Das Klassik-Prisma

 

 Bernd Stremmel

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Tristan-Vorspiel und Isoldes Liebestod

·        instrumental

·        mit Wagners Konzertschluss

·        vokal

·        Liebestod (Studio)

·        Liebestod (live)

·        Liebestod (in Gesamtaufnahmen)

 

Tristan-Vorspiel und Isoldes Liebestod (instrumental)

 

Das Vorspiel zu Wagners Tristan nimmt in seinem Œvre und in der Musikgeschichte eine besondere Stellung ein. Darin schildert der Komponist die Liebessehnsucht, ein verzehrendes Verlangen, das immer wieder aufflammt, letztlich aber nicht zu stillen ist. Im Konzertgebrauch hat es sich eingebürgert, dem Vorspiel den Schluss der Oper – Isoldes Liebestod – anzuhängen, und so die beiden Gegenpole wie ein geschlossenes Ganzes zusammenzuführen. Bei den meisten Aufführungen und Aufnahmen führt man den Liebestod ohne Sängerin auf. Die Orchesterbegleitung ist so zwingend gearbeitet, dass man auf sie verzichten kann, ohne die Musik zu verstümmeln. Leider nehmen dies viele Dirigenten zum Anlass, nach dem Höhepunkt in Takt 172 die Musik deutlich zu verlangsamen, davon gibt die Partitur keine Kunde, erst drei Takte vor dem Ende hat Wagner ein rallentando genehmigt. Kaum noch bekannt ist, das der Komponist eine andere, verkürzte Verbindung von Vorspiel und Schluss der Oper zusammengestellt hat: Das Vorspiel endet dort bereits in Takt 93, jetzt folgt eine kurze Überleitung aus bekanntem musikalischen Material bis die Musik das Ende des Liebestodes ab Takt 177 übernimmt. Die drei Dirigenten R. Strauss, Klemperer und Rögner sind sich jedoch nicht einig, ob sie bis zum letzten Takt spielen lassen, oder bereits ein oder zwei Takte früher enden. Diese Fassung ist als „Tristan-Vorspiel mit Konzertschluss“ bekannt.

 

Werfen wir noch einige Blicke in die Partitur: Vielen Dirigenten gelingt es in den ersten Takten nicht, genau im Metrum zu bleiben. Da werden die langen Töne von Celli, Oboen und Klarinetten verlängert, oder die Pausen im vierten, siebten, vierzehnten und fünfzehnten Takt verkürzt. Nur wenige halten die Pausen wie vorgesehen aus, z. B.  Schuricht (1950 u. 57), Dorati, Karajan (1957 u. 74), Carlos Kleiber, Kubelik, Lopez-Cobos, Barenboim und Simonov. In Takt 36/37 sollen die Bratschen ihr Motiv zart – dolce – vortragen, vermutlich gilt es auch für die folgenden Oboen. Danach vermerkt die Partitur belebt – animato. Nur wenige Dirigenten stellen diesen, zugegeben nicht starken Gegensatz, heraus: Toscanini, Sabata, Furtwängler (1930 u. 38), Schuricht-57, Busch, Barbirolli, Karajan-83, Steinberg, Talich, Kubelik, Skrowaczewski, C. Kleiber, Davis, Runnicles, Simonov sowie Thielemann. Auch darauf soll noch hingewiesen werden: Eindringlich spielen Hörner (verstärkt durch die Celli) und eine Trompete das Anfangsmotiv des Vorspiels, jetzt nur auf eineinhalb Takte komprimiert, unmittelbar vor dem Höhepunkt, und lassen so diese Takte (80-83) überwältigen.

 

5

Otto Klemperer

Philharmonia Orchestra London

EMI

1960

15‘43

 

 

I schmachtend, gewaltiger Spannungsaufbau bis zum Höhepunkt T. 83, sachlich und emotional gleichermaßen, II immer deutliche Stimmführungen, sehr durchsichtig, auch hier großer Spannungsbogen, im Tempo!

5

Wilhelm Furtwängler

Berliner Philharmoniker

Polydor          DGG         SWF

1930

16‘49

 

s. u.

5

Wilhelm Furtwängler

Berliner Philharmoniker

HMV            EMI

1938

17‘55

 

s. u.

5

Wilhelm Furtwängler

Berliner Philharmoniker

Myto

1954

18‘46

 

live Turin, s. u.

5

Wilhelm Furtwängler

Berliner Philharmoniker

DGG            WFG          audite

1954

17‘38

 

live Berlin, s. u.

5

Carl Schuricht

Orchestre National de la RTV Français

forgotten records

1957

17‘08

 

live, Besançon – s. u.

5

Carl Schuricht

Sinfonie-Orchester des SDR Stuttgart

hänssler

1950

18‘13

 

s. u.

