Das Klassik-Prisma

 

 Bernd Stremmel

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Wolfgang Amadeus Mozart

 

  Violinkonzert A-Dur KV 219

 

  Allegro aperto – Adagio – Rondeau: Tempo die Menuetto

 

Die 5 authentischen Violinkonzerte Mozarts entstanden im Jahre 1775 in Salzburg. Vermutlich waren sie für ihn selbst gedacht. Wie wir wissen war der Komponist ein guter Geiger, der das Handwerk bei seinem Vater Leopold gelernt hatte. Nach diesen Violinkonzerten wandte sich Wolfgang Amadé jedoch hauptsächlich dem Klavier zu, damals war es noch das Pianoforte, und schuf 23 Konzerte. Die heute mitgezählten Nr. 1 – 4 waren Bearbeitungen zeitgenössischer Komponisten und in diesem Sinne keine authentischen Werke. Mozart verlor die Geige jedoch nicht aus seinen Augen: Zum Gebrauch in adeligen Kreisen sowie reichen Familien schuf er nach und nach, wie gefordert, Sonaten für Pianoforte und Violino, heute bezeichnet man sie als Violinsonaten, dazu gesellten sich noch zwei Duos für Violine und Viola G-Dur KV 423 und B-Dur KV 424, denen man im Konzertsaal jedoch selten begegnet.

Warum Mozart sich von der Geige abwandte, könnte auch der Tatsache geschuldet sein, dass er inzwischen die neuen „Claviere“ des Instrumentenbauers Johann Andreas Stein kennengelernt hatte und begeistert von der Ausdrucksvielfalt dieser Instrumente war, wie er seinem Vater in Briefen mitteilte. Nach der Komposition des A-Dur-Violinkonzerts Ende des Jahres 1775 dauert es nicht lange, bis Mozart das herausragende Klavierkonzert in Es-Dur KV 271 für die bekannte Pianistin Jeunehomme/Jenamy Noverre schrieb, die es europaweit bekannt machte.

Zurück zum A-Dur-Violinkonzert, es ist im Vergleich das prächtigste und einfallreichste von Mozarts Violinkonzerten. Im ersten Satz stellt das Orchester beide Themen vor, danach darf der Solist/die Solistin die Bühne betreten, jedoch nicht mit dem ersten Thema, sondern mit einer langsamen träumerischen Passage. Erst einige Takte später übernimmt der Solist im vorgesehenen schnellen Tempo (Allegro aperto) die Haupt- Themen und führt sie im Sinne der Sonatenform durch. Diese Kompositionsweise beobachtet man später auch im ersten Satz von Beethovens 4. Klavierkonzert.

Der langsame Satz (Adagio, nicht Andante, in der bei Mozart seltenen Tonart E-Dur) ist geprägt von Seufzerfiguren, schon zu Beginn des Satzes vorgestellt, und erreicht in weitgespannten Zwiegesprächen zwischen Solist und Orchester atmosphärereiche Dimensionen.

Der dritte Satz ist ein Menuett in Rondoform. Sein Mittelteil überrascht mit einer plötzlich eintretenden alla turca-Passage in a-Moll, solche begegnete man damals in Österreich immer wieder. Hier sollen die tiefen Streicher ihren Bogen umdrehen und damit auf die Saiten schlagen, um die damals beliebte Janitscharenmusik hervorzurufen. Mozart entnahm das musikalische Material der Ballettmusik seiner früher komponierten, jedoch nicht fertiggestellten Oper Lucia Silla. Später greift Mozart diese alla turca -Technik erneut auf, und zwar im Finale seiner Klaviersonate A-Dur KV 331.

