44-51 langsamer, Solo-Cello geht bei neuen Einsätzen mit dem Tempo etwas zurück, Solo-Vl. geht T. 126-128 und noch mehr T. 364-366 über die Sechzehntel-Passagen großzügig hinweg, II Cello erweckt längst abgelegte Portamenti zu neuem Leben, insgesamt etwas glatt, nicht mit letzter Hingabe


Colomer

Trio de Barcelone

English Chamber Orchestra

HMF

1989

37'36

3

I sauber musiziert, klingt jedoch wie eine Pflichtübung, ziemlich steril, Bass T. 21-29 im Klangbild verwischt, III reduziertes Tempo, lahm, Musik tritt auf der Stelle – stiefmütterliche Behandlung der Orchesterinstrumente, außer im Tutti

Aufnahmen in historisch-informierter Aufführungspraxis:

Dausgaard

B. Berezowsky

U. Svensson

M. Rondin

Schwedisches Kammerorchester

BIS

2000

33’43

5

I „Concerto militare“, Solisten spielen sich die Bälle zu, Orchester auch bei Solo-Stellen immer hellwach dabei, Temperament und Präzision auf gemeinsamen höchsten Nenner, Beethovens dynamische Anweisungen nicht übergangen, II mit viel Hingabe musiziert, III von der vorderen Stuhlkante aus musiziert, im 2. Couple Polonaisen-Rhythmus deutlich herausgestellt – insgesamt sehr überzeugend

Antonini

D.Lazic G.Carmignola S.Gabetta

Basler Kammerorchester

Sony

2014

35'00

5

ebenbürtige Partner, messerscharfe Artikulation, perfekt, fast schon an der Schwelle des Sterilen, ohne diese zu überschreiten, beste Balance und Transparenz, trockener Klang, Orchester etwas an den akustischen Rand gedrängt

Harnoncourt

P-L. Aimard

Th. Zehetmair

C. Hagen

Chamber Orchestra of Europe

Warner

2004

36‘05

5

live – musikalisch auf höchstem Niveau, beste Balance zwischen den Soloinstrumenten aber auch mit dem Orchester, helles Klangbild, sehr gute Transparenz, III con spirito, pulsierend – Unart des Cellisten: nach dem letzten Ton dämpft er seine Seite nicht ab


Brüggen

K.Bezouitenhout I.FaustJ.-G.Queyras

Radio Filharmonisch Orkest

Rundfunkaufnahme

~ 2013

33'25

4-5

live – spielfreudig, delikat, eingespieltes Solistentrio, ausgewogenes Klangbild, leicht eingedunkelt

Zinman

Y. Bronfnan

G. Shaham

T. Mörk

Tonhalle Orchester Zürich

Arte Nova

2004

34‘29

4-5

I schwungvoll, Musizieren aus einem Guss, jedoch etwas artifiziell, Trio: pointierte Artikulation, sehr gute Transparenz, II filigran, III gespanntes und wieder gelöstes Musizieren

de Vriend

Storini Trio

Niederländisches Philharmonisches Orchester

Challenge

2012

34‘34

4-5

Solisten mit Originalinstrumenten, erfrischendes Musizieren in den Ecksätzen, hervorragende Transparenz, I E etwas langsamer, II Bläser zu leise, an einigen Stellen Klang zugunsten der Geige verschoben, insgesamt etwas zu verhalten, III pompöse Tutti-Abschnitte


Jacobson, E.

A. Siirala

C. Jacobson

J. Vogler

The Knights

Sony

2012

35‘37

4

spontanes Musiziergefühl, zupackend, con spirito, Orchester präsenter als in vielen anderen Aufnahmen, Celloton fällt etwas aus dem Gesamtklang der Gruppe heraus, im 2. Satz zu viel Vibrato

Nagano

M. Kodama

K. Blacher

J. Moser

Deutsches Sinfonie-Orchester Berlin

Berlin Classics

2010

34‘25

4

sehr gepflegtes Musizieren, wie abgesprochen, Klavier könnte etwas mehr zulangen, II filigran gezeichnet, Bläser zu leise, sehr langsames Musizieren kurz vor dem Zerfallen, III viel schneller als üblich, Violine T. 71 f zu leise, Cello führt, Bläser oft zurück

Auch diesmal haben mir einige Freunde des Klassik-Prismas Aufnahmen zur Verfügung gestellt, herzlichen Dank!

eingestellt: 13.10.2012

ergänzt am 22.11.2015

Beethoven     home