5

Fritz Busch

Los Angeles Philharmonic Orchestra

Guild

1946

16‘28

 

live - belebtes, stellenweise aufgewühltes Musizieren mit höchster Intensität, leider entferntes und kompaktes Klangbild

5

Carlos Kleiber

SDR Sinfonie-Orchester Stuttgart

Rundfunkaufnahme

Memories

1972

19‘13

 

I anfangs genau im Metrum, ganz klar, Musik spricht aus sich selbst, ohne subjektive Überfrachtungen, trotzdem Espressivo, II Kleiber beginnt 8 Takte vorher, während Brangäne eigentlich noch singt „Hörst du uns nicht? Isolde! Traute! Vernimmst du die Treue nicht?“ , Musik klingt wie gereinigt, langsamer Liebestod am Ende

5

Arturo Toscanini

NBC Symphony Orchestra

RCA

1952

18‘30

 

große Spannungsbögen, Intensität vom ersten bis zum letzten Takt, auch jeweils im Abgang, trotz mäßigen Tempos, gute Balance

5

Antal Dorati

London Symphony Orchestra

Mercury

1959

16‘17

 

I Dorati baut schon früh viel Spannung auf, Sog, farbiges Klangbild, II viel  Atmosphäre und Spannung, im Tempo

 

 

4-5

Wilhelm Furtwängler

RAI Orchester Turin

Myto

1952

17‘04

 

live Turin, s. u.

4-5

Pierre Monteux

Sinfonie-Orchester des NDR Hamburg

EMI

1964

15‘13

 

live – I spannungsvoller Aufbau, guter Umgang mit der Dynamik, transparent, ziemlich tempokonstant, Rundfunkklang, II immer deutliche Stimmführungen, lebendig formuliert – eher sachlich als hochemotional

4-5

Jewgenij Mrawinsky

Leningrader Philharmonie

Melodya     BMG

1978

16‘45

 

live – insgesamt konventionell, aber: konzentriert, mit Hingabe musiziert temperamentvoll, an den Höhepunkten aufgewühlt, viel Espressivo;  sehr helle Oboe sticht leider aus dem Holzbläserklang hervor

4-5

George Szell

Cleveland Orchestra

CBS   Sony

P 1966/67

16‘40

 

I viel Espressivo, spannungsvoller Aufbau bis zum Höhepunkt, Pause T. 4 verkürzt, II  hier mehr ein sachlicher Stil

4-5

Carl Schuricht

Orchestre de Conservatoire Paris

Decca

1954

16‘59

 

s. u.

4-5

John Barbirolli

New York Philharmonic Orchestra

Barbirolli Society

Dutton

1938

17‘05

 

live – emotional betonter Vortragsstil mit viel Spannung, kompakter Klang, Oboe ragt aus dem Holzbläserklang heraus, geringe Tempoverlangsamung am Ende des Liebestods – Publikumsgeräusche, leises Rauschen der Acetatplatten

4-5

Claudio Abbado

Berliner Philharmoniker

DGG

2000

16‘51

 

live – I anfangs sehr sachlich, nach T. 63 jedoch hochemotional, Hörner drängen sich ab T. 58 vor, sehr guter Klang, II sehr viele Bläserdetails, ab T. 180 Ritardando

4-5

Jesús López-Cobos

Cincinnati Symphony Orchestra

Telarc

1994

17‘20

 

leidenschaftliches Musizieren, große Spannungsbögen; Dynamik, Balance und Transparenz top, sehr guter Klang

4-5

Rafael Kubelik

Berliner Philharmoniker

DGG

1963

20‘01

 

anfangs langsam, schmachtend, insgesamt viel Spannung und Atmosphäre – eine Aufnahme für Hörer mit langem Atem, wie ihn Kubelik besaß

4-5

Daniel Barenboim

Orchestre de Paris

DGG

1982

18‘13

 

Aufnahme nach Barenboims Tristan-Erfahrungen in Bayreuth – viel Espressivo, tragende Rolle der Hörner herausgestellt, II Musik klingt anfangs mehr wie eine Begleitung zu einer imaginären Isolde

4-5

Daniel Barenboim

Chicago Symphony Orchestra

Teldec

1993

17‘03

 

ähnlich wie die frühere Aufnahme, klanglich jedoch mehr aufgefächert, dagegen treten Hörner leider etwas zurück, Anfang des Liebestodes hier überzeugender

4-5

Stanislaw Skrowaczewski

SR Sinfonie-Orchester Saarbrücken

SR-Aufnahme

2008

18‘23

 

live – umsichtiges Dirigat, klar und deutlich musiziert, gelungener Spannungsauf- und -abbau, viele Details, an Espressivo wird nicht gespart, insgesamt feste Tempi, im Liebestod ab T. 180 jedoch langsamer, Harfe setzt vor dem Schlussakkord ein

4-5

Mariss Jansons

Oslo Philharmonic Orchestra

EMI

1991

16‘22

 

großbogige Gestaltung mit überzeugenden Höhepunkten, Musik sensibel nachgezogen, emotionale Kraft,I Pause T. 4 verkürzt,  II Harfe setzt vor dem Schlussakkord ein

4-5

Herbert von Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1984

19‘34

 

s. u.

4-5

Yuri Simonov

Philharmonia Orchestra London

alto

Brilliant

1991

18‘04

 

gute Disposition, Espressivo, Spannung, sehr gute Balance und Transparenz, ohne viele persönliche „Zutaten“

 

 

4

Wilhelm Furtwängler

Stockholmer Philharmoniker

M&A   History

1942

18‘01

 

live,  Stockholm, s. u.