Mozarts A-Dur-Konzert ist reich mit Kadenzen und Eingängen versehen, in der der Solist / - die Solistin mit ihren technischen sowie musikalischen Möglichkeiten beim Publikum glänzen kann. Die beiden ersten Sätzen zeigen je eine Kadenz. Einige Solisten spielen nach den anfänglichen Adagio-Takten einen zusätzlichen Eingang (T. 45). Das abschließende Menuett-Rondo sieht fünf Eingänge vor, jeweils mit einer Pause plus Fermate gekennzeichnet. Die dritte, so zeigt die Beobachtung, wird meist übergangen, die vierte jedoch als Kadenz ausgeführt. Am meisten wird auf die Kadenzen von Joseph Joachim zurückgegriffen. Einige Solisten glänzen mit eigens verfassten Kadenzen. Das interpretatorische Niveau bewegt sich durchgehend auf hohem bis sehr hohem Niveau.

   

5

Isabell van Keulen, Vl, und Ltg.

 

Concertgebouw Chamber Orchestra

Philips

1989

27‘14

 

I mit Drive, prickelnd, trotzdem locker, II spannungsintensive Beredtheit, farbiges Spiel, III kämpferische alla-turca-Partie

5

Julia Fischer

Yakov Kreizberg

Niederländisches Kammerorchester

Pentatone

2006

29‘35

 

Orchesterklang bestens aufgehellt, Solistin glänzt mit lockerem Spiel, facettenreich, bestes Miteinander, waches Musizieren, II klare Artikulation, spontan wirkende Musizierfreude, III sehr lebendig

5

Itzhak Perlman

James Levine

Wiener Philharmoniker

DGG

1982

29‘14

 

I große Mozart-Nähe, bestes Miteinander, elegant, II ausgeglichenes Geigenspiel, inniges Musizieren, mit der Musik atmen, III Orchester hier etwas zu breit

5

Christian Tetzlaff, Vl, und Ltg.

 

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Virgin

1995

28‘05

 

I locker, schlanke Bogenführung, sehr gutes Miteinander, Eingang T. 45 nach Fermate, II ruhig, erfülltes Musizieren, III entspannt, gute Balance und Transparenz – eigene Kadenzen

5

Vilde Frang

Jonatan Cohen

Arcangelo

Warner

2014

28‘02

 

I sehr bewegt, stürmisch, jedoch mit großer Spannung, delikat, schlanker Geigenton, jedoch auch mit Körper, II viel Atmosphäre, sehr gutes Miteinander, III derbes alla-turca – insgesamt sehr ausgeglichen

 

   

  4-5

Hilary Hahn

Paavo Järvi

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

DGG

2014

28‘57

 

I wie selbstverständlich, jedoch, das Technische rückt vor das Musikalische, II Paavo Järvi agiert sehr sorgfältig, III alla-turca-Abschnitt etwas einförmig

4-5

Gidon Kremer

Nikolaus Harnoncourt

Wiener Philharmoniker

DGG

1987

27‘44

 

I lebendige Darstellung, mehrmals dezente Tempowechsel, teilweise auch etwas gehetzt, schlanker Geigenton, II Musik kann immer atmen, gute Transparenz, III trotz durchgehend straffen Tempos wirkt die Interpretation doch ruhig und gelassen

4-5

Isaac Stern

George Szell

Columbia Symphony Orchestra

CBS         Sony

P 61/63

29‘16

 

I Szell hat das Orchester bestens im Griff, sehr gutes Miteinander, Stern könnte etwas mehr Wärme verströmen, II ausdrucksstark, ohne Bogendruck, III kräftig zupackend, besonders im alla-turca-Abschnitt, spontan wirkende Musizierfreude

4-5

Erica Morini

George Szell

Orchestre National Paris

CBS         Sony

1959

30‘07

 

live, I sauberes Geigenspiel, Szell lässt der Solistin den Vortritt, gutes Miteinander, gute Transparenz, II ruhig, klar, ausdrucksstark, ohne Bogendruck, III T. 328 ff. Orchester etwas rustikal

4-5

Henryk Szeryng

Alexander Gibson

New Philharmonia Orchestra

Philips    Decca

1966

27‘54

 

insgesamt geradliniges Musizieren, auch III, gutes Miteinander, II kantabel, warmherzig