4

Victor de Sabata

Berliner Philharmoniker

DGG

1937

18‘02

 

I gute Binnenspannung unter einem großen Spannungsbogen, Spannungsaufbau ab T. 55 geht mit einer leichten Beschleunigung einher, insgesamt hochromantisch, II sehr langsam, fast schon statisch, die Musik wird weniger als etwas Selbstständiges sondern als Begleitung einer imaginären Isolde verstanden – im Gegensatz zu seinem Dirigat live Mailand 1951

4

Rudolf Kempe

Wiener Philharmoniker

EMI

1958

18‘16

 

I Kempe nimmt sich mehr Zeit, schafft Atmosphäre des Sehnens, T. 4 Pause verkürzt, Holzbläser nicht so präsent wie die Partitur fordert, wird von der Flöte dominiert, Vorspiel verselbstständigt sich etwas, II eher klar, weniger Espressivo, weniger klangliche Wucht an den Höhepunkten

4

William Steinberg

Pittsburgh  Symphony Orchestra

Capitol     EMI

1952

16‘25

 

Spannungsauf- und -abbau überzeugt in beiden Teilen, gute Tempi, Pause T. 4 verkürzt – kompakter Klang, Holzbläser wenig differenziert, oberstimmenbetontes Musizieren

4

Vaclav Talich

Radio-Sinfonie-Orchester Prag

Supraphon

1953

17‘26

 

I anfangs sehnend, schmachtend, ab T. 155 allmählicher Spannungsaufbau, Blech könnte T. 80-83 mehr Trennschärfe aufweisen, II etwas gezügelte Emotionalität

4

Christian Thielemann

Philadelphia Orchestra

DGG

1997

20‘21

 

I Thielemann nimmt sich Zeit für die Pausen, anfangs suchend, schmachtend, überzeugender Aufbau hin zum Höhepunkt, danach wieder ganz langsam wie zu Beginn, II langsam, zelebriert, Isolde schon zu Beginn tot?

4

Christian Thielemann

Orchester der Deutschen Oper Berlin

Orfeo

2004

19‘16

 

live, Wien – I ein wenig schneller, jedoch viel emotionaler als im Studio, II leider auch sehr langsam – Orchester spieltechnisch nicht auf Philadelphia-Niveau

4

Georg Solti

Chicago Symphony Orchestra

Decca

P 1974

19‘03

 

Solti achtet auf deutliche Stimmführungen, Tempi immer unter Kontrolle, Spannungsbogen erst ab T. 74, klangvolle Darstellung, jedoch eher sachlich kontrolliert, sehr gute Transparenz, breite Dynamik, Tempo im Liebestod jedoch sehr langsam und auch zäh, die Musik tritt stellenweise auf der Stelle

4

Artur Rodzinski

Chicago Symphony Orchestra

Columbia      EMI

1947

16‘12

 

I weniger expressiv, da Klang nicht genügend aufgefächert (z.B. T. 63-79), II sich zwischen Holzbläsern und Streichern abwechselnde Doppelschlag-Figuren kommen nicht gut heraus, Oboe setzt entgegen der Partitur vor dem Schlussakkord ab

4

Artur Rodzinski

Royal Philharmonic Orchestra London

Westminster   Heliodor

1954/56

16‘58

 

I zurückhaltender Umgang mit Espressivo, kompakter Klang, der wichtige Details bei den Bläsern schluckt, II mehr statisch als dynamisch

4

Herbert von Karajan

Berliner Philharmoniker

EMI

1974

18‘46

 

s. u.

4

Eugene Ormandy

Philadelphia Orchestra

RCA

1972/73

17‘53

 

I anfangs kein stabiles Metrum, suchend und schmachtend, insgesamt geschmeidiges Musizieren, endlich einmal wieder die Posaunen-Einsätze T. 66 und 68 deutlich zu hören, emotional etwas zurückhaltend

4

Hans Knappertsbusch

Münchner Philharmoniker

Westminster    MCA

1962

15‘25

 

I einige verkürzte Notenwerte am Anfang, ziemlich stabiles Tempo, immer helles Klangbild, die so wichtigen Hörner agieren leider mehr im Hintergrund, II etwas sachlich und nüchtern, ohne persönliche Aussage, Harfe immer präsent, auch am Ende wenig langsamer

4

Pierre Boulez

New York Philharmonic Orchestra

CBS   Sony

1973

16‘02

 

I sachlicher Vortragsstil, kaum Unterschied zwischen zart und belebt T. 36-42, II distanziert, ohne emotionale Stellungnahme

 

 

3-4

James Levine

The MET Orchestra New York

DGG

1995

18‘52

 

I Musik zielt erst sehr spät auf den Höhepunkt, tritt partiell auf der Stelle, Levine hier kein Architekt, Pause T. 4 verkürzt, II fast schon zähes Tempo, erst ab T. 155 geformt und zielgerichtet

3-4

Herbert von Karajan

Berliner Philharmoniker

EMI

1957

20‘46

 

s. u.

3-4

Jascha Horenstein

Bamberger Symphoniker

Vox

1954

16‘53

 

keine optimale Klangregie, Klarinette dominiert den Bläserklang, Emotionalität auf niedrigem Niveau, insgesamt routiniert, ansprechende Tempi – dumpfes Rumpeln an leisen Stellen

 

 

 

Hinweise zu Interpreten und Interpretationen

 

Carl Schuricht

 

Schurichts Aufnahmen der beiden Tristan-Stücke erfolgten zwischen 1950 und 1957, als er bereits 70 Jahre bzw. noch älter war. Sie weisen jedoch keineswegs altersbedingte Einbußen auf, im Gegenteil. Schuricht versteht es konzentriert zu arbeiten, die Musik klar und deutlich zum Klingen zu bringen – deutliche Stimmführungen – und zu den Höhepunkten große Spannungsbögen aufzubauen. Die Tempi sind ziemlich stabil, lediglich im Liebestod wird er, wie die meisten seiner Kollegen, etwa ab Takt 180 langsamer. Sachlichkeit und Emotionalität gleichermaßen zeichnen sein Musizieren aus. Klanglich am besten gelungen ist die Rundfunk-Aufnahme aus Stuttgart, die noch erstaunlich frisch klingt. Die Decca-Platte aus Paris klingt weniger transparent, die Bläser kommen bei Weitem nicht so deutlich heraus wie früher. Musikalisch am besten gefällt der Mitschnitt vom Festival Besançon aus dem Jahre 1957: Das Musizieren vor Publikum spornte Dirigent und Orchester zu einer spannungsvollen Interpretation an, die mehr Espressivo aufweist als die Studio-Einspielungen, leider fällt der Klang in den Tutti-Stellen zu kompakt aus.

 

Wilhelm Furtwängler

 

Insgesamt sechs Aufnahmen vom Tristan-Vorspiel und Isoldes Liebestod (instrumental) sind bekannt. Die älteste entstand 1930 in Berlin, im Rahmen von Furtwänglers ersten Plattenaufnahmen für Polydor. In ihr ist Furtwänglers Verständnis der Tristan-Musik schon voll ausgeprägt: Viel Espressivo-Musizieren, das sich in seinen letzten Jahren zu einem Dauerespressivo ausbreitet; dazu ein Musizierstil, der von Spannung und Entspannung charakterisiert ist. Das Setzen und Ausfüllen weiträumiger Spannungsbögen zum Höhepunkt hin war ebenso ein Merkmal von Furtwänglers Interpretationskunst, die insbesondere bei der Tristan-Musik überzeugt. All das erlebt man bereits in dieser ersten Plattenaufnahme. Die späteren Aufnahmen bzw. Mitschnitte bauen darauf auf und weichen nur marginal davon ab. Mit den ihm am vertrautesten Berliner Philharmonikern verkürzt er die Pause in Takt 4 um etwa zwei Achtel-Schläge, bei den Orchestern in Stockholm und Turin, die er nur gelegentlich leitete, blieb er genau im Takt. In den Takten 1 und 5 dehnt er die Achtel-Note auf sechs zu einer Viertel, jedoch ebenfalls nur in den Aufnahmen mit seinen Berlinern. Seine letzten Interpretationen von Vorspiel und Liebestod stammen aus Furtwänglers ausgedehnter Tournee mit den Berliner Philharmonikern, die von Berlin aus durch deutsche Mittelstädte, sowie Städte in Frankreich, der Schweiz und Italien führte. Hier fällt auf, dass das Orchester in Turin am Ende des Liebestods mehr Emotionen zeigen darf und nicht auf ein pp zurückgeht. Knapp drei Wochen zuvor, vor seinem vertrauten Berliner Publikum, achtet der Dirigent mehr auf Wagners Partitur. Der Turiner Mitschnitt (unruhiges Publikum) ist, wie damals in Italien noch üblich, auf Acetat-Platten konserviert worden, was ein ständiges Rauschen und Knistern zur Folge hat. Außerdem sind (bei der Digitalisierung?) einige Pegelschwankungen stehengeblieben. Da klingt der Mitschnitt aus dem Berliner Titania-Palast um einiges besser und das Publikum verhält sich fast vorbildlich. Die Musiker des Turiner Radio-Orchesters spielen 1952 ebenfalls ausdrucksvoll, jedoch mit etwas weniger Intensität, abgesehen von den Höhepunkten; seltsamerweise ist der Klang nicht so kompakt ausgefallen wie zwei Jahre später am vermutlich selben Ort. Der Konzert-Mitschnitt aus Stockholm trägt eindeutig Furtwänglers Handschrift, ist aber infolge des immerwährenden Rauschens und Knisterns der Acetat-Platten nahezu ungenießbar. Das Klangbild ist sehr kompakt und deshalb wenig differenziert, die hohen Streicher werden bevorzugt.

 

Herbert von Karajan

 

Bei Karajans drei Studioproduktionen – alle mit den Berliner Philharmonikern – ist von Aufnahme zu Aufnahme eine qualitative Steigerung festzustellen. 1957 beginnt die Musik im  Vorspiel wie suchend aus dem Nichts zu kommen, sie klingt irgendwie phlegmatisch, erst allmählich kommt sie in Fahrt. Das Sehnen, das Schmachten wird von Karajan weniger vermittelt. Der Höhepunkt ist kurz, danach tritt eine Stimmung wie zu Beginn ein, die Musik scheint jetzt jedoch auf der Stelle zu treten. Auch der Liebestod wird insgesamt sehr langsam gespielt und am Ende nochmals abgebremst. Das Klangbild wird meist von den hohen Streichern beherrscht. 1974 sind die Tempi etwas schneller, Karajans Vorstellung scheint sich jedoch nicht grundlegend verändert zu haben. Das Klangbild ist nun besser, jedoch wieder oberstimmenbetont, leider sind die Hörner in den Takten 58-62 zu dominant und stören die Balance. Der Liebestod beginnt hier sehr leise, insgesamt klingt er ein wenig nach „Tod und Verklärung.“ Auf der DGG-CD beobachtet man anfangs auch ein dichtes Musizieren, Karajan lässt jetzt mit mehr Leidenschaft spielen und gestattet Einblicke in das Innenleben der Partitur. Die Tempi gehen hinter die der Vorgängeraufnahme etwas zurück.