4-5

Arthur Grumiaux

Bernhard Paumgartner

Wiener Symphoniker

Philips

1954

27‘08

 

I Adagio viel Bogendruck, danach frisch voran, Geige immer vorn, beim Orchester enges Klangbild, II empfindsam, gestalterischer Ernst, leises Brummen im Hintergrund (Verkehr?), III pointiert artikuliert, aufgewühlter alla-turca-Abschnitt

4-5

Arthur Grumiaux

Colin Davis

London Symphony Orchestra

Philips

1961

27‘07

 

I Grumiaux hier etwas lockerer, Orchester mit mehr Transparenz, II bewegt, mit Feingefühl, III Eingänge immer kurz

4-5

Pinchas Zukerman, Vl. und Ltg.

 

Saint Paul Chamber Orchestra

CBS          Sony

1982

31‘24

 

I Solo-Einl. zu gezogen; mit wacher Aufmerksamkeit, schlanker und flexibler Geigenton, Vl. und Orchester sehr gut koordiniert, II feinfühliges Musizieren, viel Klang und Atmosphäre, jedoch etwas langsam, III Menuett etwas gestelzt

4-5

Jascha Heifetz

Malcolm Sargent

London Symphony Orchestra

HMV         RCA

1951

26‘30

 

I vehementer Zugriff, nuanciertes Spiel, schlanker Geigenton Solist und Dirigent in bester Partnerschaft, II spannungsvolles Musizieren, III ausgelassen, alla turca etwas gehetzt, T. 278-328 ausgelassen

4-5

Jascha Heifetz, Vl, und Ltg.

 

Kammerorchester Jascha Heifetz

RCA

1963

26‘15

 

I zielstrebig voran, Klangbild etwas weniger präsent als ▲, Aufnahme klingt wie durchgespielt, weniger geformt, erreicht nicht ganz die ältere Aufnahme, T. 278-328 ausgelassen

4-5

Frank Peter Zimmermann

Radoslaw Szulc

Kammerorchester des Bayerischen Rundfunks

hänssler

2015

27‘13

 

I geradliniges Musizieren, etwas herber Geigenton, pointierte Dramatik, Eingang T. 45, II Notentext akribisch ausformuliert, mit langem Atem und Feingefühl, III alla turca-Abschnitt: Lust an instrumentaler Zuspitzung, robust, Temporücknahmen vor den Eingängen – bestes Miteinander

4-5

Jaques Thibaud

Charles Münch

Orchestre Symphonique Paris

French Disque Grammophone

1941

26‘17

 

erfrischende Interpretation, lockeres Geigenspiel, Geige immer vorn, einigermaßen durchsichtiges Klangbild, II inspiriertes Musizieren, kompakter Klang, III sehr bewegt, im Tempo jedoch nicht immer egal, ohne alle Eingänge und Wiederholungen, V4 als Kadenz

4-5

Oskar Shumsky

Yan Pascal Tortelier

Scottish Chamber Orchestra

Nimbus

1983

28‘56

 

I natürlich musikalischer Fluss, schlanker und flexibler Geigenton, elegant, gute Balance, II warmherziger Vortrag, ausgewogen, III zurückhaltendes Tempo, scharfe Klanglichkeit im alla turca-Abschnitt

4-5

Wolfgang Schneiderhan, Vl. und Ltg.

 

Berliner Philharmoniker

DGG

1967

28‘04

 

4-5

Josef Wolfsthal

Frieder Weissmann

Preußische Staatskapelle Berlin

Symposion

~ 1928

26‘32

 

I lebendiges Musizieren, klangvoll, Espressivo nicht vergessen, II nuanciertes Spiel, jedoch etwas herb, III Solist mit etwas Bogendruck, reduziertes Tempo – gutes Miteinander

4-5

Katrin Scholz, Vl. und Ltg.