 

 

Tristan-Vorspiel mit Konzertschluss:

 

4-5

Otto Klemperer

Preußische Staatskapelle Berlin

Electrola     archiphon

1927

10‘35

 

emotional geprägte Darstellung, kompakter Klang, „Bratkartoffelrauschen“

4-5

Heinz Rögner

Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin

Eterna          Berlin Classics

P 1979

11‘40

 

anfangs ohne rechte Spannung, das ändert sich jedoch bald

4

Otto Klemperer

Wiener Philharmoniker

Testament

1968

12‘08

 

live - schwergewichtiges Musizieren, am Ende sehr langsam, transparenter Klang

4

Richard Strauss

Berliner Philharmoniker

DGG

P 1929

9‘02

 

sachlich geprägter Vortrag, T. 4 verkürzt, ab T. 63 deutlich schneller, kompakter Klang

 

 

 

Tristan-Vorspiel und Isoldes Liebestod (vokal)                                              

„Mild und leise, wie er lächelt“

 

5

Wilhelm Furtwängler

Kirsten Flagstad

Philharmonia Orchestra London

Testament

1950

18‘20

 

live, I Musik unter Hochspannung, Sehnen!, leider nicht optimal eingefangen, Rauschen der Schellacks, Publikumsgeräusche, II anfangs sehr langsam, erst ab T. 166 schneller, nach dem Höhepunkt wieder langsamer ; Flagstad mit klarer Stimme, noch geschmeidig, bewegende Darstellung

5

Charles Münch

Eileen Farrell

Boston Symphony Orchestra

RCA

1957

17‘41

 

I Spannung vom ersten Takt an, großer Bogen bis zum Höhepunkt, dann bis zum Ende, II Farrells Stimme ziemlich vorgezogen, souverän gesungen, textverständlich, Harfe setzt vor dem Schlussakkord ein

 

 

4-5

Artur Rodzinski

Helen Traubel

New York Philharmonic Orchestra

Columbia      Sony

1945

16‘09

 

I klar, allmähliche Steigerung bis zum Höhepunkt, bewegtes Tempo, II Stimme im Orchester eingebettet, trotzdem ziemlich deutlich und textverständlich, schafft ohne Probleme die Höhe, weitgehend im Tempo

4-5

Giuseppe Sinopoli

Cheryl Studer

Sächsische Staatskapelle Dresden

DGG

1993

17‘59

 

I zum Höhepunkt hin dramatische Steigerung, überzeugend, II hell timbrierte Stimme, in den Höhen zur Schärfe neigend, etwas fester als früher, weniger modulationsfähig – insgesamt hochemotionale Darstellung

4-5

Jeffrey Tate

Cheryl Studer

Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

EMI

1988

19‘14

 

I schmachtend, spannungsvoller Aufbau zum Höhepunkt hin, Hörnerklang genau dosiert, Tate hat den langen Atem für diese Musik, für manche Hörer etwas zu langsam, II hell timbrierte Stimme, in den Höhen zur Schärfe neigend, linearer Gesang, Textverständlichkeit

4-5

Hans Knappertsbusch

Christa Ludwig

Sinfonie-Orchester des NDR Hamburg

Rundfunkaufnahme

Tahra

1963

17‘05

 

live – I lebendiger und mehr Spannung als in Wien, emotional, 1. Trp T. 81 f zu schwach, insgesamt aber eine Kna-Sternstunde, guter Klang, II hohe Töne gestemmt, Dauervibrato, wabernde Stimme, darunter leidet die Textverständlichkeit, Stimme in den Orchesterklang eingebettet.

4-5

Hans Knappertsbusch

Birgit Nilsson

Wiener Philharmoniker

Decca

P 1960

17‘08

 

I Metrum anfangs nicht stabil, schmachtend, Bogen zum Höhepunkt beginnt hier ab T. 49, II Knappertsbusch beginnt acht Takte vorher, Tempo langsamer als in Hamburg, Stimme ins Orchester gebettet, t/d-Laute am Wortende auffallend betont, Studio-Gesang

4-5

Donald Runnicles

Christine Brewer

Atlanta Symphony Orchestra

Telarc

2006

17‘08

 

I sehr gute Darstellung, auch dynamisch, überzeugend die „belebend-Stelle“ T. 42 f, II feste Stimme, hell timbriert, etwas gekünstelt vorgetragen, sprachlich nicht immer akzentfrei, emotional weniger stark – gute Transparenz und Balance, tempofest

 

 

4

Colin Davis

Jessye Norman

London Symphony Orchestra

Philips

1975

19‘00

 

I gut gemacht, jedoch gezügelte Emotionalität, Englischhorn T. 100-103 zu viel Vibrato, II viel zu langsam, erst vor dem Höhepunkt schneller, Norman mit erträglichem Vibrato, emotional, innig