 

Kammerorchester Berlin

Berlin Classics

1997

31‘03

 

I bewegt pulsierendes Musizieren jenseits von Routine, orchestrale Vehemenz, gute Balance, II mit viel Klangsinn, gutes Miteinander, III insgesamt souverän

4-5

Joshua Bell

Peter Maag

English Chamber Orchestra

Decca

1991

31‘42

 

I schwungvoll, spontanes Musiziergefühl, Eingang T. 45, gute Balance und Transparenz, II Andante, etwas geglättet, Geigenton ein wenig gepresst, III alla turca-Passage mit aufrührerischer Motorik, ausdrucksstark

4-5

Leonidas Kavakos, Vl. und Ltg.

 

Camerata Salzburg

Sony

2006

28‘38

 

I bewegt pulsierendes Musizieren, locker, kurze Kadenz nach dem Adagio T. 45, II empfindsames Musizieren, punktgenaue Ausführung der Phrasierungsbögen sowohl beim Solisten als auch beim Orchester, III nuanciertes Spiel, alla turca-Passage ohne Nachdruck

4-5

Josef Suk

Libor Hlavacek

Prager Kammerorchester

Supraphon   Eurodisc

1972

29‘32

 

I geradliniges Musizieren, Suk mit geschliffenem und elastischem Spiel, sehr gutes Miteinander, II mit viel Klangsinn, etwas langsam, III wünschte man sich etwas lebendiger

4-5

Christian Ferras

André Vandernoot

Conservatoire Orchester Paris

Pathe Marconi      EMI

P 1961

28‘00

 

I schlanker flexibler Geigenton, schlankes Musizieren, erfrischend, gutes Miteinander, Solist führt, ruhig, warmherzig, mit viel Klangsinn, III alla turca-Abschnitte markant akzentuiert

4-5

Shlomo Mintz, Vl. und Ltg.

 

English Chamber Orchestra

Avie

2004

30‘02

 

I selbstverständliche Perfektion, gutes Zusammenspiel unter Führung des Solisten, hoher Bogendruck im Adagio, II punktgenaue Ausführung der Phrasierungsbögen sowohl beim Solisten als auch beim Orchester, das klingt jedoch etwas penetrant, III sehr sauber, jedoch etwas spannungsarm

4-5

Adolf Busch, Vl. und Ltg.

 

Kammerorchester Adolf Busch

Columbia   Sony

1945

26‘31

 

I mit viel Schwung und Drive, Geige vorn, bestes Miteinander, II Buschs Geige etwas spitz, III Musizieren mit Übersicht, Geige immer vorn – etwas enges Klangbild, deutlicher Wechsel der Takes

4-5

Anne-Sophie Mutter, Vl. und Ltg.

 

London Philharmonic Orchestra

DGG

2005

29‘20

 

ASM mit weniger Bogendruck als früher, schnelleres Tempo, jedoch auch weniger Spannung, Orchester klingt farbiger, III alla turca-Passage etwas starr

4-5

Joseph Silverstein, Vl. und Ltg.

 

Rochester Philharmonic Orchestra

ProArte

1986

31‘09

 

I entspanntes Musizieren, gutes Miteinander, Eingang T. 45, II sehr sauber musiziert, Spannung könnte noch höher sein, III vor den Eingängen Tempi zurückgenommen

 

   

4

Vadim Repin

Yehudi Menuhin

Wiener Kammerorchester

Erato

1997

30‘18

 

I Solist führt durchgehend, schwungvolles Musizieren, klingt jedoch auch immer wieder nur betriebsam, das Technische schiebt sich vor das musikalisch Erfüllte, II insgesamt geringe Spannung; III auch hier Orchester nur als Begleiter

4

David Oistrach

Franz Konwitschny

Sächsische Staatskapelle Dresden

Eterna      DGG     Berlin Classics

1954

29‘58

 

I Sologeige immer vorn, leider mit viel Bogendruck, T. 211-213 nicht ganz sauber, man wünschte sich ein bisschen mehr an Charm, II Mozart durch die romantische Brille, kräftig zupackend, hoher Bogendruck sowohl bei Oistrach als auch den Streichern, III gefällt am besten, alla-turca-Partie ziemlich breit

4

David Oistrach, Vl. und Ltg.