4

Roger Norrington

Jane Eaglen

London Classical Players

Virgin

1994

12‘42

 

HIP-Interpretation – I spannungsvoller Aufbau, leider viel zu schnell, II Tempo passt hier besser, dramatisch, Stimme jedoch mit viel Vibrato, zu geradlinig gesungen

 

 

3-4

Herbert von Karajan

Jessye Norman

Wiener Philharmoniker

DGG

1987

19‘09

 

live – I Karajan kämpft zum letzten Mal mit der Tristan-Musik, geringere Spannung als früher, II Stimme setzt sich durch, Vibrato jetzt stärker, zu langsam, Isoldes Liebestod vorgeführt, jedoch nicht erlebt

3-4

Lorin Maazel

Waltraud Meier

Berliner Philharmoniker

RCA

1997

20‘08

 

I gute Darstellung, aber zu langsam, zäh, darunter leidet die Spannung, II Stimme klingt etwas angestrengt, flattrig (Vibrato), herb, Frau Meier setzt T. 123 zu früh ein; Studio Isolde – sehr gute Transparenz und Balance, trefflicher Klang

3-4

Dietrich Fischer-Dieskau

Julia Varady

Deutsches Sinfonie-Orchester Berlin

Orfeo

1997

17‘39

 

I Oberstimmen-betontes Musizieren, das Stimmengeflecht wird nicht heraus gearbeitet, Dirigent achtet auf fließendes Tempo, insgesamt neutral, II Varady trotz Akzent textverständlich, singt jedoch in Abschnitten, Orchester bleibt weitgehend im Hintergrund

3-4

Ed Spanjaard

Charlotte Margiono

Limburg Symphony Orchestra

Pentatone

2006

15‘59

 

I in den ersten Takten metrische Unebenheiten, beeinflusst die Spannung, im Verlauf des Vorspiels nimmt diese jedoch zu, fließendes Tempo, II , Tempo moderater, Stimme meist vor dem Orchester mit viel Vibrato, kleinteilige Phrasierung, Studio-Isolde

 

Jetzt folgen noch, sozusagen als Zugabe, eine Anzahl von Liebestod-Aufnahmen aus Vergangenheit und jüngster Gegenwart. Viele der hier aufgeführten Sängerinnen sind nur noch älteren Musikfreunden geläufig. Die technische „Überlieferung“ ihrer Interpretationen ist unterschiedlich von recht gut über akzeptabel bis ungenügend. Immerhin lernt der Interessierte Isolden-Stimmen kennen, die heutigen Interpretinnen weit überlegen sind. Sowohl klanglich, als auch was ihre Aussprache und Textverständlichkeit betrifft. Man staunt wie viele hervorragende Isolden damals zur Verfügung standen. Die Gründe sollen hier nicht diskutiert werden. Das Tempo des Liebestods ist hier überwiegend schneller als das in jüngeren Aufnahmen. Das Argument, dass bei Aufnahmen auf Wachsmatrizen schneller gesungen werden musste, zieht hier nicht, da bei einer Dauer von höchstens viereinhalb Minuten pro Sitzung immer zwei Aufnahme-Takes vonnöten waren.

Viele separate Einspielungen leiden darunter, dass sie sich vom Drama Tristan und Isolde gelöst haben. Sängerin und Dirigent/Orchester singen und spielen ein schönes Konzertstück, dass auf den dramatischen Inhalt, der ja erst in Isoldes Liebes=Opfertod gipfelt und endet, kaum Bezug nimmt. Man schwelgt in Schönklang und erreicht in der Regel in 7 bis 8 Minuten den schönen abschließenden H-Dur Akkord.

 

 

Isoldes Liebestod (Studio-Aufnahmen)

 

 

5

Lotte Lehmann

Frieder Weißmann

Preußische Staatskapelle Berlin

EMI

1930

5‘04

 

lebendiger Vortrag, ein großer Bogen, Stimme klanglich bevorzugt, zeitbedingte Portamenti beim Abstieg von einem höheren Ton, Orchesternachspiel bleibt im Tempo

5

Frida Leider

John Barbirolli

London Symphony Orchestra

EMI

1931

4‘50

 

bewegtes Tempo, lockerer Vortrag, dramatisch, Stimme etwas scharf, zeitbedingte Portamenti beim Abstieg von einem höheren Ton, Barbirolli bremst bei „unbewusst“ deutlich ab

 

 

4-5

Martha Fuchs

Bruno Seidler-Winkler

Preußische Staatskapelle Berlin

EMI

1938

4‘32

 

bewegtes Tempo, ganz locker gesungen, meistens wie natürlich

4-5

Gertrud Bindernagel

Selmar Meyrowitz

Berliner Philharmoniker

Telefunken

1932

4‘38

 

bewegtes Tempo, Stimme mehr in das Orchester integriert, klangtechnisch nicht immer klar abgebildet

4-5

Birgit Nilsson

Leopold Ludwig

Philharmonia Orchestra London

EMI     Testament

1957

7‘35

 

erste Nilsson-Aufnahme, klare und deutliche Stimme, L. Ludwig achtet auf Durchsichtigkeit und schafft Spannung, leider auch sehr langsam

4-5

Germaine Lubin

?

?

EMI

1938

6‘11

 

gewöhnliches Tempo, zum Schluss hin langsamer; in großen Bögen, gute Textverständlichkeit – Dirigent und Orchester nicht genannt

4-5

Astrid Varnay

Hermann Weigert

Niederösterreichisches Tonkünstler-Orchester

Acanta

1951

6‘14

 

Stimme in der Mitte des Orchesters, natürlicher als 1957, etwas entfernter Klang

4-5

Astrid Varnay

Ferdinand Leitner

Bamberger Symphoniker

DGG

1957

6‘50

 

Varnay singt etwas gekünstelt, sonst souverän – Studio-Isolde

 

 

4

Rita Gorr

André Cluytens

Orchester der Oper Paris

EMI   Testament

1959

6‘14

 

in der Höhe sehr offene Stimme, klingt dabei auch etwas angestrengt

 

 

3-4

Christa Ludwig

Otto Klemperer

Philharmonia Orchestra London

EMI

1962

6‘16

 

 

Klemperer stellt die letzten 5 Takte des Vorspiels voran, objektives Musizieren,  Ludwig hier disziplinierter als bei Knappertsbusch, immer noch viel Vibrato

3-4

Kirsten Flagstad

Issay Dobrowen

Philharmonia Orchestra London

EMI

1948

7‘08

 

Solistin vor dem Orchester, dass sehr zurückgenommen und kompakt klingt, langsames Tempo ohne eine Dramatik, wie erstarrt

3-4

Gwyneth Jones

Roberto Parternostro

WDR-Sinfonie-Orchester Köln

Rundfunk-Aufnahme  Chandos

1990

6‘33

 

Sopran hell und kräftig, jedoch wenig modulationsfähig

 

 

3

Jessey Norman

Klaus Tennstedt

London Philharmonic Orchestra

EMI

1987

8‘35

 

Musik tritt auf der Stelle, losgelöst von der Handlung, man hangelt sich zum Schluss

 

 

Isoldes Liebestod (Livemitschnitt)

 

3-4

Kirsten Flagstad

Malcolm Sargent

BBC Symphony Orchestra

BBCL

1953

7‘58

 

live - zu langsam, vom Drama losgelöst

 

 

Isoldes Liebestod (in Gesamtaufnahmen)

 

Der Liebestod in Gesamtaufnahmen ist ein Resultat des dramatischen Geschehens und überzeugt fast immer, besonders in Livemitschnitten, auch wenn die sängerische Leistung der Isolde am Ende der Handlung nicht immer auf dem Niveau von Studioeinspielungen angesiedelt ist. Ein besonders schönes und aufregendes Beispiel ist der Mitschnitt aus der Mailänder Scala von 1951 mit der Sopranistin Gertrude Grob-Prandl unter der Leitung von Victor de Sabata, da wird die Musik bis zum letzten Takt durchgezogen. Leider lässt die klangliche Seite zu wünschen übrig.

 

 

5

Birgit Nilsson

Karl Böhm

Festspielorchester Bayreuth

DGG

1966

6‘12

 

Nilssons Stimme hat an Fülle gewonnen, klingt hier lebendiger und souveräner als in den Studio-Produktionen

5

Birgit Nilsson

Karl Böhm

Orchestre National de l’ORTF

Rodolphe

1973

6‘19

 

live, Amphitheater Orange - mit mehr Vibrato, teilweise auch heller, Bayreuth-Mitschnitt jedoch etwas geschlossener

5

Kirsten Flagstad

Erich Kleiber

Orchestre de Teatro Colon di Buenos Aires

Myto

1948

7‘00

 

live, Buenos Aires – Flagstad mit reifer Stimme, trotz kompakten Klanges hinreichende Transparenz, leuchtender Höhepunkt!, leider sehr langsam

5

Astrid Varnay

Rudolf Kempe

Metropolitan Opera Orchestra

Walhall

1955

6‘06

 

live, New York – überzeugende Varnay, überlegen; kompakter Klang, wenig Transparenz, Beifall in den Schlussakkord hinein

5

Helen Traubel

Fritz Busch

Orchester der Metropolitan Oper

Myto

1946

5‘50

 

live, New York – Musik präsenter als bei Leinsdorf, jedoch Rauschen der Acetatplatten, Traubel und Busch gleichberechtigte Partner, fließendes Tempo, am Ende nur unmerklich langsamer – Publikum applaudiert in den Schlussakkord

 

 

4-5

Kirsten Flagstad

Wilhelm Furtwängler

Philharmonia Orchestra London

EMI

1952

7‘02

 

Aufnahme zieht ihre Bedeutung aus dem Zusammenwirken von Furtwängler und Flagstad, Simme nicht mehr ganz frisch, langsames Tempo

4-5

Gertrude Grob-Prandl

Victor de Sabata

Orchester der Mailänder Scala

Archipel    Cantus   Walhall

1951

6‘02

 

live, Mailand – höchst musikalischer Vortrag, Sabata am Pult bringt  die Musik auf dem Höhepunkt zu einem letzten herzzereißenden Aufglühen, einsame Spitze; miserable Aufnahmetechnik, Orchester klingt wie aus einem Sack, eigentlich indiskutabel

4-5

Astrid Varnay

Eugen Jochum

Festspielorchester Bayreuth

Archipel

1953

6‘40

 

live – natürlicher Vortragsstil, Aufnahme an ff-Stellen sowie bei Varnays hohen Tönen übersteuert (bzw. mangelnde Sorgfalt beim Mastering)