 

Berliner Philharmoniker

EMI

1971

30‘32

 

I Geige hier schlanker, Orchester lockerer, II insgesamt geschmeidiger und mehr Eleganz, III etwas gezogen – besseres Klangbild

4

Jan Bresser

Otto Klemperer

Concertgebouw-Orchester Amsterdam

archiphon

1951

26‘54

 

live, I sehr bewegt, lebendiges und lockeres Muszieren, II geradlinig, jedoch mit Spannung, III insgesamt etwas unruhig

4

Wolfgang Schneiderhan

Hans Schmidt-Isserstedt

Sinfonie-Orchester des NDR Hamburg

DGG

1960

27‘30

 

4

Wolfgang Schneiderhan, Vl. und Ltg.

 

Wiener Philharmoniker

Amadeo

1973

27‘56

 

live, ▼

4

Wolfgang Schneiderhan

Ferdinand Leitner

Wiener Symphoniker

DGG

1952

27‘46

 

4

Georg Kulenkampff

Artur Rother

Orchester der Deutschen Oper Berlin

Telefunken       Dutton

1939

29‘03

 

I sorgfältiges Musizieren, Holz sehr zurück, Solist mit Bogendruck, II leichtes Vibrato, Musik hätte etwas mehr Spannung verdient, III gemütliches Tempo, fast schon gezogen, herabgesetzte Spannung

4

Anne-Sophie Mutter

Herbert von Karajan

Berliner Philharmoniker

DGG

1978

30‘57

 

ASM mit viel Druck, sorgfältig, espressiv, Orchester großformatig, klingt romantisch, III warum nicht etwas lockerer

4

Ida Haendel

Ferruccio Scaglia

RAI Orchestra Roma

Tahra

1958

30‘47

 

live, I Solo-Vl. führt, Balance zwischen Holz und Streichern kaum top, Hörner zu sehr im Hintergrund, bewegt, jedoch nicht auftrumpfend, II ausgewogen, Hörner auch hier im Hintergrund, III letzter Satz etwas burschikos

4

Lilia d’Albore

Sergiu Celibidache

Berliner Philharmoniker

audite

1950

28‘56

 

live, schlanker Geigenton, Intonation leider nicht immer top, gutes Miteinander, Solo-Vl. in der Regel vorn, jedoch gutes Miteinander, gestalterischer Ernst, III schnörkellose Klarheit, Aufnahme klingt jedoch wie nur durchgezogen – im Hintergrund leise Motorengeräusche

4

Boris Belkin, Vl. und Ltg.

 

Salzburger Kammersolisten

Denon

1994

29‘30

 

I spielfreudig, auch mit einer gewissen Sinnlichkeit, II gestalterischer Ernst, kantabel, an wünschte sich etwas mehr an dynamischer Differenzierung, III alla-turca-Partie setzt sich wenig von den Menuett-Abschnitten ab – leise Störgeräusche (Verkehr) im Hintergrund

 

   

3-4

Augustin Dumay, Vl. und Ltg.

 

Camerata Academica Salzburg

DGG

1996

28‘12

 

I vehementer Zugriff, jedoch etwas überakzentuiert, kräftige Akkorde, starke dynamische Gegensätze, schlanker Violinton, stellenweise geschärft, kurze Kadenz nach dem Adagio T. 45, II plötzlicher Wechsel der Dynamik, klingt etwas grob, III kräftiges alla turca, Solist teilweise etwas flüchtig

3-4

Yehudi Menuhin, Vl. und Ltg.

 

Bath Festival Chamber Orchestra

EMI

P 1962

29‘27

 

I wie nur durchgespielt, Solist mit wenigen Nuancen, II eingeebnete Dynamik, prägnant, jedoch etwas äußerlich, III Orchester etwas rau – etwas spröde

3-4

György Pauk

Jörg Faerber

Württembergisches Kammerorchester

TIM      Turnabout

P 1969

29‘47

 

Solo-Vl. immer vorn, deutlicher Bogendruck, heller Klang, deutliche Artikulation, jedoch geringe dynamische Differenzierung – insgesamt: wie nur durchgespielt, Orchester etwas kompakt

3-4

Jan Talich, Vl. und Ltg.

 

Talich Kammerorchester

Calliope

P 2006

25‘30

 

Talichs Geigenton teilweise etwas spitz, Orchester folgt Solisten, klingt jedoch etwas mechanisch, II Solist mit Vibrato, Orchesterklang wünschte man sich etwas mehr aufgehellt, III Orchester hier etwas zu breit

3-4

Bronislaw Gimpel

Otto Klemperer

Philharmonia Orchestra London

Ica classics

1956

29‘01

 

live, I spontan wirkende Spielfreude, Klemperer lässt Orchester an f-Stellen auftrumpfen, deutliche Unterschiede zwischen f- und p-Partien, Intonation beim Solisten nicht immer nach Partitur, II Tempo etwas gezogen, III Artikulation nicht immer nach Partitur, alla turca-Partie kräftig auftrumpfend

3-4

Christian Ferras

Carl Schuricht

Orchestre National de France

Tahra

1955

29‘03

 

live, I kraftvoll nach vorn, auftrumpfend, jedoch ohne Feinschliff, zu breit, II Solist mit (viel) Bogendruck, III Interpreten hatten sicher nicht eine Schallplatten-reife Aufführung im Sinn, alla turca-Partie recht grob – unruhiges Publikum

3-4

Annie Jodry

Pierre Monteux

Orchestre National Paris

M&A

1955

29‘57

 

live, I Solistin führt, akustisch nach vorn gezogen, Orchester folgt, II an einigen Stellen Intonationsprobleme (in allen Sätzen), III etwas langatmig, ohne Charme – Störungen im Klangbild

 

   

3

Jaques Thibaud

Georg Ludwig Jochum

Kammerorchester des NWDR Hamburg

Tahra

1950

24‘02

 

live, Solist führt, Intonation nicht immer top, I stellenweise etwas hemdsärmelig, sehr schnelles Tempo, II Dynamik nicht überzeugend, Störungen in der Aufnahmetechnik: Übersteuerung an lauten Stellen sowie bei tiefen Bässen, III kaum ausgeglichen, geschmeidig?

3

Henning Kraggerud, Vl. und Ltg.

 

Norwegisches Kammerorchester

Naxos

20‘15

25‘23

 

I sehr bewegt, fast schon gehetzt, Virtuosität steht vor Mozarts Komposition, II Andante, III jetzt wieder bewegter – hundertprozentiges Miteinander, eigene Kadenzen

 

Interpretationen nach historischer Aufführungspraxis, teilweise auch mit Original-Instrumenten:

   

5

Andrew Manze, Vl. und Ltg.

 

The English Concert

HMF

2005

28‘42

I spontan wirkende Musizierfreude, duftig, schlanker Geigenton, selbstverständliche Perfektion, II Musik in ständigem Fluss, III abwechslungsreich, alla turca schneller, kräftiger Zugriff

1.      

 

4-5

Gottfried von der Goltz

Kristian Bezuidenhout

Freiburger Barockorchester

aparte

2021

26‘12

 

I lebendiges Musizieren, herausgestellte Bläser, Solist mit einigen Verzierungen, sehr helles Klangbild, Eingang T. 45, II Andante, Bezuidenhout greift unterstützend ein, fördert Vehemenz und bringt Farbe ins Spiel, drängt sich jedoch nicht vor, III kräftige Akzente, alla turca als große Performance bei schnellem Tempo

4-5

Giuliano Carmignola

Claudio Abbado

Orchestra Mozart

DGA

2007

24‘08

 

L lebendiges Musizieren, sehr bewegt, Solo-Vl. führt, Artikulation 1. Vl. (Tutti) an einigen Stellen nicht top, II Andante, bewegtes Tempo, insgesamt transparenter Klang, Holz T. 14 und T. 16 letzter Ton verschluckt, III bewegtes Tempo, Solo-Vl. oft zu filigran

4-5

Gordon Nicolić, Vl. und Ltg.