4-5

Kirsten Flagstad

Fritz Reiner

London Philharmonic Orchestra

EMI   Naxos

1936

6‘43

 

live, London – souverän gesungen, Stimme vor dem Orchester, kompakter Klang, jedoch viel besser als bei Flagstads übrigen Livemitschnitten

4-5

Kirsten Flagstad

Thomas Beecham

Orchester der Covent Garden Oper

Archipel

1937

6‘28

 

live, London – Flagstad am Anfang ihrer Isolden-Karriere, klare Stimme, Affinität zur Musik, kompakter und etwas entfernter Klang, Stimme vor dem Orchester

4-5

Helena Braun

Hans Knappertsbusch

Bayerisches Staatsorchester

Orfeo

1950

5‘44

 

live, München – H. Braun aus dem Alt- ins Sopranfach gewechselt, angenehm runde Stimme, Kna zieht ab „Höre ich nur diese Weise“ das Tempo etwas an, besserer Klang als 1952

4-5

Paula Buchner

Robert Heger

Staatskapelle Berlin

Preiser

1943

6‘13

 

deutliches Singen, sehr klar, stabile Stimme, Heger kompetenter Partner, erfreulich guter Klang

4-5

Margaret Price

Carlos Kleiber

Staatskapelle Dresden

DGG

1981

7‘22

 

helle, angenehm deutliche und textverständliche Stimme mit guter Höhe, gut ins Orchester eingebettet, differenzierte Orchesterbegleitung

 

 

4

Helga Dernesch

Herbert von Karajan

Berliner Philharmoniker

EMI        Warner

1972

7‘15

 

helle, klare Stimme, höhensicher, ab T. 155 oft vom Orchester zugedeckt, Karajan leider zu langsam

4

Gertrude Grob-Prandl

André Cluytens

Orchester der Wiener Staatsoper

Walhall

1956

6‘37

 

live, Wien – viel besserer Klang als in Mailand; Stimme immer deutlich, sichere Höhe, jedoch nicht mehr so überschwänglich interpretiert, Cluytens bringt das Orchester nicht zum Glühen – Repertoire-Vorstellung

4

Helen Traubel

Erich Leinsdorf

Orchester der Metropolitan Oper

Naxos           Cantus

1943

6‘10

 

live, New York – entfernter Klang, Traubels Isolden-Stimme völlig unangestrengt

4

Anny Konetzni

Erich Kleiber

Orchestre de Teatro Colón Buenos Aires

Archipel

1938

6‘45

 

live, Buenos Aires – überzeugende Isolde, klanglich jedoch völlig  inakzeptabel, ständiges Rauschen der Acetat-Platten, immer wieder Störungen

4

Helena Braun

Erich Kleiber

Bayerisches Staatsorchester

Myto

1952

6‘55

 

live, München – H. Braun muss sich hohe Töne erkämpfen, Portamenti bei fallenden großen Intervallen

4

Hildegard Behrens

Leonard Bernstein

Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks

Philips

1982

8‘36

 

offene Stimme mit viel Vibrato, emotionale Anteilnahme, etwas einförmig gestaltet, jedoch herabgesetzte Textverständlichkeit, Orchester deckt die Stimme manchmal zu, schleppendes Tempo!

 

 

3-4

Catarina Ligendza

Carlos Kleiber

Württembergisches Staatsorchester Stuttgart

Living Stage

1973

6‘29

 

live, Stuttgart – Aufnahme mit klangtechnischen Mängeln, keine optimale Textverständlichkeit, moderates Tempo

3-4

Christine Brewer

Donald Runnicles

BBC Symphony Orchestra

Warner

2003

7‘24

 

live, London – üppiges Vibrato, anfangs tritt die Musik auf der Stelle, Fr. Brewer ist bereits auf dem Höhepunkt T. 170-172 ertrunken, sehr langsames Tempo, kaum überzeugend

3-4

Martha Mödl

Herbert von Karajan

Festspielorchester Bayreuth

Walhall   Cantus

1952

6‘43

 

live, Bayreuth – ständiges Vibrato, Stimme nach vorn gezogen, keine optimale Textverständlichkeit

 

 

3

Deborah Voigt

Christian Thielemann

Orchester der Wiener Staatsoper

DGG

2003

7‘34

 

Fr. Voigt muss immer wieder inmitten einer Phrase nachatmen, klingt mehr buchstabiert als gesungen, kleine Stimme, teilweise flatterig, sehr langsames Tempo, kaum überzeugend

3

Margarete Bäumer

Franz Konwitschny

Gewandhausorchester Leipzig

Archipel  Cantus Walhall

1950

5‘57

 

zeitbedingte Portamenti beim Abstieg von einem höheren Ton, Stimme sehr im Vordergrund, wenig angenehmes Timbre, üppiges Vibrato, Orchester weit hinten

3

Erna Schlüter

Wilhelm Furtwängler

Staatskapelle Berlin

WFG   Andromeda

1947

6‘47

 

live, Berlin – üppiges Vibrato, schrilles Singen, hohe Töne gestemmt, teilweise geschrien, von der Rolle hier überfordert

 

 

neu bearbeitet und ergänzt am 21.01.18

 

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