 

Niederländisches Kammerorchester

Tacet

2017

30‘13

 

I kraftvoll vorwärtstreibend, keine Blicke zur Seite, pulsierend, schlanker Geigenton, II vielschichtiges und farbenreiches Musizieren, III alla turca kräftig, auftrumpfend – gutes Miteinander, präsente Bläser

4-5

Christoph Koncz, Vl. und Ltg.

 

Les Musiciens du Louvre

Sony

2019

28‘58

 

I schlanker Geigenton, wie poliert, Geige führt, jedoch gutes Miteinander, Eingang T. 45, II etwas distanziert, ausgewogen – Koncz spielt Mozarts Original-Geige

4-5

Isabelle Faust

Giovanni Antonini

Il Giardino Armonico

HMF

2015

26‘13

 

I Allegro assai, Adagio, Balance nicht wie gewünscht, Orchester zu laut, auch im späteren Verlauf, f fast immer ff, II Andante, keine richtige Ruhe, III insgesamt zu schnell, alla turca-Passage derb und scharf

 

 

   

 

 

  4

Roberto Gonzales-Monjas, Vl. und Ltg.

 

Mozarteum Orchester Salzburg  

Berlin Classics

2025

26‘42

 

I Vorschläge immer lang, nicht als Sechzehntel, sprechende Artikulation, Solist führt, Orchester nur Begleiter, einige Verzierungen, Aufführung wie nur durchgespielt, Eingang T. 45, II Andante, heller und schlanker Geigenton, Musik eher auf das Handwerkliche reduziert, sachlich, III Musik zieht sich hin, etwas träge, Musik gespielt, jedoch nicht entdeckt

4

Thomas Zehetmair, Vl. und Ltg.

 

Orchester des 18. Jahrhunderts

Glossa

2000

25‘50

 

I stürmisch, drängend, artistisch, temperamentvoll, schlanker, flexibler Geigenton, Orchesterklang mit wenig Dichte, II Solist zieht sich immer mal wieder zurück, Spannung bricht hier und da ein, so, als müsse der Solist Zeit zum Atmen haben, III kräftige Akzente, alla turca-Passage im schnellen Tempo, exaltiertes Spiel mit viel Druck

   

Hinweise zu Interpreten und Interpretationen 

 

Wolfgang Schneiderhan

 

Vom österreichischen Geiger liegen mir vier Aufnahmen vor. Interpretatorisch liegen sie nicht weit auseinander, solide, ausgeglichen, vielleicht hier und da mit zu viel Bogendruck. Bei den Dirigenten Leitner und Schmidt-Isserstedt ziehe ich letzteren vor, da die Zusammenarbeit mit Schneiderhan mehr Klang und Körper vermittelt. Dabei sollte man die Zeit der Aufnahme (1952 bzw. 1960) allerdings nicht vergessen. Bei den zwei anderen Interpretationen übernimmt der Geiger auch die Leitung des Orchesters. Am besten gelingt ihm dies in der Studio-Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern, mit denen Schneiderhan nach dem Weltkrieg immer wieder zusammengearbeitet hat, sowohl im Studio als auch im Konzertsaal. Die letzte Aufnahme ist ein Mitschnitt der Salzburger Festspiele 1973 aus dem Mozarteum, wo Schneiderhan auch als Dirigent der Wiener Philharmoniker zu erleben ist, wie sie ihren ehemaligen Konzertmeister mit Hingabe unterstützen.

In der ältesten Aufnahme greift Schneiderhan, wie die meisten anderen Kolleginnen und Kollegen auch, zu den Kadenzen von Joseph Joachim. Später kommen seine eigenen Kadenzen zum Einsatz.

 

eingestellt am 24. 06 26

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